Montag, 22. Oktober 2012

HUSUMER PILOT - 6 JAHRZEHNTE FLIEGEREI. (HELIODA1)

HUSUMER PILOT
Sechs Jahrzehnte im Cockpit zu Hause
22.10.2012 09:08

QUELLE: shz.de

Mit den alten Fotos kommen die Erinnerungen: Siegfried Gründer in seiner Kellerbar.

Foto: Petersen



Vom SEGELFLIEGER bis zum KAMPF-JET:

Siegfried Gründer kann auf ein BEWEGTES PILOTENLEBEN mit vielen Höhepunkten zurückblicken.

Im Interview erzählt der Husumer davon.

8800 STUNDEN hat er insgesamt IN der LUFT verbracht - und Dienstag ist es genau 60 JAHRE her, dass seine fliegerische AUSNAHMEKARRIERE begann:

Der HUSUMER Siegfried Gründer trat am 23. OKTOBER 1952 mit 16 Jahren als Segelflieger in die kurz davor gegründete ostdeutsche Gesellschaft für Sport und Technik (GST) ein, bevor er 1955 aus der DDR flüchtete.

Ein Jahr später ging er zur LUFTWAFFE, flog 20 Jahre lang Jets vom Typ F-84F und G.91 sowie weitere 13 Jahre Transall- und Do-28-Transportmaschinen, bevor er 1989 ins Zivilleben und auf den Kapitänssitz eines LEARJETs wechselte.

Nach dem Ende der BERUFSFLIEGEREI 1996 konzentrierte er sich auf die SPORTFLIEGEREI, die ihn schon während seiner militärischen Laufbahn begleitet hatte, und auf seine "erste Liebe", den SEGELFLUG.



Herr Gründer, woher kam die Begeisterung fürs Fliegen?

Mein Großvater war im Ersten Weltkrieg Flugzeugmechaniker und flog nach Reparaturen häufig mit.

Der hat mir schon als Kind viel erzählt und die erste Begeisterung geweckt.

Im KRIEG habe ich dann den HIMMEL über meiner HEIMAT beobachtet und war fasziniert von den einfliegenden Bombern und den Luftkämpfen der Jäger.

Dass da oben der TOD MITFLOG, war mir noch gar nicht so bewusst. Ab da stand aber mein WUNSCH fest, PILOT ZU WERDEN.


Der erste Schritt jährt sich nun 60 JAHRE...

Genau, nach dem Eintritt in die GST wurde ich Segelflieger. FLIEGEN gelernt habe ich damals, ohne dass ein Fluglehrer mit im Cockpit saß.

Der erzählte einem nur am Boden, was man tun musste, und dann ging es los.


Ähnlich war es mit der Umschulung auf Ihr erstes Einsatzmuster in der Luftwaffe...

Ja, auch von der F-84F gab es keinen Doppelsitzer. Unsere US-Fluglehrer wiesen uns damals in ARIZONA ins Flugzeug ein und flogen in einem anderen Jet nebenher, aber man war von Anfang an auf sich allein gestellt im Cockpit.

Ein BESONDERES ERLEBNIS war damals für mich mein erster Überschallflug 1959, wo wir Schüler mit unseren Lehrern in Viererformation im flachen Sturzflug die SCHALLMAUER durchbrachen.

Das war damals noch etwas Anderes als heute, schließlich war erst zwölf Jahre zuvor erstmals ein Mensch schneller als der Schall geflogen.



Welche Höhepunkte hielt die militärische Fliegerei noch für Sie bereit?

1968 erprobten wir mit der Fiat G.91 das Starten und Landen auf einer Autobahn, auf der nagelneuen A 1 in Nordrhein-Westfalen vor deren Eröffnung.

Ich war einer von zwei Husumer Piloten, die teilnehmen durften.

Als Transportflieger bin ich 1984 mit der Transall einmal auf einer Bahn in einem Vulkankrater in 2000 Meter Höhe gelandet, als wir im Rahmen des Welthungerhilfe-Programms Nahrungsmittel für ein von Deutschen geleitetes Flüchtlingslager nach Äthiopien brachten.


