Montag, 31. Oktober 2011

PRENTICE MULFORD (1834-1891): DAS HOEHERE SELBST. (HELIODA1)

Gedanken
sind real



Thoughts Are Things lautet der Originaltitel des Buches, welches wir hier als deutsche Übersetzung vorstellen.

Zunächst einige Angaben zum Autor:

Prentice Mulford wurde 1834 in Long Island geboren. Auf dieser amerikanischen Insel verstarb er im Jahre 1891.

Er führte ein recht abenteuerliches Leben; unter anderem war er im Bergbau, als Schullehrer und schließlich als Journalist tätig.
Als er sich aus dem Berufsleben zurückzog, war er alles andere als materiell reich. Fünf Jahre später verabschiedete sich aus diesem Leben ohne irgendwelche Anzeichen einer Krankheit, als er allein mit dem Kanu unterwegs war.

In diesen fünf letzten Lebensjahren befasste er sich intensiv mit spirituellen Gesetzen und veröffentlichte seine entsprechenden Gedanken.
Vielen Leuten mögen diese Gedanken wie Hirngespinste erscheinen; für andere sind sie unbezahlbare Wahrheiten.

Es ist nicht unser Anliegen, diese Gedankengänge zu bewerten oder aus heutiger Erkenntnissicht zu beurteilen, wir wollen uns vielmehr mit einer bloßen Übersetzung begnügen, und es anderen überlassen, Diskrepanzen und Unstimmigkeiten - welche durchaus gefunden werden könnten, aufzuzeigen und zu zerreden.

Dass Prentice Mulford ein weiser und undogmatischer Lehrer war, ist seinen eigenen Worten zu entnehmen:

"Im spirituellen Bereich ist jeder Mensch sein eigener Entdecker und Sie brauchen sich keine Sorgen zu machen, wenn Ihre Entdeckungen von anderen nicht geteilt werden. Es ist nicht Ihre Aufgabe, Druck aufzuüben!"

Mulford gebührt das Verdienst, ein Vordenker und Pionier in der Aufzeichnung von Gedankengut gewesen zu sein, das heute überall auf der Welt von Menschen aufgegriffen wird. Sein Einfluß ist in vielen Schriften anderer Lehrer leicht wiederzuerkennen.

Comment by Diplom Psychologe Wolfgang Timm, Husum&Madrid, (Akademischer Abschluss UNI HEIDELBERG, 4. Dezember 1990): MULFORD spricht begrifflich vom HOEHEREN SELBST. CARL HUTER (1861-1912) entdeckte die LEBENSLICHTLEITSTRAHLKRAFT im ZENTROSOMA unserer Billionen lebenden ZELLEN - neben den anderen KRAEFTEN ! Sein Begriff lautete HELIODA - sozusagen die INNEREN SONNEN im MENSCHEN (Auch in Tier und Pflanze) und im UNIVERSUM ! Es geht also sozusagen zentral um DIE HOEHERE NATUR im MENSCHEN ! Dieser Begriff stammt vom bedeutsamsten Schueler AMANDUS KUPFER (1879-1953) vom Naturwissenschaftlichen Begruender der Original-MENSCHENKENNTNIS & Ethischen SCHOENHEIT (KALLISOPHIE) unserem verehrten Grossmeister in Tradition von ALBRECHT DUERER (1471-1528), Stichwort VIER BUECHER VON MENSCHLICHER PROPORTIONEN - naemlich unserem Norddeutschen Nichtakademiker und Privatgelehrten CARL HUTER. Lebensdaten von MULFORD und HUTER ueberschneiden sich.

1907 wurde MULFORD publiziert. Persoenlicher Schueler AMANDUS KUPFER und Lehrer CARL HUTER begegneten sich erstmals 1907.

Zur Zeit scheint sich ja in den SYSTEM-MEDIEN verschaerft seit Wirtschaftskrise September 2008 Alles sich um DEN TANZ UM DAS GOLDENE KALB zu drehen.

Auch Eva Hermann, die ehemals sehr beliebte Tagesschau-Sprecherin, rueckt MULFORD in den oeffentlichen Aufmerksamkeitsfokus. Es folgt Beitrag im KOPP-Verlag dieser bemerkenswerten mutigen Frau Eva Hermann, die aus den SYSTEM-MEDIEN vor einigen Jahren unfair gemobbt wurde. Danach Leseproben von Mulford. END Kommentar by W. Timm.

