Dienstag, 7. Mai 2013

Update: INTERNETKONFERENZ REPUBLICA IN BERLIN. (HELIODA1)

INTERNETKONFERENZ REPUBLICA IN BERLIN



UPDATE, 8.5.2013

QUELLE: Berliner Morgenpost vom 8.5.2013.


"republica" – WENN NERDS WEITGEHEND UNTER SICH BLEIBEN

5000 Besucher, 470 Redner, 300 Sessions – DIE NETZKONFERENZ "REPUBLICA" will alle Facetten des Web abbilden. Doch ihre Debatten kommen in der Gesellschaft nicht an. DAS NETZWERK BLEIBT IM NETZWERK.



Internetkonferenz "republica": DEBATTEN DER NETZAKTIVISTEN DRINGEN NICHT IN DIE MITTE DER GESELLSCHAFT

"republica" – Wörtlich übersetzt bedeutet der zusammengesetzte Begriff "ÖFFENTLICHE SACHE". Meist wird er im Sinne von "GEMEINWESEN" oder "STAAT" verwendet.

Dass die Netzkonferenz "republica" in Berlin diesen Namen schon vor sieben Jahren gewählt hat, ist Programm. Sie will das Internet in allen seinen Facetten zur öffentlichen Sache machen.

Sie will das Innere des weltumspannenden Netzwerks nach außen kehren, um es zu analysieren und den Einzelnen im Netzwerk zu verorten, wie das aktuelle Motto der am Mittwoch beendeten Konferenz "In/Side/out" sagt.


Doch machen wir uns nichts vor: Auch wenn es so scheint, ist das Phänomen Internet noch längst keine öffentliche Sache.

Vieles von dem, was auf der "republica" Thema war und die "Netzgemeinde" bewegt, ist in der Mitte der Gesellschaft nicht angekommen.

Für die breite Masse der Nutzer bleibt das Internet ein unbekannter Kontinent.


Was viele sehen, wenn sie Internet meinen, ist dessen Peripherie. Sie suchen mit Google, teilen ihre Stimmung auf Facebook, posten Links per Twitter und Fotos per Pinterest oder Instagram, kaufen bei Amazon. Dieser Teil des Internet ist zur "republica" geworden, zur öffentlichen Sache. Und an dieser Stelle endet auch das Interesse derer, für die das Internet nicht mehr als Facebook und YouTube ist.



Empörungsautomatik gegen "Drosselkom"

Erst, wenn eine Veränderung dräut, reibt sich die Weböffentlichkeit irritiert die Augen. Als der Internetfuturist Cory Doctorow auf der "republica" 2009 vor dem Mehrklassenklassen-Internet warnte und Szenarien für den Verlust von Netzneutralität beschrieb (>> Video seines damaligen Vortrags), hielten ihn viele für einen Spinner.


Und heute? Scheinbar wie ein Blitz aus heiterem Himmel kam für viele die Ankündigung der Deutschen Telekom daher, Internet-Flatrates zu kappen. Das war eines der harmloseren Szenarien, die Doctorow 2009 prognostizierte. Zwar setzte sich die Empörungsautomatik des Internet in Bewegung, ein Jugendlicher wurde mit seiner Kampagne "Drosselkom", die gegen die Telekom-Pläne polemisiert, zur Berühmtheit. Aber ändern wird sich daran nichts – zu spät.


Die Chance der "Netzgemeinde", das Thema früher in die politische Öffentlichkeit zu tragen, wurde verpasst. Und das Interesse der Netzpolitiker, sich damit zu befassen, könnte größer sein.


"Das Internet ist das Nervensystem des 21. Jahrhunderts", sagt Doctorow in diesem Jahr auf der "republica". "Wir können ein Netzwerk der Freiheit bauen. Es liegt an uns, diesen freiheitlichen Layer zu entwickeln."



Wichtig, aber auch anstrengend

Wie dringend es ist, das Internet politisch zu gestalten, zeigte die Flatrate-Debatte im Kleinen und einige Veranstaltungen auf der "republica" im Großen –nämlich die Reden der politisch verfolgten kubanischen Bloggerin Yoani Sánchez, die Gespräche mit oppositionellen Internetaktivisten aus dem Iran und aus Syrien.


