Dienstag, 6. November 2012

RAUES KLIMA FUER KUENSTLER IN SCHLESWIG-HOLSTEIN. (HELIODA1)

Raues Klima für Schleswig-Holsteins Künstler
06.11.2012 03:59

Kann man als Künstler VON SEINER KUNST LEBEN?

Was eine ERHEBUNG des Bundesverbandes Bildender Künstler (BBK) für den Durchschnitt aller Künstler im Bundesgebiet leider verneinen muss, gilt in ...

Kann man als Künstler von seiner Kunst leben? Was eine Erhebung des Bundesverbandes Bildender Künstler (BBK) für den Durchschnitt aller Künstler im Bundesgebiet leider VERNEINEN MUSS, gilt IN SCHLESWIG-HOLSTEIN ERST RECHT.

Aber wie geht man damit um? Ein spannend besetztes Podium diskutierte dies in KIEL.


Andri Jürgensen ist Rechtsanwalt für Kunst und Medien. Nach hoffnungsvollen Anfängen als Jurist in Kiel hat er seine Kanzlei nach Köln verlegt, betreibt sie in der Fördestadt nur noch auf Sparflamme.


Auch den hiesigen Künstlern empfiehlt er, in wärmere Gefilde auszufliegen - denn das Klima für die Kunst im Norden ist rau. "Die Käufer sind woanders", ruft er dem Publikum zu.


[NB by W. Timm / CHZA: Eine talentierte Kuenstlerfreundin mit gemalten Bildern hohen Wiedererkennungswert, zog deshalb von der Westkueste in Schleswig-Holstein nach Sueddeutschland. Kann also Gesagtes voll und ganz aus eigener Anschauung bestätigen - armes Schleswig-Holstein. Nord-Sued Gefaelle in Deutschland ist gewaltig! Eben und gerade auch im Bereich Kunst und seine Kuenstler - pauschal gesagt: Der Norden verbloedet massiver als der Sueden in Deutschland. ENDE].


"GEHT RAUS, wenn ihr was werden wollt - und wenn ihr was geworden seid, dann geht wieder in die Provinz."


Erschwerend komme die AKTUELLE TENDENZ hinzu, dass der KUNSTMARKT vor allem in bekannte Werte investiere und dass die Umsätze heutzutage auf MESSEN gemacht würden.


Aber wie kommt man als Künstler auf Kunstmessen?

Abgesehen von der vom BBK Schleswig-Holstein betriebenen Messe "Schau der 1000 Bilder", braucht es dazu in der Regel ERFAHRENE GALERISTEN, die das Geld für teuren Messestände und Transporte aufbringen können.



Auch Galeristen sind besorgt

Der Kieler Galerist Ulrich Horstmann bringt seine Künstler auf internationale Messen - aber sein Geld verdient er derzeit auf dem Bau.

Als Idealist und gleichzeitiger Realist nimmt er kein Blatt vor den Mund, wenn er etwa Banken und Wirtschaftsunternehmen gut gemeinte, aber falsch verstandene Kunstförderung vorwirft, indem sie Bilder verschenkten oder ohne Galerieprozente verkaufen.

Das sei "Marketingunterwanderung", so Horstmann.


Nur DREI PROZENT aller Künstler können von ihrer KUNST leben.

Christoph Weiß vom Kunstraum B fordert daher Ausstellungshonorare - was im Publikum kontrovers diskutiert wird, da kaum ein Künstler mehr als eine Einzelausstellung pro Jahr machen kann. So ein Honorar könne also keine Lebensgrundlage sein.

Launig ermuntert da der Künstler und Schriftsteller Arne Rautenberg, die "Killer instinkte" besser zu entwickeln, um "seine Arbeit nach vorne zu bringen".

Nicht ganz so scharf drückt es Frank Lemloh aus. Er ist Berater beim Kompetenzzentrum Kultur- und Kreativwirtschaft - ein Bundesprojekt.

"Nicht nur der schöpferische Akt ist wichtig, sondern auch die unternehmerische Absicht", erklärt er an die Adresse der Künstler.


WIE also KUNST VERKAUFEN, wenn ein BEDARF dafür kaum vorhanden ist, weil die Bildung dafür fehlt?

Das BILDUNGS NIVEAU in Deutschland falle von Süden nach Norden ab, weiß Lemloh - wen wundert das noch speziell im Reich der Kunst, wo der Kunstunterricht an den Schulen längst zum Stiefkind geworden ist.


Hier sind sich Podium und Publikum einig: Durch mehr Bildung in diesem Sektor gäbe es auch mehr Kunstkäufer.

QUELLE: shz.de vom 6.11.2012.

EDITED BY WOLFGANG TIMM, CARL-HUTER-ZENTRAL-ARCHIV. www.chza.de !