Samstag, 29. Dezember 2012

MARKTWIRTSCHAFT - NEU DENKEN. (HELIODA1)

Die EU: Ein neoliberales Projekt nach dem Vorbild des deutschen Merkantilismus
Das Scheitern der Historischen Schule - des deutschen ökonomischen Sonderweges

QUELLE / LINK:
http://www.forum-systemfrage.de/Aufbau/aa/30q/aa30q.php?df_name=aaDF30&tbch=aa&schp=global&ordner=30q

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VORWEG - AKTUELL


Die WALL STREET am Freitagabend [28. Dezember 2012]: So sieht ein Kliff aus. (Garfik: zerohedge) [GRAFIK siehe ganz unten Fußleiste, ebenso Kommentare zu Aktuelles]


QUELLE / LINK:
http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2012/12/28/keine-loesung-fuer-us-budget-krise-blutbad-an-der-wall-street/


IN WASHINGTON HERRSCHTE AM FREITAG HEKTISCHE BETRIEBSSAMKEIT:

US-Präsident Barack Obama versuchte EHER HILF- und PLANLOS, eine EINIGUNG MIT DEN REPUBLIKANERN IN BUDGETSTREIT herbeizuführen. Obama sagte in einer Rede, jetzt sei DIE ZEIT ZUM HANDELN GEKOMMEN.

Die AMERIKANER verstünden nicht mehr, worum es bei diesem Streit eigentlich gehe. Niemand habe Verständnis für die Wunde, die die Politik der US-Wirtschaft durch ihre Untätigkeit zufügen würde. Er forderte EINE ABSTIMMUNG IM SENAT, und die REPUBLIKANER müssten dann eben mit Nein stimmen. OBAMA legte keinen neuen Vorschlag vor. Offenbar wartet DER PRÄSIDENT, wer nun als erster die Nerven verliert.


Kommt es bis Montag zu keiner Einigung, treten automatisch drastische Steuererhöhungen und Ausgabenkürzungen in Kraft. Finanzminister TIMOTHY GEITHNER [Treffen GEITHNER mit GELDUNTERSCHLÄGER Wolfgang Schäuble vor wenigen Monaten auf Sylt, Kreis Nordfriesland] hatte bereits „AUSSERGEWÖHNLICHE MASSNAHMEN“ angekündigt, um das Budget irgendwie im Rahmen zu halten (hier).


Die WALL STREET reagierte am Freitagabend sehr nervös. Der Finanzblog Zerohedge sprach gar von einem „Blutbad“. Die Kurse sackten nach Handelsschluss noch einmal deutlich ab.


Es wird erwartet, dass der Ausverkauf am Montag weitergehen könnte. Dann dürfte es eine formale Einigung geben, die aber nach Erwartung von Beobachtern nicht tragfähig sein wird.


VIELE ANLEGER ERWACHEN jetzt und sehen, dass sie sich unter Umständen zu leicht den Lockungen des billigen Geldes ergeben haben, die durch das unbegrenzte Gelddrucken der US-NOTENBANK FEDERAL RESERVE (FED) [= PRIVAT] an die Aktienmärkte ausgewichen waren.

Sollten die Kurse angesichts der anhaltenden Unsicherheit über die katastrophale US-Haushaltslage in den PANIK-MODUS begeben, drohen vielen Anlegern massive Verluste.


Zumindest für die WALL STREET sind das keine guten Aussichten. Große Anleger wie GOLDMAN SACHS spekulieren daher schon mit anderen Investment-Möglichkeiten: Weil die Bank of Japan gezwungen wird, noch mehr Geld in den japanischen Markt zu pumpen, verlagert Goldman einen Teil seines Portfolios nach Japan. Zumindest kurzfristig dürfte dort wegen des neuen Geldsegens einiges an Profit möglich sein (mehr hier).


Dank der Geldschwemme von BEN BERNANKE ["HELIKOPTER-BEN"] gibt es einiges zu verlieren. (Grafik: zerohedge)



Nun zum Hauptthema heute

DEUTSCHLAND ist im Laufe von zehn Jahren in WOHLSTAND und Industrie, in Nationalselbstgefühl und Nationalkraft um ein Jahrhundert vorgerückt. Und wodurch? ... Es war hauptsächlich der SCHUTZ, den das Zollvereinssystem den Manufakturartikeln des gemeinen Verbrauchs gewährte, was dieses Wunder bewirkte.

HENRY C. CAREY, ein bekannter amerikanischer Ökonom des 19. Jahrhunderts

Wie! die Weisheit der Privat-Oekonomie say auch Weisheit in der National-Oekonomie? ... Nein! in der National-Oekonomie kann WEISHEIT sein, was in der Privat-Oekonomie Thorheit wäre und umgekehrt, aus dem ganz einfachen Grunde, weil ein Schneider keine Nation und eine Nation kein Schneider ist; weil eine Familie etwas ganz Anderes ist, als ein Verein von Millionen Familien, ein Haus etwas ganz Anderes, als ein großes National-Territorium.

FRIEDRICH LIST, der bedeutendste deutsche Wirtschaftstheoretiker des 19. Jahrhunderts


Alle VÖLKER haben eine Vorstellung darüber, wie sie entstanden bzw. wie sie zu einer NATION geworden sind. Sie verknüpfen ihre Geburt mit einem symbolträchtigen Ereignis aus ihrer Geschichte, das dann oft zum Jahrestag erklärt und dann jedes Jahr gefeiert wird. Bei einer großen Mehrheit der Völker wird die Geburt der Nation nur symbolisch wahrgenommen und als reine nationale Folklore begriffen und gefeiert, also ohne dass man darüber nachdenkt was irgendwann vor einer langen Zeit wirklich genau geschehen ist.

Üblicherweise ging es damals um einen gewonnenen Krieg oder um einen Bürgerkrieg, es wurde also ein Feind bzw. Feindbild besiegt und für immer aus dem Weg geräumt. Damit ist die Angelegenheit geklärt - sie ist nur noch eine nicht mehr existierende Vergangenheit. Ist es bei den Deutschen anders?


In gewissem Maße schon. DIE DEUTSCHEN sind nämlich zu einer NATION geworden, als es ihnen gelungen ist, sich nicht mehr gegenseitig zu bekämpfen und umzubringen.

Der Dreißigjährige Krieg zeugt davon, mit welcher Härte und Besessenheit man aufeinander losgehen konnte. Dieser Krieg hat damals ein Volk an den Rand seiner biologischen Existenz gebracht. Eine solche Erfahrung ließ sich bei den Völkern der Welt in der Tat nicht oft beobachten. So böse kann ein Volk normalerweise nur einem anderen Volk gegenüber sein.

Das Gefühl der Zusammengehörigkeit zu einer Nation bedeutete für die Deutschen sich endlich gegenseitig ertragen zu können, sich bewusst zu sein, dass man doch das gleiche Schicksal teilt.

DIE GEBURT DER DEUTSCHEN NATION und des modernen Nationalstaates bedeutete also einen SIEG ÜBER SICH SELBST, DAS SCHLIESSEN EINES INNEREN FRIEDENS. Diese historische Erfahrung würde den seltsamen deutschen Patriotismus erklären, über den der große Dichter HEINRICH HEINE bemerkte:


„Man befahl uns [Deutschen] den Patriotismus und wir wurden Patrioten; denn wir tun alles was uns unsere Fürsten befehlen.

Man muß sich aber unter diesem Patriotismus nicht dasselbe Gefühl denken, das hier in Frankreich diesen Namen führt. Der Patriotismus der Franzosen besteht darin daß sein Herz erwärmt wird, durch diese Wärme sich ausdehnt, sich erweitert, daß es nicht mehr bloß die nächsten Angehörigen, sondern ganz Frankreich, das ganze Land der Zivilisation, mit seiner Liebe umfaßt; der Patriotismus des Deutschen hingegen besteht darin daß sein Herz enger wird, daß es sich zusammenzieht wie Leder in der Kälte, daß er das Fremdländische haßt, daß er nicht mehr Weltbürger, nicht mehr Europäer, sondern nur ein enger Deutscher sein will.“

Wenn die Deutschen schon so viel Angst voreinander hatten, wenn einer schon so sehr den anderen fürchtete, was für eine Angst muss man dann vor dem Fremden haben?

Würde daraus nicht folgen, dass man sich seinen „Platz an der Sonne“ mit brutalsten Mitteln erkämpfen müsste? Das würde zur Erklärung beitragen, warum die zwei Weltkriege und der Holocaust ihren Ursprung in Deutschland haben.

Es scheint auch zu der verbreiteten und manchmal sogar geschätzten Auffassung von einer besonders schwierigen Geburt der deutschen Nation und des Nationalstaates bestens zu passen. Entspricht diese Auffassung aber der Wirklichkeit, oder ist sie nur ein bequemer Mythos?


Diese Erklärung der „DEUTSCHEN SEELE“ entspricht der psychoanalytischen Auffassung, wonach die psychopathischen Störungen der Erwachsenen ihre Ursachen in der Kindheit haben. Diese ist jedoch nicht einmal in der Psychologie selbst unumstritten.

Aber auch davon abgesehen kann man fragen, warum die Entwicklung einer Nation der Entwicklung eines Individuums ähneln müsste.

Das muss in der Tat nicht so sein. Die Weisheit der Psychologie ist nicht die Weisheit der Soziologie.

Die Amerikaner sind zum Beispiel als Nation aus zwei Sezessionskriegen hervorgegangen, doch sie betrachten diese tragische Erfahrung nicht als Schmach und Sünde, sondern als Preis den sie zahlen mussten, um zu einer modernen und erfolgreichen Nation zu werden. Eigentlich ist es mehr oder weniger bei jeder Nation so, dass man sich bei der Geburt auch untereinander zerfleischte.

Jede Nation hat traumatische Erlebnisse aus der Kindheit. Diese erklären aber so gut wie nichts, sie sind eine völlig willkürliche Konstruktion: ein Mythos.


Kurz zusammengefasst, Erbsünden der deutschen Nation und auch welche tiefe Traumata aus der Kindheit gibt es nicht. So etwas sind nur faule Ausreden, mit denen man andere Dinge aus der Verantwortung entlassen will.

Wenn man sich DIE HISTORISCHEN TATSACHEN genau anschaut, muss man fast staunen, unter welchen glücklichen Stern gerade die Geburt der deutschen Nationen und des Nationalstaates im Vergleich mit der Situation vieler anderer Länder stand.

Alles was später geschehen ist, und in der Rückschau besser nicht hätte geschehen sollen und dürfen, hat ihre Ursachen in den später entstandenen Umständen, in denen welche DER ENTFESSELTE KAPITALISMUS in Deutschland - wie auch überall sonst - schuf.

Es sind also FAULE AUSREDEN. Dem KAPITALISMUS ist eigentlich alles recht, sich AUS DER VERANTWORTUNG ZU STEHLEN, mögen seine Rechtfertigungen auch noch so absurd sein.

Deshalb ist es wichtig, sich ein bisschen näher mit der GESCHICHTE zu befassen.


DEUTSCHLAND: Eine aus dem Wirtschaftswunder geborene moderne Nation


Die modernen NATIONEN und Nationalstaaten sind eine ziemlich NEUE ERSCHEINUNG. Sie sind ein Produkt der Moderne und des Kapitalismus.

Nur die CHINESEN bilden die einzige Nation, die deutlich älter als die Moderne ist. Die deutsche Nation gehört sogar zu den zuletzt gebildeten europäischen Nationen.

Sie entstand eigentlich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Es war die Zeit, als Deutschland seine westlichen Nachbarn ein- und überholte. Was damals geschehen ist, ist nicht nur an historischen Maßstäben gemessen keinesfalls unangenehm oder bedrückend, im Gegenteil. In dieser Zeit durfte ein Deutscher darauf stolz sein, ein Deutscher zu sein.


Heben wir zuerst hervor, dass noch bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts Deutschland ein rückständiges feudales Land war.

Laut Statistik fielen im Jahre 1852 noch 72 PROZENT der Bevölkerung in die Kategorie „LÄNDLICH“.

Unsere westlichen Nachbarn hatten sich schon längst industrialisiert, waren also kapitalistisch geworden. Sie waren uns dermaßen voraus, dass schon die Vorstellung, wir würden sie je einholen, als ziemlich absurd erscheinen konnte.

Die Rezepte, die Deutschland damals von den weit fortgeschrittenen Nachbarn, vor allem aus dem führenden kapitalistischen Land GROSSBRITANNIEN, angeboten wurden, waren die gleichen, die man schon immer allen rückständigen Wirtschaften angeboten hat, und die HEUTE als GLOBALISIERUNG und DEREGULIERUNG bezeichnet werden:

Die Öffnung der Grenzen für den freien Waren- und Geldverkehr sowie der Rückzug des Staates aus allen ökonomischen Aktivitäten.

DIE DEUTSCHEN konnten damals zum Glück SELBST ENTSCHEIDEN, ob sie auf diese Ratschläge hören wollten, im Gegensatz zu beispielsweise den Indern. Diese mussten es, weil INDIEN eine BRITISCHE KOLONIE war.

Die Deutschen mussten es aber nicht, so dass ihnen das Schicksal von Britisch-Indien (1858-1947) erspart blieb. Die INDISCHE WIRTSCHAFT ist, sowohl geografisch als auch historisch betrachtet, das bisher größte und am kläglichsten gescheiterte Experiment der vorbildlich umgesetzten liberalen Entwicklungstheorie.


„INDIEN hatte eine durchgängige Laissez-faire-Politik, wie sie die Welt sonst kaum gesehen hat ... Unternehmer und Kapitalisten aus der ganzen Welt waren frei, in Indien zu kaufen und zu verkaufen oder dort Geschäfte zu machen, wie auch die Inder selbst. ...

Es gab weniger Staatsinterventionen als in Japan nach der Meiji-Restauration. Ein halbes Jahrhundert Laissez-faire oder mehr bewirkte etwas Wachstum in Indien, aber nichts Vergleichbares zu dem, was in Japan geschah.

Die Laissez-faire-Ideologie mit ihrer Konzentration allein auf das Übel des Staates läßt klarerweise etwas aus.“

DEUTSCHLAND wies die die Ratschläge und Anforderungen der reinen Marktlehre, die Grenzen zu öffnen und den Staat aus allen ökonomischen Aktivitäten fernzuhalten, zurück.

Diese Politik wurde als MANCHESTERLIBERALISMUS (Manchester School) bezeichnet.

Der deutsche Arbeiterführer FERDINAND LASSALLE entwickelte daraus das Schmähwort Manchestertum.

In diesem Zusammenhang darf nicht unerwähnt bleiben, dass DEUTSCHLAND nach der REICHSGRÜNDUNG (1871) sogar politisch betrachtet kein besonderes Interesse am Rest der Welt zeigte.

Durch das „PRIMAT DER INNENPOLITIK“ wurde die Außenpolitik in den Hintergrund geschoben.

Insbesondere der „EISERNE KANZLER“ BISMARCK (Amtszeit 1871-1890) lehnte territoriale Erwerbungen in Übersee ab, auch deshalb, weil er im Zusammenhang mit dem KOLONIALERWERB nur geringe wirtschaftliche Vorteile sah, jedoch erhebliche politische Störungen erwartete.

DEUTSCHLAND hat sich damals sozusagen auf allen Bereichen aus der Welt zurückgezogen, und zwar AUS EIGENER ÜBERZEUG.

Das bedeutete nicht, dass man nicht mit anderen Wirtschaften zusammengearbeitet hätte, es bedeutete nur, dass man die eigene Wirtschaft, dort wo sie noch nicht mit den weit entwickelten Wirtschaften konkurrenzfähig war, MIT PROTEKTIONISTISCHEN MASSNAHMEN SCHÜTZTE.


Das entspricht der Auffassung, dass zwischen den Volkswirtschaften die freie Konkurrenz nicht für alle vorteilhaft ist, wie es bei der atomistischen Konkurrenz auf dem Binnenmarkt der Fall ist.

Der oben zitierte FRIEDRICH LIST (1789-1846), meiner persönlichen Meinung nach der mit großem Abstand beste deutsche Ökonom aller Zeiten, wurde nie müde dies zu wiederholen. Über diese pars-pro-toto Denkweise, gegen die er sich richtete, wurde schon einiges mehr gesagt.


Innerhalb der Reichsgrenzen wurde der freie Markt bzw. die Konkurrenz gefordert und gefördert, aber auch hier nicht uneingeschränkt.

Es wurde richtig erkannt, dass zu viel Konkurrenz allen schaden kann. Beispielsweise wurde es den großen Unternehmen und ihren Verbänden selbst überlassen, die Konkurrenz untereinander zu beschränken.

Ganz anders als bei den damals bereits entwickelten Industrienationen hat DAS DEUTSCHE REICH die Kartellverträge ZIVILRECHTLICH GESCHÜTZT. So steht zum Beispiel in einem Urteil des Reichsgerichts zu Gunsten eines Kartells von 1897 als Begründung, dass es nicht gegen die Gewerbefreiheit verstoße, ...


