Samstag, 24. Mai 2008

CARL HUTERs MENSCHENBEGLÜCKUNG

DER WAHRE GRUND FÜR DEN HOHEN ÖLPREIS
F. William Engdahl
Wie in dem Artikel "Etwa 60 Prozent des heutigen Ölpreises sind reine Spekulation" beschrieben, sind nach konservativen Schätzungen beinahe zwei Drittel des heutigen Ölpreises von 128 $ (Anmerkung: inzwischen über 135 $) pro Barrel Rohöl auf nicht regulierte spekulative Termingeschäfte durch Hedge-Fonds, Banken und Finanzgruppen zurückzuführen, die dazu entweder die Warenterminbörsen in London (ICE) und New York (NYMEX) benutzen, oder zur Vermeidung genauer Prüfungen unkontrollierte Direktgeschäfte tätigen.

Nach den Richtlinien der US-Aufsichtbehörde für den Warenterminhandel (Commodity Futures Trading Commision, CETC) dürfen Spekulanten an der NYMEX einen Rohöl-Terminkontrakt kaufen und brauchen dafür nur 6 Prozent des Vertragswertes zu bezahlen. Bei dem heutigen Ölpreis von 128 $ bedeutet das, dass der Futures-Händler nur etwas 8 $ pro Barrel vorschiessen muss. Die anderen 120 $ leiht er sich. Diese extreme "Hebelwirkung" von 16 zu 1 treibt die Preise auf ein völlig unrealistisches Niveau.

Die Ölhändler und Spekulanten an der Wall Street lieben diese Grafik, um zu beweisen, die Weltölproduktion habe den "Gipfel" erreicht.
Der Schwindel vom Ölfördergipfel (Peak Oil) - nämlich das Argument, es gäbe kein neues Öl mehr auf der Welt - hat es möglich gemacht, dass sich dieser kostspielige Schwindel seit der Irakinvasion im Jahr 2003 mit der Hilfe von wichtigen Banken, Ölhändlern und großen Ölmultis halten konnte. Wie üblich versucht Washington, die Schuld den arabischen OPEC-Produzenten in die Schuhe zu schieben. Das Problem ist aber nicht eine mangelnde Versorgung mit Rohöl. Im Gegenteil: es gibt momentan weltweit eine Überversorgung. Trotzdem steigen die Preise unverdrossen weiter. Warum? Die Antwort liegt in der bewussten Politik der US-Regierung, die hemmungslose Preismanipulationen zulässt.

STAGNIERENDE NACHFRAGE NACH ÖL, BOOMENDE PREISE ...
Der Chef-Marktstratege einer der führenden Geschäftsbanken für Öl, David Kelly von J.P. Morgan Funds, erklärte kürzlich gegenüber der Washington Post: "Meiner Meinung nach ist es sehr wichtig zu erkennen, dass der weltweite Ölverbrauch gar nicht so stark zunimmt."
Eines der Märchen, die das Treiben der Spekulanten mit Öltermingeschäften unterstützt, ist die von dem angeblich außer Kontrolle geratenen Wunsch Chinas nach Ölimporten, die im Gleichgewicht von Angebot und Nachfrage zur Verknappung führt. Doch die Fakten bestätigen diese "China-These" nicht.

GROSSE NEUE ÖLFELDER KOMMEN HINZU
Es gibt aber nicht nur keine Angebotskrise, die derart spekulativ hochgetriebene Preise rechtfertigen würde, denn noch in diesem Jahr 2008 werden mehrere riesige neue Ölfelder die Produktion aufnehmen und das Angebot noch verstärken.

Der Welt droht eine baldige Überversorgung, denn neue Ölfelder werden entwickelt, während der Bedarf in den USA zurückgeht. Trotzdem steigen die Preise.

WARUM STEIGEN DANN DIE PREISE IMMER NOCH?
Es gibt immer mehr Hinweise dafür, dass die jüngste Öl-Spekulationsblase, die seit Januar asymptotisch verläuft, vor dem Platzen steht.
Ende April hielt Amerikas Verband der Ölgeologen (American Association of Petroleum Geologists) in der texanischen Stadt Dallas seine Jahresversammlung ab, an der alle führenden Vertreter der Ölindustrie und führende Geologen teilnahmen. Nach Aussagen eines Teilnehmers waren sich die sachkundigen Direktoren der Ölindustrie darin einig, dass "die Ölpreise wahrscheinlich bald dramatisch sinken werden und ein langfristiger Preisanstieg beim Erdgas zu verzeichnen sein wird".
Nur wenige Tage zuvor hatte die Wall-Street-Investmentbank Lehman Brothers erklärt, die gegenwärtige Ölpreisblase neige sich dem Ende zu. Der britische Daily Telegraph zitierte am 24. April den führenden Ölstrategen der Bank, Michael Waldron, mit den Worten: "Das Angebot an Öl übersteigt die Zunahme des Wachstums. Seit Anfang dieses Jahres sammeln sich Vorräte an."
In den USA stiegen nach Angaben des Inventarberichts der EIA vom 7. Mai die Vorräte im April um fast 12 Millionen Barrel, ein Anstieg um fast 33 Millionen Barrel seit Januar. Gleichzeitig ging aus dem US-Benzinbericht von MasterCard vom 7. Mai hervor, dass die Nachfrage nach Benzin um 5,8 Prozent gesunken ist. Schon jetzt senken die Raffinerien ihre Produktion dramatisch, um sich der sinkenden Nachfrage anzupassen. Sie arbeiten jetzt mit einer Kapazitätsauslastung von nur 85 Prozent, im Vergleich zu 89 Prozent vor einem Jahr, und das in einer Saison, wo die Auslastung normalerweise bei 95 Prozent liegt. Die Raffinerien versuchen offenkundig, die Benzinlager zu verkleinern, um die Benzinpreise in die Höhe zu treiben. Das nennt man dann wirtschaftliche Rezession.
SOURCE: KOPP VERLAG.