Für ein besseres Leben in diesem Chaos: Das schönste Buch der Welt!
Eva Herman
Unser Globus gerät derzeit aus den Fugen: Kriege, Krisen der Finanzen, Banken, Börsen, Wirtschaft, Sozialsysteme: Die Welt taumelt. Daran ändern auch keine ausgeklügelten europäischen Hebelwerkzeuge mehr etwas. Im Gegenteil: Jede angedachte Lösung gerät sofort zu einem neuen Problem. Der Ernst der Lage wird langsam, aber sicher, auch jedem noch so fröhlichen Menschen deutlich: Da ist etwas im Anzug, was unkalkulierbar ist, mächtig und besorgniserregend. Bevor auch noch der Rest allen menschlichen Optimismus verdampft ist, scheint jetzt der richtige Zeitpunkt gekommen, um ein ganz besonderes Buch in den Vordergrund zu stellen.

Sein Titel: Unfug des Lebens und des Sterbens. Verfasst wurde dieses einmalige Werk vor weit über hundert Jahren vom amerikanischen Schriftsteller, Journalist, Philosoph und Lebenskünstler Prentice Mulford. Wer es liest, dessen Leben wird sich danach zweifellos verändern, egal, wie es um unsere Erde steht. Denn schnell wird deutlich: Nur mit seiner inneren Einstellung allein bestimmt jeder Mensch sein persönliches Schicksal selbst. Und so schwierig ist es eigentlich gar nicht, zu einem guten Menschen zu werden, wenn man nur ein paar wichtige Spielregeln einhält.

Das Buch ist eigenwillig. Es ist komisch – und weise. Vor allem weise. Wer sich bisher stets selbst unter dem Motto betrachtete: Traurig blickt der, der ich sein wollte, auf den, der ich bin – der ist hier richtig. Die über 220 Seiten sind eine Art Fundament für das positive Denken, und doch sind sie weitaus mehr: Sie tragen den Leser durch die natürlichen Lebensgesetze der Erde und des Himmels und erläutern diese so erfrischend, dass man immerzu nicken und sagen möchte: Ja, genau so denke ich doch eigentlich auch.
Das Buch scheint für genau jene Menschen geschrieben worden zu sein, die sich noch verändern wollen, die ihrem Leben endlich mehr Sinn und Freude, so etwas wie wahres Glück, geben möchten. Dazu ist es, angesichts der derzeitigen Weltlage, allerdings auch höchste Zeit. Denn eins ist sicher: Wer langfristig in diesem Chaos überleben will, muss zuallererst sich selbst verändern. Wer von anderen Lösungen fordert, darf selbst kein Problem für die Menschengesellschaft darstellen. Also: Scheuklappen weg, Ärmel hochgekrempelt und ran an den inneren Schweinehund.

Auf heitere, unkomplizierte Weise, die gleichzeitig feierlichen Ernst in sich trägt, wird der Leser dieses Taschenbüchleins von dem hochsympathischen, vorurteilsfreien Klardenker Mulford, der einst zu einem der bedeutendsten Vertreter der amerikanischen Neugeist-Bewegung gehörte, in seinen neuen, spannenden Auftrag geleitet. Der Journalist Mulford, der sich Anfang des letzten Jahrhunderts auf ein horrend teures Kreuzfahrtschiff begeben hatte, um seine hobbypsychologischen Studien an Standard-Oil-Gründer John D. Rockefeller zu betreiben (Denn »nur ein tief unglücklicher Mensch kann derartig am Geld hängen«), hat mit diesem seit fast hundert Jahre alten Dauerbrenner-Buch den Menschen sein Vermächtnis hinterlassen: Ob es um die Macht der Gedanken, die Religion der Kleider oder Gott in den Bäumen geht, von unseren positiven wie negativen Gedanken hängt unser Lebensweg ab, ganz alleine. Und niemand kann sich herausreden!

Der Leser erkennt schnell seine neue und wichtigste Lebensaufgabe: Er kommt nicht an der sicheren Erkenntnis vorbei, dass er, will er die Welt besser machen, als allererster gefordert ist. Heiliger Ernst ist für die Lektüre absolut notwendig, die humorvollen Berichte lassen den Studierenden jedoch den zu bewältigenden Berg erheblich leichter, ja, frohgemut, erklimmen.

Was schreibt er nun, der gute, alte Prentice Mulford, der 1834 im amerikanischen Sag Harbor auf Long Island geboren wurde und dessen Name auf deutschen Wurzeln, auf dem Namen Mühlenfort, beruhte? Eigentlich sind seine Weisheiten uralt. Und wir kennen sie alle, denn sie wurden von Beginn an in unserem Gewissen verankert. Aber leider vergessen wir sie immer wieder im täglichen Geschirr, nachdem wir doch so manches Mal schon gute Vorsätze gefasst hatten. Wer Mulford liest, bleibt länger am Ball und lernt, Macht über seine Gedanken und sein Handeln zu bekommen, gehalten durch das unsichtbare Band der Selbstkontrolle.