„ ... wenn sich Gewerbegenossen zu dem in gutem Glauben verfolgten Zwecke miteinander verbinden, einen Gewerbezweig durch Schutz gegen die Entwertung seiner Erzeugnisse und die sonstigen aus Preisunterbietungen Einzelner hervorgehenden Nachteile lebensfähig zu erhalten.“



Wir stellen also fest:

1: DAS ERSTE DEUTSCHE WIRTSCHAFTSWUNDER WAR DAS ERGEBNIS EINER KLUGEN PROTEKTIONISTISCHEN UND STAATSINTERVENTIONISTISCHEN WIRTSCHAFTSPOLITIK



Aber nicht nur das erklärt die rasante ökonomische ENTWICKLUNG DES DEUTSCHEN REICHES und vor allem die Tatsache, dass die ZWEITE INDUSTRIELLE REVOLUTION hauptsächlich in DEUTSCHLAND stattgefunden hat.

Durch DIE PREUSSISCHEN REFORMEN (nach ihren Hauptinitiatoren auch Stein-Hardenbergsche Reformen genannt) sollte sich PREUSSEN aufbauend auf „DAS DREIFACHE PRIMAT der WAFFEN, der WISSENSCHAFT und der VERFASSUNG“ modernisieren.

Den REFORMEN IM BILDUNGSWESEN, die Hauptsächlich von WILHELM VON HUMBOLDT entworfen wurden, kam in der Konzeption der Reformer eine Schlüsselstellung zu. Bevor wir etwas über sie sagen, ist es angebracht in Erinnerung zu rufen, was ADAM SMIT über BILDUNG und AUSBILDUNG zu sagen hatte.

Würde sich der Staat nicht um die Schulen kümmern, ...

„ ... gäbe es keine öffentlichen Unterrichtsanstalten, so würde kein SYSTEM, und keine WISSENSCHAFT gelehrt werden, wonach nicht eine Nachfrage vorhanden oder deren Erlernung nicht durch die Zeitverhältnisse nötig, nützlich oder wenigstens zur Mode gemacht wäre.“

Diese WISSENSCHAFT würden sich nur die Vermögenden leisten können:

„Die Geschäfte der höheren Stände sind selten von der Art, dass sie sie von Morgen bis zum Abend in Anspruch nehmen. Sie haben viel Muße, während der sie sich in jedem Zweige nützlicher oder zierender Kenntnisse, zu denen sie Geschmack gewonnen haben, vervollkommnen können.“

Die niederen Stände dagegen können sich das nicht leisten:

„Der VOLKSUNTERRICHT erfordert bei einem zivilisierten und gewerbetreibenden Volke die Aufmerksamkeit des Staates wohl mehr als der höhere Unterricht.

[Hier] sind die Zustände der Gesellschaft nicht derart, und es BEDARF DER FÜHRSORGE DER REGIERUNG, um die völlige Verderbnis und Verwilderung der großen Masse zu verhindern.“


Es kann seltsam anmuten, dass SMITH ein ausgebildetes Volk haben will, auch wenn er Zeitzeuge der Ersten industriellen Revolution war, als die Innovationen und neuen Erfindungen noch nicht viel mehr als den gesunden Menschenverstand verlangt haben.

Zur Erinnerung: Nach mehr als einem halben Jahrhundert später hat MARX daraus noch die Aufhebung der Arbeitsteilung prognostiziert.

Wenn man SMITH als Moralphilosophen und Humanisten begreift, kann man gar nicht überrascht sein, dass er sich ein ausgebildetes Volks wünschte.

In DEUTSCHLAND hat man dies noch bei weitem übertreffen wollen. Der Bürger, den man in die Lage versetzen wollte, selbständig für sich verantwortlich zu handeln, sollte GUT GEBILDET UND ERZOGEN sein.

Und damit wurden nicht nur bestimmte Stände gemeint, sondern die ganze Nation, auch DAS GEMEINE VOLK.


Die BILDUNG sollte nicht die Sache der Herkunft und Standes sein.


HUMBOLDT, der 1808 die Leitung der Abteilung Kultus und Unterricht übernahm, hing einem humanistischen Bildungsideal an, also der Auffassung, der zufolge eine ALLGEMEINE MENSCHENBILDUNG dem zweckdienlichen Wissen für die verschiedenen BERUFE vorausgehen sollte.

„Jeder ist offenbar nur dann ein guter Handwerker, Kaufmann, Soldat und Geschäftsmann, wenn er an sich und ohne Hinsicht auf seinen besonderen Beruf ein guter, anständiger, seinem Stande nach AUFGEKLÄRTER MENSCH UN BÜRGER ist.

Gibt ihm der Schulunterricht, was hierzu erforderlich ist, so erwirbt er die besondere Fähigkeit seines Berufs nachher sehr leicht und behält immer die FREIHEIT, wie im Leben so oft geschieht, von einem zum anderen überzugehen.“

An die Stelle der früheren privaten, kirchlichen, städtischen oder korporativen Bildungseinrichtungen trat ein staatlich organisiertes und überwachtes Schulsystem, gegliedert in VOLKSSCHULE, GYMNASIUM und UNIVERSITÄT.

Die ALLGEMEINE SCHULPFLICHT wurde eingeführt, es wurde staatlich vorgeschrieben was wo und wann gelehrt werden sollte und es wurden staatlich anerkannte Leistungskriterien als Voraussetzung für die weiteren Bildungsstufen geschaffen, wo eine im Sinne von Humboldt reformierte Universität stand, an der die Studenten durch Teilnahme an der Forschung SELBSTÄNDIGES DENKEN und WISSENSCHAFTLICHES ARBEITEN erlernen sollten.


Dies alles mag uns heute als selbstverständlich vorkommen, da es sich in verschiedenen Variationen über die ganze Welt verbreitet hat. Es war aber wirklich eine großartige Errungenschaft. Man würde kaum übertreiben, wenn man sagte, DIE DEUTSCHEN WURDEN ZU DEM ERSTEN ALLGEMEIN GEBILDETEN VOLK IN DER GANZEN GESCHICHTE.


Und in der Tat wurde von diesem Bildungssystem eine fast unglaubliche Menge von hervorragenden Wissenschaftlern hervorgebracht. Es gab keine Wissenschaft, in der Deutsche nicht in den vordersten Reihen dabei waren. Deutschland wurde zum Volk von Genies.

War die Heimat der Ersten industriellen Revolution ENGLAND, war die der Zweiten DEUTSCHLAND. Und das war DAS ERGEBNIS DER BILDUNG UND AUSBILDUNG.

Die Entwicklungen in der Chemie, der Wärmelehre - welche der Erfindung der Verbrennungsmotoren vorausging - in der Elektrotechnik, Optik und Atomphysik, können nicht das Ergebnis der leidenschaftlichen und scharfsinnigen Laientüftler in der Garage sein, sondern nur EIN WERK VON MENSCHEN DIE IM DENKEN GUT GEÜBT WAREN UND SYSTEMATISIERTE KENNTNISSE ÜBER DIE NATUR BESASSEN. Und gerade dafür waren die Bedingungen in Deutschland am günstigsten.


[NB BY W. TIMM / Carl-Huter-Zentral-Archiv: Auch CARL HUTERs ORIGINAL-MENSCHENKENNTNIS ist eine hervorragende DENK- und LEBENSSCHULUNG. END.]



Wir stellen also fest:

2: DAS ERSTE DEUTSCHE WIRTSCHAFTSWUNDER WAR AUCH DAS ERGEBNIS EINES SCHULSYSTEMS, WIE ES BIS DAHIN IN NOCH KEINEM ANDEREN LAND EXISTIERTE



Die historischen Forschungen, welche die Ungleichheit in vorkapitalistischen und kapitalistischen Gesellschaften untersuchen, sind allgemein unbeliebt. Man versucht sie zu ignorieren, zu relativieren und nicht selten zu leugnen. Ihre Ergebnisse enthüllen die Ungerechtigkeit des Kapitalismus. Sie sagen nämlich aus, dass die horrenden BESITZUNTERSCHIEDE das Ergebnis des Kapitalismus sind, so wie Dampfmaschine und Webstuhl.


„Vor der ersten industriellen Revolution gab es Unterschiede darin, wie viel Menschen zu essen hatten, wie groß ihr Schlafzimmer war und wie viele Diener ihnen halfen, doch all diese Faktoren hatten ihrem Wesen nach Grenzen.

Man braucht nicht sehr viel Nahrung, um satt zu werden, Durch ein größeres Schlafzimmer wird der erkennbare Lebensstandard kaum erhöht, solange man schläft. Eigentlich KOMMT ES NUR DARAUF AN, DASS MAN NICHT FRIERT.

Ein Diener konnte nicht sehr viele Dinge für einen mittelalterlichen Gebieter tun, zu denen dieser nicht selbst fähig gewesen wäre. Vor der ersten industriellen Revolution gab es große Unterschiede in der MACHT - aber nicht im EINKOMMEN.“

Dazu kommt noch, dass die Menschen in der vorkapitalistischen Zeit unvergleichbar weniger gearbeitet haben als später im KAPITALISMUS.

Außerdem hat die Religion den Reichen, der „schwieriger in den Himmel kommt, als ein Kamel durch das Nadelohr“, moralisch in die Schranken gewiesen.

Mit dem Kapitalismus kam eine AUSBEUTUNG in die Welt, wie es sie nie zuvor gab, für die das Wort VERBRECHERISCH keine Übertreibung ist.

Diese Erfahrung konnten die Deutschen bei ihren Nachbarn beobachten und daraus lernen, dass man sich die brutalsten sozialen Unterschiede nicht erlauben kann, wenn man sich erfolgreich industrialisieren will.

So begann IN DEUTSCHLAND EINE POLITIK ZUR LÖSUNG DER „SOZIALEN FRAGE“.


Es ist stark übertrieben zu behaupten, dass die sozialen Zugeständnisse des klassisch-liberalen Staates allein durch kollektivistische Ideologien erstritten worden sind.

In Deutschland will sich die Sozialdemokratische Partei [SPD] diese Verdienste zuschreiben, eine Partei die unter dem KANZLER SCHRÖDER einen SOZIALEN KAHLSCHLAG DURCHFÜHRTE, den die Konservativen und Liberalen niemals gewagt hätten.

Die sozialen Fortschritte im Kapitalismus waren viel mehr verzweifelte und erzwungene Versuche die KOLLABIERENDE MARKTWIRTSCHAFT zu retten.

Es war ein adliger Konservativer, BISMARCK, der in den achtziger Jahren des 19. Jahrhunderts IN DEUTSCHLAND DIE RENTEN- UND KRANKENVERSICHERUNG EINFÜHRTE. Das war etwas EINMALIGES. „Der Glaube an die Harmonie der Interessen“, sagte er damals, „hat in der Geschichte bankrott gemacht. Gewiss kann der einzelne viel Gutes tun, aber DIE SOZIALE FRAGE LÖSEN KANN NUR DER STAAT“.


DIE DEUTSCHEN SOZIALREFORMEN haben auch Schule gemacht. Es war der Sohn eines britischen Herzogs, Churchill, der im Jahre 1911 die erste Arbeitslosenversicherung für alle aufbaute. Es war ein Patrizier, Präsident Franklin D. Roosevelt, der mit dem Wohlfahrtsstaat den amerikanischen Kapitalismus vor dem Kollaps bewahrte. Keiner von ihnen hätte so gehandelt, wenn er nicht um die Existenz des Kapitalismus gebangt hätte. Allen diesen großen konservativen Staatsmännern war klar geworden, dass soziale Zugeständnisse als Wiedergutmachung für die Sünden des Liberalismus nicht zu vermeiden waren. Eigentlich hat schon Adam Smith in aller Deutlichkeit davor gewarnt, dass die „Schicht der Arbeiter“ nicht nur verarmen, sondern unweigerlich auch in eine Lage von völliger geistiger Verwahrlosung geraten würde, „wenn der Staat nichts unternimmt, dies zu verhindern“.



Wir stellen also fest:

3: DAS ERSTE DEUTSCHE WIRTSCHAFTSWUNDER WAR AUCH DAS ERGEBNIS EINER DER DAMALS FORTGESCHRITTENSTEN SOZIALPOLITIK DER WELT



Mit einem Wort, es war ein GROSSER ERFOLG, WAS DAMALS IN DEUTSCHLAND GELEISTET WURDE. DIE GANZE WELT HAT ES BEWUNDERT. Es schwebte seitdem in der Tat etwas vom deutschen Übermenschen in der Luft - im positiven Sinne.



DAS ERSTE DEUTSCHE WIRTSCHAFTSWUNDER: EIN MUSTER FÜR JEDE SPÄTERE ERFOLGREICHE ENTWICKLUNGSPOLITIK

Nachdem man sich den Erfolg Deutschlands angesehen hat, kann man sich fragen: War die nachholende Entwicklungspolitik des deutschen Kaiserreiches etwas BESONDERES und ORIGINELLES?


Man will das nicht gern so sehen, wenn man der marktradikalen Auffassung anhängt. Der großartige Erfolg der staatsinterventionistischen und protektionistischen Wirtschaftspolitik PASST nämlich überhaupt NICHT ZUR REINEN MARKTLEHRE. War aber diese Wirtschaftspolitik wirklich etwas Anderes als die Entwicklung des Kapitalismus bei unseren westlichen europäischen Nachbarn viele Jahre zuvor, vor allem im führenden kapitalistischen Land Großbritannien?


Was ihre ORIGINALITÄT betrifft darf man nicht das DAMALIGE AMERIKA außer Acht lassen. Der bereits erwähnte LIST hat seine staatsinterventionistische und protektionistische Wirtschaftspolitik auch als das „AMERICAN SYSTEM“ bezeichnet, weil er sie bei seinem Aufenthalt in Amerika studiert hat.


Diese WIRTSCHAFTSPOLITIK war gewissermaßen ein Import, eine Nachahmung von dem, was in Amerika sehr erfolgreich war.

Trotzdem bedeutet der amerikanische Erfolg etwas Anderes. In Amerika hatte man nämlich mit ganz besonderen Umständen zu tun. Der dortige Erfolg lässt sich auch auf die Tatsache zurückzuführen, dass dem Einwanderer der jungfräuliche und unbesiedelte Boden zur Verfügung stand.

Immer wenn die MARKTWIRTSCHAFT in eine KRISE geriet, wie man es etwa im kapitalistischsten Land Großbritannien schon lange kannte, - woraus der neue britische Bürger Karl Marx schon den Untergang des Kapitalismus prophezeite - brauchten die amerikanischen Einwanderer keine Revolution gegen die Kapitalisten anzuzetteln.

Viel einfacher war es, weiter Indianerstämme auszurotten und sich das Land, das „Gott den Menschen gemeinsam gab“ (John Locke) unter den Nagel zu reißen.

IN DEUTSCHLAND war das NICHT DER FALL, auch wenn dort die Option auszuwandern durchaus zur Verfügung stand.

Deshalb lässt sich sagen, dass IN DEUTSCHLAND der BEWEIS ERBRACHT wurde, dass die STAATSINTERVENTIONISTISCHE und PROTEKTIONISTISCHE WIRTSCHAFTSPOLITIK ERFOLGREICH SEIN KANN, ja dass eigentlich nur durch sie eine NACHHOLENDE INDUSTRIALISIERUNG einer Wirtschaft möglich ist. Deshalb wurde gerade diese Wirtschaftspolitik zum Vorbild der Länder, die später ebenfalls erfolgreich waren.


Die großartigen ERFOLGE DER „VIER KLEINEN TIGER“ (HONGKONG, SINGAPUR, TAIWAN und SÜDKOREA) und von Japan, die nicht nur geografisch, sondern auch kulturell Indien nahestehen, vermitteln auch das klare ERGEBNIS einer NICHTLIBERALEN, STAATLICHEN, ja, sogar typisch paternalistischen Entwicklungspolitik.

Es sind also Erfolge einer Politik, bei welcher DER STARKE STAAT nicht nur ordnungspolitische Rahmenbedingungen setzt, sondern AUCH MASSIV IN DIE WIRTSCHAFTSENTWICKLUNG EINGREIFT.

„Wenn wir uns nur auf den Markt verlassen hätten, dann hätten wir in SINGAPUR vielleicht gar nichts“, erklärt Lee Kuan Yew, der ab 1965 Singapur für längere Zeit regierte.

Manchmal wurde mit einem gewissen Befremden und Erstaunen bemerkt, dass auch der HEUTIGE CHINESISCHE ERFOLG mehr List und seinem NATIONALEN SYSTEM DER POLITISCHEN ÖKONOMIE zu verdanken hat als Smith.


Schon diese wenigen Beispiele bezeugt DIE ABSTOSSENDE EINSEITIGKEIT DER LIBERALEN THEORIE und IHRER DOKTRINÄREN BLINDHEIT GEGENÜBER DEN ALLGEGENWÄRTIGEN TATSACHEN.

