Sonntag, 25. April 2010

FRÜHLINGS-ERWACHEN (HELIODA1)




FRÜHLINGS-ERWACHEN
Annalise Rupp


Liebe Leserinnen und Leser
Wenn zwischen rauschenden Wipfeln die Frühlingswinde wehen und durch die wärmenden Sonnenstrahlen schlummerndes Leben neu erwacht, bereitet sich alles zu einem neuen Werden vor. Nach einer langen Winterzeit durchflutet jeweils ein glückliches, geheimnisvolles Weben die Natur und wir spüren, dass etwas Neues, Schönes, Glückliches mit unserer Erde vor sich geht. Sicher empfinden Sie ähnlich wie ich, wenn uns jeweils der Frühling mit seinem frischen Grün, mit seinem Blühen und Düften und der Vielfalt seiner Formen und Farben umhüllt und in uns ein freudiges Lebensgefühl auslöst. Man möchte die Welt in ihrem Reichtum an wiedererwachendem Leben geradezu umarmen, denn der Mensch wird vom Frühlingserwachen zu neuem Glauben, neuen Taten angeregt, tiefer fühlt er die Lebensimpulse schlagen und neues Leben, Lieben und Hoffen geht in ihm auf.



Krokuswiese [Hinzugefügt]
Über das Geheimnis dieses Werdens in Natur, All und Leben hat der Mensch stets nachgedacht, gesucht und geforscht. Feinempfindende Menschen, Künstler, Dichter und Ethiker fühlten seit jeher, dass etwas Grosses, Unsichtbares, Erhabenes und Göttliches allem Weltdasein zugrunde liegen muß. Wissenschaftler gingen einen anderen Weg, sie durchforschten die Materie, fanden die Bausteine der Natur- und Lebensformen, die Atome und Moleküle, erkannten viele chemische und physikalische Vorgänge und erleichterten durch ihre Erkenntnisse und die daraus entwickelten technischen Fortschritte dem Menschen das Leben. Die Theologen suchten die Antwort in der Erklärung, dass Gott die Welt und das Leben erschaffen habe.






Hauptwerk [Hinzugefügt]
So entstand eine große Kluft zwischen Gefühl und Verstand, zwischen idealem Gestalten und realem Denken, die Carl Huter durch seine vergeistigte Naturwissenschaft überbrückte. Er erkannte, dass die Materie nicht absolut tot ist, entdeckte die Empfindungskraft als dritte primäre Energie in allem Sein und lehrte uns: «Leben ist Strahlkraft». Denn wo sich das Empfinden in bestimmten Stoffteilchen, die sich sympathisch zusammenfügten, stark sammelte, da erwachte unter günstigen Bedingungen das Leben, das Selbstempfinden. So entstand vor langer Entwicklungszeit zuerst das lebende Eiweiß, bei weiterer Entwicklung die ersten Zellgebilde, aus denen sich Urpflanzen und Urtiere entwickelten, bis durch natürliche Schöpfungsperioden das Leben höher anstieg und der Mensch über die Erde schritt. Es ist also die Empfindungsenergie, die alles Werden vom Niederen zu immer höherer Wertigkeit anfacht und eine Verfeinderung und Vervollkommnung allen Lebens auf Erden erstrebt.

Das Leben ist eine oft lange, beschwerliche Pilgerreise, an deren Ende schon so mancher die Frage aufwarf: «Wozu war´s eigentlich? » Wer als aufrechter Mensch seinen Weg dahinwandeln will, sich und der Umwelt gerecht, dem wird der Himmel selten voller Geigen hängen und er wird lernen, das man ein Tor ist, wenn man immer auf das große Glück hofft, das wie eine verwunschene Prinzessin im Märchenwalde plötzlich in himmlischem Glanze vor einem steht, alle Sorgen in Freude, alles Leid in süße Erfüllung wandelnd. Wir müssen immer wieder neu erkennen, dass das Glück des Lebens in treuer Pflichterfüllung besteht und in ganz kleinen, unscheinbaren Freuden, die am Lebenswege blühen.


