Dienstag, 6. August 2013

BILDERBERGER. (HELIODA1)

Bilderberg Conference 2013

Bilderberg Conference 2013

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Im Juni trafen sich in London die Bilderberger. Die Gruppe von Wirtschaftsleuten, Politikern, Bankern und Akademikern ist ein informelles Netzwerk der modernen Finanz-Aristokratie. Es ging um die Schulden- und Eurokrise, um die Bürgerrechte und die Nationalstaaten in Europa. Die Elite bereitet sich auf stürmische Zeiten vor.
Das alljährliche Treffen der Bilderberger in London unterliegt bekanntermaßen strenger Geheimhaltung. Wer versucht, mit den Organisatoren in Kontakt zu kommen, wird enttäuscht: E-Mails werden nicht beantwortet, es gibt keine Telefonnummer, schon gar keine Pressekonferenz.

Die Teilnehmerliste gibt jedoch wertvolle erste Aufschlüsse. Die Teilnehmer sind intelligent ausgewählt. Nur wenige Leute aus der ersten Reihe der internationalen Politik waren diesmal dabei: Der britische Premier David Cameron, IWF-Chefin Christine Lagarde und EU-Kom-missionspräsident José Manuel Barroso
sowie seine Stellvertreterin Viviane Reding. Hinzu kamen einige nationale Größen wie die finnische Finanzministerin Jutta Urpilainen oder der niederländische Premier Mark Rutte. Für die EZB war Klaas Knot vertreten, der bekannt wurde, als er als einer der Ersten verkündete, dass die Sparer künftig für Bankenrettungen enteignet werden sollen.

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Bilderberger – Was die Finanz-Elite bewegt

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Das Projekt der Bilderberger ist dem Turmbau zu Babel nicht unähnlich. Dieser wurde jedoch nie fertiggestellt,

GLOBALISIERUNG

Bilderberger: Was die Finanz-Elite bewegt

Im Juni trafen sich in London die Bilderberger. Die Gruppe von Wirtschaftsleuten, Politikern, Bankern und Akademikern ist ein informelles Netzwerk der modernen Finanz-Aristokratie.
Es ging um die Schulden- und Eurokrise, um die Bürgerrechte und die Nationalstaaten in Europa. Die Elite bereitet sich auf stürmische Zeiten vor.

Das alljährliche Treffen der Bilder berger in London unterliegt be kanntermaßen strenger Ge heimhaltung. Wer versucht, mit den Organisatoren in Kontakt zu kommen, wird enttäuscht: E-Mails werden nicht beantwortet, es gibt keine Telefonnum mer, schon gar keine Pressekonferenz.

Die Teilnehmerliste gibt jedoch wert volle erste Aufschlüsse. Die Teilnehmer sind intelligent ausgewählt. Nur wenige Leute aus der ersten Reihe der internati onalen Politik waren diesmal dabei: Der britische Premier David Cameron, IWF- Chefin Christine Lagarde und EU-Kom- missionspräsident José Manuel Barroso

sowie seine Stellvertreterin Viviane Re ding. Hinzu kamen einige nationale Grö ßen wie die finnische Finanzministerin Jutta Urpilainen oder der niederländi sche Premier Mark Rutte. Für die EZB war Klaas Knot vertreten, der bekannt wurde, als er als einer der Ersten verkün dete, dass die Sparer künftig für Banken rettungen enteignet werden sollen.

Eine Zierde des diesjährigen Treffens war Mario Monti, der es geschafft hat, Politiker, Banker, Wirtschaftsmann und Medien-Star in einem zu werden. Er ist sozusagen die menschgewordene Ver netzung, das Idealbild eines jeden feu dalistischen Systems.

Aus der Banken-Szene war Peter D. Sutherland, Chairman von Goldman Sachs International, anwesend. Der Chef der Schweizerischen Nationalbank Peter Jordan nahm teil, ebenso Josef „Joe“ Ackermann und Deutsche Bank-Auf- sichtsrat PaulAchleitner sowie Henry Kra vis von der Private Equity Firma KKR.