Auf der "republica" blieben die Nerds weitgehend unter sich – in ihrer kirchentagsähnlichen Autosuggestion, in ihrer netzpolitischen Erfolglosigkeit, aber auch in ihrer Aufbruchstimmung, die Welt zum Guten zu verändern. Egal ob sich Modeblogger trafen, Wissenschaftler oder Web-Entrepreneure.


Die dreitägige Veranstaltung mit mehr als 5000 Teilnehmern, 470 Rednern und fast 300 Veranstaltungen ist ein riesiger Markt mit dem Anspruch, alle Facetten des Internet abzubilden. Das macht sie als Netzwerk im Netzwerk wichtig, aber auch anstrengend, wenn man etwas Bestimmtes sucht.

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ALTE WELT TRIFFT AUF NEUE WELT

Dieter Zetsche, der Vorstandsvorsitzende der Daimler AG, spricht auf der Netzkonferenz „republica“ – und er kommt in der Szene gut an



Zwischen dem Stand und der Halle, wo der Daimler-Chef sprechen soll, sind es einige Hundert Meter. Zetsche, ein Referent und eine Messemitarbeiterin bahnen sich den Weg durchs Getümmel. Die „republica“ zählt an diesem Tag mehrere Tausend Besucher. Einige erkennen den Topmanager mit dem markanten grauen Schnauzbart, doch niemand spricht ihn an. Zetsche geht in die Halle eins, legt bei keinem ausstellenden Start-up-Stand eine Pause ein.


Dann verschwindet er im Backstage-Bereich der Vortragssaals. In der Halle hämmern bereits Beats, ein Video läuft auf den Bildschirmen, der Saal füllt sich. Die Stühle reichen nicht. Viele sitzen auf dem Fußboden. Kein Zweifel: Der Daimler-Chef ist in der Netzgemeinde mindestens so populär wie Web-Ikone Sascha Lobo, der am Vortag das Publikum anzog.


DAIMLER ist EIN HAUPTSPONSOR der „republica“. Der Konzern verspricht sich von dieser Beteiligung Inspiration – Ideen, die nicht im Elfenbeinturm eines Weltkonzerns geboren werden. Ideen von der Straße – im doppelten Wortsinn.

Mobilität sei viel mehr als nur räumliche Flexibilität – mobil zu sein bedeute auch, geistig flexibel zu sein und in Alternativen zu denken.


Der Auftritt von Zetsche ist damit eine Parabel für die Begegnungen zwischen alter und neuer Welt – zwischen Dax-Konzern und Internetszene.

Der Autohersteller unternimmt Annäherungsversuche. Am 1. Januar 2013 wurde das Tochterunternehmen Daimler Mobility Services gegründet. Es bemüht sich nach Kräften, Brücken zu Start-ups zu schlagen und neue Technologien zu fördern.

Das Unternehmen hat „Moovel“ entwickelt. Das ist eine App, die dem Nutzer anzeigt, mit welchem Verkehrsmittel er am schnellsten von seinem Standort ans Ziel gelangt, und mit der er Verkehrsmittel buchen kann.

Der Konzern hat eine Minderheitsbeteiligung an der Parkplatz-App „GottaPark“ aus San Francisco erworben, die Autofahrern per Smartphone 300.000 Stellplätze in den USA vermittelt. Daimler unterstützt mit einem fünfstelligen Betrag das „Startupbootcamp“, eine europaweite Initiative (unter anderem in Berlin), die Erfolg versprechende Gründer fördert.


Vor allem ist Daimler aber der Erfinder der Carsharing-Plattform „Car2Go“, die der Autokonzern BMW und der Vermieter Sixt unter der Marke „Drive Now“ kopiert haben.

Carsharing sei ein Geschäftsmodell, sagt Zetsche, während er entspannt auf der Bühne sitzt und Kennzahlen der neuen Plattform herunterrasselt. „Für das gesamte Unternehmen ist das ein Nullsummenspiel.“ Leute kaufen nicht weniger Autos, wenn sie diese teilen. Dass andere das Geschäftsmodell kopiert haben – „bis auf den Cent-Betrag der Mietpreise“ –, zeigt ihm, dass Daimler auf dem richtigen Weg ist.