Enzian
Es gibt viele Dinge, die unser Leben erfreuen, die uns glückliche Stunden bereiten und aus denen wir neuen Mut und neue Kräfte gewinnen können. Es gibt Menschen, denen zum Beispiel die Musik eine Art Gottesdienst bedeutet, denn gute Musik, deren tieferes Verständnis man langsam erwerben kann, löst das Leid in unserer Brust, macht unsere Seele frei und läßt uns wieder an das Gute glauben. Kunst ist immer «Dienst am Schönen», und so wird uns die Beschäftigung mit jeder Art von Kunst, sei es die Betrachtung von großen Meisterwerken der Dichtung oder auch der Malerei, vom Alltag ablenken, fördern und erheben. Was für ein wundervoller Freund vermag stillen, und einsamen Stunden auch ein gutes Buch zu sein! Vielen unter uns sind sicher auch die Welt- und Lebenslehren von Carl Huter ein treuer Begleiter, der uns anleitet, die Dinge richtig zu sehen und zu bewerten, der uns aber auch über sie und über uns selbst hinaushebt und uns zu einer neuen Weltanschauung führt. Einer der größten Tröster und Freudenbringer aber ist die Natur selbst. Sie allein ist klar und wahr, und auch das Größte, das der Mensch schafft, wird immer nur ein Abklatsch der Natur sein. Lieblich und ernst, drohend und feierlich, einschmeichelnd und kalt kann die Natur sein und es gibt Menschen, die sie in der Einsamkeit, dort wo sie am größten ist, im Hochgebirge, kaum zu ertragen vermögen. Doch in ihrem Schoß werden wir, wenn wir sie schweigend und andächtig durchwandern, wieder zu kleinen Menschen, auch wenn wir uns in der selbstgeschaffenen Stadt mit all ihren künstlichen, modernen Einrichtungen so mächtig fühlen. Doch am Herzen der Natur versinkt das Leid, das allein von Menschen verursacht wird. Hier sind wir dem Urseelenhaften, dem wir alle entstammen, hier sind wir dem Weltgeist näher als sonst. So ist und bleibt die Natur unser bester Freund. Wie groß, wie wundervoll erhaben steht sie inmitten aller menschlichen Unrast, menschlicher Unvollkommenheit und menschlicher Niedrigkeit. Sie hat alles menschliche Suchen, Kämpfen, Vollbringen und Versagen überdauert und in ihrem Arm finden wir Ruhe, Frieden und Vergessen. Denn die Schönheit und Harmonie der Natur ist ein Zeichen des Reichtums an Empfinden, das in der gesamten Erdennatur liegt, und wenn wir diesen Reichtum des Empfindens und Strebens nach schönerer glücklicherer Entfaltung in uns aufnehmen, dann nehmen wir teil an der glücklichen Natur unserer Erde. Wir setzen uns in Harmonie mit ihr und diese Harmonie überträgt etwas von ihrer Schönheit und Ausgeglichenheit auch auf uns selbst.

In andächtiger Beschaulichkeit der Natur können wir den Geist der Liebe erkennen, den diese in sich trägt und der mit jedem Frühling mit gewaltiger Schöpferkraft neues Leben zur Entfaltung bringt. Wenn wir begreifen, dass die Natur für unser Wohlergehen alles Notwendige geschaffen hat und in so reichem Masse zur Verfügung stellt, dann kommen wir nicht umhin, diese Erdennatur zu lieben und ihr dankbar zu sein. Aus dieser Liebe und Dankbarkeit fließt aber auch eine Verpflichtung. Wir sollten nur den besten Gebrauch machen von allen Gaben der Natur, ihr mit Bescheidenheit und Ehrfurcht gegenüber treten und alles vermeiden, was diese glückliche Erdennatur und all ihre Geschöpfe irgendwie in Gefahr bringt.



Biene
Es ist tatsächlich erschütternd zu sehen, wie viel Menschenwerk dem Plan der Natur entgegengesetzt ist. Vernichtung von Pflanzen und Tiergattungen, Zerstörung des biologischen Gleichgewichts, Vergiftung von Wasser, Luft und Erde durch eine Technik, die zu einem Fluch, der heute alles Leben mit Vernichtung bedroht.