„Die Geschichte der Marktregulierung gibt kaum Anlaß zu der Behauptung, der Einsatz der Staatsgewalt hätte irgendeinen Wirtschaftssektor ,zerstört‘, auf dem Ordnung zu schaffen sie berufen wurde. ...

In manchen kapitalistischen Volkswirtschaften ist die POLITISCHE MASCHINE sehr mächtig; in anderen ist sie schwach.

Das Versäumnis der radikalen Kapitalismustheorien ist, daß sie dieses Problem weder erklären - noch überhaupt in Betracht ziehen.“ so der amerikanische Ökonom und Historiker Robert L. Heilbroner.

DIE MARKTWIRTSCHAFT ist also noch nirgendwo als ein so genanntes spontanes Gleichgewicht vieler mikroökonomischer Kräfte entstanden, und auf diese Weise wird sie auch langfristig nicht überleben können. Wo sie DAUERHAFT BESTAND hatte, war IMMER VIEL STAATLICHE MACHT IM SPIEL.


Es ist interessant, ja sogar höchst amüsant zu hören, was diejenigen, die sich der reinen Marktlehre verpflichten fühlen, diesen Umstand erklären. Es ist natürlich eine undankbare Aufgabe, so dass sich nur wenige auf dieses Terrain wagen.

Die Erfahrung zeigte ihnen, dass sie am besten davonkommen, wenn sie beharrlich schweigen.

DIE PROMINENTEN LIBERALEN, müssen sich meistens vor dem dem bekannten Ausruf „Der König ist nackt!“ nicht fürchten. Hier geht MILTON FRIEDMANN mit seiner merkwürdigen Interpretation des indischen liberalen Desasters mit schlechtem Beispiel voran. Schauen wir uns einmal die Friedmansche Erklärung an, warum damals Japan erfolgreich wurde und Indien mit der liberalen Wirtschaftspolitik immer scheiterte:

„Die Männer, die in Indien ans Ruder kamen, hatten sich der politischen Freiheit, der persönlichen Freiheit und der Demokratie verschrieben. Ihr Ziel war nicht nur die nationale Macht, sondern auch die Verbesserung der ökonomischen Bedingungen für die Massen.“
Die Japaner, fährt Friedman fort, waren dagegen hartgesottene Aristokraten und Tyrannen und ...

„ ... in erster Linie daran interessiert, die Macht und den Ruhm ihres Landes zu mehren. Persönliche oder politische Freiheit war für sie unbedeutend. Sie glaubten an die Aristokratie und an die politische Kontrolle durch eine Elite.“

Die japanische Aristokratie - will Friedman damit sagen - hatte einfach nichts anderes im Sinn als das eigene Volk rücksichtslos auszubeuten, und eben deshalb war ihre Wirtschaftspolitik erfolgreich. Was für ein Ethos!

Wenn diese Aristokratie so über alle Maßen ausbeuterisch, brutal und erbarmungslos war, dann fragt man sich, warum gerade Japan zu den egalitärsten Ländern der Welt gehört und Indien dagegen zu denen mit traditionell sehr großen sozialen Unterschieden.

Eines hat Friedmans Argumentation aber für sich. Weil es keine Methode gibt, um zu messen, ob die Zuneigung der indischen Aristokratie zum eigenen Volk emotional stärker war als die der japanischen ist es schwierig, die Friedmansche Erklärung zu widerlegen. Versuchen wir es dennoch.


Vorab können wir bemerken, dass das Friedmansche Palaver über die sozialen Verhältnisse in Indien und Japan nichts anderes ist als das Gerede eines engagierten und selbstbezogenen Intellektuellen, der in der Pose des Propheten zu allem und jedem etwas zu sagen hat.

Wer nämlich den fernen Osten wirklich kennt, hat eine diametral entgegengesetzte Meinung zur indischen und japanischen Aristokratie. Wie viele unterentwickelte Länder besitzt Indien eine lange Tradition der Ausbeutung von Unterschichten durch übermächtige Minderheiten, so dass „ein freiwilliger Verzicht auf eigene Vorrechte, wie sie der japanische Adel vollzog, niemals stattgefunden hat“. Darüber hinaus stand den übermächtigen Produktionsmittelbesitzern in Indien immer ein schwacher Staat gegenüber.

„Lange Zeit war die Beziehung dieses Staates zur Gesellschaft nur die eines Steuereinnehmers ... Im 19. Jahrhundert ... waren die Staatseinnahmen eher eine Art Rente als Steuern. ... Unter dem Einfluß der Weltwirtschaftskrise gingen die Zolleinnahmen zurück. ... Die Staatsquote war dementsprechend gering.“

Und nicht zuletzt „ist der indische Arbeitsmarkt so beschaffen, daß die übliche Aufgabe von Gewerkschaften, nämlich Tarifverträge auszuhandeln, ohnehin nicht anfällt“. Es war also wirklich alles vorhanden für eine liberale Erfolgsstory, sie hat sich aber nicht einmal mit leisester Stimme je angekündigt. „In Indien wurden sagenhafte Reichtümer erworben und auch wieder verloren, aber es kam zu keiner Kapitalakkumulation.“


So einfach ist das. Friedman hat also seine „Sozialgeschichte“ Indiens frei erfunden. So etwas tut ein Theoretiker bekanntlich nur in einer aussichtslosen Lage, und was Indien betrifft, so ist die Lage der liberalen Theorie zum Verzweifeln aussichtslos.

INDIEN hat für lange Zeit ökonomische Bedingungen geboten, die vom Standpunkt der Laissez-faire-Theorie in der Tat kaum Wünsche offen ließen.

Erst seit einigen Jahrzehnten nähert sich die indische Staatsquote dem Maß der westlichen Industrieländer an, und wenn es der indischen Wirtschaft nach so langer Zeit gerade jetzt gelingt, sich aus der Misere herauszuarbeiten, so wird man gelassen sagen dürfen:

Indien hat dies nur mit Hilfe eines starken Staates erreicht. Aber das große asiatische Land ist heute nicht nur die größte Demokratie der Welt, sondern ist noch immer Heimat einer Wirtschaftspolitik, die der marktradikalen Lehre verpflichtet ist, mit dem ERGEBNIS, dass die CHINESEN HEUTE DREIMAL MEHR PRO EINWOHNER ERWIRTSCHAFTEN ALS DIE INDER, und das alles haben sie in einer fast unglaublich kurzen Zeit erreicht. Noch vor wenigen Jahrzehnten haben sie mit steinzeitkommunistischen Ideen experimentiert.


FRIEDMANN hat uns auch mit anderen originellen Verlautbarungen überrascht, in denen er erklärte, warum die russische fundamentalistisch-liberale Transition missglückt ist und die chinesische, die vom staatlichen Apparat geleitet wird, sich als ein großer Erfolg herausgestellt hat.

Dies sei deshalb der Fall, weil China „frühzeitig mit Landreformen begonnen hat“ - so seine lapidare Erklärung.

Man muss sich hier in der Tat zusammenreißen: Auf einmal ist es für einen orthodoxen Liberalen nicht mehr der Rede wert, dass China die privaten Eigentumsrechte zwar duldete, aber immer noch nicht richtig einführte und von der Privatisierung der großen Staatsunternehmen nichts wissen wollte, so dass dieses Land immer noch zu den am meisten abgeriegelten und reglementierten Volkswirtschaften gehört und der WTO erst vor kurzem beigetreten ist.

Was für ein Unterschied zu RUSSLAND, in dem sich die neuen Eliten - von westlichen Neoliberalen teuer beraten und überschwänglich gelobt - vorerst nur darum gekümmert haben, ihren Reichtum zu legalisieren, während die Bevölkerung immer tiefer im Elend versank.


Die Leute, die heute vom Zusammenbruch des chinesischen Staates träumen, sind eigentlich Verbrecher und träumen vom Massenmord.

Sie wünschen sich so etwas wie den Zusammenbruch der UdSSR. Zu Beginn dieses „Reformprozesses“ meinte einer der Haupttäter, Gaidar, vor der Presse – lachend! -, dieser Prozess werde wohl Millionen Tote kosten. Er hat recht behalten.

Die BEVÖLKERUNGSVERLUSTE der JELZIN-Gaidarzeit, in der die Menschen in den Wintern erfroren oder von Unterernährung und Krankheiten umkippten - bei gestrichener medizinischer Versorgung! - und in der die LEBENSERWARTUNG VON 72 AUF ca. 55 Jahre SANK, werden auf 10-15 MILLIONEN geschätzt.

Das ist MEHR ALS STALIN auf dem Gewissen hat. Übrigens wurden diese Vorgänge in CHINA sehr aufmerksam wahgenommen.

Auch was der Westen mit einem Land anstellt, das neben seinem Wirtschaftssystem auch seine NATIONALE UNABHÄNGIGKEIT PREISGIBT, wurde genau beobachtet. The Gki Archipelago


Damit man sich DAS AUSMASS DIESER RUSSISCHEN TRAGÖDIE richtig vorstellen kann, greifen wir auf einen Vergleich mit den Gulags zurück.

In der American Historical Review (1993) schreiben die Historiker auf 33 Seiten, dass es z. B. in den Jahren 1921–1953, also zusammen 33 Jahren - in den GULAGS ca. 2,3 MILLIONEN TOTE gab. Das sind deutlich weniger als mehrere zehn Millionen.

Die Gesamtsumme der Exekutierten in der STALIN-ZEIT beträgt etwa 800 000. Im Jahr der großen Säuberungen, 1939, gab es den Spitzenwert von 2 022 976 Gefangenen. (J. Arch Getty, Gabor Rittersporn, Victor Zemskov: Victims of the Soviet Penal System in the Pre-War Years: A First Approach on the Basis of Archival Evidence.) American Historical Review, 98 (October 1993) 1017-1049


Mit einer großen Portion Galgenhumor kann man sich fragen: Wenn die CHINESEN dies alles angeblich nur mit ihrer Landreform vermeiden konnten, warum ist eine so exzellente Maßnahme nicht den liberalen Beratern Russlands eingefallen, sondern ausgerechnet den chinesischen „Kommunisten“?. Schade, dass uns Friedman dazu keine erhellende Erklärung hinterlassen hat.


Für den TOTALEN MISSERFOLG DER LIBERALEN POLITIK der völlig offenen Grenzen ist das SPANIEN DES 18. JAHRHUNDERTS ein hervorragendes Beispiel. Um so billig wie möglich zu kaufen - heute würde man sagen: im Interesse der Kunden, damals war es natürlich im Interesse des feudalen Staates und des Adels - hat man allen erlaubt, in Spanien Waren zu verkaufen.


„1675 stellte ein Spanier frohgemut fest, die ganze Welt arbeite für Spanien: Möge die Londoner Industrie ihre Gewebe nach Herzenslust fertigen, Holland seinen Kambrik, Florenz sein Tuch, die westindischen Gebiete ihren Biber und ihre Vikunjawolle, Mailand seine Brokatstoffe, Italien und Flandern ihr Leinen - solange nur unser Geld dies alles genießen kann. Bewiesen wird dadurch nur, daß alle Nationen Handwerker für Madrid ausbilden und daß MADRID die Königin der Hauptstädte ist, denn alle dienen ihr, und sie dient keinem.“

Man verlor damals KEINEN GEDANKEN an die STAATLICHE UNTERSTÜTZUNG DER EIGENEN INDUSTRIE und oder den SCHUTZ DER EIGENEN UNTERNEHMEN vor der ausländischen Konkurrenz, und vom STAATLICHEN AUSBAU DER INFRASTRUKTUR wollte man schon gar nichts wissen.

Auch die vielleicht einzige Chance, die ungezügelte Freiheit des Stärkeren auf dem Markt durch eine Agrarreform zu bändigen, endete in „der Konzentration des Grundbesitzes in den Händen einer neuen Klasse abwesender Grundherren, - ein Vorgang welcher die Armen bis zu einem gewissen Maße abhängig machte, das in manchen Fällen schon an Leibeigenschaft grenzte“.

Dies waren offensichtlich die Bedingungen, die heutige Befürworter der GLOBALISIERUNG als Ideal anpreisen: freies Handeln, keine Staatseinmischung und niedrige Löhne.

Und es kam, wie es kommen musste. Möglicherweise hat Abraham Lincoln an SPANIEN und PORTUGAL gedacht als er sagte: „Schafft die Zölle ab und unterstützt den Freihandel, dann werden unsere Arbeiter in jedem Bereich der Wirtschaft wie in Europa auf das Niveau von Leibeigenen und Paupern heruntergebracht.“

DER FEHLSCHLAG DER INDUSTRIELLEN REVOLUTION IN SPANIEN ist also „weniger der eines Spätlings als der eines weitgehend erfolglosen Versuches, in die Reihen derer aufgenommen zu werden, die zuerst da waren“. Der NIEDERGANG kam, als keine großen Mengen von in Amerika erbeuteten Edelmetallen mehr ins Land flossen.


Man kann auch etwas über die LÖHNE sagen, von denen der reinen Marktlehre zufolge immer alles abhängt. Ohne niedrigere Löhne, beschönigend bezeichnet man dies als Lohnzurückhaltung, gäbe es keine erfolgreiche ökonomische Entwicklung, geschweige denn ein Aufholen der noch nicht fortgeschrittenen Wirtschaften.

Auch hier kann man nur rätseln, ob die neoliberalen Vertreter der reinen Marktlehre unglaublich böse Menschen sind, die geistigen Prostituierten der Reichen, oder einfach nur mit völliger Realitätsblindheit geschlagen.


Fangen wir mit AMERIKA an. Als am Ende des 19. Jahrhunderts Amerika die Rolle der weltweit führenden Wirtschaftsnation übernahm, schrieb der deutsche Ökonom Sombart in seiner Untersuchung Warum es in den Vereinigten Staaten keinen Sozialismus gibt:

„Ich glaube, daß man auf Grund des vorliegenden Ziffernmaterials mit ziemlicher Bestimmtheit dieses aussagen kann: die Geld-Arbeitslöhne sind in den Vereinigten Staaten zwei- bis dreimal so hoch wie in Deutschland, ... [obwohl] ... die Beschaffung der gleichen Menge notwendiger Unterhaltsmittel nicht wesentlich kostspieliger ist, als bei uns. ...

[Der amerikanische Arbeiter] verwendet sein so viel höheres Einkommen vor allem dazu, um die ,notwendigen‘ Lebensbedürfnisse in reichlicherem Maße zu befriedigen; d. h. er wohnt besser, kleidet sich besser, nährt sich besser als sein deutscher Kollege. ...

Auch im Auftreten, im Blick, in der Art der Unterhaltung sticht der amerikanische Arbeiter grell vom europäischen ab. Er trägt den Kopf hoch, geht elastischen Schritts und ist frei und fröhlich in seinem Ausdruck wie nur irgendein Bürgerlicher“, weshalb er nicht zum Sozialismus, sondern zum Kapitalismus eine „intime Beziehung“ hegt. „Ich glaube, er ist mit dem Herzen beteiligt: ich glaube, er liebt ihn.“


Was SOMBART damals vorfand, kennt man als AMERICAN DREAM. Dass die amerikanischen Kapitalisten nicht aus sentimentalen oder patriotischen Gründen hohe Löhne bezahlten, ist gewiss.

Gerade in Amerika, schrieb Sombart im gleichen Aufsatz, „setzt sich das kapitalistische Interesse so rücksichtslos durch“, wie man es in „keinem europäischen Gemeinwesen kennt ... auch wenn sein Weg über Leichen geht.“

Wenn man sich die ökonomische Entwicklung von Asiens kleinen Tigern ansieht, entpuppt sich der neoliberale Grundsatz, harte Arbeit und Verzicht kämen zuerst, und die Löhne ließen sich erst dann erhöhen, wenn sich die Wirtschaft entwickelt habe, einmal mehr als AKADEMISCHER UNFUG.

Nicht nur, dass „das wirtschaftliche Erfolgsmodell der vier kleinen Tiger zum großen Teil POLITISCHE URSACHEN hat“, sondern es hat auch bei KONTINUIERLICH STEIGENDEN Löhnen stattgefunden.

Während des TAIWANESISCHEN WUNDERS (1953-1990) sind zum Beispiel die Löhne auf das 13-FACHE GESTIEGEN, und zwar gemessen an ihrer REALEN KAUFKRAFT.



Wie es in DEUTSCHLAND war, können wir dieser historischen Tatsache entnehmen:

„In den drei Jahrzehnten nach 1866 verließen 2,9 Millionen Deutsche ihre Heimat ... Nach 1893, mit der einsetzenden HOCHKONJUNKTUR, riß die Massenauswanderung plötzlich ab und schrumpfte zu einem Rinnsal: DIE NEUE WELT LAG JETZT IN DEUTSCHLAND SELBST.“



DIE HISTORISCHE SCHULE: EIN VERSUCH DIE DEUTSCHE ERFAHRUNG THEORETISCH ZU ERSCHLIESSEN

Erinnern wir uns, dass es in der Mitte des 19. in Großbritannien schon eine weit entwickelte moderne Wirtschaftswissenschaft gab, die damals noch POLITISCHE ÖKONOMIE hieß.

