Mittwoch, 19. Juni 2013

HUSUM: NEUE INITIATIVE WILL "WINDENERGY" IN HUSUM HALTEN. (HELIODA1)

Neue Initiative will "WindEnergy" in Husum halten


Husum. Kommt es am 25. Juni zu keiner Einigung, könnte es in Husum eine neue Messegesellschaft geben, unter deren Hoheit die Leitmesse "WindEnergy 2014" stattfinden wird. Katharina Knox, Kommanditistin der Husumer Messegesellschaft und Sprecherin der neu gegründeten Initiative "WindEnergy 2014 in Husum" und ihre bisher mehr als 500 Mitstreiter sind entschlossen, dieses Ziel umzusetzen. Knox: "Husum wird als Standort nicht aufgegeben."

Abgewartet werden letzte Gespräche mit der Husumer Wirtschaftsgesellschaft mbH & Co. KG, die die Windmesse betreibt - sowie deren Beschlüsse bei der für den 25. Juni einberufenen Gesellschafterversammlung. 100 Kommanditisten - darunter auch der Kreis - gehören zur HWG. "Wir stehen hinter der 'Husum Wind 2015'. Die Windmesse bleibt Herzstück unseres Messestandorts. Details des Konzepts präsentieren wir zunächst unseren Gesellschaftern am 25. Juni. Ein Arbeitskreis zur weiteren inhaltlichen Konkretisierung wird derzeit auf unsere Initiative hin gebildet und trifft sich Anfang Juli", äußerte sich gegenüber unserer Zeitung der Geschäftsführer der Messe & Congress Husum, Peter Becker.

Die Husumer und Hamburger Messegesellschaften haben sich darauf geeinigt, dass die Weltmesse für die Branche schon vom nächsten Jahr an in der Hansestadt stattfinden soll, und in Nordfrieslands Kreisstadt in den ungeraden Jahren eine kleinere Leistungsschau organisiert wird (wir berichteten).

Dies hält die Initiative für einen schweren Fehler und befürchtet wirtschaftliche Nachteile für den Standort Husum und die Region - bis hin zum Verlust von Arbeitsplätzen. "Wer weiß denn, ob Firmen nicht abwandern, wenn die Weltmessse nicht mehr bei uns ist", erklärte Katharina Knox auf Anfrage. Sie verwies auf eine Wertschöpfung von 16 Millionen Euro aus der Windmesse 2012. "Husum ist der etablierte Platz der internationalen Leitmesse Windenergie. Die große Mehrheit der Windenergiebranche will am bewährten Messekonzept und der Allianz mit Hannover festhalten. Es ist die Leitmesse für den Mittelstand und die bedeutenden Branchenverbände." Die Sprecherin führte an, dass "Vertriebler" bei einer Umfrage erklärt hätten, dass sie bei der Leitmesse in Husum ihre besten Geschäfte machen würden und nicht noch eine höhere Anzahl an Windmessen in Deutschland benötigt werde, da dass von der Branche aus Kostengründen nicht umsetzbar sei - stattdessen sollten es weniger und spezialisierte Messen geben. "2015 in Husum wird floppen", ist Katharina Knox überzeugt.

Die Branche befürchtet nach ihren Aussagen aber vor allem, dass eine Messe in Hamburg nicht mehr vom Mittelstand bestimmt wird, sondern von wenigen internationalen Konzernen und den Energieunternehmen, "die mehrheitlich das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) als Grundlage für die Windenergienutzung in Deutschland ablehnen".

Und so fordert die Initiative, die internationale Leitmesse in geraden Jahren in Husum und die internationale Industriemesse mit Windenergie 2015 in ungeraden Jahren in Hannover zu veranstalten: gemäß der Windallianz und gemäß des Pachtvertrages mit der Stadt Husum. Knox: "In Hamburg könnte es ja eine Offshore-Messe für die Konzerne geben."

Die Sprecherin kritisierte, dass lediglich auf Initiative von vier im Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) organisierten Windkraftanlagenher stellern vereinbart worden sei, die "WindEnergy 2014" nach Hamburg zu verlegen - ohne jede Absprache mit den Windenergieverbänden. "Diese vier, im VDMA organisierten Unternehmen haben einen aktuellen Marktanteil von unter 15 Prozent und sind nur vier Aussteller von insgesamt rund 1200 Ausstellern bei der 'WindEnergy 2012' in Husum", betonte Katharina Knox. "Sie sind nicht die Stimme der Windbranche." Dem hielt Peter Becker gestern entgegen: "Unser Vertrieb meldet uns die Erleichterung der Branche zurück und erste Buchungen für 2015 - darunter die führenden Anlagenhersteller. Die Branche stützt die neue 'Husum Wind'."

Das Messekonzept der Initiative sieht eine internationale Leitmesse Windenergie (Onshore) vom 23. bis 26. September 2014 in Husum vor und toleriert zeitgleich eine Offshore-Windenergie-Spezialmesse in Hamburg. Auf dieser Basis sei eine gute Kooperation auf Augenhöhe möglich und erstrebenswert.

In nächster Zeit wollen Vertreter der Initiative vorbereitende Gespräche mit der Stadt Husum, verschiedenen Dienstleistern und Messegesellschaften - zum Beispiel der Hannover-Messe - führen. Die Vorfinanzierung zur Gründung einer neuen Windmesse-Gesellschaft sei durch Finanzzusagen "in beträchtlicher Höhe" gesichert, sagte Knox.

Zu den Initiatoren gehören bisher mehr als 500 Unternehmen, Dienstleister, Projektierer, weitere Kommanditisten der Husumer Messegesellschaft, die Arge Netz mit mehr als 220 Gesellschaftern sowie der Bundesverband Windenergie. Katharina Knox hat bereits auf internationaler Ebene Kontakt zu Ausstellern aufgenommen, die die Initiative unterstützen würden.

Morgen, wenn Ministerpräsident Torsten Albig zum Sommerempfang der Industrie- und Handelskammer im Nordsee-Congress-Centrum in Husum erwartet wird, stehen Katharina Knox und weitere Initiatoren bereit, um Albig über ihre Päne zu informieren.

"Die Politik - auch ein Landesvater - kann den Wandel einer Pionier-Branche zu einer globalen Industrie nicht verhindern. Die großen Anlagenhersteller bevorzugen Hamburg als Standort für die internationale Leitmesse. In Husum werden diese künftig ab 2015 die Entscheider des deutschen Raums treffen und das bekannte Husumflair genießen", kommentierte Messe-Chef Becker die geplante Aktion. "Wir suchen den Dialog mit unserer Gesellschafterin Frau Knox. Grundsätzlich haben wir beide das Wohl des Messestandortes im Sinn. Wir nehmen aber vor allem eine erneute Verunsicherung unserer Kunden wahr, die über die Einigung sehr erleichtert sind. Unser Ziel ist es, wieder Vertrauen in den Standort zu schaffen, 2015 eine Qualitätsmesse zu organisieren und alle Kräfte in der Region einzubeziehen."