Der Mensch verstrickt sich in einen großen Irrtum, er sieht sich nicht mehr als einen Bestandteil der Natur, sondern glaubt, über ihr zu stehen, nutzt sie rücksichtslos für seine Zwecke und unterwirft einen immer größeren Teil der Biosphäre seinen Interessen. Leider endete auch die letzte Uno-Klimakonferenz 2009 in Kopenhagen mit Ernüchterung. Nachdem 25 Staaten eine Erklärung zum Klimaschutz ausgehandelt hatten, wurde diese von der Vollversammlung lediglich zur Kenntnis genommen und bleibt damit unverbindlich. Umkehr tut Not! Zu lange haben wir uns über die Natur hinweggesetzt, sie ausgebeutet, ihre Zerstörbarkeit übersehen und nicht begriffen, dass wir unseren wichtigsten Besitz verschleudern. Leider setzt sich nur nach und nach die Erkenntnis durch, dass wir den verkehrten Weg gegangen sind und nun lernen müssen, unserer Mutter Erde endlich mehr Sorge zu tragen. Wir sollten uns darüber hinaus bemühen, das Glücksgefühl in der gesamten Erdennatur nicht nur zu erhalten, sondern auch zu steigern. Nur aus einer glücklichen Natur, aus einer glücklichen Lebenswelt um uns können wir unser eigenes Glück fördern und ausbauen. Sich in Harmonie mit der Umwelt zu setzen, ist daher nicht nur Selbstlosigkeit, sondern elementares Gesetz und im Interesse unserer Selbsterhaltung. Das heißt nicht mehr und nicht weniger, als dass wir klug und einsichtig wirtschaften und haushalten müssen mit den Gaben der Natur.


Steinbrech
Irgendwie ist die von Menschenhand unberührte Natur immer vollkommen, biologisch im Gleichgewicht und von Schönheit erfüllt. Und wo Naturkatastrophen erfolgt sind, Bergstürze, Überschwemmungen, Waldbrände durch Blitzschlag oder Vulkanausbrüche, immer heilt die Natur die Wunden wieder zu, ja sie erzeugt sogar Tier- und Pflanzengattungen, die gerade an solchen Stellen überleben können. Denn mit unendlicher Liebe und Geduld arbeitet die Natur an der Vervollkommnung unserer Lebenswelt, schöner, edler, glücklicher will sie das Leben entfalten. Daher nehme man die Lehre vom Empfindungsvermögen in der gesamten Erdennatur ernst, richte sich danach, suche das Empfinden nicht zu verletzen, nicht zu stören, sondern sich mit der Allseele, mit dem Allempfinden, dem Empfinden und der Erdseele in Harmonie zu setzen. Nur wenn wir die Erhabenheit der Natur voll empfinden können, den Zauber der Frühlingsluft, die erwachende Blütenpracht und die andächtige Stimmung spüren, die vom Firmament ausgeht, dann erkennen wir, dass das Leben voller Schönheiten, die Welt voller Zauber ist, und manche fehlgeschlagene Hoffnung, mancher unerfüllte Wunsch mag und klein und töricht erscheinen gegenüber der Größe rings um uns. Der von Jacques Rousseau berühmt gewordene Ruf «zurück zur Natur» muß in unserem Kulturleben heißen, dass wir uns selbst den Zusammenhang mit der Natur suchen müssen, um uns ihrer Göttlichkeit bewußt zu werden. Denn im Empfinden liegt der Impuls, der Antrieb zum großen Werden. Aus dem Empfinden heraus erfolgte der Anstoß zur Evolution, die zweckgerichtet ist und einem Ziel zustrebt. Sie schuf Atome und Moleküle, Sonnen und Planeten, Weltsysteme und die Größe des Alls. Sie schuf aus empfindenden Kräften auch das Leben in all seinen Formen. Auch wir Menschen sind durchdrungen von der unermeßlichen Gewalt des Kosmos, vom Allzusammenhang seines Baus und seiner Kräfte. Doch wie uns das kosmische Ganze seine Spuren teils sichtbar, teils unfaßbar und wirkend aufprägt, so graben auch wir dem Antlitz der Ewigkeit feinste Merkmale ein durch die Wirkungen, die von unserem Leben bewußt und unbewußt ausgehen. Je unvollkommener, reiner ein Gedanke, ein Werk, ein Gefühl ist, desto tiefer sind die Fährten, die wir nicht nur auf Erden, in der menschlichen Kultur, sondern darüber hinaus im Kosmos hinterlassen. Zwar ist im Vergleich zu den Möglichkeiten der kosmischen Welt die Kraft unserer menschlichen Erkenntnis winzig klein. Nur durch ein schmales, kleines Fensterchen schauen wir in die Unendlichkeit hinaus. Aber wenn es auch nur wenige Farben und Lichter, nur spärliche Lautes sind, die wir vernehmen, so sind sie für uns doch Boten eines unfaßbar Grossen und Vollkommenen. So begreifen wir die Natur, die Liebe und den unbewußten Drang nach Höherem, der allem Entwicklungsgeschehen zugrunde liegt. Jahrmillionen haben die Natur verschwenderisch geschaffen, gewebt und gewirkt, um die Erde zu einer Heimstatt für die Lebenswelt werden zu lassen. Menschen aller Zeiten haben deshalb Ehrfurcht empfunden vor dem Unerkennbaren, das hinter den uns sichtbaren Dingen liegt.