Sie hatte schon viele Größen auf diesem Gebiet hervorgebracht: Petty, Hume, Smith, Ricardo, Mathus, Mill, um nur die wichtigsten zu benennen.

Die deutschen Ökonomen hätten deren Werk übernehmen und weiterentwickeln können. Das ist nicht geschehen, sondern es entstand EINE GENUIN DEUTSCHE WIRTSCHAFTSWISSENSCHAFT: Die Deutsche Historische Schule der Nationalökonomie.

Die Historische Schule hat sich insbesondere mit praktischen Problemen beschäftigt, WIE MAN DAS LAND AM SCHNELLSTEN INDUSTRIALISIERT, und auch mit der aufkommenden SOZIALEN FRAGE, also mit der Verarmung breiter Schichten im Zuge der kapitalistischen Entwicklung.

Sie hat sich auch leidenschaftlich mit der KRITIK AN DER KLASSISCHEN LEHRE beschäftigt. Ihre GRUNDTHESE ist es, dass alle wirtschaftlichen Erscheinungen RAUM- und ZEITABHÄNGIG sind und deshalb keine allgemein gültigen Theorien aufgestellt werden können.


Unterschieden werden:

(1) Ältere historische Schule (Vorläufer List, Roscher, Hildebrand, Knies),

(2) Jüngere historische Schule (Schmoller als Hauptvertreter, Bücher, Brentano, Knapp) und

(3) „Dritte“ historische Schule (Weber, Sombart, Spiethoff).


Diese Schule prägte nicht nur die Wirtschaftswissenschaft sondern auch die ganze DEUTSCHSPRACHIGE SOZIALWISSENSCHAFT etwa ein Jahrhundert lang, von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis zu Mitte des 20. Jahrhunderts.

Zu ihr gehören also nicht nur die NATIONALÖKONOMEN, sondern auch andere Sozialwissenschaften und -wissenschaftler, wie etwa MAX WEBER, einer der wichtigsten Soziologen des 20. Jahrhunderts.

Ein Ableger der Historischen Schule der Nationalökonomie, wenn auch in einer verwässerten Form, war der Ordoliberalismus nach dem Zweiten Weltkrieg, den wir gesondert behandeln werden.



DIE FRAGE DER METHODE UND DER INNERDEUTSCHE METHODENSTREIT

DIE DEUTSCHE HISTORISCHE SCHULE hat sich parallel zum neuen marktradikalen Liberalismus entwickelt.

Diese zwei Schulen konnten sich schon deshalb nicht versöhnen, weil die erste das ganze gesellschaftliches Leben, auch die Wirtschaftsformen, als ständig veränderbar und historisch vergänglich betrachtete; DER NEUE LIBERALISMUS war schon von Anfang ein quasireligiöser FANATISMUS einer ewigen Wahrheit und dem Ende der Geschichte.

Außerdem war den deutschen „Historikern“, die mit ihrer Ausbildung ihren Gegnern um Längen überlegen waren, schlicht unbegreiflich, wie man eine Wirtschaft erklären könnte, indem man das Modell der Massenbewegung der klassischen Mechanik nimmt und die Kräfte gegen den Nutzen austauscht. Werner Sombart, der wichtigste ökonomische Vertreter der „Dritten“ historischen Schule dazu:

„Manche Vertreter des „Nutzprinzips“ haben Ernst mit ihrer Auffassung gemacht, indem sie die Folgerung gezogen haben, daß die Nationalökonomie zu einer allgemeinen „Genußlehre“ auszubauen sei.

Der erste, der diesen Gedanken gefaßt hat, ist wohl der geniale Idiot Gossen gewesen, dessen Werk über „Die Gesetze des menschlichen Verkehrs“ die Veranlassung zu allem möglichen Unfug geworden ist.“

Und auch mit einer mathematischen oeconomia pura konnten die Historiker nichts anfangen. Dennoch hat diese Vision gesiegt, wenn auch mit großer Verzögerung. Sombarts Zeitgenosse, der schwedische Ökonom Knut Wicksell (1851-1926) dazu:

„Beinahe tragisch ist es jedoch, daß der sonst so klare und scharfsinnige Walras diesen strengen Beweis, den er bei den damaligen Verteidigern des Freihandelsdogmas vermißte, schon dadurch gefunden zu haben glaubte, daß er gerade den Gedankeninhalt, der ihm in gewöhnlicher Sprache ausgedrückt ungenügend erschien, bloß in eine mathematische Formel einkleidete.“

Man kann sich denken, dass der Streit irgendwann offen ausbrechen musste. Diese heftige Auseinandersetzung im deutschsprachigem Raum zwischen der Historischen Schule der Nationalökonomie und der Österreichischen neoliberalen Schule ist bekannt als METHODENSTREIT.

Er hatte seinen Höhepunkt in den 1880er und 1890er Jahren. Aus der Bezeichnung „Methodenstreit“ lässt sich gut erahnen, worum es ging. Um es einfacher zu beschreiben, bedienen wir uns eines Gleichnisses von FRANCIS BACON (1561-1626), der wichtigste Wegbereiter der modernen Philosophie.

Die alten Philosophen, so Bacon, entwickelten ihre Gewebe aus sich selbst heraus wie eine Spinne. Das von ihnen gesponnene Netz sei ordentlich ausgearbeitet, aber nur eine Falle.

Auch das Bestehende nur zusammenzutragen und zu gebrauchen, wie eine Ameise, sei noch keine richtige wissenschaftliche Tätigkeit. Der wahre Wissenschaftler würde wie eine Biene arbeiten, die aus den Blumen Stoff sammle und ihn dann verarbeite. Was die Spinne fängt und die Ameise anhäuft, sind nur bestehende Tatsachen, die Biene schafft neue.


DIE HISTORISCHE SCHULE wäre hier mit der AMEISE zu vergleichen. Man hat ihr in der Tat ständig Theoriefeindlichkeit vorgeworfen, was zwar überzogen, aber auch nicht ganz falsch ist. Sie hat zwar versucht die Tatsachen zu ordnen, zu systematisieren und zu einem Gesamtbild zusammenzusetzen. Aber das ist noch keine Wissenschaft.

Damit kann man die wirtschaftlichen Entwicklungsstufen illustrieren, nicht jedoch ihre Zwangsläufigkeit beweisen. Erwähnen wir noch LIST, der unermüdlich erklärte, dass das Ganze nicht aus seinen Teilen zu erklären ist, der aber von einer konkreten Theorie noch immer weit entfernt war.


Der Gegner, DIE ÖSTERREICHISCHE SCHULE, ist mit der SPINNE zu vergleichen. Was die Spinne spinnt, ist ihr eigenes Produkt, und die aus abstrakten Prinzipien (Grenznutzen, Grenzproduktivität, ...) erarbeiteten Modelle sind keine Beschreibung der Wirklichkeit. Sie sind keine Wissenschaft, sondern nur logische und mathematische Übungen.


„Einen Gewinner in dem Sinne, dass eine Seite die andere überzeugt hätte, gab es nicht.

Verglichen mit der Ausgangssituation war jedoch im Nachhinein die Österreichische Schule deutlich gestärkt und DIE TOTALE HEGEMONIE DER HISTORISCHEN SCHULE GEBROCHEN.

Im 20. Jahrhundert gewann die Österreichische Schule – allerdings in einigen Fragen von ihrem damaligen Standpunkt abgerückt – weltweit Einfluss und ist bis heute präsent, während die Historische Schule in reiner Lehre praktisch nicht mehr existiert.“

Wir werden uns die konkreten Schwächen der Historischen Schule im Rahmen der Kritik des Ordoliberalismus anschauen.




Der Ordoliberalismus: Wundenlecken nach dem neoliberalen Desaster von Weimar


Jede Fraktion der herrschenden Klasse hat ihre Künstler und ihre Philosophen, ihre Zeitungen und ihre Kritiker, genauso wie ihren Friseur, ihren Innenausstatter und ihren Schneider.

Pierre Bourdieu, berühmter französischer Soziologe

WSein Antrieb zur Modernisierung des liberalen Programms bezog der Ordoliberalismus weder aus der kritischen Analyse der kapitalistischen Ökonomie noch aus der Reflexion des Entwicklungsweges des deutschen Liberalismus, sondern allein aus dem Bestreben, in der Neuordnung nach dem Krieg eine marktwirtschaftliche Ordnung zu legitimieren und zu stabilisieren.

Ralf Ptak, deutscher kritischer Wirtschaftswissenschaftler

Die Historische Schule der Nationalökonomie hat den Zweiten Weltkrieg nicht überlebt. Es gibt zwei Gründe dafür. Den ersten, den methodischen, haben wir schon erwähnt. Kurz gesagt beruhte die Historische Schule auf einer sehr schwachen Theorie. Ihre Vertreter haben zwar die Veränderlichkeit ökonomischer Phänomene erkannt und sie haben sich an die empirischen Tatsachen gehalten. Das waren die größten Stärken der Historischen Schule, aber sie haben damit Wirtschaftstheorie mit Wirtschaftsgeschichte verwechselt. Durch bloßes Sammeln der Tatsachen lässt sich allenfalls ein Museum bestücken, aber niemals eine Theorie entwerfen. Man kann also der Historischen Schule keine Realitätsblindheit vorwerfen, aber sie hatte keine analytische Theorie. Genauer gesagt hat sich die Historische Schule nur der induktiven, aber gar nicht der deduktiven Methode bedient. Sie hat, wie es der Soziologe Max Weber formulierte, idealtypisch gearbeitet, also die Tatsachen verallgemeinernd sortiert und kombiniert, um die Wirklichkeit zu beschreiben. Aber Beschreiben bedeutet nicht Erklären.

Der zweite Grund des Untergangs der Historischen Schule war, dass sie zu der neuen ökonomischen Lage in Deutschland nicht mehr passte. Sie hatte als Ratgeber große Verdienste darum erworben, Deutschland von einem rückständigen feudalen zu einem führenden kapitalistischen Land zu überführen und dass die deutsche Wirtschaft hinsichtlich der Produktivität die „alten“ kapitalistischen Wirtschaften eingeholt oder gar überholt hat. Eine solche Wirtschaft braucht aber keinen Schutz vor dem Rest der Welt mehr, im Gegenteil. Sie will Schranken niederreißen und zum Global Player werden. Weil für sie der Binnenmarkt zu klein ist, braucht sie die ganze Welt als Absatzmarkt. In der Tat wurde die neu entstandene Klasse der reichen Bürgerlichen immer mehr von der Wahnidee der uneingeschränkten Freiheit besessen. Wie sich später zeigen würde, hatte Deutschland eine der brutalsten, am härtesten sozialdarwinistisch eingestellten Kapitalistenklassen der Welt bekommen. Das Jahrhundert der deutschen Katastrophen hatte begonnen. Zuerst verlangte Deutschland einen „gerechten“ Anteil an den Kolonien. Das war der Sinn und Zweck des angeblichen deutschen Anspruchs auf den „Platz an der Sonne“, wie man dann zu sagen pflegte, um den Ersten Weltkrieg zu rechtfertigen.

Kurz zusammengefasst war die Historische Schule den deutschen Machteliten, den sogenannten Wirtschaftskapitänen, wie man sie damals nannte, nur ein Klotz am Bein. In der Weimarer Zeit fanden ihre Vertreter kein Gehör bei denen, die in Praxis etwas zu sagen hatten. Auch wenn sie in den akademischen Kreisen noch stark vertreten und tonangebend waren, hatte in der Praxis, also in der realen Politik, die Gegenseite schon endgültig gesiegt und ihre marktradikalen Auffassungen durchgesetzt. Das Deutschland wurde zum richtigen Kapitalismus.

„Der Umbruch 1918/19 löst in Deutschland den durch den Weltkrieg bedingten Stau der großen geistigen Strömungen seit der Jahrhundertwende. Deutschland bekommt den liberalsten Staat seiner Geschichte.“
In der Fortsetzung dieses Beitrags geht es uns um die soziale Katastrophe, welche der sozialdarwinistische Neoliberalismus angerichtet hat, aber der Vollständigkeit halber erwähnen wir auch, dass er sogar nach rein ökonomischen Effizienzkriterien ein Fehlschlag war.

„Die Produktivität nahm also in der Weimarer Republik langsamer zu als in irgendeinem anderen Zeitraum während der letzten hundert Jahre.“
Weil die deutschen „Eliten“ die neoliberale Wirtschaftspolitik mit dermaßen rabiaten und brutalen Mitteln durchsetzten, wie es in keinem anderen kapitalistischen Land der Fall war, kamen ihre sozialen Auswirkung dem sozialen Genozid am deutschen Volk gleich, was zu Hitler und zum Zweiten Weltkrieg führte. Der Sieg der reinen Marktlehre hat sich in Deutschland also als ein Pyrrhussieg erwiesen. Nach der Weltwirtschaftskrise, dem Faschismus, dem Genozid und dem Weltkrieg war der Neoliberalismus kompromittiert. Das einzige was ihm übrig blieb war Tarnung: Die noch vor kurzem marktradikalen deutschen Liberalen wurden zu den Ordoliberalen, die noch einiges aus der Historischen Schule übernahmen.

Heute, nachdem wir wissen, wie es mit dem Ordoliberalismus weiterging, steht außer Zweifel, dass dieser besondere Liberalismus nur ein Umweg zum marktradikalen Liberalismus war. Dieser erhob sein Haupt wieder mit dem Lambsdorff-Papier der FDP, das dann die deutschen Sozialdemokraten unter dem Kanzler Schröder als die Agenda 2010 vollständig umsetzten. Heute ist der Ordoliberalismus tot. Alle seine Vertreter sind schon längst zum Neoliberalismus zurückgekehrt: Willkommen zu Hause, könnte man ihnen zurufen. Vielleicht werden sie noch ab und zu etwas von den Ordoliberalen zitieren, denn diese haben gute Sonntagsreden geschrieben, aber das ist alles. Warum sollte uns dann die Geschichte des Ordoliberalismus überhaupt interessieren?

Schon oft wurde bemerkt, dass die Geschichte wiederholen muss, wer sie nicht kennt. Und wir befinden uns tatsächlich in einer Zeit, in der sich die Geschichte wiederholt. Und sie wiederholt sich auf eine dermaßen gleiche Weise, dass man es nicht glauben will. Was die raffgierigen, rücksichtslosen und räuberischen deutschen Eliten dem deutschen Volk in der Weimarer Zeit angetan haben, wurde zur Wirtschaftspolitik der EU. Wir wissen nicht, wie es mit der EU weitergehen wird. Wir können uns das in Erinnerung rufen, was damals in Deutschland geschah und uns Gedanken machen, was wir heute anders machen sollten.

Vom Kaisertum zu Hitler: Das Desaster des ersten deutschen neoliberalen Experiments

Es ist in diesem Zusammenhang angebracht, zuerst auf die Schrift Der achtzehnte Brumaire des Louis Bonaparte (1852) von Marx zu verweisen, wo er erklärt, dass die Bourgeoisie in kritischen Zeiten, wenn sie sich vom Volk bedroht fühlt, bereit ist auf die politische Herrschaft zu verzichten, zugunsten einer autoritären Herrschaft: Sie tauscht die parlamentarische Demokratie gegen einen Diktator aus. Diese Strategie wurde später als Bonapartismus bezeichnet. Ein Bonapartismus wie aus dem Bilderbuch war auch der deutsche Faschismus. Das wollen die Reichen und die Kapitalisten vertuschen und sie tun alles, um eine falsche Erklärung des deutschen Faschismus zu verbreiten. So wird eine verfälschte Geschichte der Weimarer und Hitlerzeit sowie des Zweiten Weltkriegs in den neoliberalen Think-Tanks konstruiert. Erwähnen wir die wichtigsten Stücke dieser Geschichtsklitterung.

Man spricht vom Faschismus als einem „Betriebsunfall“, von einem „Schicksalsschlag“ oder „Verhängnis“, aber auf jeden Fall soll es sich um ein Ereignis handeln, das „unerklärlich“ sei: um ein „ewiges Rätsel“. Wenn man es doch wagt, das „Rätsel“ lösen zu wollen, richtet man alles auf die Person Hitlers aus. Diese dürfte auf keinen Fall etwas mit der deutschen Geschichte und Kultur zu tun haben, mehr noch, es soll sich um eine Art Dämon in menschlicher Gestalt handeln, ein direkt aus der Hölle aufgestiegener Bösewicht. Natürlich werden solche Geschichten von den Deutschen gern gehört: Die Ehre vom Nazi-Vater oder Nazi-Opa wird damit gerettet, und auch wenn man Vater oder Opa dann noch nicht ganz freispricht, dann will man ihn dank dieser Geschichte zumindest besser „verstehen“ können.

