Freitag, 7. November 2014

PÄDOPHILE IMPULSE NACHHALTIG STOPPEN. (HELIODA1)

Pädophile Impulse nachhaltig stoppen


Offener Brief an:
Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig
Bundesjustizminister Heiko Maas


Sehr geehrte Frau Schwesig,
Sehr geehrter Herr Maas,

das Pädophilie-Präventionsprojekt “Kein Täter werden” ‘sei
“sinnvoll und erfolgreich" und Sie wollen sich dafür einsetzen, dass das
Projekt dauerhaft auf eine finanzielle Grundlage gestellt wird, dies
erfuhren wir durch die Medien.

Die UnterzeichnerInnen dieses Briefes haben fachlich begründete Zweifel,
dass sich das Konzept der Charité als eine dauerhaft ausreichend wirksame
Strategie zur Tätervermeidung erweisen wird.


Wir bitten Sie freundlicherweise, Ihre Entscheidung nochmals zu überdenken
und stehen Ihnen dabei gerne für einen offenen Dialog mit weiteren
Anregungen zur Verfügung. Dazu beispielhaft das Folgende:

Der bisherige Ansatz der Charité bietet Tätern bei allen damit
verbundenen hilfreichen Methoden leider in der Regel noch keine
Möglichkeit für nachhaltige therapeutische Veränderungsansätze. 

Er dient aus der Sicht der UnterzeichnerInnen als Hilfsangebot lediglich für
die, die nichts grundlegend verändern wollen, aber sich eventuell besser
kontrollieren können wollen. 

Auch dies dient selbstverständlich – so es erfolgreich ist – nicht nur dem Täter zur Verhinderung eigener Straftaten und strafrechtlicher Konsequenzen, sondern indirekt auch dem
Opferschutz.

Dass diese pädophilen ‘Neigungen‘ plötzlich in der Pubertät einfach
so auftauchen, so wie die Charité das darstellt, ist aus der Sicht der
UnterzeichnerInnen eine nu Aufgrund der Erkenntnisse aus der Hirnforschung
ist bekannt, dass die individuelle Persönlichkeits- Entwicklung
maßgeblich von der Art der frühen Erfahrungen geprägt wird.
(u. a.
Gerald Hüther) 

Daher benötigt es unserer Ansicht nach einen zusätzlichen
therapeutischen Ansatz, der auf diesem Wissen basiert.


Wir sind der Meinung, dass die erscheinenden sexuellen Präferenzen in den
meisten Fällen wahrscheinlich eine in sich schlüssige und in wiederum
vielen Fällen eine  traumatisierende Vorgeschichte inklusive dissoziativer
Reaktionen haben können, die mit ausschließlich verhaltenstherapeutischen
Arbeitsmodellen nur unzureichend bearbeitet und in Fällen einer
Traumatisierung kaum bis gar nicht aufgelöst werden können.

Diese Fälle benötigen neben einer umfassenden Anamnese einschließlich
Trauma-Anamnese höchstwahrscheinlich eine daran angepasste
Psycho-Traumatherapie zur Bearbeitung traumabedingter innerer
Dissoziations-Spaltungs-prozesse. 

Aus unserer Sicht und nach unsererErfahrung sind gerade beim Vorliegen dissoziativer Reaktionen eher Chancen gegeben, über die Auflösung von Dissoziationen eine selbst bestimmte und
gezielte Kontrolle über das eigene Verhalten zu erarbeiten und über die
Verarbeitung eigener traumatischer Erfahrungen das dadurch entstandene
schädigende Verhalten anderen Menschen gegenüber, hier Kindern,
abzulegen. Man denke an manche Worte von Tätern, die überzeugt bis zum
Ende von Gerichtsverfahren sagen: „Ich war das nicht!“ 

Bei einer vorliegenden Amnesie bei dissoziativen Störungen entspricht dies dann
sogar der subjektiven Realität des Täters, denn er hat die Tat dann
vermutlich in einem dissoziativen Zustand ausgeübt und sie nicht bewusst
als eigene Handlung erlebt.

Auf dieser theoretischen Basis wäre , sofern eine Motivation für eine
Traumabearbeitung vorhanden ist. (siehe auch Alison Miller: `Jenseits des
Vorstellbaren`).

Immer wieder sprechen uns ‘Pädophile‘ an und bitten uns vertrauensvoll
um Hilfe. Sie wollen sich nicht damit abfinden, mit einer "unheilbaren
Neigung“ stigmatisiert zu werden, sondern suchen HelferInnen an Ihrer
Seite, die sie dabei unterstützen, nach den Ursachen ihrer ‘Neigung‘
zu suchen.

Es gilt, pädophile Impulse in den Fällen, in denen dies möglich ist,
dauerhaft zu stoppen. Hierzu braucht es alternative beziehungsweise
ergänzende Projekte, die motivierten´Pädophilen`, Tätern oder
Nicht-Täter-werden-wollenden Pädophilen mit einem traumaspezifischen
Therapieansatz unter Einbindung von Ego-State-Arbeit nachhaltige
Veränderungschancen anbieten können. 

Dieser Ansatz ist sicherlich für den Einzelfall zunächst deutlich aufwendiger als das bisherige Angebot der Charité.

Da dieser Ansatz im Unterschied zur Symptombehandlung aber eine
Ursachenbehandlung anstrebt, in deren Verlauf sich die Dynamik abbaut,
lässt sich hier allerdings eher ein langfristiger Erfolg erwarten, der
für Täter und diejenigen, die es noch nicht geworden sind sowie für die
(potenziellen) Opfer eine nachhaltige Veränderung bedeuten würde.

Mit freundlichen Grüßen

Norbert Denef
(netzwerkB, Vorsitzender)

Dr. Marcella Becker,
(netzwerkB, Vorstand)

Mareen Dimter,
(netzwerkB, Vorstand)

Ursula Bußler,
(Psychotraumatherapeutin DeGPT / DGTD, analytische Kinder-und
Jugendlichenpsychotherapeutin)

Claudia Maria Fliß,
(Psychologische Psychotherapeutin, Spezielle Psychotraumatherapie DeGPT)

Dipl.-Psych. Elke Kügler, PP
Zertifiziert als Trauma- und Sexualtherapeutin DeGPT, EMDRIA, DGfS

Angela Osius,
Heilpraktikerin für Psychotherapie, Dipl. Supervisorin, Traumatherapeutin

Marion Wurdak-Swenson,
Dipl. Soz.Päd. Analytische Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin

Dr. med. Werner Tschan,
Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie

Dr. Almute Nischak,
Systemische Therapeutin und Beraterin (SG) Psychotherapeutische
Heilpraktikerin (HP) Ethnologin

Katharina Hanel-Wirtz,
(Psychologische Psychotherapeutin Psychotraumatologie DeGPT, EMDRIA)

Birgit Hirth-Haunerland,
Psychologische Psychotherapeutin, Mannheim

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Für Rückfragen:
netzwerkB – Netzwerk Betroffener von sexualisierter Gewalt e.V.
Telefon: +49 (0)4503 892782 oder +49 (0)163 1625091
presse@netzwerkb.org
www.netzwerkB.org
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Mehr auf netzwerkB:
http://netzwerkb.org/2014/07/17/faktencheck-padophilie-praventionsprojekt-kein-tater-werden/




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