Freitag, 28. Juni 2013

ERSTER ALPENÜBERFLUG - SONDERAUSSTELLUNG - OSKAR BIDER - 1913. (HELIODA1)

Sonderausstellung zu erstem Alpenüberflug

Der Held im «Windsack»

Panorama 
Junger Abenteurer: Oskar Bider wagte als 22-Jähriger den Flug über die Alpen. Das Bild zeigt ihn nach seiner Ankunft in Mailand.
Junger Abenteurer: Oskar Bider wagte als 22-Jähriger den Flug über die Alpen. Das Bild zeigt ihn nach seiner Ankunft in Mailand. (Bild: Verkehrshaus der Schweiz)
Er war Pilot bei der Schweizer Luftwaffe und flog vor hundert Jahren als Erster über die Alpen. Nun ehrt das Verkehrshaus den Abenteurer Oskar Bider mit einer Sonderausstellung.

Es ist ein gewagtes Unterfangen, dem sich der tags zuvor 22 Jahre alt gewordene Oskar Bider stellt. Kurz nach 4 Uhr morgens setzt er sich am 13. Juli 1913 auf dem Flugplatz Bern-Beundenfeld in seinen Eindecker und hebt ab. Die Route führt ihn über das fast 3500 Meter hohe Jungfraujoch nach Domodossola, wo er Treibstoff tankt. Um 8 Uhr 42 landet Bider schliesslich in Mailander hat als Erster die Alpen vollständig überflogen. Seine Maschine wird im September 1913 bei einer Notlandung zerstört, der Motor allerdings wird repariert und bleibt erhalten.


Stoff für einen Hollywoodstreifen


Dieser bildet das Herzstück einer Sonderschau, die jetzt im Verkehrshaus der Schweiz in Luzern zu sehen ist. Er habe die auf dem Motor eingravierte Seriennummer mit jener historischer Dokumente verglichen und sein Glück kaum fassen können, als die Zahlen übereingestimmt hätten, sagte der Kurator Damian Amstutz am Donnerstag vor den Medien. «Biders Lebensgeschichte ist so spannend, sie bietet Stoff für einen Hollywoodstreifen», sagte Amstutz zum Motiv, die Ausstellung aufzubauen.

Hangar soll an neuen Platz

Auf dem Flugplatz Bern-Belp steht seit 1928 ein Hangar, der Oskar Bider gewidmet ist. Der denkmalgeschützte Holzbau schien dem Untergang geweiht. Jetzt interessiert sich die Gemeinde Langenbruck (BL) für den Bau, wie Rolf Ellwanger von der IG Bider-Hangar an der Ausstellungseröffnung sagte. In Langenbruck, dem Geburtsort Biders, wolle man ein Museum einrichten und den Hangar aufstellen. Dazu müsste das Gebäude verschoben werden. Die Kosten dafür schätzt Ellwanger auf gegen eine halbe Million Franken. Bevor es zur Ausführung kommt, müssen verschiedene Parteien, wie die Stadt Bern, ihre Einwilligung geben.

Zu sehen sind im dritten Stock der Luftfahrthalle zehn Vitrinen mit unzähligen Originalen, etwa einer Visitenkarte oder einem Helm Biders. Die Objekte stammen laut dem Kurator Amstutz aus dem Archiv des Verkehrshauses, sind Leihgaben eines anderen Museums oder von Privaten. 

Gezeigt werden auch zahlreiche Bilder, sie sollen die unterschiedlichen Gesichter Biders widerspiegeln: Zuerst lebte der ausgebildete Landwirt als Cowboy in Argentinien, später arbeitete der Oberleutnant für die Schweizer Armee und bildete die ersten Militärpiloten aus. Eine Fotografie zeigt ihn mit strenger Miene neben seinem Schüler, dem Swissair-Mitgründer Walter Mittelholzer.

BILDSTRECKE

Pionier: Das Porträt zeigt den Schweizer Piloten und Abenteurer Oskar Bider.

Nichts für schwache Nerven

Oskar Bider habe Luftfahrtgeschichte geschrieben, würdigte Aerosuisse-Präsident Paul Kurrus den Piloten. Er habe seine Vision entgegen allen Widerständen in die Tat umgesetzt und mutig seinen Weg beschritten. 

Dabei habe er zum Beispiel nur wenig Ahnung von den Windverhältnissen in den Bergen gehabt und ausschliesslich mithilfe seiner Augen navigiert. «Sein Flugzeug erinnert heute an einen motorisierten Windsack».

Das Abenteuer sei nichts für schwache Nerven gewesen und nur gelungen, weil sich Bider minuziös vorbereitet habe. Obwohl er so bekannt wie ein Filmstar gewesen sei, sei er bescheiden geblieben.

Ein tragisches Ende nahm die Geschichte, als Bider am 7. Juli 1919 in Dübendorf bei einem Trainingsflug ums Leben kam. Bis heute ist unklar, ob er alkoholisiert am Steuer sass oder gar Selbstmord beging. Fakt ist, dass sich einen Tag später seine Schwester Leni umbrachte. «Helden haben Schwächen, das schmälert ihre Verdienste nicht», sagte abschliessend der Kurator Damian Amstutz.

Die Sonderausstellung «Oskar Bider, der Flieger» im Verkehrshaus der Schweiz in Luzern dauert vom 27. Juni bis zum 1. September 2013.