Montag, 10. Juni 2013

BILDERBERG 2013 NACHLESE 2v2. (HELIODA1)

Bilderberg, Juni 2013: Der Tunnel und das Licht am Ende

Andreas von Rétyi

Der »Stammtisch der Supermächtigen« ist vorüber – die schwarzen Limousinen haben dasGrove-Hotel verlassen, die Hohepriester von Macht und Globalisierung begeben sich zurück an die diversen Stätten ihres »Wirkens«, während in Watford bei London allmählich wieder die Normalität einkehrt. Das Bilderberg-Treffen von 2013 hinterlässt gemischte Gefühle, doch gab es einige Lichtblicke – ganz gleich, ob Bilderberg diese Entwicklung nun begrüßt oder nicht.

»Das ist westlicher Kapitalismus auf seinem höchsten Level«, so charakterisiert der ehemalige britische Minister Michael Meacher (Labour Party) die Bilderberg-Konferenz und fügt hinzu: »Wir sind berechtigt, darüber Bescheid zu wissen.« Er teilt das Unbehagen vieler Kritiker, jenes

Unbehagen, ausgelöst durch eine geradezu paranoid erscheinende Geheimhaltung der Tagung. Auf den nach außen hin so verschwiegenen Treffen werde sehr wahrscheinlich auch »massive Lobbyarbeit« betrieben, gibt Meacher zu bedenken.

 

Er will sich nun persönlich darum bemühen, dem britischen Parlament eine »Dringende Frage« vorzulegen, die Premierminister David Cameron dazu zwingen würde, Abgeordnete über die von ihm bei Bilderberg geführten Gespräche zu informieren und auch entsprechende Fragen zu beantworten. Cameron war am Freitag zur Konferenz angereist. Traditionsgemäß wird der Regierungschef des Gastgeberlandes immer zur Konferenz geladen, folglich kann sich auch kein Präsident, kein Premier und kein Kanzler je herausreden, nichts von Bilderberg gewusst zu haben. Aber seit einiger Zeit wird offener darüber gesprochen. Etliche Politiker teilen öffentlich mit, eingeladen worden zu sein.

 

Heute geht es auch nicht mehr um die Frage, ob diese mysteriösen Konferenzen tatsächlich stattfinden, sondern was dort wirklich geschieht. Das bleibt weiterhin großteils geheim. Die Teilnahme am Bilderberg-Treffen steht natürlich in deutlichem Kontrast zu Camerons politischem Versprechen, eine möglichst transparente Regierung zu schaffen. Transparenz dürfte für dieArrangeure der großen Geheimkonferenz ein Fremdwort sein, zumindest ein Unwort. Seit Jahr und Tag waren die Begründer dieses besonderen Zirkels darauf bedacht, nichts über ihre Absprachen nach außen dringen zu lassen. Doch der öffentliche Druck wächst merklich, das belegt gerade auch das aktuelle Treffen in Hertfordshire.

 

Bereits in den vergangenen Jahren haben sich vereinzelte Politiker öffentlich sehr kritisch zur Sachlage bezüglich Bilderberg geäußert. Diesmal traten Abgeordnete erneut vor die Kamera und nahmen klar Stellung. Sehr klare Worte fand auch Gerard Batten, Europaabgeordneter für die United Kingdom Independence Party (UKIP), zu deren Gründungsmitgliedern er zählt. Schon am 12. September 2011 hatte er während einer einminütigen Rede vor dem Europäischen Parlament in Straßburg die Frage gestellt, warum die Medien nicht über die jährlichen Treffen der Bilderberg-Gruppe berichten, obwohl dort einige der einflussreichsten Leute der Welt teilnehmen.

 

Vor dem Parlament erklärte Batten: »Die Europäische Kommission hat kürzlich auf meine schriftliche Anfrage geantwortet und bestätigt, dass die Kommissare Almunia und Kroes am Bilderberg-Treffen von St. Moritz im vergangenen Juni teilgenommen haben. Die Kommission kann mir zwar keine Details hinsichtlich der Diskussionsinhalte nennen, doch hält sie fest, dass auf Bilderberg-Tagungen mit Gewissheit keine Entscheidungen gefällt werden. Wenn aber Bilderberg-Treffen nicht mehr als Quasselbuden sind, warum halten es dann die mächtigsten Figuren aus aller Welt, einschließlich des britischen Finanzministers George Osborne, für nötig, daran teilzunehmen? Welches andere Gipfeltreffen von Weltführern in Politik, Finanz und Geschäftswelt bleibt in den Mainstreammedien wie der BBC völlig unerwähnt? Es ist unmöglich, nicht zu der Schlussfolgerung zu gelangen, dass das Nichtberichten über diese Ereignisse nichts anderes als eine Verschwörung zwischen den Bilderberg-Organisatoren und den Medien darstellt.«

