Donnerstag, 4. Juli 2013

SCHWEIZ: "FOURTH OF JULY" - 600 JAHRE NACH BEITRITT DES KANTONS ZÜRICH ZUR EIDGENOSSENSCHAFT EINE ART NATIONALFEIERTAG FÜR ZÜRICH. (HELIODA1)

Erstes «Züri-Fäscht» im Jahr 1951

«Ein helvetischer Quatorze Juillet»

Auch Zürich, wo einige der vom unseligen Steuerstreit betroffenen Banken ihren Hauptsitz haben, übt  sich übrigens im Feiern – am bevorstehenden «Züri-Fäscht» nämlich, dessen erste Ausgabe im Jahr 1951 auch einen patriotischen Hintergrund hatte, wie Zürich-Redaktor Adi Kälin schreibt

[DER VIDEO-TIPP by W. Timm / Kommission 146 & Carl-Huter-Zentral-Archiv:

Das musst du dir auf YouTube ansehen:

Hier Teil 2
Lg Wolfgang Timm
http://youtu.be/WUX02Ay-WWM


Von W. Timm iPad Mini gesendet

EDITED BY W. TIMM / CARL-HUTER-ZENTRAL-ARCHIV / KOMMISSION 146. http://www.chza.de / http://www.staatenlos.info

Ende].


600 Jahre nach dem Beitritt des Kantons Zürich zur Eidgenossenschaft wollte man damals eine Art Nationalfeiertag begehen, einen «Fourth of July» oder einen «Quatorze Juillet» für Zürich.






Zum 600-Jahr-Jubiläum fand 1951 das erste Züri-Fäscht statt. Es war ein verregnetes «Fest des Volkes» mit Flaggen und Blumen in der ganzen Stadt und Gasfackeln entlang des Seeufers – dafür ohne Feuerwerk.


Adi Kälin

Gefeiert wurde in Zürich und am See natürlich schon früher. Ein schönes Seenachtsfest gab es etwa 1932 anlässlich der ersten Zürcher Autoschau. Bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkriegs wurden auch immer wieder Feuerwerke gezündet, zuletzt an der Landesausstellung 1939. Das erste «Züri-Fäscht» aber fand erst zur 600-Jahr-Feier 1951 statt. Es sollte, wie Hans Hofmann, der Chefarchitekt der Landi, einem Initiativkomitee skizzierte, «ein helvetischer Quatorze Juillet» werden. Wer will, kann noch heute nachprüfen, ob dies gelungen ist – und sich ein sehr anschauliches Bild machen. Nach dem Fest wurde nämlich das Erinnerungsbuch «Fest des Volkes» gedruckt mit unzähligen Bildern, ausgewählt vom berühmten Fotografen Gotthard Schuh – und einem launigen Text von Edwin Arnet, dem damals beliebten Schriftsteller und NZZ-Lokalredaktor.


Zwei neue Zürcher Brücken

Es war ein sehr traditionelles Fest – mit einem bejubelten Zug der Behörden, mit Trachten- und Brauchtumsgruppen aus der ganzen Schweiz, einem Fahnen- und Blumenmeer in der Stadt. Auf den Bildern im Erinnerungsbuch fallen ein paar besondere Attraktionen auf: Von den Türmen des Gross- und des Fraumünsters sind zur Münsterbrücke Seile gespannt, die mit Flaggen behängt sind. Ausserdem hat Zürich aufs Fest hin zwei neue Brücken zwischen Gemüse- und Quaibrücke bekommen, schwankende Stege über hölzerne Schwimmkörper, erstellt von Rekruten einer Pontoniereinheit. Die Zürcherinnen und Zürcher hatten an der veränderten Situation in der Limmat ihre helle Freude, wie es Edwin Arnet schilderte: «In langen Kolonnen wandern die Zürcher über die eine Brücke hinüber und über die andere wieder zurück, und wer nicht genug hat, beginnt die Brückenwanderung von neuem.» An den Enden der Brücken gab es stilisierte Löwenköpfe, denen man Geld in den Rachen werfen konnte – nicht als Brückenzoll, sondern zur Finanzierung eines Jugendhauses. 30 000 Franken kamen so zusammen.