Daimler will die Mobilität neu erfinden. „Wir existieren seit 126 Jahren und müssen darauf achten, dass wir am Quartalsende keine Prügel von den Finanzmärkten bekommen. Aber wir wollen auch die nächsten 150 Jahre leben“, sagt der Firmenchef, der sich inzwischen das Jackett ausgezogen hat. „Wenn Mobilität durch Teilen bestimmt wird, haben wir ein Interesse, dazu einen Beitrag zu liefern und mit dabei zu sein.“

In einigen Jahren wolle Daimler eine Milliarde Euro Umsatz mit neuen Mobilitätskonzepten machen, gibt er die Marschroute vor und ergänzt: „Wir sind kein Wohlfahrtsverein, aber wir denken langfristig.“ Dann zieht er den Vergleich zu dem Computerhersteller IBM, der mit seinen Produkten in den 90er-Jahren in die Krise geriet. „IBM ist heute so erfolgreich wie früher – aber mit anderen Geschäftsmodellen“, sagt Zetsche.



DAIMLER ALS TEIL DER VERÄNDERUNG

Er lässt keinen Zweifel daran, dass das Auto der Zukunft weniger eine Frage von Stahl und Eisen als vielmehr eine Frage von Technologie und Innovation sei.

Und da gehe Daimler schrittweise vor: Die neue E-Klasse verfüge bereits über einen Stop&Go-Assistenten, der dem Fahrer das Anfahren und Bremsen abnehme. Für das selbst fahrende Auto von Google hat er dagegen nur Spott übrig: „Das sieht aus wie eine Mondlandefähre. Wir wollen ein Auto bauen, das sich verkauft.“


Martin Randelhoff, der Autor des Blogs „Zukunft Mobilität“, das sich mit aktuellen Entwicklungen im Verkehrsbereich auseinandersetzt, befragt den Daimler-Chef. Randelhoff fasst seinen Gesprächspartner mit Samthandschuhen an. Zetsche parierte routiniert.

Kritische Fragen gibt es erst in der letzten Viertelstunde aus dem Publikum. Auch da blieb Zetsche keine Antwort schuldig. Bei Twitter hagelt es später Häme für den Moderator und Lob für den Daimler-Chef.


Nach 60 Minuten geht Zetsche, über dessen Beziehungs-Aus mit der Schauspielerin Desirée Nosbusch am Dienstag nicht nur auf der „republica“ getuschelt – diesmal durch den Hintereingang.



TECHNOLOGIE
Montag, 6. Mai 2013, 16:07 Uhr
Republica 2013: Zwischen Ghetto und neuer Bürgerbewegung

Von STEPHAN DÖRNER


QUELLE / LINK:
http://www.wallstreetjournal.de/article/SB10001424127887323372504578466693562525154.html


BERLIN – Für die digitale Avantgarde läuft es derzeit nicht rund: Die Deutsche Telekom arbeitet am Ende des Internets, wie wir es kennen. Wer zahlt, soll in den DSL-Netzen der Telekom ab 2016 Vorfahrt bekommen. Die Bestandsdatenauskunft wird die Überwachung des Netzes weiter verschärfen und nennenswerter Protest dagegen außerhalb der Szene „üblicher Verdächtiger" der Blogger- und Netzaktivistenszene ist weit und breit nicht zu sehen. International hat sich Google, lange ein konsequenter Verteidiger offener Standards, vom offenen RSS-Format verabschiedet.

Der Webkonzern glaubt, mit dem geschlossenen Facebook -Prinzip von Google+ besser zu fahren. Zuvor verebbte bereits der Protest gegen das Leistungsschutzrecht für Presseverleger am Desinteresse großer Teile der Bevölkerung.


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Getty Images
Ein Teilnehmer der Republica: 5.000 Besucher werden auf der Digitalkonferenz in Berlin erwartet.


Die Stimmungslage hat Vorzeige-Blogger Sascha Lobo kürzlich in dem Blog-Artikel „Unsere Mütter, unsere Fehler" zusammengefasst. Beim Thema Leistungsschutzrecht habe die Netzgemeinde versagt – unter anderem aufgrund mangelnder Vernetzung.

