Montag, 14. Mai 2012

MADRID. SPANISCHE ZENTRALBANK: NEGATIVE TARGET2 SALDO WEITETE SICH APRIL 2012 DEUTLICH AUS, AUF € -284,549 MRD. (HELIODA1)

Banco de España: NEGATIVER TARGET2 SALDO STEIGT WEITER!

von Querschuss am 14. Mai 2012 in Allgemein

Heute Morgen berichtete DIE SPANISCHE ZENTRALBANK Banco de España mit den Daten zum Financing in the Eurosystem (April 2012), auch die Target2 Position der spanischen Zentralbank gegenüber dem EUROSYSTEM, als Average of Daily Data für den Monat April 2012.

Der negative Target2 Saldo der spanischen Zentralbank weitete sich auch im April 2012 deutlich aus, auf -284,549 Mrd. Euro, nach -252,097 Mrd. Euro im Vormonat.

DIE SPANISCHE ZENTRALBANK ist die Einzige, die den Target2 Saldo auch als Average of Daily Data ausweist, der Datensatz hat allerdings den Vorteil das er als Langfristreihe seit Januar 1999 zur Verfügung gestellt wird und dieser Chart dokumentiert eindrucksvoll DIE DYNAMIK DER ZAHLUNGSBILANZKRISE IN SPANIEN.


Die Entwicklung des Target2 Saldos der spanischen nationalen Zentralbank seit Januar 1999 bis April 2012 als monatlicher Tagesdurchschnitt im Chart.

Im APRIL 2012 stieg der negative Target2 Saldo um 32,452 Mrd. Euro auf -284,549 Mrd. Euro.

Hier auch noch der Target2 Saldo der spanischen Zentralbank, als wie sonst üblich mit den Monatsende-Daten, diese werden aber erst Anfang Juni für April 2012 von der Banco de España veröffentlich, allerdings sind diese Daten bereits vom Institut für EMPIRISCHE WIRTSCHAFTSFORSCHUNG DER UNIVERSITÄT OSNABRÜCK errechnet worden und der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt.


ENDE APRIL 2012 betrug der negative Target2 Saldo -302,840 Mrd. Euro:

Der Target2 Saldo der spanischen Zentralbank jeweils zum Monatsende in Mrd. Euro seit November 2007 im Chart.

Im April 2012 stieg die Verbindlichkeit (negativer Target2 Saldo) um 26,807 Mrd. Euro zum Vormonat, auf -302,840 Mrd. Euro.


Der spanische negative Target2 Saldo, steht für die sich Monat für Monat hochschaukelnden VERWERFUNGEN IN DER EUROZONE und für die ungebrochene ZAHLUNGSBILANZKRISE in der EUROZONE.

Weiter machen diese Salden auch deutlich, dass die europäische Finanz- und Wirtschaftspolitik völlig versagt und KEINE ANTWORTEN zur Behebung der manifesten Zahlungsbilanzkrise hat.


Das Zentralbankgeld der NZBs im Eurosystem muss Leistungsbilanz und Kapitalbilanz in Übereinkunft bringen, da private Nettokapitalzuflüsse nicht mehr die Leistungsbilanzdefizite der PIIGSBF finanzieren und Zentralbankgeld nun auch noch zusätzlich die privaten Nettokapitalabflüsse (Kapitalflucht) aus diesen Staaten ausgleichen muss.

Damit maximiert sich der Risikotransfer von Privaten (vor allem Banken) hin zu den Zentralbanken und damit in die öffentlichen Hände.

Die Liquiditätsflutung des Bankensystems durch die Zentralbanken des Eurosystems per LTRO-Injektionen hat primär die KAPITALFLUCHT innerhalb der EUROZONE angefeuert und damit statt zu einer Stabilisierung direkt zu einer weiteren DESTABILISIERUNG der Eurozone beigetragen.


Ein negativer Target2 Saldo entsteht aus dem grenzüberschreitenden Zahlungsverkehr via Target2, er ist die Differenz der Leistungsbilanzdefizite abzüglich der geringeren privaten Nettokapitalzuflüsse oder eben die Summe der Leistungsbilanzdefizite zuzüglich der privaten Nettokapitalabflüsse (Kapitalflucht), der positive Target2 Saldo ist das Pendant dazu, die Differenz der Leistungsbilanzüberschüsse abzüglich der geringeren privaten Nettokapitalabflüsse oder eben die Summe der Leistungsbilanzüberschüsse zuzüglich der privaten Nettokapitalzuflüsse.

Bei einem LEISTUNGSBILANZDEFIZIT, das dem privaten Kapitalzufluss entspricht oder einem Leistungsbilanzüberschuss, dem ein adäquater privater Nettokapitalabfluss entgegensteht, gibt es keine Target2 Salden.

Die Target2 Salden bei den nationalen Zentralbanken des Eurosystems entstehen aus dem Target2 Echtzeit-Brutto-Zahlungsverkehrssystem womit der grenzüberschreitende Zahlungsverkehr, ausschließlich mittels ZENTRALBANKGELD abgewickelt wird.


