Dienstag, 14. Januar 2014

KIELER FRIEDEN - 200 JAHRE. (HELIODA1)

FESTAKT UND AUSSTELLUNG-Kieler Frieden wird heute gefeiert


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vom 
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts


Heute feiern Norweger und Kieler zusammen den 200. Jahrestag des Kieler Friedens. 

Parallel wird eine dazugehörige Ausstellung im Stadtmuseum Warleberger Hof eröffnet und dahinter ein Platz offiziell in „Platz des Kieler Friedens“ umbenannt.

Friedensvertrag: Der schwedische Hofkanzler Gustav von Wetterstedt und der Diplomat Edmund Bourke unterzeichneten den Kieler Frieden am 14. Januar 1814.

Foto: Riksarkivet, Stockholm
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Kanonenkugeln, Infanteriegewehr und Porträts der Verhandlungsführer – die aktuelle Ausstellung im Warleberger Hof, die anlässlich des Kieler Friedens eröffnet wird, holt den Besucher historisch direkt ins Ende der Napoleonischen Kriege im strengen Winter 1813/1814. 

Auf jeden der 7000 Kieler kam damals mindestens ein Soldat und dessen Pferd, die versorgt werden mussten. Kiel war anschließend pleite. 

Die Friedensverhandlungen wurden direkt im „Nachbarhaus“ der Ausstellung geführt – im Buchwaldschen Hof.


Eine besondere Freude für die Museumsdirektorin Dr. Doris Tillmann ist die Heimkehr des Originalvertrags, der in Kiel ausgearbeitet wurde. 

Rund vier Wochen können die Besucher das Schriftstück in französischer Sprache sehen, danach wird er per Kurier nach Norwegen gebracht, wo er anlässlich der „200 Jahre Grundgesetz“-Feier gezeigt wird. 

Der Auftakt für das Festjahr der Norweger ist heute der gemeinsame Festakt zum 200-jährigen Jubiläum des Kieler Frieden im Warleberger Hof und die anschließende Taufe des „Platz des Kieler Friedens“, zu dem eine hochrangige Delegation aus Oslo sowie die norwegische Kapelle des Stabsmusikkorps kommen.

Hinzugefügt by W. Timm / Carl-Huter-Zentral-Archiv:

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Die dreisprachige Ausstellung gibt von den Napoleonischen Kriegen ausgehend einen Abriss über die Friedensverhandlungen und deren Bedeutung für Nordeuropa sowie der norwegischen Identität. 

Tillmann: „Wir hoffen, damit ein Stück Landes- und Stadtgeschichte näherzubringen und vielleicht auch zurück in die Geschichtsbücher zu holen.“ 

Botschaftsrätin Anne-Kirsti Wendel Karlsen freute sich über die gute Zusammenarbeit mit den Kielern: „Es ist uns gelungen, ein wichtiges Stück gemeinsame Geschichte aufzuarbeiten.


VERTRAG VOR 200 JAHREN-Was Sie über den Kieler Frieden wissen sollten

Quelle/Link: http://www.shz.de/schleswig-holstein/kultur/was-sie-ueber-den-kieler-frieden-wissen-sollten-id5425266.html
vom 

In vielen Geschichtsbüchern ist der Kieler Frieden im Jahr 1814 nur eine Fußnote. Doch der Krieg hatte für die Menschen in den Herzogtümern Schleswig und Holstein verheerende Folgen – und reduzierte das mächtige Dänemark zu einem Kleinstaat. Fragen und Antworten zum Jahrestag.

Wann wurde der Kieler Frieden geschlossen?

In der Nacht zum 15. Januar 1814 unterzeichneten die beiden dänischen Unterhändler Edmund Bourke und Gustav Wetterstedt im Buchwaldtschen Hof in Kiel den Friedensvertrag mit Schweden und England.

Was wurde mit dem Kieler Frieden vereinbart?

Im Zuge der Napoleonischen Kriege musste das militärisch unterlegene Dänemark, das den Franzosen-Kaiser politisch unterstützt hatte, Norwegen an Schweden abgeben. 

In Kiel wurde also nichts Geringeres als eine territoriale Neuordnung Skandinaviens besiegelt. Das Ganze mündete letztlich in Norwegens Unabhängigkeit 1905 und führte auch zur Loslösung Schleswig-Holsteins von Dänemark 1864.

Welche Rolle hatte Dänemark im Krieg?

Das Königreich Dänemark reichte damals von den Färöern bis zur Elbe. Bis 1807 hatte sich Dänemark im Kampf der europäischen Großmächte neutral verhalten. Die Engländer missachteten diese Neutralität, griffen die dänische Flotte an und bombardierten Kopenhagen. Damit trieben sie Dänemark auf die Seite Napoleons. 


Während im Rest Europas Kämpfe wüteten und der französische Kaiser Napoleon schließlich in der Völkerschlacht bei Leipzig im Oktober 1813 vernichtend geschlagen wurde, konnte der dänische König Friedrich IV. den Gesamtsstaat weitgehend aus dem Krieg heraushalten. 


Diese Lage änderte sich dramatisch, als Truppen der Verbündeten die Herzogtümer Schleswig und Holstein besetzten. Die „Nordarmee“ befehligte der schwedische Kronprinz Jean-Baptiste Bernadotte. 


