Sonntag, 30. März 2008

WALTER ALISPACH TEIL 3 (HELIODA1)
















WALTER ALISPACH (1908-1998) und WOLFGANG TIMM in Korrespondenz im Jahr 1997. TEIL 3


"HUTER WELTBUND SCHWEIZ"

Als Ergebnis der von Walter Alispach seit März 1933 gehaltenen Vorträge entstand 1934 der erste Huter-Verein in Winterthur, Schweiz. In der weiteren Folge entstanden in einer ganzen Anzahl Schweizer Städte Vereine, die alle Sektionen des am 15. März 1936 gegründeten "Huter Weltbund Schweiz" wurden. Dieser definierte sich als "naturwissenschaftlicher und ethischer Weltverein zur Förderung der Welt- und Menschenkenntnis nach Carl Huters Psycho-Physiognomik und Kallisophie".

Walter Alispach signalisierte damit, dass er sich nach dem Vorbild des von Carl Huter (1861-1912) geleiteten Huterischen Bundes betätigen wollte, dass er sich an Wissenschaft und Ethik orientieren sowie international sein wollte. Den Mitgliedern wurden Lehrkurse und Vorträge geboten, die meistens in einem Hotel stattfanden, so etwa im September 1938 in Aarau im Hotel Helvetia, in Baden im Hotel Falken, usw.


"Die Hochwart"

Die Mitgliederzahl wuchs ständig an. Es entstand das Bedürfnis nach einem schweizerischen Blatt, in dem besonders die Vereinstätigkeit mehr Berücksichtigung erfahren sollte. Dieses Blatt erschien ab September 1938 in Walter Alispachs Helioda-Verlag in Winterthur unter dem Titel "Hochwart- Organ des Huter-Weltbund Schweiz für Menschenkenntnis und Menschenliebe, für Wahrheitsforschung, Schönheitskultur und Menschenbeglückungswerke".

Im Geleitwort schrieb Hans Nisple, der zu dieser Zeit, angeregt durch Walter Alispach, ebenfalls Vorträge veranstaltete: "Wir schätzen alle den geistigen und wissenschaftlichen Wert unserer Zeitschrift, herausgegeben von unserem obersten Leiter, Herrn Amandus Kupfer. Jedoch fehlte unserer Schweizerischen Organisation bis heute das Organ, sowohl die Mitglieder untereinander, wie auch die sonst verstreuten Freunde der Lehre einander menschlich näher zu bringen". Bei dieser Gelegenheit formulierte er neben anderen auch die folgenden Ziele:

1. Alle diplomatichen Fragen sollten mit Hilfe von Menschenkenntnis und nicht durch Waffengewalt und Blutvergießen geläst werden.
2. Die Gesetze sollen nach dem menschlichen Maß reformiert werden, denn viele derselben seien veraltet, brutal, würden aller Menschenliebe entbehren und würden die Menschenrechte nicht beachten.
3. Mit Hilfe der Huterschen Psycho-Physiognomik (Physiognomische Psychologie) sollen alle Völker der Erde und auch alle Parteien und Religionen harmonisiert und solle der wirtschaftliche Ausgleich zwischen Kapital und Arbeit erstrebt werden.

Die erste Nummer erschien im September 1938 und enthielt neben den Geleitworten in erster Linie den Veranstaltungskalender. In guter Übereinstimmmung mit Amandus Kupfer erschien Heft um Heft.

In der Ausgabe März 1939 wurde eine Veranstaltung angezeigt, die das fünfjährige Bestehen des Vereins in Winterthur, mittlerweile eine Sektion des Huterbundes, begehen wollte. Amandus Kupfer nahm an dieser Veranstaltung am 26. März 1939 als Referent teil. Im ganzen Verein mit allen Sektionen wurden die im Verlag von Amandus Kupfer erschienenen Schriften als Lehrmittel eingesetzt. Dieses Vereinsorgan erschien bis im September 1939.

Der Kriegsbeginn, die Mobilmachung und ihre Folgen verhinderten ein weiteres Erscheinen. Erst im September 1940 meldete sich die "Hochwart" wieder zurück und erschien dann wieder regelmäßig bis im August 1941.



Im Juni 1941 erschien die letzte Ausgabe der Zeitschrift "Der gute Menschenkenner" von Amandus Kupfer in Deutschland. Diese war während den Kriegsjahren, ja schon etwa ab 1935 vor allem in der Schweiz vertrieben worden. Sie war das Fachorgan, auf das man nicht gerne verzichten wollte. Walter Alispach gründete deshalb unverzüglich die Zeitschrift "Form und Geist". Die erste Ausgabe erschien im September 1941 im Forat 14x20cm, deutsch und französisch, 16 Seiten. In der ersten Ausgabe erschien auch gleich eine Anzeige, mit der Walter Alispach die Eröffnung des Helioda-Instituts in Zürich bekann gab. Dieses Institut führte er bis zu seinem Tod im Jahre 1998. (Anmerkung Timm: Anfang 1998 telefonierte ich mit der Pflegekraft von Herrn Walter Alispach von Husum aus mit diesem Institut und konnte im Hintergrund Laute vom schwerkranken Walter Alispach hören).








