Mittwoch, 4. September 2013

FUSSBALL/REAL MADRID: WEITERHIN TEURE TRANSFERS. SPIEL MIT WENIG GRENZEN. (HELIODA1)

Weiterhin teure Transfers

Spiel mit wenig Grenzen

Fussball Dossier: Fussball Schweiz und International 
Gareth Bale, der 100-Millionen-Euro-Mann, stellt sich in Madrid vor.
Gareth Bale, der 100-Millionen-Euro-Mann, stellt sich in Madrid vor. (Bild: Reuters)
Trotz der Wirtschaftskrise in Spanien und trotz dem Financial Fairplay der Uefa gibt Real Madrid exzessiv Geld aus. Es gibt viele Gründe, dass der Geldfluss im europäischen Klubfussball nicht versiegt.

Peter B. Birrer

Der spanische Fussball bietet neben der Rangliste auch eine Schuldnerliste. Sie datiert vom 30. Juni 2012 und lässt tief in die Primera División blicken. Das Ranking führen Real und Atlético Madrid mit 590 und 540 Millionen Euro Verbindlichkeiten an, vor Barcelona mit 470 Millionen. Letzter ist Granada mit 31 Millionen Euro. Der Schuldenstand der Liga wird mit über 3,3 Milliarden Euro beziffert. Die Wirtschafts- und Immobilienkrise Spaniens hat längst den Fussball erfasst. Oder doch nicht?

BILDSTRECKE

Der bisher teuerste Transfer kam dieses Wochenende zustande: Der 24-jährige Gareth Bale von Tottenham Hotspur wechselte für rund 125 Mio. Franken (andere Quellen sprechen von 113,75 Mio. Franken) zu Real Madrid.

In Madrid, oder zumindest dort in Madrid, wo das Real-Stadion Bernabéu in den Himmel ragt, gibt man sich davon unbeeindruckt. Als wäre keine Krise, als würde Geld vom Himmel fallen und als wären Schulden Kavaliersdelikte, wechselt Gareth Bale für 90 bis 100 Millionen Euro von Tottenham zu Real Madrid. Einmal hätte der Preis gesenkt werden sollen, indem ein Real-Spieler im Bale-Paket den umgekehrten Weg geht, also von Real zu Tottenham. Das klappte nicht. Real bot die Zahlung etappenweise an, doch der Tottenham-Chef Daniel Levy wollte zunächst alles auf einmal, zumal auch er schon viel Geld für neue Spieler ausgegeben hatte.

Geldquelle Fernsehen

So wird wochenlang gerungen. Man hört das, man staunt, und man fragt sich: Wie kann das sein? Real Madrid ist wie auf einem anderen Planeten und muss Sicherheiten im Hintergrund haben, von Banken, Behörden, Privatpersonen. Das war schon so, als sich Real 2001 Zinedine Zidane oder 2009 Kaká leistete. Trotzdem: Jetzt ist Krise, in Spanien sogar grosse Krise. Heuer sollte zudem in einem ersten Schritt das Financial-Fairplay-Reglement zu greifen beginnen, mit dem der europäische Fussballverband Uefa die Geldvernichtung, das überbordende Mäzenatentum und die Schuldenwirtschaft im Klubfussball eindämmen will.

Real und Barça haben in Spanien seit je eine Ausnahmestellung. Sie sahnen ab, die Konkurrenz hat die Brosamen. Die zwei Giganten erhalten allein aus dem Fernsehtopf je 160 Millionen Euro. Das entspricht 50 Prozent. Doch die Trikot-Sponsoren deuten an, woher der (Wüsten-)Wind weht. Barça wirbt für Katar Airways und streicht pro Jahr 32 Millionen Euro ein. Dazu kommen Erfolgsprämien, allein 5 Millionen beim Gewinn der Champions League. Real erhält von der in Dubai beheimateten Fluggesellschaft Emirates als Basis jährlich 22 Millionen.

Viel Geld im Fussball stammt von der Arabischen Halbinsel. In der französischen Ligue 1 konnte der exorbitante Fernsehvertrag (gegen 600 Millionen) nur dank dem katarischen Nachrichtensender al-Jazira gehalten werden. Dazu wird Paris St-Germain aus Katar mit Geld vollgepumpt, was zum Beispiel in exzessiven Transfers von Zlatan Ibrahimovic (2012) und Edinson Cavani gipfelt. Und dies in Zeiten mit Rekord-Arbeitslosenzahlen in Frankreich. PSG ist wie eine abgekoppelte Scheinwelt. Kein Wunder, ist man geneigt zu denken, hat der Uefa-Präsident Michel Platini 2010 für die WM 2022 in Katar gestimmt. Nicht für seine eigene Tasche (wie vermutlich andere aus dem Fifa-Exekutivkomitee), aber vielleicht für den französischen Fussball. Mitten in der Krise Europas verfügt der Fussball über sprudelnde Geldquellen.