Schmetterling
Die große Entwicklungsgeschichte des Alls, welche das Äußere, die gewaltige Größe und ihre materiellen Erscheinungen und unsere Lebenswelt erfaßt, und darüber hinaus die Innerlichkeit und Tiefe des Raumes, in welcher sich die geistige Entwicklung fortsetzt bis zur Gottheit, wurde von Carl Huter beschrieben.

Dieser alles umfassenden Weltanschauung können wir folgen, denn mit ihr setzen wir uns nicht über die Natur, sondern stehen mitten in ihr, denn das Leben, welches wir hier auf unserer Erde finden, kommt aus der natürlichen Entwicklung des Seins, erreicht den irdischen Gipfelpunkt und strebt nach einem höheren geistigen Sein in der Kleinheit und Tiefe des Raumes. Steigerung, Konzentration des Empfindens zu immer größerer Feinheit, Tiefe und Vollkommenheit und damit größere, tiefere und weitergreifende Liebe ist das Ideal des Entwicklungsgeschehens, das mit der Entstehung des Lebens in die Welt trat und das unendlich vervollkommnungsfähig ist, in wundervoller Regelmäßigkeit wechseln Frühling und Sommer, Herbst und Winter tausendfache Erscheinungen in Feld und Wald, in Luft und Wasser hervorrufend.

Aus dem Unsichtbaren scheint Leben zu entstehen, begabt mit Kräften und Empfindungen. Droben am Firmament wandern in ewigen Reigen die fernen Lichter der Sterne, glüht die Feuerkugel der Sonne.



Vogelnest
Für uns Menschen birgt das ewige Naturgesetz immer wieder neue Wunder in sich. Wie macht es nur die gelbe und weiße Masse im Vogelei, dass sie den kleinen Federball zusammenfügt, mit Aug, Ohr und Schnabel? Was für geheimnisvolle Kräfte wirken in der kleinen grünen Kugel, die wir Erbse nennen und die, der Mutter Erde übergeben, die Pflanze baut, der sie selber entstammt? Wer lehrt die winzige junge Spinne, die keine Anweisungen erfährt, das Netz zu weben, und warum gleicht ein Haus der Wiesenschnecke dem einer anderen?

