Mittwoch, 24. Juli 2013

URVERTRAUEN. (HELIODA1)

Die Rückkehr des Urvertrauens


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Die heutigen Zeiten der Krisen und des Umbruchs nähren die Frage nach dem Verläßlichen und dem Unerläßlichen, die Frage nach dem tragenden Fundament des Lebens. Urvertrauen ist ein Wort, das hier in den Sinn kommt. Ist dieses Urvertrauen im Leben der Menschen noch gegenwärtig oder ist es ihnen abhanden gekommen? Und wenn es verlorengegangen ist, wie kann es zurückgewonnen werden?


Vertrauen – so läßt sich feststellen – überbrückt den Zustand und die Phase von fehlendem oder unsicherem Wissen. Nach Buddha ist Glauben Vertrauen in den Weg. Glauben wie Vertrauen müssen sich am Ende bewahrheiten, d.h. zur Gewißheit führen, sonst bleiben sie leer. 

Entwicklungspsychologen sprechen vom Urvertrauen als einem im ersten Lebensjahr erworbenen Grundgefühl zu sich selbst, anderen Menschen und dem Leben gegenüber. So wird die Fähigkeit von Erwachsenen, Krisen sowie schwierige und belastende Lebenslagen zu meistern, mit dem frühkindlichen Urvertrauen in Verbindung gebracht. Wenn man bedenkt, wie wir angesichts bedrohlicher globaler Krisen Entscheidungen und Lösungen ausweichen, kann es kollektiv mit diesem Urvertrauen nicht weit her sein. Claudia Langer spricht von der Generation „Man müßte mal, um diese Mischung aus Trägheit, Selbstgefälligkeit und Mutlosigkeit zu kennzeichnen, und die Haltung auf Kosten nachfolgender Generationen zu leben,  zu charakterisieren.


Es kann mit diesem Vertrauen auch nicht weit her sein,  wenn wir uns das große Sicherheitsbedürfnis vergegenwärtigen, das wir kollektiv an den Tag legen. All das Streben nach Versicherungen und Absicherungen in allen Lebenslagen, nach Geld, nach Waren, nach Besitz spricht eine deutliche Sprache. In diesem Sinne läßt sich eher sagen, daß wir das Vertrauen in falsche Werte gesetzt haben, nun über den Weg der Enttäuschung und der Entbehrung wieder zu anderen, tragfähigeren Werten zurückfinden müssen. In diesem Transformationsprozeß stecken wir mittendrin.


Was uns abgeht, ist nicht allein ein Vertrauen zum Leben, sondern ein Vertrauen zum tieferen Sinn des Lebens überhaupt. Für ein Urvertrauen in dieser erweiterten Dimension wird man auf die transpersonale Psychologie und Weisheitsquellen wie die Bibel verwiesen. In der Bibel sind es insbesondere jene Aussagen von Jesus, die sich auf Kleinkinder beziehen. Etwa wenn er die Erwachsenen mahnt, wie die Kleinkinder zu werden, um die Realität des Himmels = die geistige Welt zu erfahren. An einer anderen Stelle sagt er, daß Gott die tiefere Wahrheit den Weisen und Klugen verborgen und den Unmündigen offenbart hat. Die englische Übersetzung der Bibel ist hier eindeutiger und spricht von „babes“,  Säuglingen (Matthäus 10.40, Matthäus 11,25).

Die genannten Textstellen wurden vielfach interpretiert, aber letztlich nie richtig verstanden. Sie sind auch unverständlich, solange man nicht die These zuläßt, daß Neugeborene mit einem Bewußtsein in die materielle Welt kommen, das sich losgelöst vom Gehirn und vom Körper manifestieren kann. Ein vollentwickeltes Bewußtsein also, das um die Einheit der Schöpfung und die innere Verbindung zur geistigen Welt weiß. Demzufolge beginnen wir nicht mit Vertrauen, sondern mit Gewißheit die Reise ins neue Leben. Mit anderen Worten: Gewißheit ist unser erster und natürlichster Zustand. Urvertrauen in diesem Sinne heißt: Erinnerung an den Zustand der Gewißheit. Erst indem das mitgebrachte Bewußtsein durch die Identifikation mit dem kindlichen Ich und Konditionierungen von außen verblaßt, sinkt die Gewißheit als Urvertrauen zurück ins Unterbewußtsein. Hier ruht es: Einerseits bereit, jederzeit reaktiviert zu werden, andererseits in der Gefahr immer weiter zugeschüttet zu werden.

Der Weg, das Urvertrauen zu reaktivieren und es als Gewährsmittel für das Erlangen der Gewißheit zu verwenden, wäre jener Weg, den jeder Mensch und die Menschheit insgesamt zurückzulegen hätte. Eben darauf spielen die Aussagen von Jesus an, in der ihm eigenen Art in Rätseln zu sprechen.

