Montag, 14. Januar 2013

SPANIEN: PROTESTSTURM DER SENIOREN - "DAS IST KEINE KRISE, SONDERN BETRUG". (HELIODA1)

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aikos2309 kommentierte am Spanien: Proteststurm der Senioren - „Das ist keine Krise, sondern Betrug“.

in response to helioda1:

Die familiäre Solidarität ist in Spanien roßartig – jung und alt halten zusammen!
Lg Wolfgang Timm, Deutschland.

In der Tat! Ich finde es beachtlich, wie die Senioren für die Zukunft der Kinder und Enkel kämpfen! Hut ab :)

Gruß
PRAVDA-TV

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Die „Yayoflautas“ (“Opaflöten”) kämpfen gegen Sparpolitik, Finanzhilfen für Banken und für die jüngere Generation. Die Arbeitslosigkeit in Spanien beträgt über 26 Prozent.

Sie gehören keineswegs zum alten Eisen: Mit Pfeifen und Tröten bewaffnet stürmen 30 Senioren die Filiale der spanischen Pleite-Großbank Bankia in Madrid. Entrollen ein Transparent, auf dem steht: „Keinen Euro für die Rettung der Banken.“ Die grauhaarigen Bankbesetzer in leuchtend gelben Warnwesten skandieren: „Das ist keine Krise, sondern Betrug.“ Dann verlesen die Pensionisten ein Protestmanifest, in dem sie bekennen, den Kampf für die Zukunft ihrer Kinder nicht aufgeben zu wollen.

Überall im Krisenland Spanien spielen sich derzeit ähnliche Szenen ab: Senioren besetzen Geldinstitute, Behörden, Gesundheitszentren und Büros der Sozialversicherung. Demonstrieren gegen die „brutale Sparpolitik“ der konservativen spanischen Regierung, welche zu Kürzungen bei den Ausgaben für Bildung, Gesundheit, Pflege, Renten und Familienförderung führt. Die alte Generation des südlichen Schulden-Eurostaates, der auf die Zahlungsunfähigkeit zutreibt, ist aus dem Ruhestand zurückgekehrt und klettert auf die Barrikaden.

Und das nicht erst, seit vergangenes Wochenende bekannt geworden ist, dass die spanische Regierung in der Finanznot die Pensionskasse geplündert hat. Vielmehr kämpfen die selbst ernannten „Yayoflautas“, also „Opaflöten“, für die Rechte der jungen Generation und gegen die Vormachtstellung der Banken. „Den Bankern wird das Geld in den Hintern geschoben, und die kleinen Leute müssen sehen, wie sie zurechtkommen“, empören sie sich. Die Yayoflautas haben wenig Verständnis für die milliardenschweren Hilfen, mit denen Staat und EU marode spanische Banken vor der Pleite bewahren.

Jede vierte Familie unter Armutsschwelle

Die gleichen Banken, welche nun am Rettungstropf hängen, haben bereits zehntausende Menschen aus ihren Wohnungen geklagt, weil die Bewohner ihre Hypotheken nicht mehr zahlen können. Hohe Arbeitslosigkeit, Steuererhöhungen und Einkommensverluste treiben immer mehr Spanier in die Armut. Inzwischen lebt fast jede vierte Familie unter der Armutsschwelle. Die öffentlichen und karitativen Suppenküchen schaffen es nicht mehr, all jenen eine warme Mahlzeit zu geben, die es nötig hätten.

„Wir können nicht tatenlos zusehen“, sagt die 65-jährige Pilar Goytre. „Wir sind auf dem Wege, alles zu verlieren, was wir bisher erreicht haben“, zürnt sie. „Wir Pensionäre müssen nun unseren Kindern beistehen“, pflichtet ein rüstiger Rentner bei. „Meine Tochter und auch ihr Ehemann haben ihre Jobs verloren.“

Wichtiges Sozialnetz

Mehr als 26 Prozent der aktiven Bevölkerung, annähernd sechs Millionen Menschen, sind derzeit in Spanien arbeitslos, wie neue Zahlen des europäischen Statistikamts Eurostat zeigen. Bei den unter 25-Jährigen stehen 56 Prozent auf der Straße.

Spaniens Rentnergeneration ist das wichtigste soziale Netz in Spanien, da es wenig Hilfen vom Staat gibt. Auch wenn die spanischen Pensionäre eine Durchschnittsrente von lediglich 835 Euro erhalten, wäre ohne ihre Solidarität das Land vielleicht längst zu-sammengebrochen: Hunderttausende Senioren machen sich als Babysitter um ihre Enkel verdient. Sie bieten ihren erwachsenen Kindern Asyl, wenn diese Arbeit und Wohnung verlieren. Manche Alte schleppen mit ihrem Ruhegehalt sogar ganze Großfamilien durch.

Und auch auf der Straße, wo lange Zeit die junge Protestgeneration der „Indignados“, der Empörten, den Ton angab, mischen sich die Yayoflautas nun immer mehr ein.