Selbst Goethe mußte bei einer geruhsamen Frühlingswanderung eingestehen, dass dieses junge Werden, das Millionen Quellen öffnet, ein geheimnisvolles Wunder sei. Eines aber ist uns klar: Nichts in der großen Natur besteht losgelöst für sich allein, alles umschließt ein wunderbares Band, alles wirkt miteinander und füreinander. Vergessen wir auch niemals, dass nichts, auf dieser Welt ewig und unwandelbar ist, dass im Grunde alles fließt! Unmittelbar erleben wir die Konstanz des Individuellen im steten Wandel auch an uns selbst. Keiner ist als Erwachsener, was er als Kind war. Zahlreiche Anlagen, Begabungen, Seelenstimmungen, Gefühle und Eigenschaften der Kindheit verschwinden aus unserem Wesen. Ununterbrochen sterben Teile unseres körperlichen und seelischen Organismus, und ständig wird Neues in uns geboren. Dennoch bleibt durch all die Veränderung hindurch etwas beständig, das wie ein Kristallkern alles Vergehen überdauert. Dies zeigt uns, welche Vollendungsweiten in der menschlichen Natur schlummern und was die Schöpfung mit dem Menschen vorhat. Langsam entringt sich der Geist dem versagenden Körper, bereitet sich vor zum Aufgehen in neue, beseeltere Stufen des Daseins.



Veilchen
Die Entwicklung drängt stets weiter, sie strebt ferneren, höheren Zielen zu. Und im Streben nach Vollendung, im Drang nach immer reicherer Gestaltung der Kräfte, nach Erweiterung über die Grenzen unseres irdischen Seins hinaus, lebt darum mehr als ein vergängliches Wünschen, als trügende Hoffnung oder Selbstüberschätzung. Was allen Angriffen und Rückfällen zum Trotz durch die Jahrtausende hindurch sich immer stärker entfaltet, hervorbricht aus der Tiefe unseres Wesens, dieses Sehnen nach einer unabsehbar sich fortsetzenden Vollendung, zu dem das irdische Dasein nur eine Stufe bildet, es kündet von Gesetzen, die tiefer gründen als in unserem Vergänglichen. Die Naturwissenschaft kann allein die Welträtsel nicht lösen und noch weniger das, was hinter der sichtbaren Welt steht, doch wo wir einzelne Zusammenhänge erkennen, da ist es uns nicht gänzlich verwehrt, uns vom Unzugänglichen ein Bild zu machen. Immer ergriffener erkennen und fühlen wir die innige Verflochtenheit von Himmel und Erde, von Mensch und Ewigkeit. Das Göttliche ist eine Sehnsucht, die tief im Herzen der Menschen wurzelt, es ist das erschauernde Ahnen, dass hinter den Rätseln ein großes geistiges Prinzip steht, das die Vollendung ist, das Gute und Ewige, dem alles Lebendige zustrebt.

Dem unerbittlichen Gesetz des Werdens und Vergehens ist alles im Kreise der Natur unterworfen, und alles Leben strebt nach Vollendung und im Ziel aller Tage nach dem Einswerden mit dem Göttlichen. Unsere Aufgabe ist es, dem fernen Strahl des Lichts zu folgen, der aus dem Himmel über uns und aus den Tiefen in uns mit Macht hervorbricht.


Schwefelanemone
Immer sollten wir auch daran denken, dass die Liebe zum Mitmenschen das Höchste ist und bleibt. Liebe erzeugt Liebe! Ein Herz haben für des Mitmenschen größeren oder kleineren Leid, ein freundliches Wort oder auch einmal eine freundliche Tat, denn noch leidet der Mensch am Menschen. Ein Lob auch den kleinen Freuden, denn das Große im Leben eines Menschen ist sehr selten, sowohl der große Schmerz wie die große Freude. Es sind die unzähligen kleinen Schmerzen, die uns zermürben, und es sind die kleinen Freuden, die uns erheitern und die uns sagen lassen, dass das Leben trotz allem wunderschön ist. Die große Kunst besteht nur darin, diese kleinen Freuden überhaupt zu sehen, zu finden und zu empfinden.