Das ist die Ausgangslage, mit der am Montag die Digitalkonferenz Republica in Berlin begonnen hat.



Die Republica entstand 2007 inmitten der enthusiastischen Stimmung der zweiten Web-Revolution:

Nach der Etablierung des World Wide Web als Medium für jedermann wurde es mit dem Siegeszug von einfach zu bedienenden Weblogs, dem Mitmach-Lexikon Wikipedia und Plattformen zum Teilen von Fotos und Videos endgültig zu dem demokratischen Instrument, von dem die ersten Internet-Pioniere ebenso träumen wie bereits Bert Brecht in seiner Radiotheorie: ein Medium, das jeden Teilnehmer nicht nur empfangen, sondern auch senden lässt - und dank der einfachen Bedienung der Dienste des Web 2.0 galt das sogar für die Mehrheit der Bevölkerung.



Es gibt eine Netzgemeinde – sie ist aber klein und oft isoliert

Inzwischen musste die Netzavantgarde aber einsehen, dass die Mehrheit der Bevölkerung mit der Veröffentlichung von Handy-Selbstporträts vor dem Spiegel oder Bildern des eigenen Urlaubs bei Facebook ganz gut bedient ist. Und mit Facebook wurde ein Dienst zum neuen Medium der Massen, das so geschlossen ist wie einst die herstellereigene Welt von Internetprovidern wie AOL und Compuserve.

Die Welt von Facebook existiert abseits des offenen Internets und damit unter der Kontrolle eines einzigen Konzerns, zugänglich nur für diejenigen, die ihre Daten diesem Unternehmen anvertrauen wollen.


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Stephan Dörner


Das Motto der Konferenz lautet in diesem Jahr „In/Side/Out".

Das Wort „Netzgemeinde" ist vielen führenden Köpfen der Szene in Deutschland ein Graus. Es impliziert eine sektenartige kleine geschlossene Gemeinde – abgetrennt und isoliert vom Rest der Gesellschaft. Weil Internet längst Mainstream ist, sei der Begriff Netzgemeinde in etwa so sinnvoll wie der Begriff Fernsehgemeinde, argumentiert der bekannte Blogger Mario Sixtus.

Eine schonungslose Bestandsaufnahme zeigt aber: Mit Begriffen wie Netzneutralität können auch im Internetzeitalter nur die wenigsten etwas anfangen und der Protest gegen das von der Netzavantgarde verhasste Leistungsschutzrecht für Presseverleger starb trotz allem Trommeln auf Twitter und Blogs den grausamen Tod der Gleichgültigkeit.

Es gibt sie eben doch, die Netzgemeinde – sie ist aber klein und oft isoliert.


Zwischenzeitlich sah es anders aus. Das Internet half dabei, Diktaturen zu stürzen und in Deutschland brachte die Piratenpartei die politischen Verhältnisse zum Tanzen, sie zog in Parlamente ein und dominierte die Talkshows.

Die etablierten Parteien wetteiferten darum, wer von ihnen schon immer die besseren Piraten waren. Zehntausende Jugendliche gingen überall auf der Welt auf die Straße und kippten das Acta-Abkommen, das als Bedrohung der Internetfreiheit wahrgenommen wurde – wobei die falschen Mythen eines Youtube-Videos vermutlich eine größere Rolle spielten als Aktivisten, die sich ernsthaft mit dem Abkommen auseinandersetzten.



Mehr zum Thema

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Nun, 2013, ist die Zeit für eine Bestandsaufnahme und einen Neustart gekommen.

Mit der mobilen Revolution von Smartphones und Tablets ist seit einigen Jahren die dritte Web-Revolution im vollen Gange. Das Netz wird – von ICEs der Deutschen Bahn abgesehen – allgegenwärtig. Das ermöglicht zahlreiche neue innovative Geschäftsmodelle – von Flinc bis Blinkist.

Die deutsche Start-up-Szene boomt und Berlin ist in den vergangenen Jahren auf der immer noch übersichtlichen Landkarte des Venture Capitals neben Orten wie der Bay Area, New York, London, Tel Aviv und São Paulo aufgetaucht. Gleichzeitig ist das offene und freie Internet in Deutschland bedroht wie nie.