An dem Target2 Zahlungssystem sind ALLE NATIONALEN ZENTRALBANKEN des EUROSYSTEMS und ALLE RELEVANTEN KREDITINSTITUTE angeschlossen.

Fließt Banken eines Landes durch grenzüberschreitende Transaktionen mehr Zentralbankgeld ab als zu, entsteht bei diesen Banken ein BEDARF AN ZENTRALBANKGELD, der durch geldpolitische Refinanzierungsgeschäfte des Eurosystems gestillt wird.


Die TARGET2 SALDEN entstehen bei den nationalen Zentralbanken im Eurosystem, da eine Transaktion via Echtzeit-Brutto-Zahlungsverkehrssystem nur von der heimischen Bank an die dortige Zentralbank mit Zentralbankgeld ausgeführt wird.

Der adressierten Bank im grenzüberschreitenden Zahlungsverkehr bekommt jedoch die Buchung von ihrer heimischen Zentralbank, ohne das zwischen den beiden beteiligten Zentralbanken Geld floss.

Die ZENTRALBANK, die an die adressierte Bank die Gutschrift tätigte, erhält im Gegenzug eine Target2 Forderung gegenüber das Eurosystem und die Zentralbank dessen heimische Bank die Überweisung auslöste eine TARGET2 VERBINDLICHKEIT gegenüber das EUROSYSTEM (EZB).


Mit dem Target2 Zahlungssystem werden täglich grenzüberschreitende Zahlungen in einem durchschnittlichen Volumen von 2,5 BILLIONEN EURO getätigt, ausgelöst durch täglich durchschnittliche 350’000 Zahlungsaufträge.

Den via TARGET2 abgewickelten Zahlungsaufträgen können unterschiedliche Geschäfte zu Grunde liegen, der Kauf oder Verkauf von Waren und Gütern, der Kauf bzw. Verkauf von Vermögenswerten, Wertpapieren, Anleihen usw., die Gewährung und Rückzahlungen von Krediten und vieles mehr.


Die HEUTIGEN DATEN der Banco de España für APRIL 2012 weisen auch nochmals auf die DRAMATISCH STEIGENDEN NETTOFORDERUNGEN DER SPANISCHEN ZENTRALBANK gegenüber den SPANISCHEN BANKEN hin, die Nettoforderungen sind die Forderungen aus geldpolitischen Operationen gegenüber den Banken abzüglich der Einlagefazilität der Banken bei den nationalen Zentralbanken im Eurosystem:


Die Entwicklung der Nettoforderungen der spanischen Zentralbank gegenüber den spanischen Kreditinstituten seit Januar 1999 bis April 2012 im Chart.

Im April 2012 stiegen die Nettoforderungen auf 263,535 Mrd. Euro, nach 227,600 Mrd. Euro im Vormonat und nach 42,227 Mrd. Euro im Vorjahresmonat.


Aber die Daten VERBERGEN noch eine ENORME BRISANZ, denn unglaubliche 68,9%, nach 62,9% im Vormonat, der gesamten Nettoforderungen des gesamten Eurosystems (Kreditgewährung aus den geldpolitischen Operationen minus Einlagefazilität) bestanden im April 2012 nur gegenüber spanischen Banken und dies steht für eine EXPLOSIVE LAGE IM SPANISCHEN BANKENSYSTEM:

Die Entwicklung der Nettoforderungen des Eurosystems gegenüber den spanischen Kreditinstituten in Prozent zu den gesamten Nettoforderungen des Eurosystems gegenüber allen Kreditinstituten der Eurozone seit Januar 1999 bis April 2012 im Chart.

Im April 2012 explodierter der Anteil der Nettoforderungen gegenüber spanischen Banken auf 68,9%, nach 62,9% im Vormonat und nach 10,6% im Vorjahresmonat.


Die Nettoforderungen gegenüber den spanischen Kreditinstituten betrugen im April 2012 263,535 Mrd. Euro, während die gesamten Nettoforderungen des Eurosystems gegenüber allen Kreditinstituten der Eurozone 382,712 Mrd. Euro betrug!

Dies entsprach einem Anteil der Nettoforderungen gegenüber spanischen Kreditinstituten von 68,9%.


Das ist GELDPOLITISCHER WAHNSINN, angesichts der Tatsache das 2011 der Anteil der spanischen Wirtschaftskraft (nominales BIP) an der Eurozone 11,5% ausmachte, aber die Nettoforderungen des Eurosystems (EZB) gegenüber spanischen Banken satte 68,9% betragen!

Unter der Macht des Faktischen erscheinen solche plumpem Durchhalteparolen: “Spanien ist auf dem richtigen Weg” …

”Die Zweifel der Marktteilnehmer seien nicht berechtigt”….”Die Spanier sagen: wir schaffen es alleine und ich glaube ihnen das.” (Bundesfinanzminister Schäuble), als das was sie sind - pures Wunschdenken - bar jeder Datenlage.