Manche aber zerbrechen an ihrer Verzweiflung: Erst vergangene Woche gab es im Ferienort Málaga zwei Selbstanzündungen. Beide Männer, 57 und 63 Jahre alt, erlagen später ihren schweren Verletzungen. In den vergangenen Monaten nahm die Zahl der Selbstmordversuche dramatisch zu.

Quellen: Reuters/diepresse.com vom 09.01.2013

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KOMMENTARE

7 Antworten zu Spanien: Proteststurm der Senioren – „Das ist keine Krise, sondern Betrug“
picola9011 schreibt:
10. Januar 2013 um 17:41
Ja es ist leider sehr schlimm was die spanische Bevölkerung der Zeit durchmacht und es ist noch nicht zu Ende.
LG.Erika


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picola9011 schreibt:
10. Januar 2013 um 17:42
Reblogged this on ♫♥Willkommen,Bienvenido,Benvenuto♫♥.

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lorinata schreibt:
10. Januar 2013 um 20:59
Reblogged this on Wissenschaft3000 ~ science3000.

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helioda1 schreibt:
14. Januar 2013 um 18:27
Die familiäre Solidarität ist in Spanien roßartig – jung und alt halten zusammen!
Lg Wolfgang Timm, Deutschland.
Antwort
aikos2309 schreibt:
14. Januar 2013 um 18:30
In der Tat! Ich finde es beachtlich, wie die Senioren für die Zukunft der Kinder und Enkel kämpfen! Hut ab

Gruß
PRAVDA-TV



Weiterer Artikel hierzu, wo Betroffene Arbeitslose Spanier selbst zu Wort kommen.

ARBEITSLOSE IN BARCELONA SCHILDERN SOZIALE TRAGÖDIE IN SPANIEN
Artikel BY PRAVDA TV am 10. Oktober 2012 publiziert.

Seit dem Ausbruch der WIRTSCHAFTSKRISE 2008 ist die ARBEITSLOSIGKEIT IN SPANIEN von acht Prozent auf fast 25 Prozent gestiegen. Das ist mehr als das Doppelte des europäischen Durchschnitts. Unter Jugendlichen ist sie von 22 auf 53 Prozent gestiegen. In den ärmeren Regionen wie der Extremadura, den Kanarischen Inseln und dem südlichen Andalusien nähert sich die Arbeitslosenrate 35 Prozent.


Die Zahl der Emigranten aus Spanien, die hauptsächlich in andere EU-Länder oder nach Lateinamerika auswandern, ist von 400.000 in 2010 auf über 500.000 in 2011 gestiegen.


Besonders stark war der Beschäftigungsrückgang im BAUGEWERBE. Dort macht sich der Zusammenbruch des Baubooms unmittelbar bemerkbar. Ausgabenkürzungen der Regierung haben zu dramatischen Arbeitsplatzverlusten im Öffentlichen Dienst geführt.


Letzte Woche führte Ministerpräsident MARIANO RAHOY von der Volkspartei Gespräche mit den Führern der siebzehn Regionalregierungen Spaniens und forderte sie auf, weitere Kürzungen durchzuführen. Die Regierung erleichtert es Unternehmen, Arbeiter zu entlassen, und erlaubt ihnen, Tarifverträge zu unterlaufen und zurückzudrängen.


Um ARBEITSLOSENGELD zu erhalten, muss man in den zurückliegenden sechs Jahren mindestens 360 Tage gearbeitet haben und als arbeitsfähig registriert sein. Ein Arbeitsloser erhält sechs Monate lang siebzig Prozent seines letzten Lohnes, danach sechzig Prozent für maximal 24 Monate. Aber die maximale Höhe des Arbeitslosengeldes für einen Alleinstehenden beträgt nur wenig mehr als tausend Euro im Monat, und für jemanden mit zwei Kindern 1.400 Euro.



Vor dem Arbeitsamt trafen wir Joaquin (60). Er erklärte: „Ich habe als Autoverkäufer gearbeitet, aber jetzt bin ich schon seit zwei Jahren arbeitslos. Mein Arbeitslosengeld läuft aus. Aber für Personen über 55 gibt noch einen Zuschuss von ca. 400 Euro.


Vor einem Jahr ist meine Mutter gestorben, deswegen kümmere ich mich jetzt um meinen Vater. Ich versuche, eine neue Arbeit zu finden, aber es ist schwierig, beinahe unmöglich. Ein großes Problem ist mein Alter, und auch die Krise macht sich stark bemerkbar. Das ist erst der Anfang; es wird lange so weitergehen und noch schlimmer werden. Die wirtschaftliche Lage wird sich so bald nicht bessern.


Die PARTEIEN sind MEILENWEIT VON DEN MENSCHEN ENTFERNT, sie verstehen überhaupt nicht, was los ist. Ich glaube nicht, dass sie etwas tun können, und in Wirklichkeit wollen sie auch gar nichts ändern. Die GEWERKSCHAFTEN haben in den letzten Jahren überhaupt nichts getan. Sie sind einfach nur da, und das war’s. Ich traue den Gewerkschaften nichts mehr zu.“



Elisa (59) sagte: “Ich habe bei einer Versicherung gearbeitet, bin aber seit zwei Jahren arbeitslos. Das Arbeitslosengeld läuft jetzt aus. In meinem Alter und in meiner Lage sieht die Zukunft ziemlich düster aus. Ich habe keinerlei Chance mehr, eine neue Arbeit zu finden.