Wie heißt es gleich im ersten Kapitel? »Unsere Gedanken formen unser Antlitz und geben ihm sein persönliches Gepräge. Unsere Gedanken bestimmen Gebärde, Haltung und Gestalt des ganzen Leibes. Die Gesetze der Schönheit und der vollendeten Gesundheit sind identisch. Beide hängen völlig von dem Zustande des Gemütes ab, oder mit anderen Worten, von der Beschaffenheit der Gedanken, die am häufigsten von uns zu anderen und von anderen zu uns strömen.«

Ja, das sind die wahren Grundlagen des positiven Denkens. Es sind die unsichtbaren, spirituellen Gesetze, die uns zum Meister unseres Lebens werden lassen, wenn wir diese denn einzuhalten lernen, egal, welches Chaos auch derzeit auf dem Globus herrschen mag. Wer dennoch frischer Dinge und im festen Glauben an das Gute wirkt, das er natürlich nicht mehr von der herrschenden Globalelite wie Politik, Wirtschaft oder Medien erwarten kann, sondern das nur noch dem vorsätzlich guten Inneren des Wohlwollenden entwächst, der wird seinen Weg machen. Den Weg zu innerer Harmonie. Und er wird letztlich das finden, was alle suchen: dieses kleine hübsche Stückchen Glück, nachdem sich alle Menschen auf dieser Welt gleichsam sehnen.

© 2011 Das Copyright dieser Seite liegt, wenn nicht anders vermerkt, beim Kopp Verlag, Rottenburg


Gedanken
sind real

von Prentice Mulford

Kapitel 1: Materielles und spirituelles Bewusstsein

Zu jedem Menschen gehört ein höheres und ein niedrigeres Selbst - ein spirituelles Selbst (oder Bewusstsein), das über sehr lange Zeit herangewachsen ist und ein körperliches Selbst, das erst gestern entstanden ist.
Das Höhere Selbst ist voller Ideen, Anregungen und Sehnsüchte.

Diese erhält es vom Allbewusstsein.

Für das niedrigere Selbst ist all das nur wildes und visionäres Zeug. Das Höhere Selbst sieht Möglichkeiten, die weit über das hinausgehen, was wir Menschenkinder erkennen können. Das niedrigere Selbst sagt, dass wir immerzu nur so weiterleben können, wie wir es bislang getan haben.

Das Höhere Selbst will frei sein; es will die Fessel der Begrenzungen, der Schmerzen und Behinderungen des Körperlichen abstreifen. Das niedrigere Selbst sagt, dass wir zum Leiden geboren seien, dass wir krank sein müssten und nicht anders könnten wie alle unsere Vorfahren.

Das Höhere Selbst will seinen eigenen Standard dafür, was richtig und was falsch ist. Das niedrige Selbst jedoch sagt, dass wir die Vorgaben der anderen zu akzeptieren hätten, dass wir uns lange gehegten Meinungen und Vorurteilen zu beugen hätten.

"Sei deinem eigenen Selbst treu", so lautet ein oft geäußerter Wahlspruch. Doch von welchem Selbst ist hier die Rede?

Vom höheren oder vom niedrigeren?

In gewisser Weise besitzen Sie zwei Bewusstseinsbereiche: Den körperlichen und den spirituellen.

Das Spirituelle ist eine Kraft und ein Rätsel zugleich. Was wir wissen, ist, dass es das Geistige oder Spirituelle gibt. Wir wissen auch, dass es ständig am Wirken ist und dass es die Ursache für alles ist, was wir über die Sinnesorgane erkennen können.

Was wir von einem Gegenstand - zum Beispiel von einem Baum, einem Stein, aber auch von einem Tier oder Menschen - sehen können, ist nur ein Teil davon.

Es gibt ein Kraft, die solche Gegenstände oder Objekte eine Zeitlang in der Gestalt, die wir sehen können, zusammenhält. Diese Kraft wirkt mehr oder weniger stark ständig auf diese Dinge ein. Sie sorgt dafür, dass die Blume zum Erblühen gelangt.

Sobald sie nicht mehr auf die Blume einwirkt, wird dies von uns als "Verwelkung" erkannt. Sie verändert die Gestalt sämtlicher Formen der so genannten geordneten Materie fortwährend. Ein Tier, eine Pflanze oder ein Mensch sind in der physischen Gestalt nicht dasselbe, was sie auch nächsten Monat oder nächstes Jahr sein werden.