Er wollte keinen Vernichtungskrieg führen, Schleswig und Holstein dienten ihm als Faustpfand. Er verlangte von Dänemark die Abtretung Norwegens. Als Ersatz für Finnland, das Schweden 1809 an Russland verloren hatte. Im Herbst 1813 rückte eine internationale Streitmacht in die Herzogtümer ein.

Wie ging es der Bevölkerung in Schleswig und Holstein?

Die dänischen Verteidiger und die Angreifer lieferten sich unter anderem bei Bornhöved und Sehestedt heftige Kämpfe. Die Bevölkerung litt vor allem unter der Einquartierung und Versorgung der unerwünschten Gäste, die zu Tausenden das Land fluteten. 


Die in Kriegen üblichen Gräueltaten blieben zwar – von wenigen Ausnahmen abgesehen – auch in den übrigen besetzten Orten aus, dennoch verbreiteteten die Eindringlinge unter der Bevölkerung Angst und Schrecken. Als Erstes wurde stets die Stadtkasse beschlagnahmt. Ganze Dörfer lagen verlassen, weil die Einwohner vor dem anrückenden Feind geflohen waren.

Wann begannen die Friedensverhandlungen?

Kurz vor Weihnachten 1813 zog der Oberkommandierende der alliierten Nordarmee, Marschall Jean-Baptiste Bernadotte, in Kiel ein und richtete im Buchwaldtschen Hof gegenüber dem Schloss sein Hauptquartier ein. 


Anfang Januar begannen die Friedensverhandlungen.

Wie war zu der Zeit das Leben in Kiel?

Mit Bernadotte kamen 40 Generäle und Diplomaten und mehr als 7000 einfache Soldaten. Etwa gleich groß war die Einwohnerzahl in der Stadt. 


Kirchen, Säle, Gaststätten, Privatwohnungen, alles war mit Menschen und Pferden vollgestopft. „Es war ein großes Sammelsurium an Soldaten“, sagt die Historikerin Sonja Kinzler, die zum Jubiläum ein Buch zum Kieler Frieden mit dem Untertitel „1814. Ein Schicksalsjahr für den Norden“ herausgegeben hat. 


Die tiefsten Eindrücke hinterließen die Schweden, weil Kiel mit ihrer Präsenz für einige Zeit schwedisch wurde, und die russischen Kosaken, weil sie so exotisch-wild waren. „Die haben die Schleswig-Holsteiner schon erstaunt“, schildert Kinzler. Schlimmer war es aber, die Versorgung der Soldaten zu gewährleisten, weil dafür kaum Geld da war.

 

1500 verwundete und erkrankte Soldaten mussten in Hospitälern versorgt werden, eines der größten befand sich im Kieler Schloss. Die Lazarettkommission stellte Forderungen an die Kieler und die Bevölkerung der umliegenden Dörfer. 

Die Versorgung mit Lebensmitteln und Futter für mehrere tausend Pferde war äußerst schwierig, denn starker Schneefall behinderte die Lieferungen aus den umliegenden Orten. Bei eisigen Temperaturen gab es viel zu wenig Brennstoffe.

Was genau steht in dem Friedensvertrag?

Es wurden zwei Verträge abgeschlossen: mit den Engländern und mit den Schweden. Der Abschluss mit Großbritannien war schnell erreicht. Das britische Königreich erhielt Helgoland. 


Viel schwieriger gestalteten sich die Verhandlungen mit  Bernadotte. Er bestand von vornherein auf die Annexion Norwegens, wollte zunächst sogar aus den beiden Herzogtümern einen neuen Staat, nämlich ein Königreich „Cimbrien“ bilden. Die dänischen Verhandlungspartner sträubten sich heftig, schließlich war Norwegen 350 Jahre von Kopenhagen regiert worden


Die Drohung, die Besetzung der Herzogtümer fortzusetzen und die Gewährung eines Trostpflasters in Form von einer Million Talern und der Gebiete Rügen und Schwedisch Vorpommern führten schließlich zur Einigung.

 

Dänemark griff zu einem Trick: Die Inseln Grönland, Färöer und Island wurden von Norwegen verwaltet und hätten ebenfalls an Schweden abgetreten werden müssen. 

Da die Rechtsverhältnisse kompliziert waren, gelang es dem dänischen Chefunterhändler Edmund Bourke, seine schwedischen Verhandlungspartner davon zu überzeugen, dass die Inseln zu Dänemark gehörten und daher nicht abgetreten werden mussten.

Was bedeutete das für Norwegen?

Die wie eine Ware verkauften Norweger sträubten sich zunächst gegen die neue Herrschaft, wählten aus Protest sogar den dänischen Kronprinzen zu ihrem König, mussten ihren Widerstand auf militärischen Druck jedoch aufgeben. Erst 1905 konnten sie ihre Unabhängigkeit erreichen.

Wann war der Krieg für die Region zu Ende?

Die letzten Besatzer verließen die Herzogtümer 1815. Drei Jahre später wurde Jean-Baptiste Bernadotte als Karl XIV. Johann zum König von Schweden und Norwegen gekrönt.

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