So ähnlich wie das Frühlingserwachen auf die tief empfindenden Menschen einwirkt, so bringt auch eine allumfassende Weltanschauung Licht und Hoffnung in unser Dasein. Wir Menschen sind Kinder dieser Erde, und erst nach der Harmonie mit dem Irdischen kann die Harmonie mit dem Göttlichen folgen. Daher lernen wir zuerst Menschenkenntnis, um uns selbst, um unsere eigene Natur zu erkennen, besser zu verstehen und um danach zu handeln. Die Geistes-, Jenseits- und Gotteserkenntnis kann nur auf diesen realen, uns zugänglichen, nachprüfbaren und erfaßbaren Tatsachen aufbauen und gestaltet werden. Auf diese Weise werden wir im Geiste und in der Tat zu Kallisophen, leben nach der Wahrheits- und Schönheitslehre, zu der Carl Huter durch seine Forschungen und Entdeckungen kam und in der die Entdeckung des Empfindungsvermögens der Materie eine zentrale Rolle spielt.

Eine Weltanschauung, welche die Empfindungsfähigkeit und die Beseeltheit der Materie anerkennt, die mit dem Höherstreben der Natur in Einklang steht, führt zu innerem Glück, zur Harmonie mit sich selbst und der Umwelt. Möge deshalb die Harmonie und Schönheit in unseren Herzen stets einen Platz finden und uns so Anteil nehmen lassen an der tief empfundenen, Liebe und Schönheit schaffenden Natur, denn durch Ehrfurcht vor ihr erschließt sich unser ganzes Sein und Werden.






Die Sprache der Augen
DIE SPRACHE DER AUGEN

Schematische Darstellung des Seh-Vorgangs, der mit der Licht- oder Farbenreizregistratur einen sehr komplizierten Prozess beschreibt, an dem chemische Vorgänge genauso teilhaben wie physiologische und psychische.
Licht ist im psycho-somatischen Sinne noch gar nicht ausreichend definiert und nach Erkenntnis Carl Huters ist der Licht-Anteil, den das Individuum aus dem Universum zu seiner Lebensentfaltung braucht, sehr eng verbunden mit dem konzentrierten Lichtanteil, den es selbst in jeder Zelle im Centrosoma aktivieren kann und das besonders in Erscheinung tritt, wenn geistige Bewußtseinsabläufe zu bemerken sind.


Wie die Natur im Auge Geist und Leben offenbart.
WIE DIE NATUR IM AUGE GEIST UND LEBEN OFFENBART.

In den Augen strahlt der innere Lebens-, Licht- Strahlkraftanteil konzentriert aus. Aufnahme durch die Pupille, Rückstrahlung durch die Iris.
Im Iris- Diagnose- Bereich ist das verdeutlicht.

Ausdrucksareale der Augenumgebung
AUSDRUCKSAREALE DER AUGENUMGEBUNG
1. Motorische Nervenkraft, Korrespondenz mit dem Kleinhirn.
2. Blase
3. Niere Uro- Genital- System
4. Keimanlagen Nervengeflecht des Unterleibes
5. Sensibilität der Nerven, Korrespondenz mit dem Großhirn.
6. Gehirnsäftezustand, Reservekraft zur Gehirnleistung.
7. Ausdruck für die Fähigkeit, das Wort in Rede und Schrift, die Sprache zu verinnerlichen.


Auge um Auge
AUGE UM AUGE

Der Wahrheit ins Auge sehen….
Schuppen von den Augen fallen….
Balken im eigenen Auge….
Die Metaphern über das Auge sind zahlreich.
Die Augenfarben sind nicht konstant. In den ersten Lebensmonaten entwickelt sich die Grundfarbe der Augen, die aber im Laufe des Lebens langsame Veränderung zeigen wird.
Farben: Blau, grau, braun, schwarz, grün, rot bei Albinos, bersteingelb, haben viele Varianten und sicher auch Schwingungsgehalt durch die Farbe, der bisher unerforscht ist. Der Volksmund hat zwar seine Bezeichnungen, aber sie sind -fragwürdig.