Von der POLITIK ist wenig zu erwarten in Sachen Netzpolitik, nachdem Acta-Proteste und PIRATENPARTEI SO SCHNELL VON DER BILDFLÄCHE VERSCHWANDEN, wie sie gekommen waren.



Es herrscht immer noch Digitaloptimismus

Mit 5.000 erwarteten Besuchern, 450 Sprechern und 263 Vorträgen wird diese Republica einen neuen Rekord in jeder Hinsicht aufstellen. Noch immer wird die Veranstaltung von Digitaloptimismus beherrscht. Computer und das Internet können die Welt zum Besseren verändern, lautet eine Grundüberzeugung der Szene.


Beweise aus Fleisch und Blut für diese These haben die Veranstalter der Bloggerkonferenz geladen – zum Beispiel die kubanische Bloggerin Yoani Sanchez, die sich ein Stück Freiheit in der Tropendiktatur erkämpft hat. Neun Jahre lang durfte sie das Land nicht verlassen – inzwischen musste das Regime klein beigeben.

Mitglieder des oppositionellen syrischen Radiosenders Baladna FM berichten über Angriffe regimetreuer russischer Hacker und auch der iranische Internetaktivist Marel Pourkazi berichtet aus einem Land, in dem sich die Jugend im Internet einen kleinen Freiraum erkämpft hat.


Das Konferenzmotto lautet in diesem Jahr „In/Side/Out". Es stelle die Frage nach der Verortung des Einzelnen im Gefüge des Ganzen und der möglichen Richtung, die sich daraus ergibt, bloggten die Veranstalter im Vorfeld. Genau diese Frage stellt sich derzeit auch für die Netzgemeinde als Ganzes drängend wie nie zuvor.

Gelingt es mit dem Protest gegen die Telekom-Drosselung noch einmal wie bei den Acta-Protesten, die Themen der digitalen Avantgarde in den Mainstream zu bringen?

Wird aus der Netzgemeinde am Ende doch noch eine Netzgemeinschaft? Findet die Netzelite eine Sprache, die vom Rest der Bevölkerung verstanden wird? Diese Fragen entscheiden sich auch auf der diesjährigen Republica.

Kontakt zum Autor: stephan.doerner@wsj.com

Republica 2013: Zwischen Ghetto und neuer Bürgerbewegung



Neuer Artikel folgt:

QUELLE: BERLINER MORGENPOST, 7. Mai 2013.



KRITIK AN PLÄNEN DER TELEKOM

Appell Die Deutsche Telekom stößt mit ihren Plänen zur Datenbegrenzung von DSL-Internetleitungen auf immer mehr Widerstand.

Auf der Internetkonferenz republica riefen mehrere Redner Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zum Eingreifen auf.

„Jetzt ist die Zeit zu handeln“, forderte Markus Beckedahl, einer von vier Gründern der Konferenz, Merkel auf. „Verhindern Sie, dass die Telekom ein Internet zweiter Klasse einführt!“



[NETZNEUTRALITÄT]

Netzneutralität Beckedahl stößt sich wie auch andere Kritiker daran, dass der Telekom-Fernsehdienst Entertain nicht in das Datenvolumen eingerechnet wird – konkurrierende Videoangebote von Apple, Amazon oder anderen Anbietern hingegen schon.

Deshalb wird der Telekom ein Verstoß gegen die Netzneutralität vorgeworfen – den Grundsatz, dass die Datenströme im Netz gleichberechtigt behandelt werden müssen.

Die Telekom erklärt, dass Entertain ein von Medienanstalten regulierter „Managed Service“ sei, für den die Kunden gesondert bezahlen. Auch die Bundesnetzagentur forderte rasche Klarheit. Verbraucherschützer mahnten die Telekom ab und drohen mit dem Gang vors Gericht.



Es folgt weiterer Artikel zur Internetkonferenz in Berlin:

TWITTERN ALS KONTAKT ZUR FREIEN WELT

Yoani Sánchez schreibt das erste unabhängige Blog aus Kuba. Auf der Internetkonferenz republica in Berlin sprach sie über ihren Alltag.


