Donnerstag, 5. Juni 2014

KRISENVORSORGE.COM: DAS BILDERBERGER-KAFFEEKRÄNZCHEN. (HELIODA1)

Aktuelles: Das Bilderberger-Kaffeekränzchen

Alle Jahre wieder ging kürzlich das vielleicht bedeutendste informelle Kaffeekränzchen der Welt zu Ende: vom 29. Mai bis 1. Juni traf sich im Kopenhagener Marriott-Hotel eine illustre Auswahl des globalen Spitzenpersonals aus Politik, Wirtschaft, Militär (u.a. Nato-Generalsekretär Fogh-Rasmussen), Geheimdiensten (u.a. ex-CIA-Direktor Petraeus) und Adelshäusern. 

Zwar tun die etablierten Medien mittlerweile nicht mehr so, als ob es dieses Treffen gar nicht gäbe, doch behaupten sie immer noch, dass dort, hinter den fest verschlossenen Türen weder handfeste politische Entscheidungen gefällt noch geostrategische Weichen gestellt werden. Denn so viel Einfluss kann so ein kleiner Nobelclub ja nun auch wieder nicht haben.


Ganz abgesehen davon, dass das doch im Grunde alles ganz solide Leute sind, denen das Wohlergehen ihrer Mitbürger viel zu sehr am Herzen liegt, als dass sie irgendetwas gegen deren Interessen und über deren Köpfe hinweg planen würden.

Dieses Mal nahmen etwa 140 Personen aus 22 Ländern bei der Tagung in Kopenhagen teil, darunter große Namen aus Deutschland wie Axel Springer-Verlagschef Mathias Döpfner. Teilnehmerinnen wie Königin Beatrix der Niederlande oder Sophia von Spanien, die sonst so gut wie überall von ganzen Paparazzischwärmen verfolgt werden, konnten hier ungestört von Fotografen und Journalisten plaudern. Hier wird Privatsphäre ausnahmsweise wirklich respektiert – vermutlich ist die Teilnahme an Bilderberg u. ä. das Einzige, was die Leserschaft der Klatsch- und Promimagazine über ihre adeligen Lieblinge nicht weiß.

Im vergangenen Jahr hatten es die Bilderberger wohl erstmals bis in TagesschauHeute u. Co. geschafft. Dabei wurde das Treffen als informelle Versammlung dargestellt, in der unsere Führungsriegen sich ein wenig den Kopf über das Weltgeschehen zerbrechen und dann ein paar unverbindliche Vorschläge und Ideen für eine bessere Zukunft für uns alle austauschen. Zwar werden durchaus auch in der gelenkten Berichterstattung Bedenken an der Undurchsichtigkeit des Ganzen angemeldet, doch jeder Gedanke an reale politische Macht oder irgendeine systemische Relevanz der Veranstaltung verbietet sich als wilde Verschwörungstheorie. 


Auch diesmal heißt es beispielhaft bei N24:

“Auf der Agenda der sogenannten Bilderberg-Konferenz stehen die Lage in der Ukraine, die Weltwirtschaft und die Zukunft Chinas. Über die Gespräche wird traditionell völliges Stillschweigen bewahrt. Die Presse ist nicht zugelassen. Dies hat im Laufe der Jahrzehnte Verschwörungstheorien genährt, wonach die “Bilderberger” eine Art “Weltherrschaft” anstrebten und eine neue Weltordnung begründen wollten.”


Dass die meisten “Verschwörungstheorien” sich darauf beschränken, Zweifel anzumelden an der offiziellen Lesart, dass es trotz derartiger Geheimniskrämerei nichts Nennenswertes zu verbergen gäbe, ist für N24 wohl ein bisschen zu Viel der Differenzierung. Wer dieses Jahr angesichts der großen Zahl hochrangiger NATO-Militärs unter den Teilnehmern auch nur leise mutmaßt, es könnte geheime Absprachen für das künftige Vorgehen in der Ukraine und gegen Russland gegeben haben, ist wahrscheinlich schon ein Paranoiker aus dem rechten Spektrum oder ein brauner Esoteriker.

Außerdem geht uns wie gesagt die Privatsphäre dieser Spitzenpromis doch gar nichts an. Die Öffentlichkeit muss ja auch nicht überall ihre Nase reinstecken und bei Bilderberg und Co. bleibt sie eben draußen, weil das alles gar keine Relevanz für sie hat. Also Leute, hört auf mit irgendwelchem Verschwörungsunfug und verschwendet eure Zeit nicht mit Eigenrecherchen zu so etwas Abseitigem. Es soll hier nicht behauptet werden, die Spekulationen zu Bilderberg seien verlässliche Informationen. Doch wer glaubt, der deutsche Qualitätsjournalismus liefere verlässliche Informationen, sollte sich unbedingt anhand dieses Videoausschnitts aus der Kabarettsendung “Die Anstalt” ein genaueres Bild machen.