Das Lebendige, das Lebenslicht strahlt aus den Augen, Freude strahlt und Glück. Leid und Krankheit trüben den Blick, Hass und Lieblosigkeit tun es auch.
Glanz bei Fieber, bei Nervosität, glitzern bei Aggressivität, bei Mordlust. Das Auge spiegelt den Gedanken und die Gefühlsart der Seele, es zeigt den Ausdruck der geistigen Gesinnung.
Das Auge zeigt geistiges Wachstum, denn so lebhaft, wie das Auge blickt, so lebhaft ist der Geist.
Am Auge erkennt man, wie umfassend die Anteilnahme am Leben ist. Pflichttreue und Treue seiner Selbst zeigt der Blick, aber nicht die Augenfarbe an.


Die Stirn das Bewusstseinsinstrument
DIE STIRN DAS BEWUSSTSEINSINSTRUMENT
Die Kraft mit der wir denken
DIE KRAFT MIT DER WIR DENKEN

Aus der Sicht der alten griechischen Philosophen ist der Kopf der Sitz der Seele, oder zumindest eines Teils der Seele. Meist ist hier die Denkseele gemeint, die in ihrer Eigenschaft Bewusstseinsleistungen vollzieht. Eine Bewusstseins-Reflektions-Zentrale.

Der Kopf wurde damit eine Schnittstelle zwischen Seele/Geist und dem Körper. Die Gehirnforschung zeigt uns immer deutlicher, welche Areale bei welcher Denkleistung aktiv sind und wie hochkompliziert die seelischen Bewusstseinsleistungen auf hirnphysiologischer Ebene ablaufen. Über das Limbische System, die hormonproduzierenden Strukturen (wie z.B. dem Hypothalamus) und die Stammhirnvernetzung wird die Seelenerlebnisfähigkeit an den Körper weitergeleitet und körperlich über das Erleben der Gefühle erfahren. Es verbindet die Bewusstwerdung mit körperlicher Reaktion, wozu auch über die Hirnnerven und vegetative Steuerung die Durchblutung des Gesichtes, die Mimik, die Organausdruckszonen gehören.
Wenn sich aus der Empfindung von etwas zunächst Unbekanntem, das Gefühl in der Beziehung zum Unbekannten verstärkt und bündelt, leistet irgendwann der Auftrag des Reizleitungssystems Erregung des limbischen Systems. Alle Sinnesorgane, einschließlich Haut, sind zu dieser Lebenssteuerungszentrale orientiert und diese gibt den Impuls, das denkfähige Großhirn zur Klärung der angekommenen Gefühlserregung zu bringen.
Aus unserer Erfahrung wissen wir, dass wir nicht gleichmäßig Denkkraft verfügbar haben, sondern ermatten, Konzentrationsanstrengungen leisten müssen. Da dies ein Energiefaktor ist, sehen wir diesen an den Augen und an der Zone zwischen ihnen, an der Nasenwurzel.
Entscheidend aber für das Denken und die Interpretation des Denkvermögens ist die Energie, die dieses ermöglicht. Neben der elektromagnetischen Energie sind es die Biophotonen, die den Prozess des Denkens begleiten.
Der Erklärungsversuch, das "Helle Hautareal" als Energiesammelzentrum zu sehen, geht, wie alle energetischen Entsprechungen in der Psycho-Physiognomik auf die Kraft-Richtungs-Ordnung zurück. Die Kraft des Geistes durchstrahlt das ganze Gesicht. Das Gesicht steht über dem Limbischen System mit seinen Sinnesorganen und hier besonders mit seinem Gefühls- und Lebensbezug mit allen Hirnanteilen in einer Korrespondenz, die keine Einbahnstrasse bedeutet.
Das Großhirn ist ein Entwicklungsprodukt der Evolution, welches sich auch heute weiter entwickelt und differenziert. Ebenso wie die Schädelentwicklung über die Jahrtausende in der Evolution eine Entwicklung vollzog und vollzieht. Die Physiognomik betrachtet diese Schädelentwicklung und sieht mit der Schädelkapsel der Frühmenschen bis hin zu der eines idealisierten Zukunftsmenschen eine Anpassung an die Lebensanforderungen, eine lebenswichtige Spezialisierung mit entsprechenden Schwerpunkten in der Veranlagung.