Das älteste meiner drei Kinder hat das Land verlassen, um in Belgien zu arbeiten. Für alle drei sehe ich höchstens noch eine Zukunft außerhalb von Spanien.


Die zwei jüngeren haben ihre Ausbildung fast beendet. Sie bereiten sich auf einen Erasmus-Austausch vor; vielleicht finden sie anderswo Arbeit. Ich weiß es nicht. Die Kürzungen in der Bildung und im Gesundheitssystem sind tödlich. Beide Bereiche gehören zum Grundbestand der Gesellschaft.“



Gina (28) sagte uns: “Ich komme aus Cadiz, wohne aber hier in Barcelona. Ich suche Arbeit, doch ehrlich gesagt, mache ich mir nicht viel Hoffnung. Ich absolviere eine Weiterbildung nach der anderen. Ich habe einen Master in Meeresbiologie, habe viele Jahre studiert. Aber dann musste ich als Kellnerin arbeiten. Als Kellnerin verdiene ich aber nicht genug, um mir eine eigene Wohnung leisten zu können. Also werde ich wahrscheinlich nach Hause zurückkehren und einen Neuanfang versuchen.


Ich habe häufig umsonst gearbeitet, weil ich ja Praxis erwerben muss, um einen Job in meinem Beruf zu bekommen. Ich denke auch daran, das Land zu verlassen, aber die Sprache ist ein Problem. Eine andere Möglichkeit wäre, noch einmal weiter zu studieren. Aber ein weiterer Master-Abschluss würde mich zwei- bis dreitausend Euro kosten.


Ich kenne eine Menge Leute, die in der gleichen Lage sind und ebenfalls keine Arbeit haben, besonders meine ehemaligen Klassenkameraden. Wir alle sind ausgebildet, doch wir können nicht arbeiten. Einer von ihnen ist nach Schottland ausgewandert.


Im Moment sehe ich keine Lösung aus der Krise. Es gibt keine Partei, für die ich stimmen könnte. Das Wichtigste für mich ist, Arbeit zu finden, egal was für ein Job, damit ich endlich Geld verdienen kann.“



José Maria (36) sagte: “Heute musste ich meinen Arbeitslosenstatus klären. Die Krise hat schlimme Auswirkungen auf die Menschen. Ich zum Beispiel habe sechs Kinder; ich habe als Manager für eine Firma mit vier Läden in Barcelona gearbeitet. Aus meiner Sicht müsste ich meine eigene Perspektive optimistisch sehen, aber die Realität sieht anders aus. Für die Jugend sehe ich keine Zukunft. Meine Frau ist Lehrerin, aber auch sie muss Kürzungen hinnehmen.


Man redet über langfristige Lösungen, aber ich persönlich kann sie nicht sehen. Ich glaube, dass Gewerkschaften in unserer Gesellschaft wichtig sind, aber die heutigen Gewerkschaften sind keinen Schuss Pulver wert.“



Sebastian (26) sagte: “Ursprünglich komme ich aus Argentinien, aber ich lebe hier schon seit zehn Jahren. Ich arbeite als Beleuchtungsassistent beim Theater, aber jetzt habe ich keine Arbeit. Die Kürzungen, besonders im Kulturbereich, sind enorm. Z.B. wurde die Umsatzsteuer für kulturelle Produkte von acht auf 21 Prozent erhöht und die Subventionen wurden gekürzt. Schon seit einiger Zeit war es schwierig, monatlich Gehälter zu zahlen. Aber jetzt ist es noch schlimmer geworden.


Ich glaube die Lage wird sich jahrelang nicht bessern. Keine Partei vertritt die Mehrheit der Menschen. Sie handeln im Interesse der Banken und organisieren Bankenrettungs-pakete. Auf der Arbeit vertritt dich auch niemand, egal ob du festangestellt bist oder einen prekären Job hast.“



Gimena (36) sagte: „Ich habe verschiedene Jobs gemacht und zuletzt als Babysitterin gearbeitet. Ich sehe meine Zukunft ziemlich düster. Die Krise hat uns alle schwer getroffen.


Ich bin alleinerziehende Mutter und habe ein Kind, das in eine subventionierte Schule geht. Aber es ist schwierig, alle Kosten zu decken. Die Kürzungen bei der Bildung und der Gesundheit sind wirklich brutal. Vorher hatte jeder, zumindest theoretisch, Anrecht auf kostenlose Gesundheitsversorgung. Jetzt müssen wir eine Menge Zuzahlungen leisten. Das gleiche bei der Bildung.“

Quelle: wsws.org vom 09.10.2012

EDITED BY WOLFGANG TIMM, CARÖ-HUTER-ZENTRAL-ARCHIV. www.chza.de !