Donnerstag, 31. Juli 2014

STAATSBANKROTT - STANDARD & POORS ERKLÄRT ARGENTINIEN FÜR PLEITE. (HELIODA1)

Staatsbankrott – Standard & Poors erklärt Argentinien für Pleite

Veröffentlicht: 31.07.14

Die US-Rating-Agentur Standard&Poors hat die Kreditwürdigkeit Argentiniens auf “teilweise zahlungsunfähig” heruntergestuft. 

Wirtschaftsminister Killcof erklärte die Verhandlungen mit den Gläubigern in New York für gescheitert, weigert sich aber, Argentinien als zahlungsunfähig zu bezeichnen. Er fordert stattdessen, die rechtmäßigen Gläubiger bezahlen zu dürfen.
Argentiniens Wirtschaftsminister Kicillof verhandelt noch, Standard&Poors schafft derweil mit der Herabstufung Tatsachen. (Foto: dpa)

Argentiniens Wirtschaftsminister Kicillof verhandelt noch, Standard&Poors schafft derweil mit der Herabstufung Tatsachen. (Foto: dpa)


Stunden vor Ablauf der Frist hat die US-Rating-Agentur Standard&Poors die Kreditwürdigkeit Argentiniens auf “teilweise zahlungsunfähig” heruntergestuft und das Land damit für pleite erklärt. 

Die Beurteilung wurde von CCC- auf SD für Selective Default geändert.


In einer Pressekonferenz erklärte der Wirtschaftsminister Killcof die Gespräche für gescheitert. “Die Geier-Fonds haben unsere Angebote nicht akzeptiert. Wir lassen uns keinen illegalen Kompromiss gegen Argentinien aufzwingen.” 

Killcof betonte, dass es nicht darum gehe, den Hedge-Fonds ihr geliehenes Geld zurückzuzahlen, sondern um weit über tausendprozentige Gewinnauszahlungen.

Er wirft den Hedge-Fonds vor, sie wollten sich an der Staatspleite Argentiniens bereichern. 

“Die USA scheint die Probleme ihres deregulierten Finanzsystems exportieren zu wollen. Doch wir sind nicht zahlungsunfähig, wir wollen das Recht unsere rechtmäßigen Gläubiger auszubezahlen.”


Der Ratingagentur zufolge sei Argentinien aktuell bereits mit Zahlungen über 539 Millionen Dollar technisch im Verzug. 

Diese Summe hat Argentinien zwar für Zahlungen in New York hinterlegt, ein US-Richter stoppte jedoch die Auszahlung. 

Insgesamt könnte der Ausfall Argentiniens Schulden über 13 Milliarden Dollar bei Ausländischen Gläubigern betreffen.


In den letzten Verhandlungsstunden in New York hatte Argentinien zumindest ein Zahlungs-Aufschub bis Januar angestrebt.

Hoffnung auf die Abwendung der Staatspleite weckte noch ein Hilfsangebot, das in letzter Minute von den Banken des Landes kam: 

Ein Konsortium aus Finanzhäusern will die Schulden des Landes bei den klagenden Hedgefonds übernehmen, wie ein mit dem Angebot vertrauter Bankvertreter am Mittwoch der Nachrichtenagentur Reuters sagte. 

Gespräche darüber stünden aber noch aus. Zudem müssten die Kläger in New York einen Schuldenschnitt akzeptieren. 

Mit der Offerte soll eine Zahlungsunfähigkeit abgewendet werden, die mit Ablauf der Frist im Schlichtungsverfahren um Mitternacht (Donnerstag, 06.00 MESZ) droht.

Die Regierung in Buenos Aires weigert sich bislang, den Hedgefonds die von einem New Yorker Gericht zugesprochenen 1,33 Milliarden Dollar plus Zinsen auszuzahlen. 

Die von Argentinien als “Geierfonds” geschmähten Finanzhäuser hatten die Anleihen mit einem kräftigen Preisnachlass erworben, einen Schuldenschnitt verweigert und dann auf volle Auszahlung geklagt.


Mit der Mehrzahl der Gläubiger hatte sich Argentinien dagegen arrangiert und damit die Krise zwischenzeitlich entschärft. 

Verstreicht die aktuelle Frist ungenutzt, wird Argentinien für zahlungsunfähig erklärt. 

Bereits 2002 rutschte das Land in Folge einer Wirtschaftskrise in die Pleite

Anders als damals, als in Argentinien Unruhen ausbrachen, dürfte es diesmal allerdings nicht zu Verwerfungen an den internationalen Finanzmärkten kommen. 

Das südamerikanische Land ist bereits weitgehend von den Kapitalmärkten abgeschnitten und spielt an den Anleihenmärkten keine große Rolle. 

Auch innenpolitisch ist Argentinien nicht mehr so instabil wie zu Beginn des Jahrhunderts, auch wenn die galoppierende Inflation bei einer erneuten Staatspleite weiter anziehen und die Landeswährung Peso an Wert verlieren dürfte.


Die Regierung spielt nach Ansicht von Beobachtern auf Zeit und will das Verfahren hinauszögern. Sollte es ausgesetzt werden, könnte Argentinien die Gespräche nächstes Jahr fortsetzen. 

Dann können sich Gläubiger, die den Schuldenschnitt akzeptiert haben, nicht mehr auf eine Klausel zur Besserstellung berufen. 

Die Regelung läuft Ende Dezember aus. Da sich mehr als 90 Prozent der Gläubiger auf den Schuldenschnitt eingelassen haben, muss Argentinien bei einer Auszahlung der Hedgefonds ohne Abschlag eine Prozesslawine fürchten.




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