Ein Autoscooter beigeisterte Jung und Alt.
Ein Autoscooter beigeisterte Jung und Alt.(Photopress / Keystone)

Am Freitag fand die Eröffnung auf dem Münsterhof statt – mit Ansprachen von Stadtpräsident Emil Landolt und seinem Vorgänger Ernst Nobs, der mittlerweile Bundesrat geworden war. Im Münster wurde Händel gespielt und via Lautsprecher auf den Platz übertragen. Tags darauf fand zunächst der Umzug der Behörden mit dem Bundesrat in corpore statt, «freundlich nach allen Seiten grüssend, manchmal mit beiden Händen den Beifall einsammelnd», wie Arnet schrieb. Man wirft den Landesvätern Blumen in Hülle und Fülle zu, weshalb sie «immer wieder aus der Würde des magistralen Schreitens herausfallen». Es folgen der Festakt im Grossmünster und der grosse Umzug mit Gruppen und Trüppli aus allen Zürcher Bezirken und der ganzen Schweiz.

Volles Programm am «Züri-Fäscht» 2013

Das «Züri-Fäscht» ist bekannt für sein üppiges Programm. Den erwarteten zwei Millionen Besuchern wird auch an der diesjährigen Ausgabe des grössten Volksfests der Schweiz am kommenden Wochenende einiges geboten.

Die Stände von 130 Festwirtschaften und 300 Markthändlern sind vom Mythenquai am linken Zürichseeufer über die Altstadt rund um den See bis hin zum Zürichhorn verteilt. Dazwischen laden 60 Chilbi-Buden zu einer Fahrt auf dem Karussell oder auf dem Riesenrad vor dem Stadthaus ein. Der Höhepunkt des Programms sind einmal mehr die beiden Feuerwerke am Freitag- und Samstagabend. Eine halbe Stunde lang wird ab 22.30 Uhr der Himmel über dem Zürichsee mit zahlreichen Raketen erleuchtet. Die Feuerwerke, welche von fünf Schiffen aus gezündet werden, können rund um das Seebecken bestaunt werden. Am General-Guisan-Quai beehrt mit dem Tessin zum ersten Mal ein Gastkanton das «Züri-Fäscht». Eine weitere Attraktion stellt der Hochseilakt über der Limmat dar. Von Freitag bis Sonntag werden den Zuschauern zu unterschiedlichen Zeiten Kunststücke von Hochseilartisten gezeigt, die auf einer Höhe von 55 Metern zwischen den Türmen des Grossmünsters und der Kirche St. Peter balancieren.

Mitten auf der Limmat findet zudem eine Wakeboard-Show statt. Die Surfer springen, von einem Motorboot gezogen, über Schanzen – sogenannte Obstacles. Ebenfalls auf der Limmat findet zwischen Central und Rudolf-Brun-Brücke ein Drachenboot-Rennen statt. Am Utoquai soll zudem eine Parade von über 300 Elektroautos Eingang ins Guinness-Buch der Rekorde finden. Eine Partymeile zwischen Opernhaus und Bad Utoquai lädt auf der rechten Seeseite zum Feiern ein.


«Seit Zürich besteht, hat es über seine Strassen, Plätze und Brücken keine so ungeheuren Menschenmassen gesehen», heisst es im Erinnerungsbuch. Überall stehen Tische und Bänke bereit. 42 000 Leute können sitzen, essen und trinken. Am Ende waren 197 000 Würste verputzt und 76 000 Flaschen Bier getrunken – nebst Mineralwasser, Säften und 7000 Stück «Eiscrème». Dabei war das Wetter gar nicht glacemässig: Irgendwann am Samstag begann es zu regnen, ein Meer von Schirmen war nur noch zu sehen, wo kurz zuvor Tausende Köpfe dicht an dicht auszumachen waren. Doch man trotzte dem Regen – und die Veranstalter improvisierten. So wurde etwa das Stadthaus kurzerhand zum Ballsaal umfunktioniert. Und am Sonntag wurde das Wetter dann, wie Arnet schrieb, ein wenig «sommerseliger».