Diese ständig wirkende und ständig verändernde Kraft, die alles zugrunde liegt und in gewisser Weise alles erschafft, nennen wir "Geist" oder "das Spirituelle".

Wir besitzen die Macht, diese Kraft, die wir "spirituelles Bewusstsein" nennen, so zu lenken, dass sie uns Gesundheit, Lebensglück und Seelenfrieden verschafft - sobald wir sie erkennen.

Da wir aus dieser Kraft zusammengesetzt sind, ziehen wir immer mehr von ihr an und machen sie zu einem Teil unser selbst. Je mehr wir von dieser Kraft aufnehmen, umso größer wird auch unsere Erkenntnis.

Anfänglich lassen wir zu, dass sie blind wirkt. Wir befinden uns dann einem Zustand, der als das "materielle Bewusstsein" bekannt ist.

Doch in dem Maße, in dem das Bewusstsein wächst und seine Macht zunimmt, wird es auch wacher und es stellt Fragen wie:

"Warum gibt es im physischen Leben so viel Leid, Kummer und Enttäuschung?"

"Warum scheint es, als seinen wir zum Erdulden und Verkümmern geboren?"

Solche Fragen sind der erste Schrei des Erwachens des spirituellen Bewusstseins und, ernsthaft gestellt, verlangen solche Fragen zur rechten Zeit nach einer Antwort.

Das materielle Bewusstsein ist ein Teil von Ihnen. Es gehört zum Körper und wird von ihm erzogen. Es ist so als würden Sie einem Kind beibringen, dass ein Dampfschiff von den Schaufelrädern angetrieben wird, ihm aber nichts über den Dampf erzählten. Doch die wahre Kraft kommt vom Dampf.

Mit einem solchen Halbwissen versehen, würde das Kind annehmen, dass die stillstehenden Räder der Grund seien, warum sich das Schiff nicht weiterbewegt und es würde nicht auf den Gedanken kommen, die Ursache woanders zu suchen. Doch die Reparatur der Räder wäre völlig unzureichend.
Ähnlich verhält es sich bei Menschen, die davon ausgehen, dass sie nur eine Reparatur ihres physischen Körpers vornzunehmen hätten, um gesünder zu werden, die jedoch übersehen, dass das wahre Grund im Bewusstsein liegt.

Das materielle Bewusstsein sieht, denkt und beurteilt alles ausschließlich aus der materiellen oder physischen Sicht. Es sieht den eigenen Körper und meint, dass dies alles sei.

Das spirituelle Bewusstsein sieht den Körper als Instrument des Bewusstseins oder wahren Selbsts im Umgang mit der Materie. Das materielle Bewusstsesin sieht den Tod des Körpers als das Ende all dessen, was Sie sind.

Das spirituelle Bewusstsein sieht im Tod es Körpers lediglich ein Abfallen eines ausgeleierten Instruments vom Geist. Es weiß, dass Sie genau wie vorher weiterbestehen, jedoch für das physische Auge unsichtbar. Das materielle Bewusstsein geht davon aus, dass Ihre körperliche Stärke ausschließlich von Ihren Muskeln und Sehnen kommt, nicht aber von der körperlosen Quelle.

Es sieht in Überzeugungshilfen wie der Zunge oder eine Schreibstift die einzige Möglichkeit, mit anderen Menschen auf ein Ziel hinzuwirken, während das spirituelle Bewussstsein zur rechten Zeit begreift, dass Ihre Gedanken zu Gunsten oder zu Ungunsten Ihrer Interessen auf andere Menschen einwirken, auch wenn sich diese körperlich viele tausende von Meilen entfernt aufhalten.

Für das materielle Bewusstsein sind seine Gedanken keine faktischen Elemente wie etwa Luft oder Wasser. Das spirituelle Bewusstsein weiß, dass jeder einzelne der tausende der geheimen Gedanken, welche es täglich denkt, real sind und auf das Bewusstsein des Menschen, zu dem sie gesandt werden, einwirken.

Das spirituelle Bewusstsein weiß, dass Materie nur der der Ausdruck des Geistigen ist und dass sich diese Materie ständig im Einklang mit dem Geistigen, das sich dadurch Ausdruck verschafft, verändert. Wenn der Gedanke an Gesundheit, Stärke und Wiedererholung ständig im Bewusstsein gehalten wird, wird er sich im Körper ausdrücken.