 

All dies bestätigt für Batten die in kritischen Kreisen verbreitete Meinung, die verborgene Agenda sowie der gesamte Zweck von Bilderberg sei die Verwirklichung einer undemokratischen Weltregierung. Überzeugungen dieser Art mehren sich. In Watford bekräftige Batten jetzt vor laufender Kamera seine Aussagen und erklärte außerdem, die Europäische Union sei einst von den Nazis entworfen worden, denn: »Im Jahr 1942 arbeitete die deutsche Zentralbank zusammen mit Doktor Walther Funk und führenden Industriebossen einen Plan aus, wie wir die europäische Wirtschaft nach dem gewonnenen Krieg führen könnten.«Funk war seinerzeit Reichswirtschaftsminister und hielt am 25. Juli 1940 eine Rede zur wirtschaftlichen Neuordnung Europas.

 

Batten zufolge sei es »mehr als wahrscheinlich, dass viele der nationalsozialistischen Wirtschaftsarchitekten, die auch verantwortlich für Pläne einer gemeinsamen Union zeichneten, später ihren Weg in die Bürokratie fanden, nachdem die supranationale Institution unter der Aufsicht der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft in den frühen 1950ern ihren Anfang nahm. Das war die Zeit, in der die Bilderberg-Gruppe begann, ihre jährlichen Treffen abzuhalten«.

 

Batten beklagte in seinem mit dem Aktivisten Alex Jones geführten Interview auch die nach wie vor strikte Geheimhaltung und sprach angesichts der starken Präsenz der Mainstreammedien in diesem Jahr von einem »großen Durchbruch«. Dabei stellte er die rhetorische Frage, ob man von der Öffentlichkeit wirklich erwarten könne, zu glauben, dass 140 der einflussreichsten Leute der Welt ihre kostbare Zeit allein dafür aufwenden, sich ins Flugzeug zu setzen und kreuz und querdurch die Welt zu fliegen, um einem Treffen ohne jede Signifikanz beizuwohnen. »Ich glaube das nicht«, fügte er knapp hinzu. Batten fordert eine unabhängige Untersuchung der Bilderberg-Gruppe und ihrer Aktivitäten. Der britische Abgeordnete betont außerdem, die gegenwärtige Situation sei keine Krise des Kapitalismus, sondern »eine Krise demokratischer Regierung und eines fairen Wirtschaftssystems«.

 

Jones selbst trat während der vergangenen Tage in seiner bekannt lautstarken Art als unermüdlicher Bilderberg-Kritiker in Erscheinung. Der US-Filmemacher und seine Team-Kollegen fuhren auf einer kleinen Barke über einen öffentlich zugänglichen schmalen Kanal, der sie näher an das Grove-Hotel heranführte. Von dort aus schmetterte Jones den Konferenzteilnehmern seine überdeutliche Botschaft per Megafon entgegen. Diese Auftritte verfehlen ihre öffentliche Wirkung nicht. In jedem Fall verschafft Jones sich damit sprichwörtlich weites Gehör und lässt zahlreiche Menschen aufmerksam werden.

 

 

 

Nicht jeder empfindet sein Vorgehen als die angemessene Taktik – und die Mächtigen dürften sich teils wohl noch deutlicher in ihrer »Elite«-Rolle gegenüber dem schreienden »Pöbel« auf der Straße bestätigt sehen. Eigentlich das alte Lied – auch hier wiederholt sich die Geschichte. Die Grenze zwischen Aufwecken und Abschrecken wird im Eifer des Gefechts leicht mal überschritten. Die weniger involvierte Öffentlichkeit vernimmt dann vor allem eine einzige exponierte Stimme, die schnell für das Ganze steht. Der »Szene« dürfte so etwas nach außen kaum gut tun.