QUELLE: BERLINER MORGENPOST, 7. Mai 2013.


Teilnehmerrekord: Fast 5000 Teilnehmer sind zur diesjährigen Internetkonferenz republica nach Berlin gekommen – so viel wie noch nie
Getty Images/Sean Gallup
JÜRGEN STÜBER

BERLIN – Viermal wurde sie schon auf der Straße in ein Auto verschleppt, wurde weggefahren, geschlagen und am anderen Ende der Stadt wieder freigelassen. Das ist Bloggeralltag im kommunistischen Kuba. „Sie können sich das in Berlin vielleicht vorstellen. Unsere Polizei wurde von der Staatssicherheit der DDR ausgebildet“, sagt Yoani Sánchez, eine oppositionelle Bloggerin aus Kuba.


Sie schreibt mit „Generacion Y“ das erste unabhängige Blog in Kuba – seit sechs Jahren. Sie berichtet über das tägliche Leben auf der Karibikinsel und über die Politik des Castro-Clans. Ihre Einsichten in das System werden in aller Welt aufmerksam verfolgt. Am Montag sprach Sánchez auf der Internetkonferenz republica in Berlin. Die dreitägige Veranstaltung feiert in diesem Jahr einen Teilnehmerrekord. Rund 5000 Personen diskutierten nach Angaben der Veranstalter über die Verschmelzung von Online- und Offline-Leben sowie über die Freiheit im Internet. Die Konferenz findet seit 2007 statt und steht dieses Jahr unter dem Motto „In/Side/Out“.



Bloggen als Straftatbestand

Twitter ist ihr Kontakt zur freien Welt – aber nicht das Twitter, das wir hierzulande benutzen. Der Kurznachrichtendienst funktioniert in Kuba auf SMS-Basis. Man kann nur senden, aber nicht online lesen, was andere schreiben. Und twittern kann sie auch nicht überall. Internet gibt es nur in den Hotels für westliche Touristen.


Immerhin dürfen Kubaner neuerdings diese Hotels betreten, ohne eine Straftat zu begehen, was die Lage einfacher macht. Doch wenn sie dort Zugang zum Internet haben, so ist es langsam. Und die Zeit des Zugangs ist knapp und teuer. Das war nicht immer so. Unter Fidel Castro war das Bloggen ein Straftatbestand. „In der Zeit habe ich mich als deutsche Touristin ausgegeben, wenn ich ins Internet musste“, erinnert sich die Bloggerin. Sie spricht etwas Deutsch. Zwei Jahre lang lebte sie in Zürich – das war vor ihrer Karriere als Bloggerin.


Trotzdem nimmt Sánchez diese Beschwerden auf sich. „Meine Motivation ist die Zukunft von Kuba“, sagt sie. „Ich will in ein paar Jahrzehnten, wenn meine schwarzen Haare weiß geworden sind, meinen Enkeln nicht sagen müssen, dass ich nichts gegen die Unterdrückung unternommen habe.“

Die neuen Freiheiten geben der Opposition zwar größere Spielräume. „Die Regimegegner können sich jeden Tag besser organisieren“, sagt sie.

„Aber es ist eine Spezialität der Geheimpolizei, Intrigen und Zwietracht unter den Oppositionellen zu sähen.“ Doch dank neuer Technologien sei es für die Regimegegner einfach geworden, sich zu vernetzen. Dabei hilft ihr das iPhone. Die in die USA emigrierte Schwester hat es ihr besorgt.

Auf dem Smartphone ist ihr Blog gespeichert, ihre Kontakte, ihre Tweets. „Dieses Telefon ist mein größter Reichtum“, sagt sie. „Sogar mein Ehemann ist neidisch darauf.

Zur Zeit bereist Yoani Sánchez die freie Welt. Acht Länder wird sie bis Ende Mai besuchen – und über ihre Arbeit sprechen. Fünf Jahre lang durfte die Bloggerin nicht ausreisen. 20 Anträge, die allesamt abgewiesen wurden, hat sie gestellt.

Doch jetzt hat es geklappt.