Hier werden die Leser einwenden: Mutige Thesen, aber gibt es dafür Beweise? Es gibt sie zunächst in Form von Präzedenzfällen, weil es Personen gibt, die ihr ursprüngliches Bewußtsein über die frühkindliche Phase hinaus beibehalten konnten. Der indische Yoga-Meister und Philosoph Yogananda beschreibt sehr eindrücklich, wie er sich als Säugling bei vollem Bewußtsein in einem Körper eingesperrt sah und sich nur durch Schreien und Weinen bemerkbar machen konnte. Ein quälender Zustand, den er, wie er ausführt, durch inneres Beten zu kompensieren versuchte. Ihm zufolge sind solche Erinnerungen nicht selten. Recht hat er, und der Autor konnte im Rahmen seiner Arbeit mit Einzelpersonen und Gruppen selbst diese These wiederholt bestätigt finden. Zwar waren die Erinnerungen im Vergleich zu Yogananda eher bruchstückhaft, zugleich aber sehr tief bewegend. Dort, wo es zu einem Durchbruch zu dem frühkindlichen Bewußtsein kam, waren die Menschen dauerhaft verändert: innerlich ruhiger, gelassener und weniger an materiellen Dingen interessiert. Gruppen, die nach dem Prinzip des Teilens arbeiten, scheinen besonders in der Lage, ein übersummatives Kraftfeld des Vertrauens zu erzeugen, das es einzelnen, vorbereiteten Personen erleichtert, diesen Durchbruch zu erzielen. 

Das zeigt: Der Weg zurück ins Urvertrauen und damit zu dem inneren Wissen der geistigen Einheit und Verbundenheit steht allen offen. Als These formuliert: Wer ehrlich und beharrlich danach strebt, denen wird der Weg zurück ins Urvertrauen nicht verwehrt bleiben.


Der aufgezeigte Sachverhalt findet noch von einer anderen Seite her Bestätigung, nämlich vom Phänomen der Nahtoderfahrung. Offenbar beinhaltet die Todeserfahrung einen natürlichen Weg zurück zum Urvertrauen bzw. zur Gewißheit der Einheit, mit dem wir das Leben beginnen. Geburt und Tod sind Übergänge, in denen sich unser wahres Sein, losgelöst vom physischen Körper,  kurzeitig offenbart. Lassen wir den Sterbeforscher Bernard Jakoby zu Wort kommen. 

Nach ihm zeigt die langjährige Erforschung des Phänomens, daß Bewußtsein unabhängig vom Körper existiert, weil sich das Material anders gar nicht mehr deuten läßt.“ Die Menschen mit Nahtoderlebnissen würden die Angst vor dem Tod verlieren, „weil sie in der Begegnung mit dem Licht mit der wohl größten vorstellbaren Liebe konfrontiert worden sind. Sie gewinnen durch eigene Anschauung und Erfahrung eine Art Urvertrauen in die Schöpfung.“ Da haben wir dann das Vergessene zurück. 

Besonders anschaulich und ausführlich beschreibt der Neurochirurg Eben Alexander seine Nahtoderfahrung und seine Erfahrungen im Komazustand, denen zufolge wir alle Teil eines universalen, unsterblichen Bewußtseins sind. Wir alle tragen dieses Wissen in uns und müßten uns nur daran erinnern. 

Bernard Jakoby schließt mit den Worten: „Wir haben, ehrlich gesagt, im Moment eine oberflächliche Gesellschaft ohnegleichen. Die Nahtoderfahrungen zeigen, daß wir eine Eigenverantwortung für unser Leben haben und daß der Tag kommt, wo wir uns alle ungeschminkt ins Gesicht schauen müssen.“


Damit sind wir wieder bei Claudia Langer und dem „Man müßte mal“: Man müßte sich mal mehr für dieses Urvertrauen, das in jedem von uns schlummert, interessieren und nicht bis zum Sterbebett warten. Man müßte mal entschlossener für eine gerechtere, nachhaltige Welt eintreten und dafür kollektiv Druck aufbauen. 

Dabei könnte es so einfach sein: Die Einführung des Prinzips des Teilens brächte uns ganz natürlich zurück ins Urvertrauen. Denn Teilen ist nichts anderes, als gelebtes Urvertrauen. Bislang sind wir mehr oder weniger Gefangene unserer selbst, eingenebelt von Gedanken der Unsicherheit und Ungewißheit. Von daher fragt es sich: Brauchen wir eine kollektive Nahtoderfahrung? Brauchen wir noch viel mehr Krisen, Katastrophen, Krankheiten, ehe wir aufwachen und handeln?

Ihr

Thomas Weis

Artikelbildquelle:

Gerhard Bulyga  / www.pixelio.de

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