Die Entwicklung der Rendite 10-jähriger spanischer Staatsanleihen seit Januar 1998 im Dailychart. Stand der Rendite am 14.05.2012 um 11:15 Uhr bei 6,283%.

Die Entwicklung des spanischen Aktienleitindex IBEX seit Januar 1987 im Dailychart. Heute gegen 11:30 Uhr sank der Index um -192 Indexpunkte zum Vortag, auf 6’803 Indexpunkte. Seit dem Hoch am 31.10.2007 mit 15’890 Indexpunkten hat der spanische Aktienleitindex -57,2% verloren!

Immer alle verfügbaren Target2 Salden aktualisiert inklusive Charts: Querschuesse.de/target2-salden/

Quelle Daten: Bde.es/PDF BALANCE SHEET OF THE BANCO DE ESPAÑA

Kontakt: info.querschuss@yahoo.de


11 KOMMENTAREKommentieren

Peter Bed. - 14. Mai 2012 Antworten
Der Monatsendwert liegt sogar bei 302 Mrd. (lt. http://www.iew.uni-osnabrueck.de/8959.htm)


Querschuss - 14. Mai 2012 Antworten
Danke Peter für den Hinweis, ist in den Artikel mit eingeflossen.

Gruß Steffen


SLGramann - 14. Mai 2012 Antworten
Der Austritt Spaniens aus dem Euro-System in 2 bis 3 Jahren wird wohl einigermaßen teuer für die BUNDESBANK…

Steffen hat ganz recht damit, dass man nur abwarten muss, bis die unsäglichen Relativierer in der Target-Debatte von der Realität widerlegt werden.

Leider werden das auch für alle anderen bittere Zeiten werden.


ergo sum - 14. Mai 2012 Antworten
Wenn der griechische Ausstieg sich als machbar erweist, werden die Spanier (und andere?) womöglich schon eher aussteigen.

Ich hege nämlich den Verdacht, dass man die Panikmache in Berlin absichtlich übertreibt, um mögliche weitere Aussteiger abzuschrecken.


M.E. - 14. Mai 2012 Antworten
Die Kapitalflucht aus den Südstaaten wird massiv zunehmen. Griechenland dürfte noch innerhalb der nächsten 6 Monate den Staatsbankrott erklären.
Dann gibt es kein Halten mehr.

Ich tippe auf einen Zusammenbruch zumindest des gesamten südlichen Euro-Teils noch in diesem Jahr.

Alle Südstaaten werden von den Finanzmärkten unter Quarantäne gestellt werden.

Das wird auch die EZB nicht schaffen, diesen massiven Liquiditätsbedarf aller Südländer zu decken.

“TOO BIG TO BAIL” wird das Motto der zweiten Jahreshälfte werden.

Alle Lebensversicherungen und Fonds schon aufgelöst, leibe Mitstreiter?


MagnaBavaria - 14. Mai 2012 Antworten
“Alle Lebensversicherungen und Fonds schon aufgelöst, leibe Mitstreiter?”

Davon kannst du ausgehen, alles umgeschichtet


topperhopper - 14. Mai 2012 Antworten
Welche Fonds?


M.E. - 14. Mai 2012 Antworten
“liebe Mitstreiter” wollte ich schreiben.


philipp johannes - 14. Mai 2012 Antworten
Danke stefan für die außergewohnlich super gute arbeit !

@m.e. und @all

Die Frage ist ja nun eher noch weniger ob fonds etc. aufgelöst, die frage ist vielmehr schon reichlich vorräte für die grundversorgung eingekauft ?

Der crash wird nicht spurlos an uns allen vorbeigehen was auch die lebensmittelversorgung u. ä. betriftt.
bitte, ich will nicht schwärzer malen als es eh bereits ist, doch an das drübernachdenken auch an diese sachlagen erinnern.


ATK - 14. Mai 2012 Antworten
Zitat :
Spanien ist auf dem richtigen Weg” ….”Die Zweifel der Marktteilnehmer seien nicht berechtigt”….”Die Spanier sagen: wir schaffen es alleine und ich glaube ihnen das.”

(Bundesfinanzminister Schäuble), als das was sie sind – pures Wunschdenken – bar jeder Datenlage.
Ha Ha Ha…

Ja Ja der Schäuble….. außer dumme Sprüche und Inkompetenz ….
nichts gewesen…

Sollte wirklich als Komiker umschulen… das Gesicht hat er bereits ...
Er bring uns wunderbar ins Verderben… Gute Nacht Europa


ATK - 14. Mai 2012 Antworten
an @ philipp johannes

Du trägst deine Name mit Würde…. nach dem Apocalypse von Johannes…
und leider hast Du auch Recht … weil es kommt noch SCHWARZER als anderer überhaupt meinen…

Wenn die Lichter ausgehen, dann ist es zu spät um sich einzudecken und ann möchte nicht mich befinden in 1 LM-Geschäft !

EDITED BY WOLFGANG TIMM, CARL-HUTER-ZENTRAL-ARCHIV, HUSUM, MADRID, SHANGHAI.