In den Kriegsjahren wurden in der neuen Zeitschrift "Form und Geist" so gut wie ausschließlich Themen zur Huterschen Psycho-Physiognomik behandelt. Neben Walter Alispach schrieben Ernst H. Schoch (Winterthur), P. Weber, Werner Zimmermann, Dr. med. dent. W. E. Hüni (Zürich), Dr. Ed. Schluchter (Graphologe und Psychoanalytiker), Lina Meine (Zürich), Ed. Schreiber (Graphologe, Zürich), Jean Renard, Hans Nisple, W. Schoch, Gustav Attinger (Zürich), Dr. E.A. Fuchs und andere. Im Vordergrund stand das Engagement für die Schwachen in der Gesellschaft.

Diese Zeitschrift trug neben dem Kopf "Form und Geist" (siehe Bild oben) diese Erläuterung: "Blätter für praktische Menschenkenntnis, angewandte Psychologie, Sozialreform und neue Ethik nach Carl Huters Psycho-Physiognomik und Kallisophie".

Sowohl in wissenschaftlicher wie auch in sozialreformerischer Hinsicht ergab sich daraus die Konsequenz, dass Walter Alispach und sein Anhang außerhalb der akademischen Wissenschaft und ebenfalls außerhalb der politischen sozialistischen Bewegung standen, denn die Psycho-Physiognomik war von der akademischen Psychologie nicht anerkannt und die Huterschen Vorschläge zur Sozialreform deckten sich nur teilweise mit den sozialistischen Vorstellungen, weitgehend jedoch nicht, sie waren in den Hauptpunkten absolut nicht vereinbar mit den sozialistischen Ideen eines Marx, Lenin oder Stalin.

Und die in Nazi-Deutschland herrchende Ideologie hatte ja bereits etwa 1935 zu ersten Verboten, dann zur Verbrennung der Huterschen Werke und, zur Zerschlagung der Huter-Bewegung geführt, weswegen Walter Alispach eben die Zeitschrift "Form und Geist" gründete.

Walter Alispach vermied es, sich zwischen 1941 und 1945 gegen die kriegsführenden Parteien bzw. gegen deren Führer in seinen Publikationen direkt kritisch zu äußern. Alispach vermied es, jüdische Personen kritisch zu beschreiben. Er vermied sorgfältig alles, was man als Antisemitismus hätte verstehen können. Dass er dies bewusst und unter Anleitung von Amandus Kupfer tat, daraufhin weist seine Sorgfalt in diesen Belangen.

Direkte kritische Äußerungen über das Dritte Reich in Nazi-Deutschland hätten den nahe Nürnberg lebenden Amandus Kupfer und seine Familie akut in Lebensgefahr gebracht.

Walter Alispachs persönliche Entwicklung ist an den Themen seiner Vorträge nicht zu erkennen. Dass es 1933 notwendig war, da er nirgends mit physiognomischen Vorkenntnissen rechnen konnte, motivierende, allge-meinverständliche Einführungsvorträge und einfache Kurse zu halten, das leuchtet ein.

Eine spürbare Fortentwicklung fand dann statt vor allem in der Zeitschrift "Form und Geist" von 1941 bis 1952. In dieser Zeit traten auch weitere Referenten mit Energie und Kraft auf. So etwa Hermann Bürkler (Sargans), Rudolf Neukom (Bad Ragaz) und Hans Nisple (Zürich).

Wie kein anderer seiner Zeit hat Walter Alispach (1908-1998) auf die Hutersche Psycho-Physiognomik (Physiognomische Psychologie) aufmerksam gemacht. Mit seinen Vorträgen hat Alispach um die 10.000 Menschen und Huterinteressierte angesprochen, mit seiner Zeitschrift und seinen Broschüren hat er wohl über eine Million Menschen für Carl Huters Menschen-beglückungswerke erreicht.

Das Wirken von Walter Alispach war also nicht ohne Erfolge. Es hinterließ die verschiedenartigsten Spuren. Alispach erhielt auch Ehrungen. Wohl als Ergebnis von "Type and charactem" und "Visage et caractere" erhielt er 1961 den Ehrentitel Dr. h.c. der Psychologie von The Minsterial Training College of Sheffield und im gleichen Jahr den Ehrentitel Professor für Morphologie (d.h. Physiognomik) von der Faculte Libre de France Paris.

Bis Ende 1986, Alispach war inzwischen 78 Jahre alt, war dieser mit seinen Vorträgen unterwegs in Frankreich, Belgien, Luxemburg, Deutschland und in der Schweiz.

Ein Krebsleiden hatte sich, bereits deutlich sichtbar, bemerkbar gemacht. Im Januar 1987 hatte er deswegen eine entstellende Gesichtsoperation, der später weitere folgten. Am 17. Juli 1998 erlag er diesem Leiden in Zürich.