Sonntag, 16. März 2014

THEODOR STORM - 15. MÄRZ: VOR 150 JAHREN KEHRTE HUSUMS BEKANNTESTER DICHTER IN SEINE GEBURTSSTADT ZURÜCK - NACH JAHREN DES EXILS. (HELIODA1)

Ein großer Tag für Theodor Storm
Heute vor 150 Jahren kehrte der Dichter nach elfjährigem Exil nach Husum zurück, um das Amt des Landvogts zu übernehmen
Husum

Quelle: http://epaper.shz.de/shz/2014/03/15/hn/14/art-0149.html


Für Historiker, allen voran für Storm-Forscher, ist der 15. März ein wichtiger Tag: 


Heute vor 150 Jahren kehrte Husums bekanntester Dichter in seine Geburtsstadt zurück – nach Jahren des Exils. 


Storm-Kenner Prof. Karl Ernst Laage erinnert an den historischen Tag.




Nach Aufhebung seiner Bestallung als Rechtsanwalt durch den dänischen König im November 1852 hatte Storm zunächst in Potsdam, später in Heiligenstadt für sich und seine Familie eine neue Bleibe gefunden. Doch quälte ihn vom ersten Tag an Heimweh nach Husum und den Seinen. 


Als es dann Anfang Januar 1864 zum Krieg zwischen den Signaturmächten des Londoner Protokolls auf der einen und Dänemark auf der anderen Seite kam, wurde im Heiligenstädter Haus der Storms „nur noch von Heimkehr“ geträumt. Und so „manchen Abend“ konnte man „nicht davor einschlafen“, wie Storm im Januar 1864 in einem Brief schreibt.



In Husum begrüßten die Menschen den ersten preußischen Soldaten, der in die Stadt einmarschierte, mit Begeisterung. Das „Husumer Wochenblatt“ schrieb vom 10. Februar 1864: 


„Der von der hiesigen Bevölkerung längst ersehnte Augenblick war also da . . . Am Sonnabend Mittag (6. Februar; Anm. d. Red.) waren fast alle Häuser der Stadt mit schleswig-holsteinischen und deutschen Fahnen geschmückt. 


Abends wogte eine große Menschenmasse unter beständigem Singen des Schleswig-Holstein-Liedes durch die Straßen . . . Von Friedrichstadt rückten circa 20 preußische Kürassiere in die Stadt ein . . . und wurden von dem Publikum freudig begrüßt und bewirtet.“



Am 9. Februar wurde Storm dann, wie Ferdinand Tönnies berichtet, von einer Bürgerversammlung und „vom versammelten Volke“ anstelle seines geflüchteten dänischen Vorgängers zum Landvogt gewählt – und zwar in plattdeutscher Sprache: „Wull shall unse Landvagt sin?“ „Störm schall unse Landvagt sin.“ 


Storm selbst wurde durch ein Telegramm von seiner Ernennung benachrichtigt. Aber auch der Vater hatte seinem Sohn geschrieben. Eine Kopie seines Briefes liegt im Storm-Zentrum. 


Storm ist daraufhin sofort von Heiligenstadt nach Husum gereist und am 13. Februar 1864 hier angekommen. 


In Husum waren die Verhältnisse jedoch – wie er seinem Verleger Weber berichtet – noch „so bunt“ und „so ungewiß“ (es war ja noch Krieg!), dass er die Zusage, das Landvogtamt anzunehmen, allenfalls vorläufig abgeben mochte. 


Der entfernt mit ihm verwandte neue Husumer Bürgermeister Friedrich Stuhr wollte, wie im „Husumer Wochenblatt“ vom 19. Februar 1864 nachzulesen ist, die Landvogtei in der Zwischenzeit „interimistisch verwalten“.



Storm selbst versuchte, um sich und seiner Familie eine gewisse Sicherheit zu verschaffen, im Berliner Justizministerium einen „zeitweiligen Urlaub“ zu erhalten, doch der wurde rundweg abgelehnt. 



Vor diesem Hintergrund entschloss er sich, nach Rücksprache mit seiner Frau, den Schritt ins Ungewisse zu wagen, also die ehrenvolle Berufung durch die Bürger seiner Vaterstadt anzunehmen, obwohl es keine amtliche Bestätigung irgendeiner Behörde gab und der Krieg gegen Dänemark noch nicht entschieden war. Die Erstürmung der Düppeler Schanzen am 18. April 1864 stand ja erst noch bevor.


Am 4. März hat Storm dann offiziell um seine Entlassung aus dem preußischen Staatsdienst nachgesucht. Und am 15. März traf er – von Heiligenstadt kommend – nach elfjährigem Exil in Husum ein. Vereidigt wurde er am 17. März. 


„So hab’ ich dann heute, meine geliebte Frau, den ganzen Tag als Landvogt geamtet, allen möglichen Leuten über alle möglichen Dinge . . . gründlich Bescheid erteilt, Verbrecher verfolgt etc.“, schrieb er seiner Gemahlin nach Heiligenstadt. 


In einem anderen Brief bringt Storm seine Genugtuung über die Vielseitigkeit der Tätigkeit so zum Ausdruck: Er sei „Obervormund, Polizeimeister, Kriminal- und Zivilrichter“ und komme als solcher „viel mehr in rein menschliche Berührung“ als in seiner früheren Stellung.


Storms Freunde beurteilten seinen wagemutigen Schritt unterschiedlich: Ludwig Pietsch meinte, dass er die „verfluchte Ehrenpflicht und Schuldigkeit“ gehabt habe, solchem „Volksruf zu entsprechen“, während Theodor Mommsen feststellte: „Klug ist Ihr Entschluß nicht, aber er ist recht!“

Prof. Ernst Laage

 

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