Mittwoch, 12. Oktober 2011

BANKENKRISE 2.0: TRICHET. (HELIODA1)

Trichet wird plötzlich »ehrlich«
Michael Grandt
Erst jetzt, als der Chef der EZB aus dem Amt scheidet, wird er plötzlich »ehrlich« und spricht Dinge aus, die er sich zu seiner Amtszeit wohl nie getraut hätte: Die Finanzstabilität als Ganze sei gefährdet.

Jean-Claude Trichet, der scheidende EZB-Präsident, der Anfang November als EZB-Chef von dem Italiener Mario Draghi abgelöst wird, entdeckt plötzlich einen Sinn für klare und ehrliche Worte und fordert überraschenderweise vor EU-Parlamentariern im Wirtschafts- und Währungsausschuss des


Europaparlaments die Regierungen auf, gemeinsam und rasch zu handeln, da die Euro-Krise »systemische Dimensionen erreicht« habe und bereits von kleineren auf größere EU-Staaten übergesprungen sei.

Solche Worte hätten wir uns schon viel früher gewünscht und nicht erst jetzt, da das Kind in den Brunnen gefallen und die Bankenkrise 2.0 schon da ist. Komisch, dass Trichet ausgerechnet seinen letzten Auftritt vor dem EU-Parlament dafür nutzte und die Lage in ungeschönter Form präsentierte: »Wenn Probleme auftauchen, müssen sie so schnell und wirksam bekämpft werden wie möglich (…) Entscheidungen müssen getroffen werden – und zwar so schnell wie möglich.« Die Staatsschuldenkrise habe zwischenzeitlich »globale Ausmaße« angenommen, so Trichet weiter. Und er ergänzte: »Die hohe Schwankungsanfälligkeit an den Aktienmärkten zeigt, dass sich die Spannungen weltweit über die Kapitalmärkte ausgebreitet haben.« Er warnte vor »Ansteckungsrisiken« der stark vernetzten Finanzbranche, die die Finanzstabilität in der EU als Ganze beeinträchtigten. Trichet sieht zudem »aufwärtsgerichtete Risiken« für eine Ausweitung der Krise.
Kein Wort davon, dass der Chef der EZB durch den Anleihenkauf de facto bankrotter EU-Staaten die Krise noch verschärft hat und dass, wenn die europäischen Staaten jetzt wieder neues Geld aufnehmen, um die Banken wieder zu stützen (so wie er es auch befürwortet), die Sorge der Investoren über die Rückzahlungsfähigkeit der Staaten sich noch weit verschlimmern könnte.
Trichets dramatischer Appell zeigt zweierlei:
Erst wenn sie die Verantwortung abgeben, werden manche Verantwortlichen plötzlich »ehrlich«, und
die Bankenkrise ist bereits so dramatisch, wie es die größten Pessimisten wohl nicht voraussehen konnten.
_____________________
Quelle für die Zitate:
Wirtschaftsblatt




Interesse an mehr Hintergrundinformationen?

Werfen Sie einen Blick hinter die Kulissen der Macht – und erfahren Sie, was die Massenmedien Ihnen verschweigen!

© 2011 Das Copyright dieser Seite liegt, wenn nicht anders vermerkt, beim Kopp Verlag, Rottenburg