Donnerstag, 17. April 2014

WARUM ALLE AUGEN AUF DIE UKRAINE GERICHTET SIND. (HELIODA1)

Warum alle Augen auf die Ukraine gerichtet sind

Seit etwa drei Monaten hält die Krise um die Ukraine die Titelseiten und Schlagzeilen in Beschlag. Andere Krisen, Konflikte oder gar Kriege wie der in Syrien verschwinden mehr oder weniger in der Versenkung. Allerdings nur was die Aufmerksamkeit der westlichen Medienöffentlichkeit betrifft: 

beigelegt oder beendet ist leider keines der anderen Probleme. Wie kam es also zu dieser regelrechten Fixierung, die sich ja auch in einem erstaunlichen Tempo innerhalb weniger Wochen entwickelte. Was ist so wichtig, besonders und offensichtlich auch spannend an der Entwicklung bei unseren östlichen Nachbarn?


Der vorherige Satz enthält schon einen Teil der Antwort, zumindest was das enorme Interesse in Deutschland angeht: 

der Schauplatz dieses geopolitischen Spektakels befindet sich in unserer unmittelbaren Nachbarschaft, bzw. zumindest nahe genug, dass im Falle einer kriegerischen Eskalation auch hierzulande kein Stein mehr auf dem anderen sein wird. 

Das ist ein wesentlicher Unterschied zu Brandherden wie Syrien, Mali oder auch Türkei und Thailand.

Wir wollen Frieden - Die Eliten brauchen Krieg - Wake News Radio TV

Abb.: Collage aus Internetbild und Wake News


Doch man richtet weltweit Aufmerksamkeit auf diesen Krisenherd. Dabei wird der interessierten und besorgten Öffentlichkeit der Zugang zu handfesten Informationen fast unmöglich gemacht: 

immer dichter wird der Propagandanebel, der von den Konfliktparteien bzw. deren Hintermännern verbreitet wird. Mittlerweile tauchen fast täglich Falschmeldungen und Halbwahrheiten auf, die entweder schnell aufgedeckt werden oder auf ewig durch den Äther geistern. 

Zu den schnell aufgedeckten Nebelkerzen gehören die kürzlich aufgetauchten NATO-Fotos vom angeblichen Aufmarsch russischer Truppen an der ukrainischen Grenze.


Dazwischen erscheinen regelmäßig Meldungen der wirklich beunruhigenden Sorte, die zumeist das Säbelgerassel und die unverhohlenen Affronts des Nato-Bündnisses in Richtung Russland betreffen. So wie gestern, als Telepolis die Meldung brachte, nach der die Nato erneut an der Grenze zu Russland hochrüstet und zugleich Russland auffordert, seinerseits den Rückzug von der ukrainischen Grenze anzutreten und die Unterstützung ukrainischer Separatisten einzustellen. 

Dass dieses Vorgehen einer Deeskalation und Konfliktlösung nicht eben förderlich ist, muss wohl kaum erwähnt werden – ebenso wenig wie die Tatsache, dass Nato-Generalsekretär Fogh Rasmussen dieses Auffahren von Militär als Verteidigungsmaßnahme bezeichnet.


Zurück zur Ausgangsfrage, warum gerade diese Krise uns so in Atem hält. 

Diesen Montag erschien dazu ein höchst lesenswerter Beitrag des Osteuropaexperten Kai Ehlers, der eine Art FAQ-Liste der vielen offenen Fragen rund um die Ukraine aus- und abgearbeitet hat. 

Wie es in der Einleitung zu diesem Artikels heißt, wird es hier mittlerweile „zu einer Angelegenheit des geistigen Selbstschutzes, sich nicht weiter verwirren zu lassen“. 


Ehlers gelingt es tatsächlich, einen Großteil des Nebels zu lichten. Wir können an dieser Stelle nur ganz kurz zusammenfassen:

“In der Ukraine laufen, so Ehlers, zentrale soziale, nationale und geopolitische Transformationen in einem Problemfeld zusammen: 

auf allen drei Ebenen wird um entscheidende Veränderungen und Übergänge in ein neues Zeitalter gekämpft. 

National geht es bspw. um den (auch andere EU-Staaten betreffenden) Konflikt zwischen Nationenbildung einerseits und föderaler Regionalisierung andererseits. 

Geopolitisch geht es um nichts weniger als den Übergang von einer unipolaren zu einer multipolaren Weltordnung.”


Ehlers verweist auf den berühmt-berüchtigten US-Vorzeigestrategen und -Ideologen, der ironischerweise den Namen Zbigniew Brzezinski [Mephisto-Naturell] trägt: 

dieser habe die Ukraine seit dem Zerfall der Sowjetunion als „Filetstück“ und als einen Schlüssel für die Dominanz in einer künftigen multipolaren Welt mehrerer Machtblöcke bezeichnet. 

Kein Wunder, dass die globalen Finanzeliten ein derart großes Interesse zeigen, sich dieses Filetstück einzuverleiben. 

Es ist also letztendlich nur das alte, von Gier und Machthunger getriebene Spiel mit neuen Spielfiguren und neuem Spielbrett. Wahrscheinlich auch mit etwas verschärften Spielregeln und etwas ernsteren Konsequenzen für die Verlierer. Im Grunde also nichts Neues und viel Rauch um nichts.


Doch zum Glück merken immer mehr Menschen, dass hier die immer gleiche Platte gespielt wird und haben langsam keine Lust mehr auf solche Rückwärtsgewandtheit. Zumindest bewegt sich auf Deutschlands Straßen so viel wie schon lange nicht mehr. Montagsmahnwachen für den Frieden schießen wie Pilze aus dem Boden und finden jede Woche mehr Zulauf. Und das trotz bewusster Ignoranz und versuchter Diffamierung vonseiten großer Teile der etablierten Presse.


Zwar haben Mahnwachen und Demonstrationen allein bisher vermutlich noch nie gereicht, um einen Krieg gänzlich zu verhindern, doch man sollte die Effekte nicht unterschätzen. Es kann gut sein, dass es in den letzten Jahren nur die massive Bekundung des Volkswillens bzw. Volksunwillens zum Krieg war, die verhindert hat, dass der Iran in Schutt und Asche gelegt wurde, bevor der Lieblingsbösewicht der westlichen Eliten, Ahmadinedschad den Präsidentensessel freiwillig räumte. 

Vielleicht wäre bei ungeteilter Zustimmung der westlichen Medienöffentlichkeit auch Syriens Assad schon längst aus dem Weg geräumt worden und das Land daraufhin dem entfesselten Völkermord an allen nicht-schiitischen Volksgruppen preisgegeben. 

Man kann den Erfolg weder voraussagen noch garantieren, doch besser, als vor dem Fernseher oder Computer sitzen zu bleiben und zu hoffen, dass das Pulverfass nicht hochgeht, ist das Demonstrieren und Flagge zeigen allemal. 

Wenn aus den Montagsdemos eine breite Bürgerbewegung werden sollte, ist vielleicht auch mehr drin als „nur“ ein verhinderter weiterer Krieg.


 

Quelle: DKFZ Heidelberg 1987. Publikation Leserbrief Wolfgang Timm, Husum zur Erstausgabe "Einblick" des Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg.

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