Das materielle Bewusstsein denkt ans Materielle und begrenzt sich auf das, was über die Sinnesorgane aufgenommen wird. Dies hält es für den größten Teil dessen, was existiert.
Das spirituelle Bewusstsein sieht im Materiellen den roheren Ausdruck des Geistigen und den kleineren Teil dessen, was existiert.

Das materielle Bewusstsein wird angesichts von Verfall traurig.
Das spirituelle Bewusstsein misst dem Verfall nur wenig Bedeutung bei, wohlwissend, dass der allem innewohnende Geist oder die bewegende Kraft durch diesen Verfall nur den toten Körper oder den verfaulten Baum nimmt, und ihn eine Zeitlang wieder in eine neue physische Gestalt voller Leben und Schönheit bringt.

Das materielle oder körperliche Bewusstsein meint, dass seine physischen Sinne wie Hören, Sehen oder Fühlen alle Sinne seien, die der Mensch besitzt.
Das höhere Bewusstsein weiß hingegen, dass es auch noch weitere Sinne besitzt, die den physischen zwar ähnlich, aber viel mächtiger sind.

Das materielle Bewusstsein wurde auch als "sterbliches" oder "fleischliches" Bewusstsein bezeichnet. Gemeint ist immer dasselbe, vom Körper falsch instruierte Bewusstsein.

Falls Sie von Menschen aufgezogen worden wären, die felsenfest daran glauben, dass die Erde flach sei und sich nicht um die Sonne drehe, würden Sie dies zumindest während Ihrer Kindheit glauben.

In unseren jungen Jahren nehmen wir die Gedanken und Glaubenssätze derjenigen, die uns am nächsten stehen, auf, und wenn diese Menschen der Meinung sind, dass es außer dem Körperlichen nichts gibt und alles nur anhand ihrer physischen Interpretation beurteilen, so eigenen wir uns diese Sicht an und bilden das materielle Bewusstsein heraus.

Das materielle Bewusstsein sieht das, was es für Auflösung und Verfall hält, und weiß nichts über die Tatsache, dass das wahre Selbst oder die höhere Intelligenz bei dem, was sich uns als Tod darstellt, nur eine Hülle abstreift.

Deshalb kann es Beklommenheit und Traurigkeit nicht vermeiden. Eine Folge davon ist, dass der Mensch möglichst viel Spaß und Vergnügen haben will, solange er in seinem physischen Körper weilt.

Das ist ein großer Fehler!

So gewonnene Vergnügen können nicht von Dauer sein. Sie bringen mehr Elend und Enttäuschungen als Freuden mit sich.

Das spirituelle Bewusstsein lehrt, dass Freude das große Ziel des Lebens ist. Es weist jedoch andere Möglichkeiten aus, um dauerhaftes Glück zu erlangen als die, die vom materiellen Bewusstsein kommen.

Das spirituelle Bewusstsein, das für die höheren und neueren Lebenskräfte offen ist, lehrt uns, dass es Gesetzmäßigkeiten gibt, die die Existenz jedes physischen Sinns regeln. Wenn wir diese Gesetzmäßigkeiten lernen und beachten, sind unsere Freuden und Besitztümer nicht mehr die Quelle von Leid, wie dies so oft der Fall ist.

Mit dem "spirituellen Bewusstsein" ist eine klare geistige Sicht der Dinge und Kräfte, die sowohl in uns als auch im Universum bestehen, gemeint. Leider sind diese der menschlichen Rasse überwiegend verborgen.

Wir haben nur einen kleinen Einblick in diese Kräfte, wobei einige einen klareren Blick als andere haben.

Dennoch hat sich genug gezeigt, um einige wenige davon zu überzeugen, dass die Ursachen für Krankheit, Sorgen und Enttäuschungen bisher von den Menschen nicht in der gesamten Tragbreite erkannt wurden.

Insgesamt lässt sich die menschliche Rasse mit Kindern vergleichen, die glauben, dass der Müller die Flügel der Windmühle mit seinen eigenen Armen drehen würde, weil man es ihnen so weisgemacht hat. In diesem Glauben belassen, würden sie nie erfahren, dass die eigentliche Antriebskraft der Wind ist.

Dieser Vergleich ist keinesfalls aus der Luft gegriffen; er veranschaulich die Unwissenheit der Menschen, die die Vorstellung ablehnen, dass das Denken ebenso ein Element ist wie Luft, und da Gedanken von einzelnen Menschen ebenso wie von großen Menschengruppen blindlings hin- und hergewirbelt werden, fallen die Ergebnisse bisweilen gut und bisweilen schlecht aus.