Katar ist eine; andere sind Scheichs von der Arabischen Halbinsel; Oligarchen aus Russland wie neuerdings der sich auf exzessiver Einkaufstour befindende Dmitri Rybolowlew in der AS Monaco; die immer noch wachsende Champions League; die Fernsehanstalten. Aber viel ist Schein und weniger Sein. In Spanien täuschen Real und Barça über unangenehme Wahrheiten hinweg. In Frankreich spielen PSG und Monaco ihr verrücktes Monopoly, derweil die Konkurrenz wie Olympique de Marseille und Olympique Lyonnais zurückbuchstabiert und nicht weiss, ob sie das Monopoly in Paris und Monaco verdammen oder gutheissen soll. Denn Spieler wie Ibrahimovic werten die Ligue 1 auf. Die italienische Serie A kriselt schon länger, auch wegen der veralteten Stadion-Infrastruktur. Wo wie in Neapel ein Star gekauft wurde (Gonzalo Higuaín, 40 Millionen), wurde auch gut verkauft (Cavani, 64 Millionen). Die Serie A wird den an Deutschland verlorengegangenen dritten fixen Champions-League-Platz nicht so schnell zurückerobern. Dass der Süden krankt, manifestiert die Warnung der internationalen Spielergewerkschaft FIFPro, «sich von griechischen, türkischen und zypriotischen Klubs fernzuhalten». Der Grund: mangelhafte Zahlungsmoral.

England knackt Jackpot

Bleiben die einträglichen Vorzeige-Ligen aus dem Norden, die Bundesliga und die Premier League. Das Fernsehgeld der Bundesliga ist auf diese Saison hin mit einem Schlag um 50 Prozent auf über 500 Millionen Euro gestiegen. Doch den TV-Jackpot knackt einmal mehr die Premier League. Sie setzt im TV-Geschäft nicht Millionen, sondern Milliarden um. Dank den neuen Verträgen gibt's in England bis 2016 pro Jahr mehr als 2 Milliarden Euro zu verteilen. Das hat zur Folge, dass dem Tabellenletzten und Absteiger der Premier League 75 Millionen pro Jahr sicher sind. Das sind ungefähr 10 Millionen mehr, als die beiden Topteams der Bundesliga erhalten. Addiert man die von Scheichtümern und Oligarchen in England spendierten Millionen dazu, ist der Kassensturz schier unüberblickbar. In der abgelaufenen Transferperiode gaben die Premier-League-Klubs 740 Millionen Euro aus, 150 mehr als im bisherigen Rekordjahr 2008.

Das Rad dreht sich weiter. Nicht überall, nein, aber es dreht sich. Mitten in Krisen. Deshalb wird interessant zu verfolgen sein, wie sich die Uefa in der Umsetzung des Financial Fairplay verhalten wird. Am Rand der Europacup-Auslosung in Monaco unterstrich der Uefa-Generalsekretär Gianni Infantino, dass die Verluste der im Europacup beschäftigten Klubs 2012 im Vergleich mit dem Vorjahr um 36 Prozent von 1,7 auf 1,1 Milliarden Euro zurückgegangen seien. Die Uefa meint, dass dies Vorboten des Financial Fairplay seien.

Derweil der PSG-Chef Nasser al-Khelaïfi verkündet, dass die Einnahmen seit 2010 um 80 Prozent gestiegen seien und PSG «die Regeln einhalten» werde, ist der Erklärungsnotstand in Monaco, wo eine Art Retorten-Klub hochgezüchtet wird, wohl grösser. Real Madrid leistet sich Bale, aber auch für je 30 Millionen Illarramendi (Real Sociedad) und Isco (Málaga). Es ist immer noch, als würde das Stadion Santiago Bernabéu keine Grenzen kennen.

«Wir wollen die Klubs nicht töten»

Gegenüber der «L'Equipe» beantwortete der Uefa-Präsident Michel Platini kürzlich Fragen zu exorbitanten Transfersummen und dem Financial Fairplay der Uefa, das die Schuldenwirtschaft eindämmen soll.

Ein paar Auszüge: «Wir wollen Klubs nicht töten, sondern ihnen helfen. (. . .) Die AS Monaco interessiert uns derzeit nicht, weil sie nicht Europacup spielt. Das muss zuerst die Ligue 1 regeln. (. . .) Das Financial Fairplay wird ab Mai 2014 zu greifen beginnen. Wir werden fehlbare Vereine sanktionieren, wenn's sein muss, sehr hart. (. . .)

Im Transferwesen sind wir 50 Jahre zurückgeworfen worden. Mittlerweile gehören die Fussballer oft nicht mehr den Klubs, sondern Finanzgesellschaften und Einzelpersonen. Ein Fussballer ist wie zum Produkt geworden, das man transferieren muss, weil viele Kommissionen abschöpfen. (. . .) Transfersummen bereiten mir keine Sorgen, solange sie bezahlt werden.

Wenn Real drei Spieler für je 30 Millionen gekauft hätte, hätte man nichts gesagt. Jetzt soll allein Bale 100 Millionen wert sein. Das ist eine andere Debatte. Auch deshalb versuchen wir Regeln einzuführen. Diejenigen, die bezahlen, wollen Regeln. Aber diejenigen, die kassieren, wollen sie nicht. Das kann nicht überraschen.»


Quelle:

http://www.nzz.ch/aktuell/sport/fussball/spiel-mit-wenig-grenzen-1.18144151?extcid=Newsletter_04092013_Top-News_am_Morgen

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ABSCHLUSSVORTRAG staatenlos.info HANNOVER, 1. September 2013:

staatenlos.info vs. Bundeskanzlerin Angela Merkel in Rendsburg 2013
Das musst du dir auf YouTube ansehen:



http://staatenlos.info/index.php/2013-01-07-06-54-05/handlungsanleitung-heimatpaket

EDITED BY WOLFGANG TIMM / CARL-HUTER-ZENTRAL-ARCHIV. www.chza.de !