Aus deutschen Unternehmen kamen Peter Löscher von Siemens und der bru- talstmögliche Aufklärer der CDU und heutige Bilfinger-Chef Roland Koch an Bord.

Was diskutierten diese Leute - und warum haben sie sich in dieser Zusam mensetzung zusammengefunden? 



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Die Teilnehmer berufen sich stets auf ihre Verschwiegenheit, wie etwa der CDU-Staatssekretär Ekhart von Klaeden, der sein Schweigen über die Themen der Konferenz im Jahr 2008 damit begründete, dass das Treffen vertraulich sei und er „die Vereinbarung unter allen Teilnehmern nicht brechen werde“.

Jedenfalls sind die Teilnehmer nicht als Privatpersonen dort. Klaeden sagte auf Abgeordnetenwatch.de, dass der Deutsche Bundestag seine Teilnahme bezahle, denn: „Meine Teilnahme ist kein Privatvergnügen.“

Daher kann man davon ausgehen, dass für alle Politiker der Steuerzahler aufkommt. Denn auch Barroso oder der FDP-Hoffnungsträger Christian Lindner dürften ja nicht wegen des „Privatver gnügens“ nach London gereist sein.


Der personellen Zusammensetzung zufolge stand beim diesjährigen Treffen vor allem die Weiterbildung der EU- Führer im Fokus. Die EU-Kommission kämpft gegen einen drohenden Bedeu tungsverlust. Die aktuelle Absage an ei nen weiteren Sparkurs in Europa führte etwa Barroso vor Augen, dass er im Grunde nichts durchsetzen kann, wenn

gewinnen an Bedeutung, weil der Zahl tag für die kollektive Schuldenmacherei näher rückt.

Da ist es für Barroso und seine Freun de höchst willkommen, wenn man ein paar „Mega-Trends“ erklärt bekommt.

An erster Stelle der Agenda steht die Frage: „Können die USA und Europa schneller wachsen und Arbeitsplätze schaffen?“


Die Teilnahme an den Fortbildungs-Veranstaltungen zahlt für Politiker in der Regel der Steuerzahler.

Man braucht kein Bilderberger zu sein, um sich die Antwort vorzustellen, die Ackermann, Löscher oder der eben mit einem Skandal wegen einer Millionenab findung in die Schlagzeilen geratene No- vartis-Chef Daniel Vasella der Politik ge geben haben: MehrArbeitsplätze können nur geschaffen werden, indem die Staa ten mehr Arbeitsplätze schaffen. Dazu müssen die multinationalen Konzerne in Ruhe gelassen werden. Sie schaffen ja schon unendlich Arbeitsplätze - aller dings in Asien, weil es dort billiger ist. Das aber, so werden die Wirtschaftsführer dem Präsidenten Barroso erklären, ist auch gut für die EU. Denn dann gehen die Konzerne nicht pleite, und die Staaten müssen nicht für die Sozialkosten von Pleiten aufkommen.

Der zweite Punkt der Agenda führte in die Tiefe: „Arbeitsplätze, Sozialleistungen und Schulden“ lautete er. Hier haben die Manager und Banker den Po litikern erklärt: Die Staaten müssen spa ren, damit sie ihre Schulden abtragen können. Das kann sehr hart werden für die Staaten, ist aber alternativlos. Denn wenn die Schulden weiter steigen, dann können die Sozialleistungen nicht finan ziert werden. Dafür sind die Konzerne nicht verantwortlich, denn sie schaffen massenhaft Arbeitsplätze in den Billig lohnländern. Das wiederum ist gut für Europa - siehe oben.

Wenn die Staaten wegen ihrer Spar programme jedoch Schwierigkeiten mit den Bürgern bekommen, sollten sie auf der Hut sein: Die Lage ist im Jahr 2013 gefährlicher als früher. Die Bürger be gehren auf. Hier konnte Barroso aus ers ter Hand von den anwesenden Journa listen informiert werden: Der Chefredakteur der griechischen Zeitung Kathimerini war ebenso anwesend wie der Geschäftsführende Redakteur der französischen Finanzzeitung Les Echos, die Star-Moderatorin Lilli Gruber aus

Mario Monti konnte der finnischen Finanzministerin Jutta Urpilainen beim Treffen der Bilder berger erklären, wie Politik und Wirtschaft funktionieren sollen: Er war EU-Kommissar, Banker bei Goldman Sachs und italienischer Regierungschef.