 

Der absolute Höhepunkt war dann am späten Sonntagvormittag erreicht, als Jones zusammen mit dem Journalisten und Debunker David Aaronovitch als Gast in der bekannten BBC-One-SendungSunday Politics auftrat. Jones zeigte sich schnell von der furiosen Seite und unterbrach seineGesprächspartner beinahe ständig. Moderator Andrew Neil bat ihn mehrfach, Aaronovitch aussprechen zu lassen, doch Jones ließ sich nicht beirren. Aus dem Hintergrund hört man den Gastgeber endlich ein entnervtes »... Klappe!« hervorstoßen, woraufhin Jones völlig die Räson verliert: »Hören Sie, ich bin hier, um zu warnen. Sie fordern mich auf, den Mund zu halten. Das hier ist kein Spiel!« Damit dürfte er zwar grundsätzlich nicht irren, doch rechtfertigt das nicht jedes Verhalten.

 

Und wieder dürfte Bilderberg zufrieden sein – denn bei allem Temperament, solche Auftritte demontieren im Endergebnis jegliche gut begründete Kritik an Bilderberg & Co. Sie sind letztlich Wasser auf die Mühlen der Machtelite, machen sie doch sämtliche Bemühungen zunichte, von der breiten Öffentlichkeit nicht einfach nur wahr-, sondern auch ernstgenommen zu werden. Kein Wunder, wenn der Mainstream damit dann wieder über genügend Munition verfügt, um über die vermeintlich samt und sonders (w)irren Verschwörungstheoretiker herzuziehen. Aaronovitch konfrontierte Jones mit der natürlich ziemlich plumpen Frage, warum er aufgrund seiner Enthüllungen nicht längst von der tödlichen Neuen Weltordnung ermordet wurde, beantwortet den scheinbaren Widerspruch dann gleich selbst mit zwei Möglichkeiten: Entweder sei alles wirklich nichts als Verschwörungstheorie oder Jones selbst eben auch Teil der Verschwörung.

 

Die Runde klang mit der dominanten Stimme – um nicht zu sagen: dem nunmehr unablässigen Gebrüll – von Alex Jones aus, nachdem Andrew Neil ihn als den bislang »schlimmsten Gast« seiner Sendung und sogar als Idiot tituliert hatte, wobei er den Finger um die Stirn kreisen ließ und einige unzweideutige Gesten machte. Das Chaos war einfach perfekt. Jones soll sich jedoch ab dem Übertragungsende schlagartig wieder beruhigt haben. Also alles einfach nur zum Show-Effekt, wie auch Neil auf Twitter meinte? Hatte Jones von vornherein geplant, einen deftigen Ausraster hinzulegen? Wie der Aktivist anschließend selbst sagt, will er die Menschen aus ihrer Lethargie reißen, aus ihrer Trance, damit sie endlich die Realität begreifen.

 

Viele TV-Konsumenten dürften sich aber vor dieser plötzlich auf derartige Weise in den Mainstream transportierten Realität schockiert verschließen. Prompt berichteten auch die großen Printmedien über den Eklat, auch online kam der ungewöhnliche Auftritt oft zur Sprache. Der Telegraph titelte:»›Idiot‹ Bilderberg conspiracy theorist Alex Jones disruptsBBC politics show«. Die Daily Mail zitiert in ihrer gestrigen Schlagzeile Neils Bemerkung: »Wir haben einen Idioten in der Sendung« und kommentiert dazu: »Schimpfender Verschwörungstheoretiker wird von Andrew Neil nach Wutausbruch in BBC Sunday Politics lächerlich gemacht.«Immerhin schließt der Beitrag mit Videosequenzen, die Zeugnis davon ablegen, dass Jones auch zu gemäßigteren Interviews imstande ist sowie nicht pauschal jeden Bilderberger verteufelt. Außerdem findet sich hier auch ein Interview mit dem schon erwähnten britischen Parlamentsmitglied Michael Meacher, der inhaltlich über Bilderberg kaum etwas anderes zum Ausdruck bringt als Alex Jones, mit dem einzigen Unterschied, sich dabei einer anderen Tonart zu bedienen.

