Dienstag, 27. Oktober 2015

AKIF PIRINCCI - DER KITZEL DES GUTEN GEWISSENS. ÜBER DEN OPPORTUNISMUS DER HETZMEUTE. (HELIODA1)

22. Oktober 2015 

Akif PirinçciDer Kitzel des guten Gewissens

Über den Opportunismus der Hetzmeute

Quelle: http://ef-magazin.de/2015/10/22/7798-akif-pirinci-der-kitzel-des-guten-gewissens

Artikelbild
Bildquelle: david muscroft / Shutterstock.comGnadenlos: Meute auf der Jagd



Zu meinen zugegeben wenigen, von mir seit vielen Jahren da und dort verbreiteten Überzeugungen gehört, dass die Nazi-Mentalität – das, was Adorno, der freilich selber einiges davon zumindest in seinen Duktus geschleppt hat, den „autoritären Charakter“ nannte – in diesem Land keineswegs ausgestorben ist, sondern bloß die Seiten gewechselt hat. 

Wer dem sozialen Vernichtungsfeldzug gegen den Knalldeppen Akif Pirinçci hospitiert, wird schwerlich zu einer anderen Einsicht gelangen

Ist es nicht zutiefst widerlich, wer jetzt alles beflissen herbeieilt, um noch sein persönliches Holzstück für den Scheiterhaufen beizusteuern? 

Haben diese Leute wirklich keine Ehre im Leib? 

Random House stellt den Vertrieb seiner Bücher ein, sämtlicher Bücher, auch der Katzenkrimis – Pirinçci zufolge haben andere Autoren Druck auf den Verlag ausgeübt –; 

sein Webmaster distanziert sich öffentlich von ihm und sperrt die Webseite; auf Amazon erscheinen in den beiden Tagen seit Pirinçcis Dresdner Auftritt scharenweise „Rezensionen“ seiner Bücher, deren Verfasser ersichtlich kein Wort darin gelesen haben – 

speziell bei „Attacke auf den Mainstream“ wäre ihnen sonst aufgefallen, dass dieses Opus zu 90 Prozent gar nicht von Pirinçci stammt –, 

aber deren sofortige Entfernung aus dem Amazon-Sortiment, mitunter auch gleich deren Verbrennung fordern; 


der unvermeidliche Opportunist Volker Beck 

erstattet seine unvermeidliche opportunistische Anzeige (ich freue mich, Gevatter, auf den Tag, der von Ihnen erstmals im Leben Courage fordert, er wird, des‘ bin ich mir sicher, kommen); 

dazu die zahllosen Zeitungs-, Facebook-, Twitter- und anderen Netzkommentare, deren Verzapfer das KZ-Zitat in der Regel nicht einmal kennen, um es desto getroster falsch zu verstehen und desto behaglicher auf Konsequenzen zu drängen. 

Dass diese Hetzmeute sich so kannibalisch wohl als wie fünfhundert Säue fühlt, hat mit dem Kitzel des guten Gewissens zu tun, das sie auf ihrem virtuellen Fackelzug leitet und schützt, 

und das unterscheidet sie ja gerade nicht von den historischen Nazis. 

Jede Exkommunikation weckt Sympathien für den armen Teufel, der in die Wüste getrieben wird. 

Das Schauspiel der Pirinçci-Verfolgung ist ekelhafter, als es die ekelhaftesten Pirinçci-Zitate je sein könnten. 

Sieg heil, liebe Brüder und Schwestern, lasst nicht nach im Verfolgen, ein KZ für Pirinçci ist ja leider nicht mehr in Betrieb.

Dieser Artikel erschien zuerst auf Acta diurna.




Kommentare

Ernst-August Feldmannam 22. Oktober 2015 um 19:29 ( Link )

Liebe "eigentümlich frei"-Redaktion.
Das muß ich jetzt einmal sagen.
Die Photos, die die Artikel begleiten, sind wirklich hervorragend.
Teilweise beeindruckend.
Und die Artikel sind es ebenfalls.
Gute Arbeit - weitermachen :)

Olaf Reuthebucham 22. Oktober 2015 um 19:34 ( Link )

diesen vergleich haben die hunde auf dem bild aber nicht verdient ;-)

Ernst-August Feldmannam 22. Oktober 2015 um 19:35 ( Link )

Gott vergelt´s, guter Mann.
Für diesen hervorragenden Artikel.

Benjamin Petersam 22. Oktober 2015 um 21:14 ( Link )

Welchen Katzenkrimi sollte man denn noch schnell kaufen, bevor er aus dem Sortiment kommt?

Frank Hauboldam 23. Oktober 2015 um 7:38 ( Link )

Antwort auf Olaf Reuthebuch:
Das wollte ich auch gerade schreiben. Hunde sind harmlose Geschöpfe, denen Niedertracht fernliegt. Diejenigen Herrschaften bei Heyne, Goldmann & Co., die jetzt demonstrativ Pirinccis harmlose Katzenkrimis vom Markt nehmen und sie am liebsten öffentlich verbrennen würden, um ihre vermeintliche Anständigkeit zu demonstriere, sind dagegen die Wiedergänger der willigen Handlager der totalitären Diktaturen des 20. Jahrhunderts. Selten war ich so angewidert wie von dieser Aktion, die zudem Pirinccis Thesen bestätigt. Inzwischen bin ich auch der Auffassung, dass der hirngewaschene Pöbel nichts dagegen einzuwenden hätte, wenn reale oder vermeintliche "Rechte" ohne weiteren Anlass in Haft genommen würden und ohne Urteil in Besserungslager gesteckt. Das ist das Schlimmste, was man über eine Gesellschaft sagen/schreiben kann.

Antonius Kellneram 24. Oktober 2015 um 17:09 ( Link )

Bei Manuscriptum kann man die Bücher noch kaufen. Habe ich gerade gemacht. Klonovskis Buch auch. (Die anderen habe ich schon)

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