Nun also nochmal die Frage: treffen sich all diese sehr viel beschäftigten Menschen wirklich tagelang in Hotellounges und Salons, nur um ein bisschen Brainstorming zu machen und sich hinterher vielleicht noch einen schön gestalteten Tagungsband für den Wohnzimmertisch zuschicken zu lassen? Oder planen die dort nicht vielmehr die Versklavung der Menschheit und die Weltherrschaft?

Die Wahrheit liegt wohl wieder einmal dazwischen: die Konferenzen sind ganz sicher nicht kein ausführendes Organ, dass eine Agenda nach Strickmuster der New World Order erarbeitet und entscheidend vorantreibt. Bilderberg dürfte vielmehr einen kleinen Aspekt der Beeinflussung des politischen und wirtschaftlichen Weltgeschehens im Rahmen eines viel größeren Netzwerks aus ähnlichen Versammlungen und Organisationen übernehmen. 


So berichtet Andreas von Bülow, ein ehemaliger Bilderberg-Teilnehmer:

“[...] Die Richtung wird wo anders festgelegt. Aber es wird der Gleichschritt der westlichen Welt gewährleistet. Es gibt aber Kreise, in denen ausgedacht wird, was zu tun ist. Also zum Beispiel den iranischen Premierminister Mohammed Mossadegh aus der Macht zu jagen und das Schah-Regime einzuführen. Das bekommt man aber nicht auf einer Bilderbergerkonferenz mit 130 Teilnehmern beschlossen. So etwas wird in kleinen Kreisen beschlossen, die eine Entscheidung an gehorsame ausführende Einheiten weitergeben. [...]”

Demnach hat Bilderberg nicht die oft unterstellte Macht, Dinge wie den nächsten Angriffskrieg oder den Untergang des Euro auszutüfteln, doch es hat sicher die Macht, an so manchem personellen Rad zu drehen. Was die wirklich wichtigen gesellschaftlichen Führungspositionen in Organisationen wie dem IWF, der Weltbank, den Zentralbanken, usw. angeht, wird dort sicher Manches mitbestimmt und kann in solchem Rahmen auch gut organisiert werden. 

Die wirklich entscheidenden Hebel der Macht übernehmen schließlich ernannte, und nicht etwa gewählte Kandidaten und Kandidatinnen. Wie es der bayrische Ministerpräsidenten Horst Seehofer einmal in aller Deutlichkeit sagte: “Diejenigen, die entscheiden, sind nicht gewählt, und diejenigen, die gewählt werden, haben nichts zu entscheiden.”


Für weitere Aspekte der globalen “Ordnung” ist, wie von Bülow ebenfalls andeutet, ein viel größeres Netzwerk an ähnlichen derartigen Versammlungen und Organisationen zuständig. Sicher haben Sie schon von Council on Foreign Relations, Trilateraler Kommission, Rand Corporation und anderen der anglo-amerikanischen Think Tanks gehört, die vollkommen ungestört von demokratisch – gesellschaftlicher Willensbildung wesentlichen Einfluss auf die transatlantische bzw. globale Politik ausüben. Man trifft dort immer wieder auf gute alte Bekannte und die treffen sich auch untereinander immer wieder gern. Dabei kann auch weit weniger langweilig zugehen als auf Bilderberg-Konferenzen – z.B. in Bohemian Grove, einem bestens bewachten Grundstück in der Idylle der nordkalifornischen Wälder. Dort trifft sich ebenfalls einmal jährlich eine schillernde, allerdings ausschließlich männliche, Auswahl unseres globalen Führungspersonals zu einem wahrlich geselligen Happening. Unvergesslich Altkanzler Helmut Schmidt, mehrmaliger Teilnehmer, der über das in Bohemian Grove zelebrierte “verbrennen der Sorge” in Form eines symbolischen Kinderopfers schwärmt, das sei das beste druidische Ritual, das er je erlebt hat.

Da bestätigt sich doch wieder, was wir eingangs schon gesagt haben: unser Spitzenpersonal besteht vor allem aus soliden und vernünftigen Leuten.


[BOHEMIAN GROVE]

Bohemian Grove ist mindestens so viel Berichterstattung und Aufmerksamkeit wert wie Bilderberg. Wahrscheinlich ist es mindestens ebenso bedeutend, was sich in der noch geringeren Medienpräsenz auch treffend spiegelt. Den Rahmen dieses Newsletters würde es für diesmal sprengen, doch wir verweisen gern auf den Nachrichtenspiegel, die momentan vielleicht umfassendste Informationsquelle dazu. Zum nächsten Treffen ist es übrigens nicht mehr lange hin: es findet Mitte Juli statt.





 

Quelle: DKFZ Heidelberg 1987. Publikation Leserbrief Wolfgang Timm, Husum zur Erstausgabe "Einblick" des Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg.


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