Nun hat dieser Dämon in menschlicher Gestalt angeblich die gut funktionierende deutsche Demokratie, die Herrschaft des Volkes, zerschlagen und die ganze Macht an sich gerissen. Wer kennt das Wort „Machtergreifung“ nicht? Schon kleinen Kindern wird dies in der Schule in den Kopf eingehämmert. Aber gab es diese ominöse „Machtergreifung“ überhaupt? Die Historiker müssten es wissen, und diese sagen uns:

„Hitler ist Kanzler eines NSDAP/DNVP-Koalitionskabinetts geworden. Von „Machtergreifung" sprechen 1933 fälschlicherweise einerseits Joseph Goebbels, andererseits Vertreter der demokratischen Parteien, die damit von ihrem eigenen Versagen bis 1932 ablenken wollen. Hitler ergreift nicht die Macht - weder mit parlamentarischer Mehrheit, die er nicht hat, noch durch revolutionäre Gewalt, die er nicht anwendet. Die Macht wird ihm in einem verwirrenden Kräftespiel übertragen. Alle Begleit-Intrigen 1932/33 sind nur deshalb erfolgreich, weil das parlamentarische System, nach Abdankung der Verfassungsparteien, nicht mehr funktioniert hatte.“
Wenn der neoliberale Geschichtsklitterer und -fälscher merkt, dass es mit der „Machtergreifung“ nicht viel auf sich hat, lässt man von ihr ab und nimmt Anlauf, Hitlers Aufstieg anders zu erklären: Man macht das ganze deutsche Volk zum Mittäter. Hitler sei demokratisch an die Macht gekommen, die Deutschen seien es gewesen, die ihn zum Diktator gemacht hätten. Zu diesen „mildernden Umständen“ fügt man gelegentlich hinzu, dass der Dämon praktisch übernatürliche oder hypnotische Fähigkeiten gehabt hätte. Was ist dran an dieser Behauptung?

„Gewählt? Bei den Reichstagswahlen vom 14. September 1930 erhielten die Nationalsozialisten 18,3 Prozent der Stimmen (6,4 Millionen Wähler), am 31. Juli 1932 waren es 37,2 Prozent (13,7 Millionen), und am 6. November 1932 stimmten 33 Prozent (l 1,7 Millionen) für die NSDAP.“
„Hitler kam nicht aus eigener Kraft an die Macht. Er hatte keine Mehrheit, weder unter den Wählern und damit im Volke noch im Reichstag oder in der Regierung. Es ist nicht wahr, was fast alle populären Deutungen behaupten, daß die Deutschen seine Ernennung zum Reichskanzler gewünscht hätten. Zwei Drittel von ihnen wünschten es nicht. Immerhin hatte er eine in Wahlen sehr stark gewordene Bewegung hinter sich, die ihn vielleicht mit Gewalt an die Macht hätte bringen können. Doch dieser Fall trat nicht ein, jedenfalls nicht am 30. Januar 1933.“
„Es trifft zu, daß nicht die Wahlergebnisse, die im November 1932 für die NS-Partei rückläufig waren, Hitler an die Macht brachten, sondern die Politik der Machteliten, und daß im Januar 1933 die preußischen Junker ... wesentlich an Hitlers Berufung zum Reichskanzler mit gewirkt haben. Dem gegenüber bleibt jedoch festzuhalten, daß auch bedeutende Gruppen der Industrie, z. B. durch Eingabe über Papen-Schröder, am Prozeß der Machtübertragung beteiligt waren..“
Mit diesem propagandistischen Gefasel, dem Volk die Alleinschuld in die Schuhe zu schieben, wollen der Erben der damaligen deutschen Machteliten vertuschen, dass nicht das Volk Hitler zum Führer wählte, sondern ihre Altvorderen damals die finsteren Drahtzieher hinter den Kulissen waren. Sie haben Hitler die Macht ausgehändigt, und zwar nach Bedingungen, die Hitler selbst gestellt hat. Er wurde nicht durch Volkes Wille zum Diktator, sondern nach dem Wunsch der damaligen deutschen Machteliten. Diese raffgierigen, rücksichtslosen und räuberischen Leute haben sich Hitler zum Diktator ausgewählt und sich fleißig an all seinen späteren Verbrechen beteiligt. Der Historiker Hans-Jürgen Eitner schreibt nicht ohne eine gewisse Verwunderung dazu:

„Seit Mai 1945 sitzen fast alle Konzernherren und Großbankiers sowie viele führende Manager unter dem Verdacht der Beteiligung an Kriegsverbrechen im Gefängnis oder Internierungslager. Kaum jemand kann sich 1945 vorstellen, daß diese „kompromittierten Kapitalisten“ jemals wieder zu Macht und Einfluß gelangen würden. Das Gegenteil wird eintreten.“
Wir wissen, dass diese sehr bald vom ersten Bundeskanzler Adenauer zurückgeholt worden sind, mit der Erklärung, die an Zynismus keine Wünsche offen lässt: „Wenn man kein sauberes Wasser hat, schüttet man trübes nicht weg“, sagte er und er meinte es in der Tat sehr ernst. Zum Beispiel waren über 60 Prozent der höheren Beamten des Außenministeriums zuvor Mitglieder der NSDAP gewesen. Wenn man diese „Entnazifizierung“ mit der Suche nach den Stasi-Helfern der ehemaligen DDR vergleicht, dann geht es in Deutschland richtig biblisch zu: Man sieht den kleinsten Splitter im Auge der anderen, den Balken im eigenen wollte man nie sehen.

Uns geht jetzt aber nicht um die Geschichte an sich, sondern um die Ursachen des deutschen Faschismus, also des Bonapartismus: Je mehr man darüber nachdenkt, desto mehr kommen die ökonomischen Ursachen zum Vorschein: das Marktversagen, das Versagen des Kapitalismus. Wer also vom Faschismus nicht reden will, soll auch über den Kapitalismus schweigen – so hat es Adorno auf den Punkt gebracht. Fassen wir diese ökonomischen Ursachen und Umstände kurz zusammen:

Am Anfang des deutschen Desasters der Weimarer Zeit stand ein „ganz normaler“ zyklischer Zusammenbruch des Kapitalismus - bis dahin war es damals genauso wie in der restlichen kapitalistischen Welt. Aber durch die fanatische Verfolgung der brutalsten, marktradikalsten, menschenverachtendsten, kurz neoliberalen Wirtschaftspolitik der damaligen deutschen Machteliten hat sich die soziale Lage dermaßen verschlechtert, dass sie schon die Züge eines richtigen sozialen Genozids annahm. Schließlich sahen die raffgierigen, rücksichtlosen und räuberischen Machteliten, die man noch am ehesten als dämonisch bezeichnen kann, keinen anderen Ausweg, als sich durch einen Diktator vor dem Volk zu schützen: „Wir haben uns Herrn Hitler engagiert“ - so damals der Reichskanzler Franz von Papen.Das ist die ganze Wahrheit über die „Machtergreifung“. Der bekannte Historiker Hans Mommsen hat sie in den Satz gegossen: „Die Weimarer Demokratie scheiterte nicht an Hitler, sondern Hitler war die letzte Konsequenz ihres Scheiterns.“

Uns geht es hier aber auch nicht eigentlich um die Verbrechen der deutschen Machteliten, der Reichen und der Kapitalisten, sondern um ökonomische Theorien. Wie haben nun die Ökonomen in Deutschland und Österreich auf den deutschen Bonapartismus reagiert?



Uns geht es hier aber auch nicht eigentlich um die Verbrechen der deutschen Machteliten, der Reichen und der Kapitalisten, sondern um ökonomische Theorien. Wie haben nun die Ökonomen in Deutschland und Österreich auf den deutschen Bonapartismus reagiert?

Das Weimarer Desaster und die neoliberale Entdeckung des starken Staates

Der prominenteste Vertreter der Historischen Schule, Werner Sombart (1863-1941), damals in der ganzen Welt bekannt, der letzte Vorsitzende des Vereins für Socialpolitik bis zu dessen (zeitweiliger) Selbstauflösung 1936, Ehrendoktor vieler Universitäten und Ehrenmitglied der American Economic Association, verkündete in aller Klarheit: „Der Führer, unser Führer“ - er meinte natürlich Hitler - „erhält seine Befehle direkt von Gott, dem Führer des Universums“.

Mises, der Leuchtturm des damaligen europäischen Liberalismus, schreibt in seinem wichtigen Werk Liberalismus:

„Es kann nicht geleugnet werden, daß der Faszismus und alle ähnlichen Diktaturbestrebungen voll von den besten Absichten sind und daß ihr Eingreifen für den Augenblick die europäische Gesittung gerettet hat. Das Verdienst, das sich der Faszismus damit erworben hat, wird in der Geschichte ewig fortleben.“
Auf den ersten Blick scheint es, als hätten Sombart und Mises dasselbe gesagt. Das ist aber ganz und gar nicht richtig. Um den Unterschied zu verdeutlichen, erinnern wir uns an Hobbes. Er war der erste ökonomische Liberale, politisch war er autoritär. Obwohl er so etwas wie die kapitalistische Wirtschaftsordnung nur erahnen konnte, wurde ihm klar, dass unter den Umständen der unbeschränkten Freiheit der Stärkere den Schwächeren beherrschen würde, dass dadurch Anarchie und der Krieg aller gegen alle ausbrechen würde. Dies sollte nur eine Macht verhindern können, die stärker sei als die ökonomische Macht der - wie man es viel später formulieren würde - Kapitalisten, sei es persönlich oder als Gruppe. Bei Hobbes ging es nicht darum, dass die Besseren herrschen sollten. Sein Staatskonzept vom Leviathan ist keine Platonsche Diktatur der weisen und gerechten Philosophen-Könige, sondern eine Einrichtung, wie sich das Leben der unvollkommenen Menschen als eingeschränkt rational und eingeschränkt moralische Wesen besser organisieren lässt. Auch die Vertreter der Historischen Schule der Nationalökonomie argumentierten ähnlich. Sie hingen dem Geist der Moderne an.

Den Neoliberalen ging es um Anderes. Sie schwärmten von einem Diktator deshalb, weil man mit ihm die „Massen“ in die Schranken weisen sollte. Die Demokratie war ihnen zufolge dazu unfähig. Nach der marktradikalen Auffassung hätten die „Massen“ den Kapitalismus in die Große Depression gestürzt, und zwar - wir ahnen es schon - durch überzogene Lohnansprüche. Die „Massen“ seien undankbar und dazu noch frech, obwohl dank des Kapitalismus, so der damals berühmteste neoliberale Fanatiker Mises, die Arbeiter „heute unter günstigeren und angenehmeren äußeren Verhältnissen als einst der Pharao von Ägypten leben“. Es handele sich bei den Arbeitern um Menschen, die eine „schwere Erkrankung des Nervensystems“ aufweise, eine akute Paranoia aus Neid und Gier, so Mises, und er hat für sie sogar einen passenden klinischen Namen vorgeschlagen: Fourier-Komplex. Darüber haben wir schon mehr gesagt.

Es gibt keinen späteren Ordoliberalen, der nicht - auf die eine oder andere Weise - die „Massen“ für die Große Depression beschuldigte, und es gibt keinen einzigen, der bei den damaligen „Eliten“ eine Schuld entdecken konnte. Was man am dringlichsten tun müsse, so folgerten sie, wäre den schädlichen Einfluss der „Massen“ zu stoppen und den Eliten und wissenschaftlichen Experten die Führung zu überlassen.

Rüstow erwog die Außerkraftsetzung der gerade erst geschaffenen Weimarer Demokratie, indem er in Anlehnung an den rechtskonservativen Soziologen Carl Schmitt „eine befristete Diktatur“ empfahl, „sozusagen eine Diktatur mit Bewährungsfrist.“ Röpke (1933) sprach davon, dass die „rücksichtslos zur Macht drängenden Massen“ in irgendeiner Weise beruhigt werden müssten, denn ...

„ ... diese Masse steht im Begriff, den Garten der europäischen Kultur zu zertrampeln, skrupellos, verständnislos. Kein Konservativer kann den Liberalen in der Überzeugung übertreffen, daß die Masse niemals aufbauen, sondern nur zerstören kann und daß die Tyrannei der Masse die ärgste von allen ist, weil es ihrem Wesen entspricht, für die Individualität auch nicht einen Funken des Verständnisses aufzubringen.
Wenn der Liberalismus daher die Demokratie fordert, so nur unter der Voraussetzung, daß sie mit Begrenzungen und Sicherungen ausgestattet wird, die dafür sorgen, daß der Liberalismus nicht von der Demokratie verschlungen wird.“
Und nicht anders als bei Mises, ist es auch für Röpke ganz selbstverständlich, „daß Wirtschaftsfreiheit sehr wohl mit einem illiberalen Wirtschaftssystem vereinbar ist.“ Ja, gewiss: Die Freiheit des Stärkeren den Schwächeren ökonomisch auszubeuten. Diese Verteidigung von autoritärer Staatsform und des kompetenten Diktators, die man heute als technokratische Regierung bezeichnet und die wir in Italien schon haben - man erinnert sich hier, dass auch der Faschismus in Italien begann - ist ein kennzeichnender Bestandteil des deutschen Liberalismus, welche Form er auch immer annimmt: ob die ordoliberale oder marktradikale. Die „marktkonforme“ Demokratie ist nur eine andere Bezeichnung dafür.

Ein weiterer berühmter Ordoliberale, dem wir den Begriff „soziale Marktwirtschaft“ verdanken, Müller-Armack, forderte die „Durchbrechung der internationalen Front der Arbeiter- und Unternehmersolidarität“. Wer interessiert ist mehr über die Einstellung der Ordoliberalen zur Demokratie, zur Masse und zur Arbeiterschaft zu erfahren, der ist mit dem Buch von Ralf Ptak, Vom Ordoliberalismus zur Sozialen Marktwirtschaft, gut bedient. Hier nur in aller Kürze die Schlussfolgerung dieses Buches.

„Der Begriff ,Masse‘ stand ... bei den Ordoliberalen als Synonym für eine nicht gebildete, unzivilisierte, an primitiven Urinstinkten orientierte Bevölkerungsmehrheit, die sich und die zivilisierte Welt ins Verderben stürzt, wenn sie nicht durch eine starke, durchsetzungsfähige Elite geführt wird. Wenn die frühen Ordoliberalen wie Eucken, Rüstow, aber auch Röpke zu Beginn der dreißiger Jahre von ,Masse‘ sprachen, sich dabei auf Ortega y Gassets Der Aufstand der Masse stüzend, taten sie dies aus einem Gefühl tiefster Verachtung gegenüber dem Kollektivgedanken, in dem die Vorstellung von einem eigenständigen politischen Denken und Handeln der Bevölkerungsmehrheit keinen Platz hatte. Individualität und Subjektivität waren für sie prinzipiell an einen bürgerlichen Status gebunden. Rüstow glaubte gar in dem bereits erwähnten Plädoyer für einen autoritären Verfassungsstaat eine weit verbreitete Stimmung erkannt zu haben, nach der das eigentlich authentische Bedürfnis der ,Masse‘ darin bestünde, „anständig geführt zu werden“. Eucken sah in der Demokratisierung den Sieg der „chaotischen Kräfte der Masse", durch die „jede ordnende Kraft aus dem Völkerleben verschwand.“ Sie galt ihm als die eigentliche Ursache, sowohl für die innen- wie die außenpolitische Instabilität, aber auch der ökonomischen Störungen nach dem ersten Weltkrieg. „Wie die innere Struktur der Staaten in erster Linie unter dem Druck der Massen umgestaltet wurde, und so der heutige Wirtschaftsstaat entstand, ist auch das überkommene Staatensystem gerade infolge des wachsenden Einflusses der Massen zerstört worden.“ Eucken analysierte nicht, er entwarf ein Untergangsszenario, an dessen Ende aus der Enge seiner Argumentation nur totales Chaos oder die Befreiung des Staates vom Einfluß der Massen stehen konnte. Die Rücknahme der politischen Reformen ab 1918 erschien ihm als unabdingbare Voraussetzung zur gedeihlichen Entwicklung des Kapitalismus, die Forderung nach Revitalisierung der „alten ordnenden Prinzipien“.“
Auch im Buch Kritik des Neoliberalismus von mehreren Autoren ist der Ordoliberalismus ausführlich beschrieben. Dort wird folgendermaßen über ihn geurteilt:

