Dienstag, 25. Juni 2013

WIRTSCHAFT: DEN ETABLIERTEN PARTEIEN FEHLEN MUT UND ÜBERZEUGENDE KONZEPTE. (HELIODA1)

Re: [AG-GOuFP] [AG Wirtschaft] Den etablierten Parteien fehlen Mut und überzeugende Konzepte

Es gibt Konzepte, sie werden aber bisher von vielen nicht verstanden und durch Lobbyismus in Wirtschaft, Medien und Politik wird dafür gesorgt, dass sie ignoriert oder verunglimpft werden.

Beispiele sind Monetative, Erbschaftssteuer, Vermögenssteuer, Umlaufsicherung, Social Business, Gemeinwohlökonomie und auch mein Konzept Wertschöpfungsentgelt. 

Um die Wirkung dieser Maßnahmen wirklich zu verstehen, muss man über den Tellerrand des betriebswirtschaftlichen Denkens hinaus und volkswirtschaftlich denken. 


Das bedeutet v.a.: 

1. Wirtschaft und Geld als Kreislauf begreifen und 

2. auch die Gegenbuchungen in der Wirtschaft sehen (Einnahme=Ausgabe, Vermögenszuwachs=heute Schuldenzuwachs, ...).


Heute ist die Wirtschaftswissenschaft bestimmt von Lobbyismus und glaubenssatzbasierten Wirtschaftstheorien.

Wir brauchen aber eine empirische, realitätsbezogene Wirtschaftswissenschaft.


Ich habe schon ab und zu etwas dazu geschrieben, hier die reale Einkommensverteilung an Privatpersonen, Daten von dem Statistischen Bundesamt, hier in Zusammenhang gebracht:

Netto-Arbeitseinkommen ca. 780 Mrd.€, abzgl. MWSt-Anteil usw. ca. 560 Mrd. €. (31%)
Netto-Vermögenseinkommen ca. 412 Mrd. € (23%) Ausschüttungen, Zinsen
Investitions- und Abschreibungsbereinigter Sachvermögenszuwachs: 450 Mrd. € (25%) Aktienbesitz, Grundstückswertsteigerung usw.
Rente und Pension: 279 Mrd. € (16%)
ALG+Sozialgeld: 95 Mrd. (5%)


Das Einkommen/ der Vermögenszuwachs wird also dominiert von Einkommen und Vermögenszuwachs aus Besitz (48%). Einkommen aus sozialer Indikation beträgt 21%. 

Das Einkommen derer, die all die Leistungen erbringen, die zu Unternehmenseinkommen (=~BIP) werden liegt bei 31%. 

Es existiert also definitiv ein Verteilungsproblem und ein funktionales Problem. 

Die größte Rolle spielen dabei die Ausschüttungen, Zinsen und Sachvermögenszuwächse durch reinen Besitz (und die so entstehende Macht).



Nehmen wir ein konkretes Beispiel: Stefan Quandt, einer der Besitzer von BMW. 

Ihm gehören 104.747.120 Aktien des Automobilkonzerns. In 2012 erhielt er 241 Millionen € Dividende [http://www.handelsblatt.com/unternehmen/management/koepfe/stefan-quandt-ich-habe-keinen-geldspeicher-wie-dagobert-duck/7058638.html ] , so hoch war also mindestens sein Einkommen aus Ausschüttungen (=Rendite). Dieses Geld gibt er selbstverständlich nicht für Konsum aus sondern aus sondern verwendet es „um das Vermögen zu stabilisieren“. 

Das bedeutet, er legt es an (Zinseinkommen) und kauft weitere Firmen, die Gewinn abwerfen. 

Der Aktienkurs stieg von 53,16 € auf 75,93 €, das ergibt einen Sachvermögenszuwachs von 2,39 Milliarden € (auf 8 Milliarden €) allein aus Aktien. 

Was immer er aus Arbeit dazu verdient, ist im Vergleich dazu nichts als Taschengeld – selbst wenn man ihn als Unternehmer des Konzerns ansehen würde (er aber in dieser Form nicht ist und sich diese Aufgabe mit hunderten anderen Verantwortlichen teilt).


Am oberen Ende der Vermögen wird also der Wertzuwachs verbucht, der durch Wertschöpfung (Arbeit) und Inflation (Geldmengenzuwachs ohne Gegenwert) verursacht wird.