Ein Anzug ist nicht der Körper, der diesen Anzug trägt. Doch das materielle Bewusstsein sieht es so. Es sieht nur den Anzug des Geistes und weiß nicht, dass Körper und Geist zwei verschiedene Dinge sind.

Für das materielle Bewusstsein ist der Anzug (der Körper) alles, was einen Menschen ausmacht. Wenn ein Mensch aufgrund seiner Schwäche zerfällt, sieht es nur, dass der Anzug nicht mehr heil ist und deshalb richtet es all sein Bemühen darauf, den Anzug stärker zu machen, nicht aber die Macht, die den Anzug geschaffen hat.

Wahrscheinlich gibt es keine zwei Menschen, die haargenau dieselben sind, was ihr materielles und spirituelles Bewusstsein angeht.

Bei einigen Menschen scheint das spirituelle Menschen völlig am Schlummern zu sein. Bei anderen hat es bereits begonnen, sich ein wenig zu strecken und sich die Augen zu reiben. Das Meiste erscheint jedoch nach wie vor verschwommen und unklar.

Andere sind bereits hellwach.

Diese Menschen fühlen in unterschiedlichem Maße, dass Kräfte zu ihnen gehören, von denen sie vorher nie etwas gehört haben. Bei diesen Menschen ist der Zwiespalt zwischen dem materiellen und dem spirituellen Bewusstsein häufig am stärksten und nicht selten werden diese inneren Kämpfen von körperlichem Unwohlsein oder Schmerzen begleitet.

Solange das materielle Bewusstsein noch nicht von den Wahrheiten überzeugt ist, befindet es sich in einem ständigen Kriegszustand mit dem spirituellen Bewusstsein. Dem unwissenden Teil von Ihnen gefällt es gar nicht, dass er seine langgehegten Denkgewohnheiten aufgeben soll. Es kostet Mühe, sich daran zu gewöhnen, dass wir uns einer Täuschung hingegeben haben und dass wir umzudenken hätten.

Je dicker das verkrustete Denken im Laufe der Jahre geworden ist, umso mehr ist ihm jede Änderung zuwider. Es möchte so weitermachen wie bisher, wie ein Ewiggestriger, der sich nach der Mode der Vergangenheit kleidet und jeden Tag um dieselbe Zeit zur Arbeit geht.

Ab einem gewissen Alter lehnt es die Vorstellung ab, hinzulernen zu müssen. Der Malerei oder der Musik, welche den Geist in neue Bahnen lenken und ihm Muse vergönnen, kann es sich dann nicht mehr hingeben.

Das materielle Bewusstsein sieht nur dann etwas Nützliches in einer Kunst, wenn es ihm Geld verschafft. Nur der Abwechslung willen oder um auf neue Gedanken zu kommen oder mehr Vitalität und Gesundheit zu erlangen, einer Kunst nachzugehen, ist ihm wesensfremd.

Es bildet sich ein, es sei "zu alt zum lernen".

Das ist der Zustand, den viele Menschen in der Mitte ihres Lebens erleiden. Sie wollen "langsamer machen". Sie zählen sich zum "alten Eisen". Ihr materielles Bewusstsein sagt ihnen, dass es von nun bergab gehe, dass wie jetzt immer schwächer würden und dass der Verfall ständig näher komme.

Das materielle Bewusstsein sagt, dass dies immer schon so gewesen sei. Deshalb müsse es auch künftig so sein. Diese Vorstellung wird nicht weiter hinterfragt.

Diese Leute sagen sich: "Das ist unvermeidlich!"

Zu sagen, dass etwas unvermeidlich sei, heißt, ihm die Kraft zur Unvermeidbarkeit zu verleihen. Das materielle Bewusstsein sieht dann, dass der Körper immer schwächer wird, auch wenn ihm dies nicht gefällt, und verdrängt dies immer mehr.

Doch ab und zu drängt sich diese Vorstellung wieder auf. Gleichaltrige versterben und so meldet sich wieder der Gedanke, dass dies eben der "Lauf der Dinge" sei - was mehr zum Verfall beiträgt.

Das erleuchtetere spirituelle Bewusstsein sagt: "Wenn du Krankheit fernhalten willst, denke mehr an Gesundheit, Stärke und Vitalität. Achte auf starken und kräfte Dinge, zum Beispiel vorüberziehende Wolken, frische Meeresluft, Wasserfälle, Baumlandschaften oder Vögel voller Leben und Beweglichkeit. Denn dadurch ziehst du gesunde und lebensspendende Gedanken an.