 

 

 

Ob und wie weit die BBC sowie Neil bereits im Vorfeld beabsichtigten, den unbequemen Bilderberg-Gegner aus den USA vorzuführen, sei dahingestellt. Jedenfalls machte Jones es ihnen dabei ziemlich leicht. Problematisch natürlich auch die geballte Info-Ladung, die er in den Äther donnerte – FEMA-Lager, verschwindende Menschen, gezielte Trinkwasservergiftung, radikale Reduzierung der Weltbevölkerung, gefährliche Ziele der Bilderberg-Gruppe … Welcher Durchschnittskonsument von Sunday Politics sollte denn dieses konspirativ-morbide Stakkato schlagartig und aus dem Stand heraus nun für bare Münze nehmen können?

 

Neils bereits einleitend recht lockerer Umgang mit der Thematik mochte auf Bilderberg-Gegner unmittelbar provozierend gewirkt haben. Auch der ehemalige BBC-Journalist und Bilderberg-Kenner Tony Gosling musste bei einem aktuellen Interview mit ihm haufenweise Ignoranz und Sarkasmus hinnehmen. Während Gosling um ein ruhiges, seriöses Gespräch bemüht war, spielteNeil hier ebenfalls bereits in der Hinführung zum Thema mit den altbewährten Mitteln primitivster Lächerlichmachung, um die Sache sofort von jeglichem erforderlichen Ernst zu befreien.

 

Diese peinlichen Darstellungen belegen umso mehr die Bedeutung von Bilderberg und deren Einfluss auf die Medien. Man muss berichten, darf aber nicht wirklich. Also verrät man seine Zunft mitsamt ihren hehren Aufgaben und stürzt sich in eine einzige, nicht ganz so göttliche Komödie à la Monty Python. Alles keinen Deut besser als der Auftritt von Jones und ebenfalls wohl kaum die feine englische Art. Im Kontext nicht nur unwürdig, sondern geradezu verwerflich.

 

Manch einer fragt sich andererseits, ob die heftige Reaktion des US-Aktivisten Jones der Sache wirklich noch diente. Man könnte zurückfragen: Was soll man von einem Aktivisten eigentlich anderes erwarten? Sein Ziel, mit einem ganz besonderen BBC-Auftritt mehr Aufmerksamkeit als mit einem ruhigen Gespräch auf sich zu ziehen und einen weiteren Kreis auf die Informationen bei seinem Portal infowars.com aufmerksam zu machen, dürfte Jones wohl erreicht haben. Bilderberg jedenfalls ist exponiert wie nie zuvor. Jones einen wesentlichen Anteil an dieser Entwicklung abzusprechen, wäre unfair. Nur kann der Bogen schnell überspannt werden, und dann nützt er nichts mehr...

 

Die Bilderberg-Gruppe reagierte auf den öffentlichen Druck auch dadurch, erstmals einen Repräsentanten aus ihren Reihen vor die Kamera treten und über das Bilderberg-Treffen sprechen zu lassen. Der britische Schatten-Minister Ed Balls wurde ebenfalls von BBC-Moderator Andrew Neil interviewt. Anschließend passte ihn noch Alex Jones im Studio ab. Vor Ort sprach Jones zu den Tausenden, die aus Protest gegen die Globalisierer gekommen waren. Er spottete dabei: »DieBBC wird wahrscheinlich berichten, dass fünf Leute da waren«, und versprach der Menge: »Ich bin hier, um Ihnen ohne den Schatten eines Zweifels zu sagen: Heute ist der wahre Beginn des Niedergangs der Bilderberg-Gruppe!« Bilderberg ist mittlerweile genau so »geheim« wie Area 51 – nämlich überhaupt nicht mehr. Lediglich die Vorgänge selbst bleiben beharrlich verborgen. Wesentlich aber ist die enorme Exposition des aktuellen Treffens, das schließlich von Tausenden friedlicher Demonstranten »begleitet« wurde. Hinzu kommen Hunderttausende und Millionen, die im Internet Livestreams verfolgten und Berichte lasen. Die Zeiten der Anonymität sind endgültig vorbei.

 

Insgesamt trug gerade der auffallend heterogene Charakter der vor den Pforten des Grove versammelten Menschen zu einer sehr locker und entspannt wirkenden Konstellation bei, ließ aber über die üblichen spielerischen Akzente hinaus vor allem auch den Ernst der Situation deutlich hervortreten: Hier fanden sich Menschen jeglicher Couleur ein. Sie alle vereinte das gleiche große Anliegen. Denn Bilderberg geht wirklich jeden von uns etwas an, ungeachtet Herkunft, Hautfarbe, Religion. Wir alle müssen darüber informiert werden, was in und mit unserer Welt geschieht. Sie gehört nicht den Mächtigen allein.