Trachtenfrauen im Umzug des ersten Zuerifäschts.
Trachtenfrauen im Umzug des ersten Zuerifäschts.(Photopress / Keystone)

«Das festlichste aller Feste»

Dem Automobil wurde 1951 kein Feuerwerk mehr gewidmet – im Gegenteil: Arnet hatte den Eindruck, dass man den anachronistischen Zustand einer autofreien Innenstadt sehr genoss. Am grössten sei die Attraktion «auf dem Bellevueplatz, der sonst das Zürcher Tollhaus der Fahrzeuge ist. Man sitzt jetzt zwischen den hohen Häusern und der Öffnung nach der Seelandschaft hin wie in einem Freiluftrestaurant». Obwohl sich die Leute in der Innenstadt drängten, nahm es Arnet, der sonst eine Abneigung gegen Menschenmassen hatte, nie als bedrohlich war. Es sei eine Volksfeier gewesen, aber kein «Volksgewühl». Und «es geschah das Wunder, dass eine Volksmasse ohne die lauernde Dämonie des Unberechenbar-Massenhaften war». Alle seien freundlich geblieben, auch wenn sie angestossen wurden oder wenn ihnen jemand auf die Füsse trat. All dies lässt Arnet resümieren, dass Zürich im Jubiläumsjahr «das festlichste aller Feste» erlebt habe.

1954 fand das zweite «Züri-Fäscht» statt, angekündigt als das «grösste Seenachtsfest seit Wilhelm Tell». Dann war erst einmal Pause: Es gab zwar immer wieder grosse Volksfeste, und es gab ab und zu Feuerwerke. Zur festen Zürcher Tradition wurde das «Züri-Fäscht» aber erst ab 1976. Seither wird alle drei Jahre rund ums Zürcher Seebecken gefeiert – mit prächtigem Feuerwerk und eher mehr als weniger «Volksgewühl».



Öffentlicher Verkehr rund um die Uhr

Wenn zwei Millionen Besucher am kommenden Wochenende anlässlich des diesjährigen «Züri-Fäschts» in ihre Bratwürste beissen, hat der motorisierte Individualverkehr das Nachsehen. Wie die Stadtpolizei Zürich mitteilt, sind von Freitag bis Sonntag in der Innenstadt grössere Verkehrsbehinderungen zu erwarten. Ab Freitagmorgen um 11 Uhr bis Sonntag um Mitternacht sei mit erheblichen Wartezeiten zu rechnen.

Um bequem ans Fest zu gelangen, empfiehlt die Polizei, vom Angebot der öffentlichen Verkehrsmittel Gebrauch zu machen. Über 450 S-Bahn-Extrazüge und weit über 1000 zusätzliche Tram- und Busverbindungen bringen die Besucher des «Züri-Fäschts» zu jeder Tages- und Nachtzeit in die Stadt und wieder nach Hause. Der Zürcher Verkehrsverbund (ZVV) verzichtet an diesem Wochenende auf den Nachtzuschlag. Für Festbesucher, die sich das Feuerwerk lieber von oben als im Getümmel auf der Quaibrücke ansehen oder sich sonst einen Überblick auf das grösste Volksfest der Schweiz verschaffen wollen, fährt die Üetlibergbahn rund um die Uhr auf den Zürcher Hausberg. Der ZVV empfiehlt, das Ticket für die Rückfahrt nach Hause bereits auf dem Hinweg zu lösen. Die bisherigen Erfahrungen zeigten, dass sich vor allem nach den Feuerwerken lange Warteschlangen an den Ticketautomaten bilden.

Auch für einen reibungslosen Datenverkehr sind Vorkehrungen getroffen worden. So unterstütze etwa der Mobilfunkbetreiber Swisscom mit vier zusätzlichen Sendern während des Fests sein Netz, sagt Roland Stahel, Geschäftsführer des «Züri-Fäschts». Die Konkurrenten Sunrise und Orange ergreifen laut eigenen Angaben ebenfalls Massnahmen, um am kommenden Wochenende ihr Mobilfunknetz zu verstärken.

EDITED BY W. TIMM / CARL-HUTER-ZENTRAL-ARCHIV / KOMMISSION 146. http://www.chza.de / http://www.staatenlos.info