Und 1977 waren ich der COPILOT einer von zwei Transalls, die bei der Entführung der Lufthansa-Boeing "LANDSHUT" hinterher flogen, um notfalls die Männer vom GSG 9 an Bord zu nehmen und der "Landshut" auch in entlegene Wüstengegenden zu folgen.

Wir hatten sogar Farbe an Bord, um die deutschen Hoheitsabzeichen zu übermalen:

Für den Fall, dass wir in ein Land hätten fliegen müssen, dass einen GSG-9-Einsatz gar nicht gern gesehen hätte.

Nachdem die GEISELBEFREIUUNG in MOGADISCHU dann so gut geklappt hat, ist dieser Teil der Geschichte nie publik gemacht geworden.



Und was gab es für Highlights auf der zivilen Seite?

Zweimal bin ich im Sieger-Team beim Bundeswehr-Sternflug für Sportpiloten gewesen, erst 1977 und wieder 1984.

In jenem Jahr wurde ich zudem norddeutscher Motorflugmeister.

Und 2000 konnte ich in England einen Minimoa-Oldtimer-Segler von 1938 steuern, in dem vor dem Krieg schon die bekannte DEUTSCHE PILOTIN HANNA REITSCG geflogen war.



Was waren denn besonders traurige Erlebnisse für Sie?

Ich habe am Ende meiner militärischen Dienstzeit die Namen der Piloten aufgeschrieben, die ich gut kannte und die tödlich abgestürzt sind.

Die Liste umfasste damals schon 65 Namen. Bis heute sind leider noch fünf weitere dazu gekommen.



Wie ging denn ihre Familie mit der Gefahr um?

Meine Mutter hatte bis zu ihrem Tod im Jahre 1984 immer Angst um mich.

Meine Frau Bärbel hat nie etwas dazu gesagt. Ich war schon mit ihr verlobt, als ich 1959 zur Schulung in die USA ging. Sie kannte alle meine Lehrgangskameraden, und ein halbes Jahr später waren vier davon tot. Das war bestimmt nicht leicht für sie. Aber sie hat wohl immer an mich geglaubt.



Und wie geht es jetzt weiter?

Ich habe dieses Jahr mit dem Motorflug aufgehört, obwohl meine Lizenz noch bis 2013 gültig ist.

Ich will nicht, dass jetzt noch irgend etwas passiert, und dann heißt es: Selbst schuld, warum hat er nicht rechtzeitig aufgehört.

Aber Segelflieger bin ich noch. Ich bin also wieder bei den Wurzeln angelangt.


Und ich kann ein positives Fazit ziehen: Kein Flugunfall, kein Schleudersitzausstieg und gesundheitlich keinerlei Blessuren davongetragen. Aber da habe ich sicherlich auch viel Glück gehabt.


[NB by W. Timm CHZA in anderer Angelegenheit: INTERN - Morgen treffen sich Herren Wolfgang Timm und Psycho-Physiognom RALF EGGERS in Hamburg-Niendorf.

Es fand letztes Wochenende ein Treffen mit der für CARL HUTERs MENSCHENKENNTNIS & KALLISOPHIE verdienten Familie Preuss (Lehrer-Eltern, Sohn mit Frau - beide Aerzte, in deren Domizil in Gluecksstadt statt, so Auskunft von Ralf Eggers. Stichwort "DEUTSCHER VERBAND FUER CARL HUTERs PSYCHO-PHYSIOGNOMIK. Kümmern sich u.a. sehr gut um Grabpflege von Carl Huter in Dresden. Weitere Theodor Werner-Schüler / Diplomanden waren zugegen. END].

EDITED BY WOLFGANG TIMM, CARL-HUTER-ZENTRAL-ARCHIV. Vater von spanischen Sohn Jorge, Madrid. Sohn Jorge ist Pilot. www.chza.de !