 

Bislang wurde die Öffentlichkeit aber nicht einmal darüber informiert, dass sich die Mächtigsten unter den Mächtigen alljährlich unter höchster Abschottung zu vielfach entscheidenden Geheimgesprächen versammeln. Die bewusste Verantwortungslosigkeit, solche Fakten nicht weiterzugeben und Kritiker mundtot zu machen, indem man sie als Verschwörungstheoretiker brandmarkt, erleichterte Bilderberg & Co. das Erreichen der gesteckten Ziele natürlich erheblich. Nicht umsonst waren und sind auf den Bilderberg-Konferenzen immer wieder auch die einflussreichsten Medienleute zugegen, stets unter der Prämisse absoluter Loyalität und Verschwiegenheit, um damit ihre öffentliche Aufgabe sehenden Auges ad absurdum zu führen. Bekanntlich mieden die großen »Informations-Anbieter« das Thema Bilderberg jahrzehntelang wie die Pest.

 

Mittlerweile finden sie sich unmittelbar neben den alternativen Medien bei den Konferenzen ein. Nur selten resultiert aus der Mainstream-Präsenz eine objektive Berichterstattung, die darum bemüht wäre, die tatsächliche Bedeutung, Brisanz und Bedrohung durch Bilderberg einer »breitenÖffentlichkeit« aufzuzeigen. Da herrscht eher schon Verharmlosung und Belustigung vor. Aber immerhin, die Sache rückt zwangsläufig alles in allem zunehmend ins öffentliche Bewusstsein – und entrückt Bilderberg allmählich der zuvor vielfach vermuteten oder sogar unterstellten Irrealität.

 

In Watford war einiges wirklich neu und dies durchaus auch im positiven Sinne. Ein Dialog der beiden Seiten musste von vornherein natürlich als illusorisch ausgeschlossen werden. Aber erstmals gab es ein improvisiertes Pressebüro nahe dem Tagungshotel; die Mainstreammedien waren präsenter denn je. Und wenn es um Politik ging, dann stand vor allem eines bald ziemlich sicher fest: Die beste Politik wurde nicht drinnen gemacht, von den Bilderbergern, sondern draußen vor dem Sperrbezirk. Nämlich von der britischen Polizei. Deren Umgang mit der Situation und den Konferenzgegnern war angesichts der nun einmal gestellten Aufgaben weitgehend vorbildlich. Vor allem im Vergleich zum Umfeld der vorausgegangenen Tagungen.

 

Die Polizisten traten nun nicht als unnahbare Amtspersonen und willfährige Erfüllungsgehilfen auf, sondern präsentierten sich vielfach als verständnisvolle, freundliche Mitmenschen, als ebenfalls Betroffene – und genau das brachte ihnen Respekt und Achtung ein. Sie sicherten das Gelände, hielten die mit Absperrbändern markierten Wiesen vor dem Hotel im vorgeschriebenen Umkreis frei, jedoch ohne dabei ständig mit Macht und Muskeln zu spielen.

 

Die britischen Officer unterhielten sich angeregt mit den Demonstranten, tauschten dabei sogar immer wieder (geradezu demonstrativ!) Umarmungen aus – übrigens (noch demonstrativer!) auch mit Alex Jones – und gaben geduldig Interviews vor laufenden Kameras. Bei alledem nicht zu vergessen: der Auftrag, den sie zu erfüllen hatten. Eine ihrer Aufgaben bestand doch tatsächlich darin, mehr oder minder auffällige Demonstranten zu filmen, um das gesammelte Material zur Speicherung und Analyse weiterzugeben. Weniger nett, aber man durfte wohl kaum davon ausgehen, die Beamten seien von Bilderberg lediglich dazu bestellt worden, um Kuchen unter den tagelang ausharrenden Demonstranten zu verteilen und sie mit ausreichend Getränken zu versorgen.

 

Manchen Ordnungshütern stand allerdings der Ärger über die »Globalisten« deutlich ins Gesicht geschrieben. Und einer äußerte den Wunsch, dass bald weitaus mehr Menschen von den Vorgängen rund um Bilderberg erfahren sollten. Watford 2013 dürfte die Welt dahingehend ein Stück weitergebracht haben. Doch ist es ein Wettlauf mit der Zeit.

 

 

 


 

 

 

 

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