Es ist ein Gesetz der großen Zahl dass der, der ein vielfaches mehr hat als der Durchschnitt ein noch viel höheres Einkommen aus Rendite bekommt, das er nie und nimmer für Konsum verwenden kann. 

In einer realen Welt mit begrenzten Ressourcen bedeutet unermesslicher Reichtum an einem Ende der Skala einen Überlebenskampf am unteren Ende der Skala. 

Es ist nichts gegen Reichtum einzuwenden, doch wird er zur Gefahr, wenn er jedes menschliche Maß überschreitet.


Daher sehe ich die Notwendigkeit, sowohl die Geldschöpfung als Ursache des Geldvermögenswachstums auf Arbeitseinkommen umzulegen als auch 
dafür zu sorgen, dass die Breite der Bevölkerung Eigentum am Produktiv- und Sachvermögen bekommt. 

Diese beiden Ansätze lassen sich vereinigen.


Dazu habe ich das Konzept Wertschöpfungsentgelt entwickelt.https://wiki.piratenpartei.de/Antrag:Bundesparteitag_2013.1/Antragsportal/WP129 

Resultat der Maßnahme soll sein, dass 
a)    Das Eigentum von Unternehmen mittelfristig mehrheitlich bei seinen Mitarbeitern liegt, 
wodurch die 450 Mrd. € jährlichen Sachvermögenszuwachs Eigentum der breiten Bevölkerung sind
b)    Das Eigenkapital der Unternehmen bei >51% liegt und damit sowohl Selbstbestimmung einkehrt als auch
c)    Nur noch ein sehr kleiner Anteil der Unternehmenseinnahmen an externe „Kapitalgeber“ abfließt und somit
d)    Das Netto-Arbeitseinkommen und die Steuer-/Sozialeinnahmen um insgesamt 400 Mrd. € steigen
e)    Dadurch die Nachfragelücke geschlossen wird, die sonst durch Sparen entsteht und heute durch Staatsverschuldung geschlossen wird
f)    Der Staat innerhalb von 15 Jahren entschuldet wird und
g)    Die Sozialgelder und Renten auf angemessenem Niveau sind, gleichzeitig der Beitrag durch Arbeit mehr belohnt wird
h)    Der Gesamtwohlstand wächst, ohne Handelsbilanzüberschuss erzielen zu müssen
i)    Die internationale Wettbewerbsfähigkeit steigt
j)    Die internationale Abhängigkeit, insbesondere von Fremdkapital, verschwindet fast vollständig
k)    Wachstumszwang verschwindet
...

Das Konzept habe ich auch schon hier vorgestellt. 


-----Ursprüngliche Nachricht-----
Von: ag-wirtschaft-bounces+cu_mayer=menschen-gerechte-
gesellschaft.de@lists.piratenpartei.de [mailto:ag-wirtschaft-
bounces+cu_mayer=menschen-gerechte-
gesellschaft.de@lists.piratenpartei.de] Im Auftrag von Richard C
Gesendet: Sonntag, 23. Juni 2013 17:36
An: ag-wirtschaft@lists.piratenpartei.de
Betreff: Re: [AG Wirtschaft] Den etablierten Parteien fehlen Mut und
überzeugende Konzepte


Massenproteste, aber auch Wahlerfolge neuer Parteien in etlichen
Krisenländern weltweit zeigen, dass sich immer mehr Menschen nicht mit
Illusionen und Versprechungen von den etablierten Parteien und
Parteipolitikern abspeisen lassen wollen.
Deutschland ist noch kein Krisenland. Werden die Deutschen darauf
warten, bis das Kind in den Brunnen gefallen ist? Ja, sehr wahrscheinlich.
Gar kein schlechtes wort, nur was ist die Lösung?

In meinen Augen fehlt es an der Überzeugung funktionierende Konzepte
durchzuführen. Alle Konzepte die vorgetragen werden sind nicht neu und
auch die Diskussion ist alt.

Zur Auswahl haben wir:
Kapitalismus <=> Workfare <=> Wellfare <=> Planwirtschaftlichen
Sozialismus <=> Kommunismus

Entweder haben wir den politischen Kampf zwischen Kapitalismus und
Wellfare oder den Konflikt zwischen Workfare und Wellfare, in D letzteres.

Das einzige Konzept was zu funktionieren scheint, in D haben wir ein viel zu
kleines Zeitfenster um darüber zu urteilen, ist Workfare. Alles andere ist
weltweit kolossal gescheitert.

Und was ist in D die Diskussion: Workfare wieder abzuschaffen.
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