Vor allem aber bemühe dich darum, dieser Höheren Macht zu vertrauen, die diese Dinge und noch viel mehr erschaffen hat und welche der endlose und unerschöpfliche Teil deines Höheren Selbst - oder spirituellen Bewusstseins - ist, und je mehr Glauben du in diese Macht setzen kannst, umso mehr Macht wirst du selbst erlangen."

"Unsinn" - erwidert das materielle Bewusstsein. "Wenn mein Körper krank ist, muss ich etwas haben, um ihn zu heilen. Ich brauche etwas, dass ich sehen und anfassen kann. Das ist das Einzige, was ich tun kann. Wie ich denke, spielt überhaupt keine Rolle für meine Gesundheit."


Ein Bewusstsein, dem diese Zusammenhänge neu sind, das aber gerade am Erwachen ist, wird sich in vielen Fällen von seinem eigenen materiellen und ungebildeten Bewusstsein diese Zusammenhänge lächerlich machen lassen. Dazu kommt die Wahrscheinlichkeit, dass es von den materiellen und unwissenden Bewusstseinen seiner Mitmenschen tatkräftige Schützenhilfe erfährt.

Dies sind Menschen, die nicht so weit sehen können wie ein anderer mit einem Fernrohr, und welche das, was der durch das Fernrohr Blickende erkennen kann, ernsthaft ablehnen. Auch wenn diese Leute kein einziges Wort sprechen oder mit dem anderen, dessen Bewusstsein teilweise bereits weiter entwickelt, nicht diskutieren, wirken ihre Gedanken doch auf das Bewusstsein des Fortgeschritteneren ein und vernebeln ihm den Blick.

Sobald sich spirituelle Bewusstsein jedoch angeschickt hat, wach zu werden, kann es durch nichts davon abgehalten werden, noch wacher zu werden, auch wenn das materielle Bewusstsein alles daran setzt, dies zu verhindern.

"Manchmal kann sich dein wahres Selbst auch an einer Stelle aufhalten, wo dein Körper nicht ist"", sagt das spirituelle Bewussstsein. "Es ist dort, wo dein Bewusstsein ist - in der Firma, in der Werkstatt oder bei dem Menschen, der dir lieb ist, und diese Orte können weit von dem Platz entfernt sein, wo dein Körper derzeit ist. Dein wahres Selbst bewegt sich mit einer unwahrscheinlich rasanten Geschwindigkeit."

"Unsinn" sagt das materielle Bewusstsein. "Ich bin dort, wo mein Körper ist und nirgendwo sonst."

Viele Gedanken, die du als visionär, als Hirngespinste oder Einbildungen ablehnst, kommen von deinem spirituellen Bewusstsein. Abgelehnt werden sie nur von deinem materiellen Bewusstsein.

Es kommt keine dieser Ideen, ohne dass sie auch eine Wahrheit enthalte. Doch diese Wahrheit zeigt sich vielleicht nicht sofort auf vollkommene Weise. Vor zweihundert Jahren mag es ein Bewusstsein gegeben haben, dass den Dampf als Antriebskraft gesehen hat. Doch dieser Dampf konnte nicht so genutzt werden, wie wir dies heute tun. Es musste zunächst ein Wachstumsprozess durchlaufen werden - wir brauchten erst gewisse Verbesserungen bei der Herstellung von Eisen, beim Straßenbau und bei den Ansprüchen der Menschen.

Dennoch war die Idee als solche bereits Wahrheit.

Indem sie von mehreren Bewusstseinen festgehalten wurde, konnte sich Dampf als Antriebskraft in der heutigen Perfektion herausbilden, auch wenn dumme, materielle und wissende Bewusstseine dagegen gekämpft haben und diese Barrieren erst überwunden werden mussten.

Wenn Sie eine Idee haben und sich im Grunde sagen: "So etwas kann ich mir durchaus vorstellen, auch wenn ich jetzt noch nicht erkennen kann, wie das gehen soll", beseitigen Sie eine große Hürde auf dem Weg zu ihrer Verwirklickung.

Das spirituelle Bewusstsein kann heute eine ihm innewohnende Macht sehen, um in der physischen Welt Ergebnisse zu verwirklichen, von denen die Massen keine Vorstellung haben.

Was die Möglichkeiten des Lebens betrifft, stecken wir nach wie vor in tiefer Unwissenheit. Das spirituelle Bewusstsein kann das erkennen. Es sieht aber auch einige Dinge, zum Beispiel vollkommene Gesundheit, Freiheit vor Verfall, Schwäche und Tod des Körpers, Reisen unabhängig vom Körper und Methoden, um über stilles Denken notwendige und wünschenswerte materielle Dinge zu erhalten, die einzeln oder in Zusammenarbeit mit anderen erreicht werden können.