„In der ordoliberalen Vorstellung gleicht die gesellschaftliche Struktur einer Pyramide, an deren Spitze eine Führerschicht steht. Die Einteilung der Menschen in eine irrationale Masse, die (missbräuchlich) über die Demokratie Marktkorrekturen erzwingt, und eine geistige Elite, welche die Führung übernehmen muss, um den interventionistischen Verfall von Wirtschaft und Gesellschaft zu stoppen, zeugt nicht nur von tiefem Kulturpessimismus und wenig Vertrauen in die Individualität der Menschen. Sie bringt den Ordoliberalismus auch in unmittelbaren Konflikt mit demokratischen Grundsätzen.“
Man sollte hier noch erwähnen, dass Röpke - der falscheste aller falschen Ordoliberalen - noch darüber faselt, dass das angebliche „Massenproblem“ etwas mit dem Rationalismus der Moderne zu tun hat, und als bestes Beispiel des „Irrwegs des Rationalismus“ die französische Revolution nennt. Er bezeichnet sie als „riesenhafte und noch heute nachwirkende Katastrophe“, ja sogar als „Tragödie, die den Beginn einer bis heute fortdauernden Weltkrise bedeutet.“ Das an sich verdient keinen Kommentar, man sollte nur bemerken, dass dieser Standpunkt haargenau dem des deutschen Faschismus entsprach. Hat nicht Goebbels emphatisch ausgerufen, mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten werde „das Jahr 1789 aus der Geschichte gestrichen!“ Röpke dazu wörtlich:

„So unermeßlich und befreiend auch die Wirkungen des Rationalismus gewesen sind und so wenig er überhaupt aus dem Werden der europäischen Zivilisation weggedacht werden kann, so unbestreitbar ist es, daß er als Ganzes, d. h. trotz aller rühmlichen Ausnahmen und schließlich doch erfolglosen Ansätze zur Besserung, jenen Irrweg ins Unbedingte und Absolute genommen und damit das große Zeitalter der Aufklärung um seine eigentliche Frucht gebracht hat. ... Nur das eine muß mit Nachdruck hervorgehoben werden, daß jenes quantitativ-mathematisch-naturwissenschaftliche Denken, zu dem wie kein anderer Descartes den Grund gelegt hat, eine entscheidende Ursache der Irrwege des Rationalismus gewesen ist, da ein solches Denken ja notwendigerweise gegen die Erfordernisse und Gegebenheiten des Lebens blind machen muß, - des Lebens, das Qualität, Struktur und Gestalt ist.“
Man fragt sich verwunderlich: Gäbe es überhaupt die Naturwissenschaften ohne den Rationalismus der Moderne? Und überhaupt: Worauf sollte man sich noch stützen, wenn man den Rationalismus ablehnt? Röpke erklärt es nicht näher, doch von den deutschen Faschisten wissen wir, dass anstatt der Ratio Instinkte dazu dienen sollten. Meinten sie etwa - wie es sich sehr bald herauskristallisierte - die des sozialdarwinistischen Killers?

Man fragt sich was Röpke an der Französischen Revolution so stören konnte? Dass ihre Parole nicht nur Freiheit war, sondern: Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit? Oder dass sie nicht nur Bürgerrechte, sondern auch Menschenrechte definiert hat? Wahrscheinlich beides. Man kann sich weiter fragen, ob Röpke nur sehr naiv und realitätsfremd oder eine psychisch gestörte Persönlichkeit war.

Die Moral der „Massen“ und der Herren Ordoliberalen

Uns geht es jetzt nicht darum, die so genannten „Massen“ zu verteidigen, konkret die Deutschen und schon gar nicht das, was sie unter dem ihnen untergejubelten Diktator getan haben. Daran zu erinnern ist aber angebracht, um uns in Erinnerung zu rufen, was ein Mensch unter bestimmten Umständen fähig ist zu tun. Constantin Monakow, ein russisch-schweizerischer Neuroanatom und Neurologe hat das folgendermaßen auf den Punkt gebracht:

„Viel mühsam im Leben erworbene und sorgfältig gepflegte und gehütete, sogenannte moralische Prinzipien haben nur Bestand in ruhigen, unsere Existenz nicht erschütternden Zeiten. Jeder ernste Konflikt im Leben stellt unseren Charakter, überhaupt unsere Ethik auf eine harte Probe.“
Würden wir also heute ähnliche Umstände wie in der Weimarer Zeit zulassen, sollten wir für die Zukunft auch Ähnliche Ergebnisse erwarten. Deshalb ist es von existentieller Bedeutung zu verstehen, was damals geschehen ist und wie das überhaupt möglich war. Schauen wir uns kurz an, ob es damals wirklich so war, dass man die Menschen zur Verzweiflung trieb und sie in eine aussichtslose Lage brachte, was in ihnen das Verhalten wilder Bestien entfachte.

Es ist eine unbestrittene Tatsache, dass die deutschen Machteliten - die Reichen und die Wirtschaftskapitäne - ihre neoliberale Wirtschaftspolitik ohne Rücksicht auf Verluste (anderer) blind und brutal durchgesetzt haben. Eine neoliberale Wirtschaftspolitik ist gelebter Sozialdarwinismus, ein Nullsummenspiel unter den angeblich niemals überwindbaren Umständen der universellen Knappheit, unter anderem auch der Knappheit an Überlebensmöglichkeiten. Der Neoliberalismus ist die dunkle Seite der menschlichen Seele. Was die deutschen „Eliten“ damals getan haben, war ein sozialer Genozid am eigenen Volk, der es direkt in den Wahnsinn trieb. Und dann geschah etwas, was sich noch kurz zuvor keiner vorstellen konnte. Dem „Dämon“ Hitler gelang es, ein neues Wirtschaftswunder zu schaffen, das die ganze Welt in Atem hielt. Nicht nur die Beseitigung der Arbeitslosigkeit machte die Anziehungskraft dieses Erfolgs aus. In Frankreich sind zum Beispiel „die wichtigsten Elemente des umfangreichen Wohlfahrtsstaates - Rentenversicherung, Kindergeld und die technokratische Überwachung der Wirtschaft - von dem faschistischen Vichy-Regime geschaffen worden, das während des Zweiten Weltkriegs mit Hitler kollaborierte“. Kein Wunder, dass Hitler in ganz Europa als Wohltäter und Menschenfreund bewundert wurde, etwa bei den spanischen Frankisten, den italienischen Anhängern Mussolinis, den kroatischen Ustascha - und selbst bei einigen serbisch-orthodoxen Popen. Einer von ihnen, der Hochwürdige Nikolaj Velimirović, erblickte in Hitler sogar einen Missionar, der mit dem Heiligen Sava (1175-1236) zu vergleichen sei, dem Begründer der serbisch-orthodoxen Kirche.

Aus rein ökonomischer Sicht ist es wichtig zu bemerken, dass Hitler seine großen Erfolge nicht den marktradikalen Rezepten zu verdanken hatte, sondern zum einen solchen, die ihm die Historische Schule zugeflüstert haben könnte - kein Wunder, dass Sombart zuerst von dem Diktator begeistert war, aber ihn schon bald nicht mehr leiden konnte - und zum anderen durch die Stärkung der Nachfrage. Hitler war in seinem wirtschaftspolitischen Handeln ein richtiger nachfrageorientierter Ökonom, so dass das Zweite deutsche Wirtschaftswunder ein großartiger Sieg der ökonomischen Nachfragetheorie war. Die bekannte britische Ökonomin Joan Robinson bemerkte dazu:

„Hitler hatte ein Mittel gegen die Arbeitslosigkeit gefunden, bevor Keynes seine Erklärung zu Ende geführt hatte, warum es überhaupt Arbeitslose gab.“
Die neoliberale Wirtschaftspolitik der Weimarer Zeit war gut für die paar Prozent, die die reichsten Deutschen an der Bevölkerung ausmachten, aber vom Zweiten deutschen Wirtschaftswunder konnten wenn auch nicht ganz alle, die meisten Deutschen profitieren: Hitler hatte den Deutschen ihre Menschenwürde zurückgegeben. Sie mussten manchmal ein bisschen klatschen und jubeln, aber nicht mehr hungern. Und was war damals mit der Freiheit, über die die falschen Liberalen des Schlages Mises und Hayek immer Krokodilstränen vergießen?

„Die meisten Deutschen fühlen sich unter Hitler nicht unfrei. Für vielleicht 90% der Deutschen ist das Dritte Reich die Rückkehr zu normalen Zeiten, zur geregelten Arbeit, zur Sicherheit der Lebensplanung. Gegenüber dieser lang entbehrten Erfahrung privaten Wohlergehens bleiben wahrgenommene Kriegs Vorbereitung und Terror gegen „Gemeinschaftsfremde“ und „Asoziale“ an den Rand gedrängt und aus der Alltagserfahrung - beinahe - ausgeschlossen.
Bis Kriegsbeginn 1939 ist das Dritte Reich weltoffener, als es heute scheinen mag. So finden 1938 in Deutschland 83 internationale Kongresse statt. Die deutsche Jugend wird keineswegs von der Welt abgeschottet. Allein in Berlin versechsfachen sich fast die Schülerreisen ins Ausland von 986 (1928-1932) auf 5370 (1933-1937), vor allem nach Frankreich und England, aber auch in die Vereinigten Staaten.“
Man erinnert sich in diesem Zusammenhang wieder an Hobbes, den ersten ökonomischen Liberalen der Moderne, der schrieb:

„Obgleich an den Toren und Mauern der Stadt Lucca das Wort FREIHEIT mit großen Buchstaben steht, genießt der Bürger dort keine größere Freiheit als der in Konstantinopel. An beiden Orten ist ihre Freiheit durch bürgerliche Gesetze beschränkt.“
Wie Recht er hatte! Nebenbei bemerkt, das was uns die Historiker über die private Freiheit der damaligen Deutschen berichten, ist nicht die Freiheit, die die Neoliberalen meinen. Ihre Freiheit hat nichts mit der Menschenwürde zu tun, sondern ist die Freiheit des Stärkeren, mit dem Schwächeren zu tun was ihm beliebt. Und eine Freiheit, die sehr viel mit Menschenwürde zu tun hat, hatte der einfache Deutsche damals ganz bestimmt. Man kann ihm auch nicht verübeln, dass er nicht wusste, was ihn noch erwartet - das wusste keiner -, denn er fühlte sich nach einer langen Zeit wirklich frei und er konnte ein normales Leben führen. Aber nach dem, was er in der Weimarer Zeit durchmachen musste, konnte er eben doch nicht ganz normal sein: Seine Seele war voll von den Narben tiefer Wunden. Jeder damals erwachsene Deutsche hatte Jahre des Hobbesschen Krieges - jeder gegen alle und alle gegen jeden - hinter sich, seine Biographie war eine unendliche Kette von Unterwerfungen und Demütigungen, die er von den Arbeitgebern ertragen musste, die sich in einer fast unwirklichen Position geradezu übermenschlicher Macht befanden: Für jede angebotene Stelle, egal wie schäbig sie war, lagen ihnen Hunderte oder Tausende zu Füßen, mit denen sie tun konnten, was ihnen gefiel. Der Gedanke, dass unter solchen Umständen eine normale Psyche nicht zerbrechen würde, ist absurd. Fügen wir dem noch Folgendes hinzu:

Die neoliberale Verherrlichung des Siegers, des „Triumphs des einen über die unterdrückten Bedürfnisse des anderen“ (Jürgen Habermas), wird gern als ein anthropologisches Faktum oder als die Folge der ureigenen Natur des Menschen dargestellt. Beweisen konnte es aber bisher keiner. Die Argumente dagegen sind vielfältig und belastend. Wenn wir uns etwa bei den so genannten primitiven Völkern ansehen wollten, wie der Mensch gemäß seiner wahren oder biologischen Natur leben müsste, dann käme man zu der Einsicht, dass in den modernen Gesellschaften etwas grundlegend schief läuft. Bei diesen noch naturnahen, stark sozialisierten Völkern sind zum Beispiel Neurosen und Selbstmorde nahezu unbekannt. Und je weiter der Prozess der Individualisierung voranschreitet, desto öfter wird das Individuum von psychischem Leid heimgesucht. Bereits im Jahre 1881 stellt George M. Beard in seinem Buch American Nervousness (Amerikanische Nervosität) fest, dass die Amerikaner „das nervöseste Volk in der ganzen Geschichte“ seien. Oberflächlichkeit, hastiges Tempo, Überschätzung der materiellen Güter, hemmungsloses Streben nach Rekordleistungen und rücksichtslose Ausbeutung von Natur und Menschenkraft hat mit dem eigentlichen Wesen des Menschen wohl recht wenig zu tun. Vielmehr wird die menschliche Natur durch diese Lebensweise erheblich geschädigt. Wenn das Gute nicht in der und durch die Gesellschaft eine Chance hat, sondern nur durch die Flucht vor ihr oder gar dem Kampf gegen sie, dann schwindet die Grenze zwischen ethischem Heroismus und Wahnsinn, und das destruktive Potential eines vollkommen asozialen Individualismus wird sich bei der erstbesten Gelegenheit mit einem heftigen Ausbruch entladen. Deshalb ist es nicht übertrieben zu sagen, dass die Ordnung, die auf der uneingeschränkten persönlichen Freiheit beruht, kompletter Verrat an allen moralischen und humanen Werten ist, mit denen die europäische Moderne angefangen hat. „Vieles von unserer heutigen Lebensweise in den USA wird man in achtzig Jahren für geisteskrank halten“, erklärte neulich der bekannte amerikanische Wissenschaftler Jared Diamond. Er sagt uns aber nicht, woher er seinen Optimismus nimmt.

Wie sonst könnte man erklären, was danach in Deutschland passierte, was diese „normalen“ Menschen bereit waren zu tun? Waren es aber nicht nur wenige, die Nazis, die das „Alles“ alleine angestellt haben? Eine überwältigende Mehrheit hätte gar nicht davon gewusst, was vorgegangen ist - so hörte man später immer wieder. So war es nicht. Es waren nicht die Nazis, sondern es waren die Deutschen - womöglich eine Minderheit von ihnen, aber dann zumindest eine sehr große. Und alle wussten was damals vor sich ging. Wir erwähnen jetzt nur wenige Tatsachen, die jeden Zweifel daran beseitigen:

1: Die Deutschen in der Wehrmacht: Sie haben sich im Westen noch ziemlich kultiviert benommen, im Osten dagegen haben sie buchstäblich nach der berühmten Hunnenrede von Wilhelm II. geplündert, gebrandschatzt und gemordet.

„Der Historiker Wolfram Wette schätzt, daß von rund 19 Millionen Wehrmachtsangehörigen ungefähr einhundert den Kriegszielen zuwiderhandelten, indem sie Menschen halfen, anstatt sie zu töten. Vielleicht hat Wolfram Wette schlecht gezählt, vielleicht waren es mehr. Und wenn es zehntausend gewesen wären, würde das etwas ändern?“
2: Die Deutschen und der Holocaust: Die Beteiligung an der Ermordung von mehr als 6 Millionen Menschen wurde später statistisch gut erforscht. Eine solche Menge von Menschen physisch zu „entsorgen“ hat mehrere Hunderttausend direkte Bediener nötig, zusammen mit den unentbehrlichen Helfern waren es bestimmt mehrere Millionen. Nun wollte man herausfinden, ob dies auf Befehl geschah, zu deren Ausführung die Deutschen genötigt wurden. Das Ergebnis ist erschütternd. In seinen Untersuchungen mit dem Titel Hitlers willige Vollstrecker stellt Daniel Goldhagen fest:

„Mit Gewißheit läßt sich sagen, daß im gesamten Verlauf des Holocaust kein Deutscher, ob SS-Angehöriger oder nicht, hingerichtet wurde, in ein Konzentrationslager oder Gefängnis kam oder sonst streng bestraft wurde, weil er sich geweigert hätte, Juden umzubringen. Wie aber läßt sich das mit Sicherheit sagen?.
Eine Befehlsverweigerung hätte schreckliche Konsequenzen gehabt: Das haben deutsche Angeklagte in Nachkriegsprozessen mechanisch wiederholt und versichert. Dem steht jedoch entgegen, daß in den gerichtlichen Untersuchungen, denen sich Zehntausende von Deutschen stellen mußten, tatsächlich nur in vierzehn Fällen geltend gemacht wurde, die Weigerung, einen Hinrichtungsbefehl - nicht nur gegen Juden - auszuführen, sei entweder mit dem Tod (in neun Fällen), mit Haft in einem Konzentrationslager (in vier Fällen) oder mit der Versetzung in eine militärische Strafeinheit (in einem Fall) bestraft worden. Und nicht in einem dieser Fälle hielt diese Behauptung einer genaueren Prüfung stand. Zwei gründliche Untersuchungen über die Möglichkeiten, die Deutsche hatten, einen Hinrichtungsbefehl zu verweigern, sind beide zu dem Ergebnis gekommen, daß derartige Behauptungen falsch sind. Unzweideutig heißt es in der einen: „In keinem Fall also konnte eine Schädigung an Leib oder Leben wegen Ver¬weigerung eines Vernichtungsbefehls nachgewiesen werden.“.
Die Akten der SS- und der Polizeigerichte zeigen, daß niemand hingerichtet oder in ein Konzentrationslager eingeliefert wurde, weil er sich geweigert hatte, Juden zu töten. ... Und schließlich hat bislang noch niemand einen bestätigten Fall vorgelegt, daß ein Mann getötet oder in ein Konzentrationslager gebracht worden wäre, weil er einen Hinrichtungsbefehl nicht ausgeführt hatte. Die Wahrscheinlichkeit, daß wirklich ein SS-Mann jemals mit derartigen Strafen belegt wurde, weil er sich geweigert hatte, Juden zu töten, ist also äußerst gering. Dabei wurden durchaus alle Anstrengungen unternommen, entsprechende Fälle zu entdecken. Wenn man die Vielzahl und Zuverlässigkeit der Beweismittel berücksichtigt, muß man wohl davon ausgehen, daß es nie geschehen ist.“

Die genaueren Untersuchungen ergaben sogar, dass von ganz oben die Nicht-Willigen zu nichts gezwungen werden sollten:

„Es gab eine schriftliche Anordnung von Himmler, der zufolge sich jeder Angehörige der Einsatzgruppen auf eigenen Wunsch hin versetzen lassen konnte. Der Bericht eines Angehörigen der Einsatzgruppe A bestätigt dies: „Daraufhin gab Himmler einen Befehl heraus, wonach derjenige, der sich den seelischen Strapazen nicht mehr gewachsen fühlte, dies melden sollte. Diese Männer seien abzulösen und in die Heimat zurückzuversetzen.“

XXX

Uns geht es jetzt nicht darum, die so genannten „Massen“ zu verteidigen, konkret die Deutschen und schon gar nicht das, was sie unter dem ihnen untergejubelten Diktator getan haben. Daran zu erinnern ist aber angebracht, um uns in Erinnerung zu rufen, was ein Mensch unter bestimmten Umständen fähig ist zu tun. Constantin Monakow, ein russisch-schweizerischer Neuroanatom und Neurologe hat das folgendermaßen auf den Punkt gebracht:

„Viel mühsam im Leben erworbene und sorgfältig gepflegte und gehütete, sogenannte moralische Prinzipien haben nur Bestand in ruhigen, unsere Existenz nicht erschütternden Zeiten. Jeder ernste Konflikt im Leben stellt unseren Charakter, überhaupt unsere Ethik auf eine harte Probe.“
Würden wir also heute ähnliche Umstände wie in der Weimarer Zeit zulassen, sollten wir für die Zukunft auch Ähnliche Ergebnisse erwarten.