Die Bilderberg-Konferenz ist keine Weltregierung und keine Weltverschwörung.

Sie ist mehr.

Auf der Bilderberg-Konferenz werden die wichtigsten Entwicklungen der Welt wirtschaft und ihre Folgen für die Ge sellschaften diskutiert. Hier werden die Gehirne der politischen Verantwortli chen gewaschen, damit sie eine Politik machen, die die Interessen der zeitge nössischen Feudalklasse vertritt.

Dazu braucht man keine Befehle. Dazu braucht man vor allem Wissen. Daran mangelt es den Politikern, weil

sie in der Regel keine Zeit haben, sich ernsthaft mit den Problemen der Gegenwart auseinanderzusetzen. Bei der Bilderberg-Konferenz können sie einmal im Jahr aus erster Hand erfahren, welche Trends in den kommenden Monaten gehypt werden sollen und wie man sich in einer komplexen Welt verhalten sollte.

die Nationalstaaten es nicht wollen.
Da können neue Inspirationen helfen, damit die EU-Führer künftig sicherer 
werden in der Argumentation.

Es ist in der Politik wie bei der Börse:

Insiderwissen befördert den Handel und den Profit. Ein Informationsvorsprung ist unbezahlbar.

Das Programm dieses Jahres zeigt, dass sich die Eliten aus Finanz undWirt schaft offenbar ernste Sorgen um die EU machen. Die Themen, die auf der Website der Konferenz veröffentlicht werden, sind wie ein Panorama der Bedrohungen. Und die EU wird von den Eliten als Problem angesehen. Es ist Brüssel noch nicht gelungen, die politische Union so zum Leben zu erwecken, dass Europa mit einer Stimme spricht - im Gegenteil: Die zentrifugalen Kräfte 


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menfassung und Ausblick“. Die beiden deutschen Politikvertreter Christian Lindner (FDP) und Kurt Lauk vom Wirtschaftsrat der CDU konnten mit Er leichterung feststellen, dass der Crash vermutlich doch nicht vor der Bundes tagswahl kommt.

Dass es eher früher als später, aber in jedem Fall einen Crash geben wird, dar über dürfte bei den Teilnehmern aller dings kein Zweifel bestehen.

Mit dem Programm wurde klar, dass die Wirtschafts- und Finanz-Elite den Crash in Europa erwartet. Kein Asiat, kein Südamerikaner, kein Afrikaner wa

ren anwesend. Die US-Vertreter waren eher auf dem Level der gehobenen Bü rokratie angesiedelt.

Die nächste Schlacht der Feudalher ren wird in Europa geschlagen.

Die Bilderberger bereiten sich gewis senhaft darauf vor.

Sie sollten sich jedoch nicht zu sicher darüber sein, dass sie ihn unbeschadet überstehen. Denn die Bilderberg-Konfe- renz hat einen gravierenden Konstrukti onsfehler: Sie analysiert die Welt aus schließlich aus der Vogelperspektive der Mächtigen. Das ist in der Geschichte meist schiefgegangen, weil die Bürger

am Ende immer draufgekommen sind, wenn sie hinters Licht geführt wurden.

Doch die Bilderberger sind auch auf diesen Ernstfall vorbereitet.

So gebührte das Schlusswort bei der diesjährigen Bilderberg-Konferenz ei nem Franzosen: Olivier de Bavinchove ist der Oberbefehlshaber des multinati onalen Militärverbandes Eurokorps.

Er versicherte den Teilnehmern, dass sie persönlich im Falle von Unruhen und ihre Vermögen im Falle eines Crashs so sicher seien wie die deutschen Sparein lagen. 

http://staatenlos.info/index.php/2013-01-07-06-54-05/handlungsanleitung-heimatpaket



EDITED BY WOLFGANG TIMM / CARL-HUTER-ZENTRAL-ARCHIV. www.chza.de !