Dienstag, 30. Juni 2015

DIE NOTENBANKEN HABEN DAS RUDER VERLOREN. (HELIODA1)

Gleitflug ohne Benzin: 

Die Notenbanken haben das Ruder verloren

Markus Gärtner



Griechenland ist nicht die größte Gefahr für die schwer angeknacksten Finanzmärkte. 

Das schlimmste Problem ist: Die großen Notenbanken in Frankfurt, Tokyo und Washington halten das Zepter nicht mehr in der Hand. 

Die politische Kaste weiß aber auch nicht weiter. 

Die Weltwirtschaft gleicht daher einem Passagierflugzeug, dessen Piloten bewusstlos im Cockpit liegen. Wir fliegen mit Autopilot. 

Aber die Tanks sind leer.

 

Chinas Notenbank hat in den vergangenen Tagen sämtliche Tricks eingesetzt, die sie zur Verfügung hat, um den schlimmen Einbruch der Aktienkurse zu bremsen. 

Vergeblich. 


Das chinesische Gegenstück zur Nasdaq, dieChiNext, verlor am Dienstag schon wieder sechs Prozent und ist in drei Handelstagen 25 Prozent kollabiert.

Nichts hat dagegen geholfen. Weder die erneute Senkung des Leitzinses auf ein neues Tief, noch die Senkung der Einlagenzinsen, noch die Lockerung der Kapitalvorschriften für die Staatsbanken.

 

Auch ein kompletter Stopp für Börsengänge, der das Angebot an Aktien verknappen und den Kursverfall bremsen sollte, half nichts.

 

»Peking stellt plötzlich fest, dass es die üblichen Fäden nicht mehr mit denselben Resultaten ziehen kann«, schreibt ein geschockter Bloomberg-Kolumnist. 

Doch wenn sich herumspricht, dass Peking seine eigenen Börsen nicht mehr im Griff hat, dann wäre Griechenland plötzlich das kleinste Problem.

 

China als größte Handelsnation könnte Japan in eine Rezession reißen, Schockwellen durch ganz Asien senden und die Rohstoffmärkte trotz der schon jetzt stark reduzierten Preise in eine neue Abwärtsspirale zwingen. 

Rohstoff-Länder von Russland über Kanada bis nach Australien würden eine Implosion ihrer Export-Einnahmen erleben. 

Die Weltwirtschaft würde noch stärker abbremsen.

 

Auch in der Eurozone gibt die Notenbank das Ruder aus der Hand. 

Die Weigerung der EZB am Sonntag, das griechische Bankensystem mit zusätzlichen Ela-Notkrediten zu stützen, erzwang die Schließung der griechischen Banken.

 

Das erlaubt den Banken in dem Land nur eine ganz kurze Verschnaufpause. 

Danach wird das Bankensystem kollabieren. Das wird die Regierung Tsipras zwingen, die Eurozone zu verlassen und die Geldinstitute mit Drachmen zu versorgen. 

Es sei denn, es gibt doch noch eine Einigung mit den Gläubigern.

 


Im Klartext: 

Die EZB bestimmt jetzt nicht mehr, wie es weitergeht. 

Auch ihr massives Anleihe-Kaufprogramm, das zu Jahresbeginn angekündigt wurde und im März begann, zeigt bislang kaum Wirkung.

 

Wie in Japan bringt das die politische Kaste stärker ins Spiel. 

Doch wie in Japan haben auch die europäischen Politiker kein Konzept, wie es weitergehen soll. 

Das ist, um bei dem Vergleich mit dem Passagier-Jet zu bleiben, ein Gleitflug mit ausgefallenen Triebwerken.

 

In Japan steht die Notenbank vor folgendem Problem: 

Die Regierung von Shinzo Abe hat im jüngsten Haushalt, der am Montag präsentiert wurde, keine Ausgaben-Limits mehr vorgesehen. 

Die weiter nachlassende Budget-Disziplin kann zu einem Anstieg der Zinsen führen.

 

Doch die Bank of Japan kann nicht noch mehr Anleihen kaufen, um die Zinsen am Boden zu halten. 

Denn sie nimmt der Regierung bereits alle neu ausgegebenen Schuldpapiere ab. Auch in Tokyo halten also die Notenbanker nicht mehr das Ruder in der Hand, während gleichzeitig die Politik hilflos, getrieben und unfähig zu wichtigen Entscheidungen wirkt.

 


Und die USA

Dort hat der Dow Jones Index am Montag mit einem Minus von 350 Punkten den schlimmsten Tag in diesem Jahr erlebt.


Die Wall Street in New York kann sich dem Drama im Rest der Welt nicht so entziehen, wie sie dachte.

 

Das gilt vor allem für die US-Notenbank, die Fed

Sie hält offiziell immer noch an der Zinswende nach oben irgendwann in den kommenden Monaten fest. 

Doch mit dem Gewitter, das über den Kapitalmärkten aufzieht – und mit der enttäuschenden Konjunktur in den USA – wird der Fed keine andere Wahl bleiben: Sie muss die Zinserhöhung vertagen. ‒ 

Damit kommt auch der US-Notenbank der Taktstock abhanden.