Deshalb ist es von existentieller Bedeutung zu verstehen, was damals geschehen ist und wie das überhaupt möglich war. Schauen wir uns kurz an, ob es damals wirklich so war, dass man die Menschen zur Verzweiflung trieb und sie in eine aussichtslose Lage brachte, was in ihnen das Verhalten wilder Bestien entfachte.


Es ist eine unbestrittene Tatsache, dass die deutschen Machteliten - die Reichen und die Wirtschaftskapitäne - ihre neoliberale Wirtschaftspolitik ohne Rücksicht auf Verluste (anderer) blind und brutal durchgesetzt haben. Eine neoliberale Wirtschaftspolitik ist gelebter Sozialdarwinismus, ein Nullsummenspiel unter den angeblich niemals überwindbaren Umständen der universellen Knappheit, unter anderem auch der Knappheit an Überlebensmöglichkeiten. Der Neoliberalismus ist die dunkle Seite der menschlichen Seele.

Was die deutschen „Eliten“ damals getan haben, war ein sozialer Genozid am eigenen Volk, der es direkt in den Wahnsinn trieb. Und dann geschah etwas, was sich noch kurz zuvor keiner vorstellen konnte. Dem „Dämon“ Hitler gelang es, ein neues Wirtschaftswunder zu schaffen, das die ganze Welt in Atem hielt. Nicht nur die Beseitigung der Arbeitslosigkeit machte die Anziehungskraft dieses Erfolgs aus. In Frankreich sind zum Beispiel „die wichtigsten Elemente des umfangreichen Wohlfahrtsstaates - Rentenversicherung, Kindergeld und die technokratische Überwachung der Wirtschaft - von dem faschistischen Vichy-Regime geschaffen worden, das während des Zweiten Weltkriegs mit Hitler kollaborierte“.

Kein Wunder, dass Hitler in ganz Europa als Wohltäter und Menschenfreund bewundert wurde, etwa bei den spanischen Frankisten, den italienischen Anhängern Mussolinis, den kroatischen Ustascha - und selbst bei einigen serbisch-orthodoxen Popen. Einer von ihnen, der Hochwürdige Nikolaj Velimirović, erblickte in Hitler sogar einen Missionar, der mit dem Heiligen Sava (1175-1236) zu vergleichen sei, dem Begründer der serbisch-orthodoxen Kirche.


Aus rein ökonomischer Sicht ist es wichtig zu bemerken, dass Hitler seine großen Erfolge nicht den marktradikalen Rezepten zu verdanken hatte, sondern zum einen solchen, die ihm die Historische Schule zugeflüstert haben könnte - kein Wunder, dass Sombart zuerst von dem Diktator begeistert war, aber ihn schon bald nicht mehr leiden konnte - und zum anderen durch die Stärkung der Nachfrage. Hitler war in seinem wirtschaftspolitischen Handeln ein richtiger nachfrageorientierter Ökonom, so dass das Zweite deutsche Wirtschaftswunder ein großartiger Sieg der ökonomischen Nachfragetheorie war. Die bekannte britische Ökonomin Joan Robinson bemerkte dazu:

„Hitler hatte ein Mittel gegen die Arbeitslosigkeit gefunden, bevor Keynes seine Erklärung zu Ende geführt hatte, warum es überhaupt Arbeitslose gab.“

Die neoliberale Wirtschaftspolitik der Weimarer Zeit war gut für die paar Prozent, die die reichsten Deutschen an der Bevölkerung ausmachten, aber vom Zweiten deutschen Wirtschaftswunder konnten wenn auch nicht ganz alle, die meisten Deutschen profitieren: Hitler hatte den Deutschen ihre Menschenwürde zurückgegeben. Sie mussten manchmal ein bisschen klatschen und jubeln, aber nicht mehr hungern. Und was war damals mit der Freiheit, über die die falschen Liberalen des Schlages Mises und Hayek immer Krokodilstränen vergießen?


„Die meisten Deutschen fühlen sich unter Hitler nicht unfrei. Für vielleicht 90% der Deutschen ist das Dritte Reich die Rückkehr zu normalen Zeiten, zur geregelten Arbeit, zur Sicherheit der Lebensplanung. Gegenüber dieser lang entbehrten Erfahrung privaten Wohlergehens bleiben wahrgenommene Kriegs Vorbereitung und Terror gegen „Gemeinschaftsfremde“ und „Asoziale“ an den Rand gedrängt und aus der Alltagserfahrung - beinahe - ausgeschlossen.

Bis Kriegsbeginn 1939 ist das Dritte Reich weltoffener, als es heute scheinen mag. So finden 1938 in Deutschland 83 internationale Kongresse statt. Die deutsche Jugend wird keineswegs von der Welt abgeschottet. Allein in Berlin versechsfachen sich fast die Schülerreisen ins Ausland von 986 (1928-1932) auf 5370 (1933-1937), vor allem nach Frankreich und England, aber auch in die Vereinigten Staaten.“


Man erinnert sich in diesem Zusammenhang wieder an Hobbes, den ersten ökonomischen Liberalen der Moderne, der schrieb:

„Obgleich an den Toren und Mauern der Stadt Lucca das Wort FREIHEIT mit großen Buchstaben steht, genießt der Bürger dort keine größere Freiheit als der in Konstantinopel. An beiden Orten ist ihre Freiheit durch bürgerliche Gesetze beschränkt.“
Wie Recht er hatte! Nebenbei bemerkt, das was uns die Historiker über die private Freiheit der damaligen Deutschen berichten, ist nicht die Freiheit, die die Neoliberalen meinen. Ihre Freiheit hat nichts mit der Menschenwürde zu tun, sondern ist die Freiheit des Stärkeren, mit dem Schwächeren zu tun was ihm beliebt. Und eine Freiheit, die sehr viel mit Menschenwürde zu tun hat, hatte der einfache Deutsche damals ganz bestimmt.

Man kann ihm auch nicht verübeln, dass er nicht wusste, was ihn noch erwartet - das wusste keiner -, denn er fühlte sich nach einer langen Zeit wirklich frei und er konnte ein normales Leben führen. Aber nach dem, was er in der Weimarer Zeit durchmachen musste, konnte er eben doch nicht ganz normal sein: Seine Seele war voll von den Narben tiefer Wunden.

Jeder damals erwachsene Deutsche hatte Jahre des Hobbesschen Krieges - jeder gegen alle und alle gegen jeden - hinter sich, seine Biographie war eine unendliche Kette von Unterwerfungen und Demütigungen, die er von den Arbeitgebern ertragen musste, die sich in einer fast unwirklichen Position geradezu übermenschlicher Macht befanden:

Für jede angebotene Stelle, egal wie schäbig sie war, lagen ihnen Hunderte oder Tausende zu Füßen, mit denen sie tun konnten, was ihnen gefiel. Der Gedanke, dass unter solchen Umständen eine normale Psyche nicht zerbrechen würde, ist absurd. Fügen wir dem noch Folgendes hinzu:

Die neoliberale Verherrlichung des Siegers, des „Triumphs des einen über die unterdrückten Bedürfnisse des anderen“ (Jürgen Habermas), wird gern als ein anthropologisches Faktum oder als die Folge der ureigenen Natur des Menschen dargestellt. Beweisen konnte es aber bisher keiner. Die Argumente dagegen sind vielfältig und belastend. Wenn wir uns etwa bei den so genannten primitiven Völkern ansehen wollten, wie der Mensch gemäß seiner wahren oder biologischen Natur leben müsste, dann käme man zu der Einsicht, dass in den modernen Gesellschaften etwas grundlegend schief läuft. Bei diesen noch naturnahen, stark sozialisierten Völkern sind zum Beispiel Neurosen und Selbstmorde nahezu unbekannt.

Und je weiter der Prozess der Individualisierung voranschreitet, desto öfter wird das Individuum von psychischem Leid heimgesucht. Bereits im Jahre 1881 stellt George M. Beard in seinem Buch American Nervousness (Amerikanische Nervosität) fest, dass die Amerikaner „das nervöseste Volk in der ganzen Geschichte“ seien. Oberflächlichkeit, hastiges Tempo, Überschätzung der materiellen Güter, hemmungsloses Streben nach Rekordleistungen und rücksichtslose Ausbeutung von Natur und Menschenkraft hat mit dem eigentlichen Wesen des Menschen wohl recht wenig zu tun.

Vielmehr wird die menschliche Natur durch diese Lebensweise erheblich geschädigt. Wenn das Gute nicht in der und durch die Gesellschaft eine Chance hat, sondern nur durch die Flucht vor ihr oder gar dem Kampf gegen sie, dann schwindet die Grenze zwischen ethischem Heroismus und Wahnsinn, und das destruktive Potential eines vollkommen asozialen Individualismus wird sich bei der erstbesten Gelegenheit mit einem heftigen Ausbruch entladen.

Deshalb ist es nicht übertrieben zu sagen, dass die Ordnung, die auf der uneingeschränkten persönlichen Freiheit beruht, kompletter Verrat an allen moralischen und humanen Werten ist, mit denen die europäische Moderne angefangen hat. „Vieles von unserer heutigen Lebensweise in den USA wird man in achtzig Jahren für geisteskrank halten“, erklärte neulich der bekannte amerikanische Wissenschaftler Jared Diamond. Er sagt uns aber nicht, woher er seinen Optimismus nimmt.


Wie sonst könnte man erklären, was danach in Deutschland passierte, was diese „normalen“ Menschen bereit waren zu tun? Waren es aber nicht nur wenige, die Nazis, die das „Alles“ alleine angestellt haben? Eine überwältigende Mehrheit hätte gar nicht davon gewusst, was vorgegangen ist - so hörte man später immer wieder. So war es nicht. Es waren nicht die Nazis, sondern es waren die Deutschen - womöglich eine Minderheit von ihnen, aber dann zumindest eine sehr große. Und alle wussten was damals vor sich ging. Wir erwähnen jetzt nur wenige Tatsachen, die jeden Zweifel daran beseitigen:

1: Die Deutschen in der Wehrmacht: Sie haben sich im Westen noch ziemlich kultiviert benommen, im Osten dagegen haben sie buchstäblich nach der berühmten Hunnenrede von Wilhelm II. geplündert, gebrandschatzt und gemordet.

„Der Historiker Wolfram Wette schätzt, daß von rund 19 Millionen Wehrmachtsangehörigen ungefähr einhundert den Kriegszielen zuwiderhandelten, indem sie Menschen halfen, anstatt sie zu töten. Vielleicht hat Wolfram Wette schlecht gezählt, vielleicht waren es mehr. Und wenn es zehntausend gewesen wären, würde das etwas ändern?“

2: Die Deutschen und der Holocaust: Die Beteiligung an der Ermordung von mehr als 6 Millionen Menschen wurde später statistisch gut erforscht. Eine solche Menge von Menschen physisch zu „entsorgen“ hat mehrere Hunderttausend direkte Bediener nötig, zusammen mit den unentbehrlichen Helfern waren es bestimmt mehrere Millionen.

Nun wollte man herausfinden, ob dies auf Befehl geschah, zu deren Ausführung die Deutschen genötigt wurden. Das Ergebnis ist erschütternd. In seinen Untersuchungen mit dem Titel Hitlers willige Vollstrecker stellt Daniel Goldhagen fest:

„Mit Gewißheit läßt sich sagen, daß im gesamten Verlauf des Holocaust kein Deutscher, ob SS-Angehöriger oder nicht, hingerichtet wurde, in ein Konzentrationslager oder Gefängnis kam oder sonst streng bestraft wurde, weil er sich geweigert hätte, Juden umzubringen. Wie aber läßt sich das mit Sicherheit sagen?.

Eine Befehlsverweigerung hätte schreckliche Konsequenzen gehabt: Das haben deutsche Angeklagte in Nachkriegsprozessen mechanisch wiederholt und versichert. Dem steht jedoch entgegen, daß in den gerichtlichen Untersuchungen, denen sich Zehntausende von Deutschen stellen mußten, tatsächlich nur in vierzehn Fällen geltend gemacht wurde, die Weigerung, einen Hinrichtungsbefehl - nicht nur gegen Juden - auszuführen, sei entweder mit dem Tod (in neun Fällen), mit Haft in einem Konzentrationslager (in vier Fällen) oder mit der Versetzung in eine militärische Strafeinheit (in einem Fall) bestraft worden. Und nicht in einem dieser Fälle hielt diese Behauptung einer genaueren Prüfung stand. Zwei gründliche Untersuchungen über die Möglichkeiten, die Deutsche hatten, einen Hinrichtungsbefehl zu verweigern, sind beide zu dem Ergebnis gekommen, daß derartige Behauptungen falsch sind. Unzweideutig heißt es in der einen: „In keinem Fall also konnte eine Schädigung an Leib oder Leben wegen Ver¬weigerung eines Vernichtungsbefehls nachgewiesen werden.“.

Die Akten der SS- und der Polizeigerichte zeigen, daß niemand hingerichtet oder in ein Konzentrationslager eingeliefert wurde, weil er sich geweigert hatte, Juden zu töten. ...

Und schließlich hat bislang noch niemand einen bestätigten Fall vorgelegt, daß ein Mann getötet oder in ein Konzentrationslager gebracht worden wäre, weil er einen Hinrichtungsbefehl nicht ausgeführt hatte. Die Wahrscheinlichkeit, daß wirklich ein SS-Mann jemals mit derartigen Strafen belegt wurde, weil er sich geweigert hatte, Juden zu töten, ist also äußerst gering. Dabei wurden durchaus alle Anstrengungen unternommen, entsprechende Fälle zu entdecken. Wenn man die Vielzahl und Zuverlässigkeit der Beweismittel berücksichtigt, muß man wohl davon ausgehen, daß es nie geschehen ist.“

Die genaueren Untersuchungen ergaben sogar, dass von ganz oben die Nicht-Willigen zu nichts gezwungen werden sollten:

„Es gab eine schriftliche Anordnung von Himmler, der zufolge sich jeder Angehörige der Einsatzgruppen auf eigenen Wunsch hin versetzen lassen konnte. Der Bericht eines Angehörigen der Einsatzgruppe A bestätigt dies: „Daraufhin gab Himmler einen Befehl heraus, wonach derjenige, der sich den seelischen Strapazen nicht mehr gewachsen fühlte, dies melden sollte. Diese Männer seien abzulösen und in die Heimat zurückzuversetzen.“

In seiner Erklärung dieser Ereignisse kommt Goldhagen immer auf einen besonderen mentalen Zustand der Deutschen zu sprechen, aber weiter kommt er nicht. Warum gerade die Juden?