Der erstrebenswerte Geisteszustand ist die völlige Beherrschung des spirituellen Bewusstseins. Das bedeutet keinesfalls Herrschaft im Sinne einer tyrannischen Machtausübung des spirituellen Bewusstseins über das materielle Bewusstsein!

Es bedeutet lediglich, dass das materielle Bewusstsein so weit beiseite gedrückt wird, dass sein sturrer Widerstand und seine Gegnerschaft gegenüber Eingebungen aus dem spirituellen Bereich keinen Schaden mehr anrichten können.

Es bedeutet auch, dass der Körper ein williger Diener oder Helfer des Geistes wird und dass sich das materielle Bewusstsein nicht mehr als die vorherrschende Kraft durchzusetzen versucht, wo es doch in Wirklichkeit eine untergeordnete Rolle einnimmt. Dann kann der Körper als Erfüllungsgehilfe des spirituellen Bewusstseins seine Mitarbeit freudig andienen.

Dann ist die gesamte Macht bei Ihrem Geist. Um der Feindseligkeit des materiellen Bewusstseins entgegen zu wirken, bedarf es dann keines Kraftaufwandes mehr.

Dann wird die gesamte Kraft für die Förderung unserer Unternehmungen eingesetzt, damit wir materielle Güter erhalten, uns weiterentwickeln, Seelenfriede und Glück erlangen, und das erreichen, was bislang "Wunder" genannt wird.

Weder das materielle Bewusstsein noch der physische Körper sollen überrannt und mit dem spirituellen Bewusstsein verflochten werden, indem wir strenge Selbstzensur oder Selbstverleugnung anwenden oder uns eine Selbstbestrafung oder eine asketische Lebensweise auferlegen.

Das würde Sie nur zu einem härteren, gnadenloseren und verbittertem Menschen machen, und Sie würden weder sich selbst noch Ihren Mitmenschen einen Gefallen damit erweisen. Aus dieser Verdrehung der Wahrheit sind solche Formulierungen wie "Kreuzigung des Körperlichen" oder "Unterwerfung des tierischen Bewusstseins" entstanden.

Solche verquere Denkweisen haben dazu geführt, dass Menschen in das andere Extrem verfallen und in Selbstbestrafung und Selbstverleugnung etwas Heiliges sehen.

"Heilig" beinhaltet, dass etwas "heil" im Sinne von "ganz" ist. Ein gesamtheitliches Wirken des Geistes auf den Körper beziehungsweise die vollkommene Kontrolle des Körperlichen durch das Geistig-Spirituelle.

Wenn Sie aufgrund der Aggressivität des materiellen Bewusstseins, oder der Anwandlungen schlechter Launen oder von Exzessen die Geduld mit sich selbst verlieren, tun Sie niemandem etwas Gutes, sondern richten nur Schaden an.

Sie sollten sich nicht selbst ausschelten, ebenso wenig wie Sie dies mit jemandem anderen tun sollten. Sie würden dadurch nur Energie in diese Abwertung bringen und sie vorübergehend zu einer Realität machen.

Wenn Sie sich selbst der Sünde bezichtigen, machen Sie dies unbewusst zu Ihrem Ideal und wachsen unbewusst in diese Haltung hinein, bis sich das Leidvolle, das mit einem derart ungesunden Wachstum einher geht, gegen Ihren Körper wendet. Eine solche Geisteshaltung führt zur Härte, zu einem fehlenden Mitgefühl, zu unbeugsamen und ungesunden Einstellungen und in der Folge auch zu körperlichen Beschwerden.

Wenn das materielle Bewusstsein aus dem Weg ist, mit anderen Worten, sobald wir uns von der Existenz der geistigen Kräfte in uns selbst und außerhalb von uns überzeugt haben, und wenn wir damit richtig umgehen können (denn auf irgendeine Weise haben wir sie auch bisher schon genutzt), werden, um Paulus zu zitieren, der "Glaube zum Sieg" und die Stachel und Angst des Todes beseitigt. Dann wird das Leben ein siegfreiches Voranschreiten von der heutigen Freude zur noch größeren morgigen Freude und "leben" ist dann gleichbedeutend mit "genießen".

Abschliessender Hinweis auf HEILWISSEN 1898 von CARL HUTER (1861-1912) by Medical-Manager Wolfgang Timm, Husum-Schobuell, publiziert digital vollstaendig im Auftrag von CARL-HUTER-ZENTRAL-ARCHIV auf Haupt-Web-Praesenz www.CHZA.DE .