NEUES SEEKABEL NACH KUBA

Doch selbst das klappt nicht ohne Hindernisse. Wie es heißt, mobilisiert die kubanische Botschaft gegen sie. „Sie haben dazu aufgerufen, meine Veranstaltung am Mittwoch zu stören. Aber ich mache mir da keine Sorgen.“

Sie sei froh, dass sie sich in einem demokratischen Land aufhalten können, in dem jeder protestieren darf. „Ich würde mich freuen, wenn das in Kuba möglich wäre“, sagt sie. Sie hat gelernt, damit zu leben. „Das gehört dazu, wenn man kritisch ist.“


In Deutschland fühlt sich Sánchez „wie ein kleines Mädchen in einem Spielwarenladen“. Es sei großartig, zu jeder Zeit reagieren zu können.

Die Öffnung des Landes sieht sie skeptisch. Zwar gebe es ein neues Seekabel zwischen ihrer Heimatinsel und Venezuela. Es wurde im Februar 2011 verlegt und sollte Kuba den Zugang zum Internet verschaffen.

Doch erst im Januar 2013 wurde der erste messbare Datenverkehr festgestellt. „Was haben die zwei Jahre gemacht“, fragt sich Sánchez. Technische Probleme werden es wohl kaum gewesen sein.


Ein weiterer Schwerpunkt des auf sieben Bühnen verteilten Programms der republica waren die Erfahrungen aus dem Internet-Wahlkampf in den USA.

Die ehemalige Leiterin der Online-Abteilung im Wahlkampfbüro von US-Präsident Barack Obama, Betsy Hoover, erzählte, wie Online und Offline im Wahlkampf miteinander verknüpft werden, um die Wähler auch emotional anzusprechen.

Über die Arbeit an einer neuen Verfassung in Island unter Mitwirkung einfacher Bürger berichtete die Parlamentsabgeordnete Birgitta Jónsdóttir. „Wir befinden uns in einer unglaublichen Zeit, in der die bisher übliche Art der Politikgestaltung von Grund auf verändert wird“, sagte Jónsdóttir mit Blick auf Mitwirkungsmöglichkeiten im Netz. Demokratie erfordere eine Beteiligung und Mitarbeit aller.



["ETHNOKULTURELLE EMPATHIE"]

Der Mathematiker und ehemalige IBM-Stratege Gunter Dueck rief die Konferenzteilnehmer auf, auf dem Weg in die Wissensgesellschaft eine „ethnokulturelle Empathie“ zu entwickeln.

Wenn man von den immer gleichen Diskussionen zu einem fruchtbaren Diskurs gelangen wolle, sei es wichtig, sich nicht in eigenen Denk- und Wertvorstellungen zu verschanzen und stattdessen die der Gesprächsteilnehmer mitzuempfinden. mit dpa



[ÜBER DAS ENDE DER ARBEIT]

republica-Liveblog – Über das Ende der Arbeit
Rund 5000 Besucher sind auf der diesjährigen republica dabei und diskutieren in der Station am Gleisdreieck über das Netz und seine Zukunft. Heute spricht unter anderem Daimler-Chef Dieter Zetsche.



Schreenshot republica

Tag zwei der Internetkonferenz republica in Berlin ist angelaufen. Das größte Interesse dürfte DIETER ZETSCHE, Vorstandsvorsitzender von DAIMLER, hervorrufen, der über DIE ZUKUNFT DER MOBILITÄT diskutiert. Das gesamte Programm des Tages findet sich Online.

Die republica gilt als eines der wichtigsten Treffen der deutschen Internetszene. Rund 5000 Besucher sind dabei und diskutieren über Netzpolitik, Trends im Netz, Datenverarbeitung und Netzkultur.



[MOTTO: "IN/SIDE/OUT"

Das Motto der diesjährigen Runde lautet "In/Side/Out". Es soll unter anderem symbolisieren, dass digitales und analoges Leben immer mehr verschmelzen, sagte Beckedahl.

Reporter der Berliner Morgenpost sind vor Ort und berichten live über Scribble.


Tag 1 der republica in unserem Liveblog zum Nachlesen

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EDITED BY WOLFGANG TIMM / CARL-HUTER-ZENTRAL-ARCHIV. www.chza.de !