Dienstag, 25. Juni 2013

BERLUSCONI: URTEIL IM FALL RUBY - DER KOMMENTAR. (HELIODA1)

Urteil im Fall Ruby

Berlusconis Wut und Angst

Andres Wysling

Sieben Jahre Gefängnis und dazu das Verbot, je wieder ein öffentliches Amt zu bekleiden – das Urteil gegen den früheren italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi ist hart. 

Aber selbstverständlich wird der starke Mann Italiens es anfechten. Er bleibt also in Freiheit und macht weiter Politik, so viel kann man vorhersagen. 

Auch in diesem Prozess hat Berlusconi wie stets versucht, die Justiz zu manipulieren. Mit seinen Medien übte er Druck aus. Die unermüdliche Staatsanwältin Ilda Boccassini liess er zur Hexe stilisieren, die drei Richterinnen müssen für sich dasselbe erwarten, liessen sich aber nicht beeindrucken. 

Der Regierung drohte Berlusconi ausdrücklich nicht mit dem Sturz, falls er verurteilt werden sollte. Und natürlich: Ruby und andere junge Damen überhäufte er mit Geschenken – das ist Zeugenbestechung, mit Romantik überzuckert.

Der Klamauk um Ruby und die Bunga-Bunga-Orgien in der Villa des damals amtierenden Ministerpräsidenten und Multimilliardärs hat mit ihren schlüpfrigen Einzelheiten die italienische Öffentlichkeit empört und beschämt, zuweilen auch belustigt. 

Manche Medien haben sie in scheinheiliger Rechtschaffenheit weidlich ausgeschlachtet, manche Leser und Zuschauer genüsslich aufgesogen, die Justiz hat sie nun mit dem angemessenen Ernst zu einem vorläufigen Verdikt gebracht. 

Der an sich eher belanglose Fall zeigte ein kitschig-grelles Sittenbild der Dekadenz wie im alten Rom und bot überdies Einblicke in das Wesen desjenigen Mannes, der die italienische Politik in den letzten zwanzig Jahren geprägt hat. 

Berlusconi wurde aller Welt als geiler alter Bock vorgeführt – gross geschadet hat es ihm nicht.

Der Ruby-Prozess ist eine groteske Steigerung in der schier unendlichen Serie von Gerichtsdramen um Berlusconi, die immer wieder dasselbe zeigten: 

das Versagen der italienischen Justiz und des italienischen Rechtsstaats. 


Mit dem Einsatz von Geld und Macht hat Berlusconi sich eins ums andere Mal einer verdienten Verurteilung entzogen. 

Doch mehrere Verfahren sind noch hängig, es drohen Freiheitsstrafen und auch sehr hohe Geldstrafen. 

Darum wird Berlusconi weiter auf die Justiz eindreschen und sich selbst als armes Opfer linker Machenschaften darstellen. 

Mit seinem Schimpfen und Drohen zeigt er, dass er Angst hat vor den «roten Togen». 

Ihm schwant wohl, dass er vielleicht doch nicht für alle Zukunft über dem Recht steht.

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