Nun haben die Kirchen immer gegen die Juden gehetzt. Nachdem sie im Römischen Reich zur herrschenden Religion geworden waren, konnten sich die Christen nicht mehr mit ihren guten Taten von den Heiden und Falschgläubigen abheben. Eine der übrig gebliebenen Möglichkeiten war, sich durch die Abgrenzung von den „Christusmördern“ - also Juden - zu definieren. In der Tat haben sich die Kirchen, vor allem die Evangelische, im Dritten Reich besonders wenig mit Ruhm geklettert, wenn es darum ging, sich auf die Seite von Juden zu stellen.

Aber trotzdem müsste man fragen: Wenn die Christen schon viele Jahrhunderte zuvor Juden wegen des „Christusmordes“ nicht ausgerottet haben, warum sollten sie es später tun wollen, als sie schon viel weniger gläubig waren?


Eine religiöse Erklärung befriedigt auch Goldhagen nicht. Rein „ökonomisch“ ist er allerdings auch nicht bereit zu argumentieren - das wäre für ihn zu „marxistisch“ -, aber schon ganz am Anfang des Buches stellt er trotzdem ganz klar fest:

„Wären Hitler und die Nationalsozialisten nicht an die Macht gelangt, hätte es auch keinen Holocaust gegeben. Und sie wären wahrscheinlich nicht an die Macht gekommen, hätte es keine wirtschaftliche Depression gegeben.“

Es ist aber schon eine sehr glaubwürdige Erklärung, die Bereitschaft der Deutschen mit solcher Gründlichkeit die Juden zu vernichteten mit den Traumata aus der Wirtschaftskrise zu begründen, mit den seelischen Deformationen, die sie dem besonders brutalen Umgang der deutschen „Eliten“ mit dem eigenen Volk zu verdanken hatten.

Wie groß die Verzweiflung der Menschen damals gewesen sein muss, kann uns ein Beispiel verdeutlichen. Christina Schröder, Hitlers Sekretärin, sagte immer wieder, auch in ihrem Buch Er war mein Chef, sie wollte gar keine Nationalsozialistin sein: „Wenn damals 1930 die Annonce nicht von der NSDAP sondern von der KPD gewesen wäre, wäre ich vielleicht Kommunistin geworden“ Aber was hatte diese Wirtschaftskrise mit den Juden zu tun?


Auf den ersten Blick scheinen die Ökonomie und die Juden nicht viel gemeinsam zu haben. Aber auf den zweiten Blick sieht es schon anders aus. Das erste sichtbare Zeichen des zyklischen Zusammenbruchs der kapitalistischen Wirtschaft ist der Kollaps des Finanzsystems: der Banken und Börsen. Müsste dies dann auch die Ursache der Wirtschaftskrise sein? Anders gesagt: Muss ein Ereignis B, das zeitlich dem Ereignis A folgt, seine Ursache in Ereignis A haben?

Diese Art zu schlussfolgern erfreut sich einer großen Verbreitung und allgemeiner Popularität, aber richtig ist sie trotzdem nicht. Erinnern wir uns an den allen vertraute Tatsache, dass viele Krankheiten in der Regel mit Fieberschüben beginnen. Das Fieber geht der Krankheit voraus, aber - das ist mittlerweile allgemein bekannt - ihre Ursache ist es nicht. Die Menschen neigen aber dazu, sich auf diese einfache Weise die Zusammenhänge zu erklären. Hobbes schreibt dazu:

„Ist man mit den natürlichen Ursachen der Dinge nicht bekannt, so entsteht daraus Leichtgläubigkeit, die oft so weit geht, dass man auch sogar Unmögliches Glaubt.
Unkenntnis der entfernten Ursachen bewirkt, dass man alle Ereignisse den unmittelbar wirkenden Ursachen zuschreibt, weil man keine anderen sieht.“


Auch im HERBST 2008 begann die Wirtschaftskrise im Finanzsektor, deshalb nannte man sie zunächst Finanzkrise. Dazu hat jeder eine ganze Menge von Einzelheiten aus den Medien erfahren können. Es stellte sich heraus, dass die Banken und Börsen spekuliert und viel Geld verloren haben, und dazu noch auf geradezu betrügerische Art und Weise in die eigenen Taschen gewirtschaftet haben. Die Gewinne vor der Krise haben sie immer privatisiert, die Verluste danach haben sie vor die Tür ihrer Gläubiger gekippt. Da wurden die Ersparnisse von Millionen vernichtet.

Wie kann man das den Banken verzeihen? Wie kann man einem Menschen, der alles verloren hat, glaubwürdig erklären, so würde eben das System - die freie Marktwirtschaft - funktionieren. Er würde sich das auch deshalb nicht einreden lassen wollen, weil er noch bis vor kurzem von diesem System profitiert hat. Mehr noch: Er war von der Freiheit, „Geschäfte“ zu machen richtig besessen. Den Staat, der ihn da behindern wollte, hat er aus tiefstem Herzen gehasst, ja ihn für Teufelswerk gehalten.

Nun kam nach der Finanzkrise 2008 die allgemeine Wirtschaftskrise, die noch andauert und ein Ende ist nicht abzusehen. Man kann sich gut vorstellen, dass ein Mensch, der sich über die Funktionsweise der Marktwirtschaft keine Gedanken machte, jetzt alles gern den Bankern und Börsenmaklern in die Schuhe schiebt. Diese Schlussfolgerung ist aber falsch, unabhängig davon, wie kriminell die Banker und Börsenmakler waren. Ihre Betrügereien und Raubzüge - anders kann man das nicht bezeichnen – sind trotzdem nicht die Ursache der Wirtschaftskrise. Sie ist die Folge des Marktversagens, darüber haben wir schon das Wichtigste gesagt.


Wenn die Menschen heute die Banker und Börsenmakler für alles verantwortlich machen, warum sollen sie damals, nach dem Ausbruch der Großen Depression anders gedacht haben? Die damalige Finanzkrise hatte eine Besonderheit, nämlich dass eine große Zahl von Bankern und Börsenmaklern Juden waren. Diese waren schon immer an der Durchführung von Geldgeschäften überdurchschnittlich stark beteiligt.

Einerseits waren sie das deshalb, weil man ihnen viele andere Berufe verwehrt hat, und andererseits, weil es ihnen schon immer erlaubt war, von Fremden Zins zu nehmen - in den christlichen Ländern wurde der Zins erst im späten Mittelalter freigegeben. Und nun schien sich alles zu einem logischen Ganzen zusammenzufügen: Die bösen Juden hatten den Kapitalismus zugrundegerichtet. Das war der wichtigste Schwerpunkt in Hitlers Reden schon seit dem Jahre 1920:

„Wir wissen, dass diese Arbeit [der Juden] einst bestand im Ausplündern der wandernden Karawanen, und dass sie heute besteht im planmäßigen Ausplündern verschuldeter Bauern, Industrieller, Bürger usw. Und dass sich die Form wohl geändert hat, dass aber das Prinzip das gleiche ist. Wir nennen das nicht Arbeit, sondern Raub.“

Wenn jemand etwas ständig erzählt, und damit auch die anderen überzeugen kann, wie es bei Hitler der Fall war, dann ist es menschlich, dass er daran irgendwann auch selbst ehrlich glaubt. An die Macht gelangt hat Hitler alles für das „schaffende Kapital“ getan, das „raffende Kapital“ hat er an die Kandare genommen; alle dem Finanzsektor lieb gewonnenen ökonomischen Theorien hat er mit Hohn und Spot zurückgewiesen, und er war ökonomisch unglaublich erfolgreich. Wie konnte er dann nicht zutiefst überzeugt zu sein, dass der Kapitalismus eigentlich bestens funktionieren würde, nur die Juden brächten ihn immer wieder zu Fall.

Das wurde auch den Deutschen ständig erzählt und auf die Tatsachen hingewiesen, die das angeblich bestätigen würden. Wie konnte sich dann ein „normaler“ Deutscher dieser „Wahrheit“ entziehen? Das ist in der Tat nicht vielen gelungen. Und das betraf nicht nur Deutsche, das war mehr oder weniger bei allen anderen Völker so – nur hatten sie nicht die Traumata der neoliberalen Weimarer Zeit durchlitten. Mit einem Wort, die Juden mussten für die Sünden des Kapitalismus zahlen.


Sie trugen aber wirklich keinerlei Schuld. Die Ökonomen sollten eigentlich besser wissen, wer der Schuldige war: der Kapitalismus Ja, die von der Historischen Schule wussten es schon, weil ihr Blick auf die Tatsachen unvergleichbar breiter war als der der Neoliberalen. Der Hauptvertreter der Historischen Schule, Werner Sombart, hatte keine Hemmungen, den Schuldigen zu benennen:

„Alles in allem: Wir sind nun auch reif für eine stationäre Wirtschaft und schicken die „dynamische“ Wirtschaft des Kapitalismus dahin, woher sie gekommen ist: zum Teufel.“
Von den Liberalen, auch von denen, die später zu Ordoliberalen wurden, würden wir so etwas nie hören. Kein Wunder, denn die späteren führenden Köpfe der Ordoliberalen standen am Ende der Weimarer Republik auf der Seite derjenigen, die in einer Beschränkung der parlamentarischen Demokratie die unbedingte Voraussetzung zur Lösung der wirtschaftlichen und sozialen Krise sahen, auch diejenigen, die ins Exil mussten (Röpke, Rüstow) und sich nicht mit dem Naziregime arrangierten oder sogar Karriere machten. Auch dazu soll etwas gesagt werden, damit uns klarer wird, wie diese Menschen, denen die „Masse“ so suspekt war, „getickt“ haben.


Müller-Armack, der vom Programm Mussolinis beeindruckt war, trat 1933 der NSDAP bei, in der Hoffnung, „ein zentraler politischer Wille“, der durch keine parlamentarischen Kompromisse gehemmt wäre, könne eine bessere und stabilere Wirtschaftspolitik durchsetzen als der demokratische Staat der Weimarer Republik. Eucken konnte sich gar nicht beklagen, dass man ihn irgendwie behindert hätte oder nicht zu Wort kommen ließ:

„Es stellt sich zunächst die Frage, warum und wie es trotz der rigorosen politischen Unterdrückung durch den Nationalsozialismus - nicht zuletzt im wissenschaftlichen Bereich - an der Freiburger Universität gelingen konnte, „eine Art Naturschutzpark der liberalen Wirtschaftswissenschaft“ zu etablieren. Auch die vielfältigen Publikationsmöglichkeiten ordoliberaler Autoren in diesem Zeitraum sind wohl kaum ein Beleg für eine oppositionelle Haltung, sondern deuten zumindest auf eine nationalsozialistische Duldung gegenüber dem ordoliberalen Projekt hin.

Was bedeutet es, wenn Eucken im September 1939 als einer „von acht namhaften Wissenschaftlern“ zum Gutachter einer vom Reichswirtschaftsministeriums in Auftrag gegebenen Untersuchung zur Kriegsfinanzierung bestellt wurde? Wie erklärt sich, daß Euckens Grundlagen der Nationalökonomie im Jahresbericht der AfDR von 1941 als wichtigster Diskussionstext der zentralen Arbeitsgemeinschaft Volkswirtschaftslehre erwähnt wird, der „Ansatzpunkte zur Erörterung der Grundlagen und Begriffe einer neuen deutschen Volkswirtschaftslehre bietet“? .“
Und dieser Mensch wagte es, noch das Maul aufzureißen, um sich zur folgenden Aussage zu versteigen:

„Man muß sich über eines klar sein: Kollektive sind ohne Gewissen. Richtiger: sie haben stets ein gutes Gewissen.“

Schon die publizistische Arbeit der später ordoliberal ausgerichteten Wissenschaftler kann von keinem Widerstand dem Naziregime gegenüber zeugen, sondern sie deutet vielmehr darauf hin, dass sie in Bezug auf die Formulierung bzw. Umsetzung nationalsozialistischer Wirtschaftspolitik mindestens teilweise involviert waren. Sie haben im Dienste des Regimes fleißig an den eigenen Karrieren gearbeitet.


„Erhards Arbeit im IfW, das sich im Nationalsozialismus zu einer bedeutenden privatwirtschaftlichen Forschungseinrichtung entwickeln konnte, wurde zu seinem Karrieresprungbrett. Von hier aus baute er sein Netzwerk in die verarbeitende Industrie auf, das ihm später zu führenden Positionen in Wirtschaft und Gesellschaft verhelfen sollte.
Erhard war sich bewußt, daß seine Arbeit in der Marktforschung zu den wirtschaftlichen Kriegsvorbereitungen gehörte, und er bot sie den nationalsozialistischen Machthabern im vollen Bewußtsein dieser Bedeutung an.

Seine wirtschaftswissenschaftliche Gutachtertätigkeit ab 1939 zur ökonomischen Integration der durch die nationalsozialistische Expansion einverleibten Gebiete, zunächst in Bezug auf Österreich und Lothringen, dann in Hinblick auf Polen, bestätigt dies in aller Deutlichkeit. Es sprechen deshalb viele Fakten für die Charakterisierung von Erhard als „einen Ökonomen, der die Kriegswirtschaft der NS-Diktatur rückhaltlos bejahte und es sich zur Aufgabe machte, ihre Strukturen binnenwirtschaftlich wie annexionspolitisch zu effektivieren.“
Außerdem ist es so, dass wir darüber auch noch sehr wenig wissen, weil keinem daran gelegen ist, dass dies bekannt wird:

„Eine selbstkritische Aufarbeitung des Verhältnisses zwischen Ordoliberalismus und Nationalsozialismus existiert nicht einmal in Ansätzen. Statt dessen wird das Bild von einer durchgängig aufrechten, gegen den Nationalsozialismus opponierenden Haltung konstruiert - offensichtlich eine Legendenbildung mit dem Zweck, die führenden Vertreter des deutschen Neoliberalismus vom Vorwurf nationalsozialistischer Verstrickungen reinzuwaschen.“
War es aber in wirtschaftstheoretischer Hinsicht wichtig etwas darüber zu sagen, aus welcher Welt die Ordoliberalen stammen? Ja. Die Erfahrung bestimmt die Auffassungen und das Bewusstsein des Menschen. Uns interessiert aber noch mehr die wirtschaftstheoretische Substanz der Ordoliberalen, die wir im nächsten Beitrag erörtern werden.




KOMMENTARE ZU AKTUELL - OBEN

29. Dezember 2012 um 12:48kim sagt:
alles ausgemacht
GOLDMAN SACHS eine VERBRECHERBANK wie sie im Buche steht.

Wo steht der USD
nichts wert alles Betrug
wie immer
und die politker reden vom straken USD
Lügen betrügen
die wegen bösen russen
nein die Amis sind die bösen
bsp
bewiese
den TIMEWARNER AOL Betrug Übernahme
die BANK gehõrt geschlossen wegen vorsätzlichen Betrug am Bürger.

WER REGIERT IN AMERIKA - die lieben j.LOBBY
nicht Obama.

Zum Glück gibt es PUTIN [Russland] der der USA macht in die Schranken weist.

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29. Dezember 2012 um 13:23martin sagt:
Nun kommt das ganze dumm-grässliche Spiel der letzten 40 Jahre mal endlich an seine Grenzen ! Alle Politiker, alle Chaos Banker aus der westlichen Hemisphäre, legen nun Zeugnis ab über deren wirklichen Qualitäten:

Dumm, korrupt, illegal, VERBRECHER – von A bis Z.
Nicht einem einzigen in dieser Arena geht geht um die Völker, um die Wähler.

Wir SIND alle NUR STIMMVIEH die diese Verbrecher brauchen um ihre Umtriebe irgendwie zu legalisieren !

It´s high time for a change, wir müssen dieses PACK LOSWERDEN, je schneller – je besser !

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29. Dezember 2012 um 13:30Who_let_the_huns_run_free? sagt:
Es ist erstaunlich was man manchmal noch im Deutschland an Qualitäts-Journalismus findet (Wenn es auch zum grossen Teil aus US-Quellen abgeschrieben ist – was nicht weiter schlimm ist, solange es, wie hier, richtig analysiert wird)

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29. Dezember 2012 um 14:41Marcus sagt:
Die ganze “Rally” der Aktienmärkte beruht nicht auf der guten wirtschaftlichen Verfassung sondern einzig und allein auf dem billigen Geld der Notenbanken in den USA, Europa, und Japan.

Als Investor würde ich meinen Rückzug nun nochmals deutlich beschleunigen, denn die grundlegenden Probleme sind ja nach wie vor da, sie Europa, Japan und die USA. Sie werden nur durch mehr und mehr Überschussliquidität überdeckt.

Die wirtschaftlichen Fundamentaldaten sind alles andere als hervorragend..

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29. Dezember 2012 um 17:23Micha sagt:
Vergessen Sie die CITY OF LONDON nicht.

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