 

Es waren aber die großen Notenbanken, die in den vergangenen Jahren an den heroinsüchtigen Finanzmärkten die Illusion aufrechterhielten, dass sie jedes Problem lösen und jede Kurskorrektur bändigen können.

 

Diese Illusion löst sich jetzt auch für die letzten Ignoranten in Luft auf. 

Ein Retter steht aber nicht bereit. Die politische Kaste hat gemacht, was Kritiker immer befürchtet haben: 

Sie nutzte das billige Geld für immer neue Kredite. 

Jetzt gibt es nirgends mehr Spielräume, um über die Ausgaben die Konjunktur zu stabilisieren.

 

Unser Passagier-Jet ohne Piloten, der vorübergehend vom Autopiloten geflogen wurde, hat jetzt auch keinen Treibstoff mehr.

 

 

 



Leser-Kommentare (32) zu diesem Artikel

30.06.2015 | 17:12

E.Müller

Das System wird über kurz oder lang den Reset-Knopf drücken müssen. Nicht unbedingt die schlechteste Variante. 

Unser Wirtschaften muß sowieso umgestellt werden auf das Sytem: "Wohlstand ohne Wachstum" . 

Nur nachhaltiges Wirtschaften kann die Umweltprobleme lösen. 

Da stören die jetzigen Finanzprobleme in jeder Hinsicht. Maßgebliche Politiker müßten die Weitsicht aufbringen und diese Umsteuerung vornehmen.


30.06.2015 | 17:09

Matthias

Das Chaos muss doch kommen, um die Menschen weich zu kochen und dann für die NWO reif zu machen. 

Herr Gärtner, ein bisschen mehr hätte ich schon erwartet. 

Sie beschreiben lediglich was jeder schon weiß. 

Und jetzt wo es so weit ist, dass sich die sogenannten ´Verschwörungstheorien´ erfüllen bekommt man kalte Füße. Also: Chaos wird kommen, das System soll ja auch zusammenbrechen und daraus wird dann eine neue Eine-Welt-Herrschaft entstehen. Und die Menschen werden es sogar noch wollen. Das ist Politik auf höchstem Niveau bzw. einfach nur mal Rothschild, Rockfeller, usw. - Zitate lesen.

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30.06.2015 | 17:01

TK

Ein Gleitflug ohne Benzin und bewusstlosen Piloten in einer unplanmäßigen Notlandung mit dem Autopiloten oder Absturz. Ich glaube, dass eine lange Zeit der Stagnation/Rezession bevorsteht, in Deutschland personfiziert durch die Kanzlerin, die glaubt dem griechischen Regierungschef mit bösem Gesicht und schlechter Laune aufdrängen zu können. Griechenland ist der berühmte Schmetterlingsschlag, der mit seiner Weigerung, gewollt oder ungewollt massive Verschiebungen und Katastrophen nicht nur in Europa, sondern weltweilt auslösen kann. 

Deshalb begrüße ich die flexible, den Verhandlungspartner umgarnende Hand von Juncker, der angenehm im Umgang, aber unnachgiebig in der Sache Euro verhandelt. Merkle und Schäuble haben in diesem Spiel die andere Rolle, die Bösen zu sein, übernommen - nur getoppt vom Bayerischen Finanzminister Söder, wen wunderts. 

Das weltweite Schuldenproblem, so gut wie alle haben bisher mitgemacht, ist wahrscheinlich mit einer weltweiten Schuldenkonferenz mit Vergleich der Schuldner im Verhältnis 1:3 bis 1:100 oder zwangweisen Rückstellung des Gesamtsystems auf seinen Ursprungszustand, ein Reset: 

Alle beginnen bei null.

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30.06.2015 | 17:01

E.Müller

Das System wird über kurz oder lang den Reset-Knopf drücken müssen. 

Nicht unbedingt die schlechteste Variante. Unser Wirtschaften muß sowieso umgestellt werden auf das Sytem: 

"Wohlstand ohne Wachstum" . Nur nachhaltiges Wirtschaften kann die Umweltprobleme lösen. Da stören die jetzigen Finanzprobleme in jeder Hinsicht. 

Maßgebliche Politiker müßten die Weitsicht aufbringen und diese Umsteuerung vornehmen.


30.06.2015 | 16:58

Theo

Na zu dir kann man nichts sagen, weil es einfach nichts zu sagen gibt. 

Ich bin gern bereit Argumente mit jemanden auszutauschen oder ihm zuzustimmen, wenn der andere irgendetwas von Wert sagt. Oder es zumindest so sagt das man annehmen kann das er weis wovon er redet. 

Wenn aber jemand permanent rumschreit, und das Geschrieene ist ständig wiederholte, bunte Knete.. was soll ich dazu sagen außer das die Zeit zu schade ist das Geschwurbel zu lesen. Over and out. ;-)


30.06.2015 | 16:31

@Theo

Typischer BRDler!! Millionenfach vertreten. Nix zu sagen, aber meckern und von "seriös" labern!! Geh doch zur Zeit, Taz, Spiegel usw.! Da hast du ganz sicher deine "Seriousität"!!




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