Das Denken
DAS DENKEN
Das Oberhaupt
DAS OBERHAUPT
Auf die Frage, was Urvertrauen ist, hat der Maler, Hans Thoma, in seinen Versen eine feine Erklärung gefunden:

Ich komm, weiß nicht woher,
ich bin und weiß nicht wer,
ich leb`, weiß nicht, wie lang,
ich sterb`, und weiß nicht wann,
ich fahr`, weiß nicht wohin:
mich wundert`s, dass ich so fröhlich bin.

Da mir das Sein so unbekannt,
geb` ich mich ganz in Gottes Hand –
die führt es wohl, so her wie hin.
Mich wundert`s, wenn ich noch traurig bin.


Goethe hat in seinem „Faust“ die vielfältige Leistung des strebenden Menschen teilweise ganz offen, teilweise ganz symbolisiert zum Verständnis bringen wollen.
Dabei ist es ihm gelungen mit der Kraft, die er im hohen Maße besaß und die jeder Mensch entwickeln muss, wenn er in die Tiefe der inneren Welt eindringen will, mit der Helioda, die in der Interpretation durch Integrationskraft deutlich wird, eine Zusammenschau der Kraftanstrengungen zu schaffen.
Alle inneren, geistigen Antriebe kommen am Oberkopf physiognomisch zum Ausdruck. In der Evolution hat der Frühmensch die geistigen Verarbeitungszentren der Unterstirn zum Überleben gebraucht. Er hat die Natur beobachtet und die gewonnenen Einsichten genutzt, um die Wende der Lebensnot, die „Notwendigkeit“ zu finden. Alles, was ihm die große, geheimnisvolle Schöpferkraft noch nicht offenbarte, hat der Frühmensch mit Verehrung betrachtet und daraus Impulskräfte freisetzen können, die aus dem unbewußten Gefühlsgehirn das Wachstum des Großhirns ermöglichten, das wiederum Bewusstseinserweiterung leisten konnte.
Nach mehr als 500 Jahrtausenden menschlicher Existenz haben wir die Leistung zur „Notwende“ ganz anders zu erbringen, aber – so scheint es – es sind immer noch die gleichen Antriebskräfte, in uns und mit uns tätig, nämlich:
Kenntnis zur Erkenntnis,
Beobachtung zur Vorstellung,
Lebenskraft zur Schöpferkraft umzugestalten = Außen- und Innenwelt in den Einklang zu bringen.
Das Denken haben wir als das Ordnen von Vorstellungsbildern begriffen und das, was sich in der Scheitelregion des Menschen vollzieht, ist für die Vorstellungsbilder, die sich fein und differenziert bilden, aus den sensibelsten, inneren Anstößen des Gemüts, des Gefühls, gewachsen.
Die Zusammenhänge werden durch die Leistungen des Mittelhirns deutlich.
In der Scheitelzone sind die Aktivitäten des Gehirns, die mit den dort bezeichneten Arealen übereinstimmen.
Ein Mensch also, der ein feines, hochgewölbtes Oberhaupt hat, dessen höchste Höhe in der Scheitelzone liegt, der dazu noch einen entsprechenden Augenausdruck hat und eine feine Haut, ist immer wieder mit der Klärung der Fragen nach Gott und der Welt befasst und begreift sich als ein damit befasstes Wesen.
Wie kann man das verstehen ?
Die Fragen nach dem Sinn des Daseins werden hier erwogen und führen bei einer entsprechenden Ausprägung des Oberkopfes zum Urvertrauen in das Dasein.
Es wird erkannt, dass das Universum nicht selbstverständlich ist, sondern einen Grund hat, einen Quell des Daseins und Lebens, aus dem alles hervorgeht, eine Kraft, die alles durchwaltet und die hoffen und glauben lässt, dass das Ganze letztlich einen Sinn hat. Daraus wächst das Urvertrauen zum Dasein und zum Gang der Geschichte, in dem sich das Individuum eingebunden erfährt.










Edited by Medical-Manager Wolfgang Timm, Husum-Schobüll